Sony WF-1000XM3 im Test: Ausgezeichnete kabellose In-Ears mit 3D-Audio

Frank Hüber
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Sony WF-1000XM3 im Test: Ausgezeichnete kabellose In-Ears mit 3D-Audio

tl;dr: Die kabellosen In-Ear-Kopfhörer Sony WF-1000XM3 bieten einen ausgezeichneten Klang und ein sehr gutes ANC. Selbst 3D-Audio können die kleinen Ohrhörer und die App verfügt über viele weitere Funktionen und Extras. Kein Wireless Charging, keine IP-Zertifizierung und keine völlig frei anpassbare Bedienung sind die Kehrseite.

Im Bereich der kabellosen In-Ear-Kopfhörer ist Sony kein Neuling. Die WF-1000XM3 als Nachfolger der WF-1000X könnten mit aktiver Geräuschunterdrückung (ANC) und zahlreichen Zusatzfunktionen bei einer unverbindlichen Preisempfehlung von 250 Euro und einem Straßenpreis von rund 190 Euro eine sehr gute Wahl sein, sofern sie auch klanglich halten, was sie versprechen. ComputerBase testet die In-Ears von Sony auf Herz und Nieren und lässt sie gegen die Sennheiser Momentum True Wireless 2 (Test) und Apple AirPods Pro (Test) antreten.

Die WF-1000XM3 sind in den Farben Schwarz und Silber erhältlich. Die matte Oberfläche der Ohrhörer und des Ladecases, das vergleichsweise groß ausfällt, verleiht diesen eine edle Anmutung und sehr angenehme Haptik. Das Ladecase bringt es auf Abmessungen von 103,0 × 42,6 × 24,5 mm, womit es für normale Hosentaschen nicht mehr geeignet ist. Das Exemplar der neuen Sennheiser Momentum True Wireless 2 misst 76,8 × 43,8 × 34,7 mm, das Ladecase der Samsung Galaxy Buds+ (Test) kommt auf nur 70,0 × 38,8 × 26,5 mm. Bei den Jabra Elite 75t (Test) misst es 62,4 × 36,6 × 27,0 mm und bei den Apple AirPods Pro (Test) sind es 45,2 ×60,6 × 21,7 mm. Qualitativ überzeugt aber auch das Ladecase der Sony-Modelle, das per USB-C geladen werden muss. Drahtloses Laden unterstützt es nicht. Dafür ist ein NFC-Tag integriert, um die Ohrhörer zu koppeln.

Technische Daten im Vergleich

Sony legt neben dem Ladecase, den Ohrhörern und einem USB-A-auf-USB-C-Ladekabel insgesamt sieben Paar Ohrpassstücke verschiedener Größe bei. Drei Paar erinnern dabei an Memory-Foam-Aufsätze, sind aber nur mit einem Material auf Silikonbasis überzogen, weshalb sie sich nicht so anpassen und zusammendrücken lassen wie klassische Memory-Foam-Aufsätze. Sie sind vor allem deutlich dicker als die vier Paar Silikon-Einsätze.

Die Ohrhörer von Sony sind nicht speziell gegen Staub oder Wasser geschützt und tragen keine IP-Zertifizierung. Sie bei stärkerem Regen zu tragen, unterliegt somit dem eigenen Risiko.

Sony WF-1000XM3
Sony WF-1000XM3
Sony WF-1000XM3
Sony WF-1000XM3

Bis zu 9 Stunden Musik ohne zu laden

Sony gibt die Akkulaufzeit der Ohrhörer mit bis zu 8 Stunden an, wenn keine aktive Geräuschunterdrückung genutzt wird. Das Ladecase lädt beide Ohrhörer drei Mal voll auf, so dass sich die Akkulaufzeit in diesem Fall auf insgesamt 32 Stunden summiert. Nutzt man durchgehend ANC, nennt Sony eine Akkulaufzeit von bis zu 6 Stunden, so dass sich eine Gesamtmusikwiedergabedauer von 24 Stunden ergibt. Im Test hielten die Ohrhörer etwas länger durch, als von Sony angegeben: Bei aktivierter Geräuschunterdrückung waren rund 6,5 Stunden Musikwiedergabe möglich, ohne ANC sogar 9 Stunden.

Eine Schnellladefunktion lädt die Ohrhörer innerhalb von 10 Minuten für eine Wiedergabedauer von rund 1,5 Stunden auf. Das vollständige Aufladen der Ohrhörer dauert rund 1,5 Stunden. Eine LED an der Vorderseite des Ladecases leuchtet rot, solange die Ohrhörer geladen werden. Das Aufladen des Ladecases dauert hingegen etwa 3,5 Stunden. An der Außenseite der Ohrhörer ist eine LED platziert, die den Zustand des Pairings zeigt. Sie blinkt auch bei erfolgreicher Verbindung mit einem Smartphone immer, so dass man in dunklen Umgebungen Aufmerksamkeit auf sich lenkt.

