US-Sanktionen: Huawei füllt die Lager mit Prozessoren und Speicher

Nicolas La Rocco 126 Kommentare
US-Sanktionen: Huawei füllt die Lager mit Prozessoren und Speicher
Bild: Intel

Aufgrund neuer US-Sanktionen, die Huawei von wichtigen Lieferanten abschneiden, hat sich das Unternehmen vorsichtshalber massenweise mit Chips von AMD, Intel und Xilinx eingedeckt, um das Geschäft am Laufen zu halten. Auch bei DRAM und NAND kaufte Huawei zuletzt deutlich mehr ein, als benötigt wird – die Rede ist von 50 Prozent.

Wie Nikkei Asian Review unter Verweis auf mehrere Quellen aus dem Unternehmen berichtet, habe Huawei bereits Ende 2018 damit begonnen, vor allem Chips von Intel und Xilinx über den eigentlichen Bedarf hinaus einzukaufen und auf Lager zu legen. Letzte Woche hatte Huawei offengelegt, dass die Investitionen für Chips externer Partner im Jahr 2019 mit umgerechnet rund 21,2 Milliarden Euro 73 Prozent über den Vorjahr lagen. Seit Mai 2019 steht Huawei auf der Entity List der USA und darf von US-Zulieferern erst nach Einzelfreigabe durch die US-Regierung Waren erhalten.

TSMC verliert zweitgrößten Kunden nach Apple

Die Produkte von Intel und Xilinx benötigt Huawei für die Netz- und Cloud-Sparte. Mehr als 34 Prozent des Umsatzes machte Huawei im letzten Jahr mit der für den Mobilfunkausbau mit 5G, LTE und weiteren Technologien verantwortlichen Netzsparte. Von Xilinx bezieht Huawei den eigenen Bedürfnissen anpassbare FPGAs für Basisstationen, die einem Huawei-Mitarbeiter auf Führungsebene zufolge schwer durch andere Hersteller und auch nicht die eigene HiSilicon-Sparte zu ersetzen seien. Weil FPGAs von Xilinx auch beim US-Militär zum Einsatz kommen, soll deren Produktion zwar bei TSMC bleiben, aber in die USA geholt werden. Angesichts aktueller US-Sanktionen wird der Zugriff auf von TSMC produzierte Ware aber ohnehin ab September kaum mehr möglich sein. Dem Chipfertiger geht der zweitgrößte Kunde verloren.

Server-CPUs ohne Support bei Dritten eingekauft

Das zur Enterprise-Sparte zählende Cloud-Geschäft macht bei Huawei zwar nur etwas mehr als 10 Prozent des Umsatzes aus, hat sich über die letzten Jahre aber zu einem wichtigen Standbein entwickelt. Für die eigenen Server ist Huawei auf Intel angewiesen, weshalb auch hier massenweise CPUs auf Lager gelegt wurden. Zu einem kleineren Anteil bezieht Huawei Chips von AMD. Seit Huawei auf der Entity List steht, kann der Konzern keine Prozessoren mehr ohne spezielle Freigabe bei AMD oder Intel einkaufen. Das soll dazu geführt haben, dass Huawei die Ware über lokale Zwischenhändler beziehen oder Zulieferer anderer Komponenten darum bitten muss, die Ware einzukaufen und weiter zu veräußern. Das wiederum resultiere in höheren Preisen und darin, dass Huawei auf Support direkt vom Hersteller und individuelle Anpassungen verzichten muss.

Speicher 50 Prozent über Bedarf eingekauft

Bei DRAM und NAND werden „Lager für die Kriegszeit“ angelegt, sagte eine der anonymen Quellen. Huawei decke sich mit 50 Prozent mehr Ware von Samsung, SK Hynix, Micron und Kioxia ein, als eigentlich benötigt werde. Aus Südkorea wurde am Montag berichtet, dass Huawei mittlerweile von Samsung und SK Hynix Zusicherungen verlange, dass Speicher langfristig nach China geliefert werden könne.

Huawei will sich unabhängig von den USA machen

Mit eigenen Produkten aus der Entwicklung von HiSilicon, darunter die Kungpeng-ARM-CPU oder die KI-Prozessoren der Ascend-Baureihe, will sich Huawei unabhängig von US-Anbietern machen. Im Smartphone ist das mit den Kirin-SoCs bereits erfolgreich gelungen. Mit den zuletzt aber auf Firmen außerhalb der USA erweiterten Restriktionen, die es Unternehmen verbieten, an Huawei zu liefern, sofern bei der Produktion in den USA entwickelte Hardware oder Software zum Einsatz kommt, wie es bei TSMC der Fall ist, haben die USA Huawei die letzten Waffen der Verteidigung genommen. Die chinesische Chip-Fertigung bei SMIC (Semiconductor Manufacturing International Corporation) ist angesichts des technischen Rückstandes noch nicht möglich. Für Huawei geht es nun „ums Überleben“, wie es zuletzt zum Analyst Summit hieß.