Chipfertigung: Intel nennt ein Jahr Verspätung für 7‑nm‑Prozess

Michael Günsch 303 Kommentare
Chipfertigung: Intel nennt ein Jahr Verspätung für 7‑nm‑Prozess

Für das vergangene zweite Quartal 2020 hat Intel starke Geschäftszahlen mit Wachstum in vielen Sparten vorgelegt. Doch zu Höhensprüngen an der Börse führte dies nicht, denn der Ausblick ist durch eine Ankündigung getrübt: Der 7-nm-Herstellungsprozess verzögert sich laut Intel um ein ganzes Jahr.

Zunächst das Positive: Im zweiten Quartal 2020 hat Intel mit 19,7 Milliarden US-Dollar Umsatz das Vorjahresergebnis um 20 Prozent übertroffen. Unterm Strich bleibt ein Gewinn von 5,1 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 22 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal 2019.

Das PC-Geschäft mit Prozessoren für Verbraucher steuerte mit rund 9,5 Milliarden US-Dollar knapp die Hälfte am Gesamtumsatz bei und legte um 7 Prozent zu. Rund 52 Prozent des Umsatzes entfallen auf die Sparte „Data-centric“, die mit Produkten für Server, das Internet of Things und dem Speichergeschäft von Intel gegenüber dem Vorjahr um 34 Prozent wuchs.

Intel verschiebt den 7-nm-Prozess weiter

Für Enttäuschung sorgt aber eine Verspätung im für den Halbleiterhersteller mit eigenen Fabriken wichtigen Zeitplan der Fertigungsprozesse: Das 7-nm-Verfahren soll ein ganzes Jahr später marktreif sein, sodass die ersten Produkte im Consumer-Bereich erst Ende 2022 oder Anfang 2023, also laut Intel sechs Monate später als geplant, den Markt erreichen. Mit ersten 7-nm-Prozessoren für Rechenzentren rechnet Intel für das erste Halbjahr 2023. Mit Bezug auf frühere Aussagen von Intel gehen Branchenbeobachter sogar von einer Verzögerung von mehr als 12 Monaten aus.

Intel nennt Verspätung für 7 nm
Intel nennt Verspätung für 7 nm (Bild: Intel)

Als Ursache nennt Intel-CEO Bob Swan einen Defekt im 7-nm-Verfahren, der zu einer Reduzierung der Chipausbeute (Yields) geführt habe. Hinsichtlich der Ausbeute (Yield) liegt Intel derzeit ein Jahr hinter dem selbst gesteckten Ziel.

Turning to our 7-nanometer technology. We are seeing an approximate six-month shift in our 7-nanometer -based CPU product timing relative to prior expectations. The primary driver is the yield of our 7-nanometer process, which based on recent data, is now trending approximately 12 months behind our internal target. We have identified a defect mode in our 7-nanometer process that resulted in yield degradation.

Bob Swan, CEO von Intel

Auslagerung an andere Fabs wird erwogen

Zwar sei das Problem nun erkannt und wird nicht als grundlegendes Hindernis angesehen, dennoch habe Intel aus den Problemen beim ebenfalls verspäteten 10-nm-Verfahren gelernt und in „Notfallpläne“ investiert, um sich „gegen weitere Unsicherheiten im Zeitplan abzusichern“. Verbesserungen bei der Entwurfsmethodik oder dem Packaging sollen etwa Auswirkungen durch Prozessverzögerungen mindern. Aber auch eine teilweise oder gar vollständige Auslagerung der Herstellung an einen Auftragsfertiger wird erstmals erwogen. So soll das erste 7-nm-GPU-Design (Ponte Vecchio) auch extern gefertigt werden, womit dieses bereits Ende 2021 oder Anfang 2022 erscheinen soll. Welcher Auftragsfertiger diese Aufgabe übernimmt, verriet Intel nicht, doch gilt TSMC als wahrscheinlich.

Tiger Lake erscheint im dritten Quartal

Die im optimierten 10-nm-Verfahren gefertigten Mobilprozessoren der Familie Tiger Lake sollen im laufenden dritten Quartal 2020 erscheinen, kündigte Intel an. Damit ist umso wahrscheinlicher, dass Intels für Anfang September in Aussicht gestellte „große“ Ankündigung der Einführung von Tiger Lake gewidmet ist.

Für Server sollen die Ice Lake-SP in 10 nm zum Jahresende als fertiges Produkt bereitstehen, während der Nachfolger Sapphire Rapids im Laufe der zweiten Jahreshälfte 2021 bemustert werde. Die CPU-Familie Alder Lake, die als Alder Lake-S die ersten 10-nm-Desktop-Prozessoren von Intel bilden, soll ebenso erst im zweiten Halbjahr 2021 erscheinen.

Aktien: Intel verliert, AMD gewinnt

Die Verschiebung des 7-nm-Verfahrens sorgte für Missmut bei den Anlegern, sodass die Intel-Aktie zwischenzeitlich über elf Prozent an Wert verlor. Das Papier des Kontrahenten AMD profitierte wiederum von dem Ausblick auf größere Chancen im Wettbewerb mit Intel und liegt im vorbörslichen Handel rund fünf Prozent im Plus.