Die Ohrhörer werden wie üblich magnetisch im Ladecase gehalten. Ihr Sitz ist sehr fest und sie rasten sicher an der richtigen Position ein. Die Verarbeitung der Ohrhörer und des Ladecases ist hervorragend.

Bluetooth 5.0 und AAC, aber kein aptX

Technisch setzen die WF-1000XM3 von Sony auf Bluetooth 5.0. Das Audiosignal wird auf beide Ohrhörer gleichzeitig übertragen; diese synchronisieren sich somit nicht mehr untereinander, wie es noch der Vorgänger getan hat. Multi-Connect unterstützen sie nicht, so dass sie nicht gleichzeitig mit mehreren Endgeräten verbunden sein können, um schnell zwischen diesen zu wechseln. Bei den Audio-Codecs wird neben SBC auch AAC geboten, auf den bei Android-Smartphones weit verbreiteten Codec aptX wird jedoch ebenso verzichtet wie auf das hauseigene LDAC.

Bei den Treibern setzt Sony auf eine dynamische 6-mm-Neodymium-Kalotte. Den Frequenzgang gibt das Unternehmen mit den üblichen 20 bis 20.000 Hz an.

TWS-In-Ears und -Earbuds im Vergleich
Sony WF-1000XM3 Sennheiser Momentum True Wireless 2 Samsung Galaxy Buds+ Bose SoundSport Free Jabra Elite 75t Apple AirPods Pro Apple AirPods (2. Gen.) Huawei FreeBuds 3
Akkulaufzeit Ohrhörer 8 h 7 h 11 h 5 h 7,5 h 5 h 5 h 4 h
Akkulaufzeit mit Ladecase 32 h 28 h 22 h 15 h 28 h 24 h 24 h 20 h
Wireless Charging Nein Ja Nein Ja Nein/Ja Ja
ANC Ja Nein Ja Nein Ja
Bluetooth-Standard 5.0 5.1 5.0 4.1 5.0 5.1 LE
Audio-Codecs SBC, AAC SBC, AAC, aptX, aptX LL SBA, AAC, SSC SBC, AAC SBC, AAC SBC, AAC SBC
USB-Typ USB-C Micro-USB USB-C Lightning USB-C
Gewicht je Ohrhörer / nur Ladecase 8,5 / 77 g 6,0 / 58 g 6,3 / 39,6 g 9 / 80 g 5,5 / 35 g 5,5 / 46 g 4 / 40 g 4,5 / 48 g
Zertifizierung Keine IPX4 IPX2 IPX4 IP55 IPX4 Keine Keine
Preis 190 Euro 299 Euro 140 Euro 170 Euro 180 Euro 280 Euro 140 / 170 Euro 145 Euro

DSEE HX im Alltag nicht bedeutend

Die In-Ears unterstützen dafür DSEE HX („Digital Sound Enhancement Engine HX“), mit deren Hilfe digitale, komprimierte Musikstücke um fehlende Musik-Informationen ergänzt werden sollen, so dass diese „fast High-Resolution-Audio-Qualität“ erreichen sollen, so Sony. Im Test ist der Unterschied mit und ohne DSEE HX marginal, ein klarer Vorteil für die digitale Klangverbesserung kann nicht bescheinigt werden.

3D-Audio löst den Klang von den Ohren

Darüber hinaus unterstützen die WF-1000XM3 „360 Reality Sound“, wodurch der Eindruck eines dreidimensionalen Klangbild erzeugt wird, sofern die Audiodateien entsprechend abgemischt wurden. Der Amazon Echo Studio (Test) unterstützt ebenfalls eine solche 3D-Audio-Wiedergabe. Bei den WF-1000XM3 kann „360 Reality Sound“ in Verbindung mit Tidal, Deezer oder nugs.net genutzt werden, jeweils mit den teuren HiFi-Abos. Über die App der Sony-Kopfhörer ist es dem Nutzer möglich, seine Ohren fotografieren und die Analyse der Ohrform in die Berechnung des 3D-Klangs einfließen zu lassen – ähnlich dem Verfahren von Creatives Super X-Fi. Auch auf den WF-1000XM3 ist der Effekt durch 3D-Audio immens, da der Ton tatsächlich aus den Ohren des Hörers in den Raum verlagert wird, wenn der Track gut abgemischt wurde – was nicht bei jedem Titel der Fall ist. Solange nicht alle gängigen Musik-Streamingdienste und Musiktitel diese Formate unterstützen, ist der Nutzen aber noch sehr eingeschränkt, denn die Auswahl ist derzeit noch sehr begrenzt. Ein klares Kaufargument liefert die Technik deshalb noch nicht.

Problemlose Einzelnutzung beider Ohrhörer

Die Ohrhörer schalten sich wie bei TWS-In-Ears automatisch ein und aus, wenn sie aus dem Ladecase genommen oder in dieses zurückgelegt werden. Bei der ersten Entnahme startet zudem automatisch der Kopplungsprozess der Ohrhörer, der später sonst manuell über ein langes Drücken beider Ohrhörer initiiert werden kann. Da die Kommunikation beider Ohrhörer unabhängig voneinander mit dem Smartphone stattfindet, können beide Exemplare auch einzeln genutzt werden. Die Steuerung des genutzten Ohrhörers bleibt dabei unverändert, kann jedoch für diesen einen Ohrhörer auch dann in der App umgestellt werden.

Anpassbare Steuerung mit Limitierungen

Die Steuerung der WF-1000XM3 erfolgt über Touchflächen auf den Ohrhörern. Diese funktioniert in der Praxis gut und reagiert stets wie gewünscht. Ungewollte Eingaben treten trotz Touch selten auf, da die Ohrhörer ausreichend Fläche zum Greifen bieten. Mit herkömmlichen Handschuhen können die Ohrhörer somit nicht bedient werden.

Bei der Auslieferung ist der rechte Ohrhörer für die Wiedergabesteuerung konfiguriert, während der linke die Umgebungsgeräuschsteuerung verantwortet. Konkret bedeutet dies, dass rechts über Antippen die Wiedergabe gestartet und pausiert wird, zweimaliges Tippen einen Track vor-, dreimaliges Antippen einen Track zurückspringt und durch ein langes Drücken der Sprachassistent des verbundenen Geräts aufgerufen wird, sofern verfügbar. Links wird durch Antippen hingegen zwischen der aktiven Rauschunterdrückung und der Durchleitung der Umgebungsgeräusche umgeschaltet oder beide Funktionen deaktiviert. Durch ein Gedrückthalten wird die Funktion „Schnelle Beachtung“ ausgelöst, die die Musikwiedergabe stoppt und die Umgebungsgeräusche durchleitet. In der Praxis ist diese Funktion allerdings wenig sinnvoll, da es immer noch simpler und schneller ist, den Ohrhörer einfach aus dem Ohr zu nehmen, um die Umgebung schnell wahrzunehmen. Die Verstärkung der Umgebungsgeräusche lässt sich in der App anpassen. Auf der höchsten Stufe 20 erhöht sich auch das Grundrauschen, da es ebenfalls verstärkt wird. Bei niedrigeren Stufen ist hingegen kein Rauschen zu hören. Über „Fokus auf Stimme“ lassen sich zudem explizit die Stimmen in der Umgebung verstärken.

Profile statt freier Belegung

Ein Anpassen der Lautstärke über die Ohrhörer ist im Auslieferungszustand somit nicht vorgesehen, aber die Steuerung der Sony-Ohrhörer lässt sich in der App einstellen. Dabei gibt es aber Limitierungen, denn Sony ermöglicht es nicht, einfach frei jede Funktion auf eine Tippfolge zu legen, sondern in der App können lediglich vordefinierte Belegungsprofile gewählt werden. Zwei dieser Profile sind die oben genannte Wiedergabesteuerung und Umgebungsgeräuschsteuerung, die sich somit frei auf einen oder beide Ohrhörer zuweisen lassen. Die weiteren Profile umfassen „Lautstärkeregler“, mit dem durch Antippen die Lautstärke erhöht und durch Gedrückthalten verringert wird, „Google Assistant“ und „Amazon Alexa“ sowie „Nicht zugewiesen“. Die Option, die Lautstärke etwa auf beide Ohrhörer auf die Aktion „Gedrückt halten“ zu legen, bietet die App nicht, obwohl dies als sinnvollste Ergänzung zu der restlichen Bedienung erscheint. Möchte man die Lautstärke über die Ohrhörer regeln, verliert man aktuell aber zwingend eine andere Funktionalität zur Steuerung gänzlich.

Automatisches Pausieren unter iOS und Android

In der App kann darüber hinaus eingestellt werden, ob die Musikwiedergabe automatisch pausieren soll, wenn ein Ohrhörer aus dem Ohr genommen wird. Diese Funktion kann sowohl unter Android als auch iOS genutzt werden. Wenn beide Hörer aus den Ohren genommen werden, schalten sich diese nach fünf Minuten automatisch aus – auch dies lässt sich in der App auf Wunsch aber deaktivieren.

Sehr angenehmer Tragekomfort

Die Sony WF-1000XM3 tragen sich sehr angenehm und entfalten kein störendes Druckgefühl. Die Wahl der richtigen Einsätze ist erneut sehr wichtig, da über sie der meiste Halt entsteht. Was Sony eine „ergonomische Tri-Hold-Struktur“ nennt, bezeichnet drei Berührungspunkte der Ohrhörer mit der Ohrmuschel. Beim Tester werden diese drei Punkte jedoch nicht sicher getroffen, weshalb die Ohrhörer im Alltag zwar fest und gut sitzen, aber sich nicht für ausgiebigen Sport eignen. Dies ist jedoch erneut von der individuellen Passform abhängig.

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