Mad Catz F.R.E.Q.4 im Test: Ohren weg!

Michael Schäfer 106 Kommentare
Mad Catz F.R.E.Q.4 im Test: Ohren weg!

tl;dr: Mitte Juni hatte Mad Catz das F.R.E.Q.4 mit einer Reihe von Superlativen vorgestellt. Dass das neue Headset keinen der genannten Punkte erfüllt, liegt an Mängeln in der Verarbeitung, beim Klang, der Mikrofonqualität und vor allem dem Preis, der dem Gebotenen in keinster Weise gerecht wird.

Design und Verarbeitung

Einem Versprechen zufolge will Mad Catz mit dem F.R.E.Q.4 Nutzern einen „unvergleichlichen Komfort“ bieten. Damit lehnt sich der Hersteller bereits weit aus dem Fenster, denn die Realität sieht doch etwas anders aus. Und das Headset mit einem UVP von 60 Euro als robust zu bezeichnen, würde ihm doch zu viel der Ehre zuteilwerden lassen.

Mad Catz F.R.E.Q.4 im Test
Mad Catz F.R.E.Q.4 im Test

Stabil sieht anders aus

Aber der Reihe nach. Schon beim in die Hand nehmen dürfte bei vielen Nutzern das Vertrauen in das Headset auf der Strecke bleiben, denn nicht wenige werden den Begriff „Stabilität“ anders definieren. Das fängt beim Bügel an, der nicht wie in der Preisklasse üblich aus einem meist 2 cm breiten Metallstück, sondern lediglich aus zwei 7 mm breiten Metallstreifen besteht. Das mag dem Probanden ein sportliches Äußeres verleihen, stabil wird er dadurch nicht.

Mad Catz setzt darüber hinaus beim F.R.E.Q.4 mittels aufgehängten Kopfbügels auf eine automatische Größenanpassung, womit der Bügel und die Polsterung jeweils eine separate Einheit bilden. Hier setzt sich die Minusliste fort: So ist das Polster zur Fixierung an beiden Seiten über lediglich zwei 1 mm dünne Metallstreben mit dem restlichen Headset verbunden. Sollte auch nur eine dieser Streben brechen, was bei der Dicke schnell passieren kann, dürfte das Modell nur noch Elektroschrott darstellen. Damit aber noch nicht genug: Die Kabel zu den Ohrmuscheln ragen auf beiden Seiten so weit heraus, dass zu jeder Zeit ein Zeigefinger zwischen diesen und dem Metallbügel passt. Somit sollte beim Transport des Headsets aufgepasst werden, dass mit den besagten Kabeln nirgends hängen geblieben wird, andernfalls würde sich das F.R.E.Q.4 ebenfalls schnell in Elektroschrott verwandeln.

Die automatische Justierung funktioniert beim F.R.E.Q.4 nur selten
Die automatische Justierung funktioniert beim F.R.E.Q.4 nur selten

Wer jetzt meint, schlimmer kann es nicht werden, wird eines Besseren belehrt: So sind die Aufhängungen der Ohrmuscheln, so massiv sie auch durch ihre Breite wirken mögen, komplett aus Kunststoff ohne wirkliche Verstärkungen gefertigt und können somit schnell brechen. Die Folgen sollen an dieser Stelle nicht noch einmal wiederholt werden – es sollte jedem Leser klar sein.

Mad Catz F.R.E.Q. 4 Fnatic React Speedlink Orios Speedlink Quyre Lioncast LX55 Lioncast LX55 USB
Bauform: Over Ear, geschlossen
Treiber: Neodymium, 50 mm Neodymium, 53 mm Neodymium, 40 mm Neodymium, 50 mm Neodymium, 53 mm
Anschlüsse: USB 3,5 mm Klinke USB 3,5 mm Klinke 3,5 mm Klinke, USB
Drahtlose Verbindungen:
Frequenzbereich Kopfhörer: USB: 20 Hz – 20.000 Hz Klinke: 20 Hz – 40.000 Hz USB: 20 Hz – 20.000 Hz Klinke: 20 Hz – 20.000 Hz Klinke: 20 Hz – 20.000 Hz
USB: 20 Hz – 20.000 Hz
Laufzeit bei drahtloser Verbindung:
Entfernung bei drahtloser Verbindung:
Drahtloses Laden: Nein
Bedienelemente am Headset: Nein Ja
Kabelfernbedienung: Ja Nein Ja
Integrierte Soundkarte: Ja Nein Ja Nein Ja
Raumklang: Ja Nein Ja Nein Ja
Frequenzbereich Mikrofon: USB :50 Hz – 12.000 Hz ? USB :100 Hz – 10.000 Hz USB :50 Hz – 10.000 Hz Klinke: 100 Hz – 10.000 Hz Klinke: 100 Hz – 10.000 Hz
USB :100 Hz – 10.000 Hz
Mikrofon Eigenschaften: hochklappbar, stummschaltbar, justierbar abnehmbar, stummschaltbar, justierbar, Popschutz stummschaltbar, justierbar abnehmbar, stummschaltbar, justierbar, Popschutz
RGB-Beleuchtung: Ja Nein Ja Nein Ja
Kühlung:
Vibrationsfunktion: Nein
Gewicht: 320 g 375 g 385 g 305 g 325 g

Negativliste setzt sich fort

Die Ohrmuscheln selbst sind an einer Schraube mit den Aufhängungen verbunden und bieten dadurch kaum Bewegung. Eine Anpassung an die jeweilige Kopf- und Ohrform erfolgt somit ausschließlich über die rund 2 cm dicken, mit Polyurethan-Memory-Schaumstoff gefüllten sowie mit Kunstleder überzogenen und recht weichen Ohrpolster. Die Ohrmuscheln selbst fallen mit einem Durchmesser von 9,5 cm gegenüber der Konkurrenz, die in der Preisklasse teilweise sogar 10,5 cm zu bieten hat, klein aus.

Der Kopfbügel besteht nur aus zwei dünnen Metallstreifen
Der Kopfbügel besteht nur aus zwei dünnen Metallstreifen

Diese lassen in Kombination mit der automatischen Anpassung das Headset bei schnellen Bewegungen nur dürftig sicher auf dem Kopf sitzen, zudem hängen die Ohrmuscheln schon bei einer normalen Kopfgröße weit herunter. Von einem – Achtung, Phrasendrescher – „unvergleichlichen Komfort“ ist das F.R.E.Q.4 somit sehr weit entfernt. Da können auch die seitlich angebrachten Lichtspiele nicht mehr viel herausreißen.

Das Mikrofon ragt bei Verwendung rund 9 cm aus der linken Ohrmuschel heraus und kann auf Wunsch in diese eingeschoben werden. Nahtlos, wie von Mad Catz in der dazugehörigen Pressemitteilung proklamiert, geschieht dies jedoch nicht, rund 1,5 cm sind von dem Klangaufnehmer dann immer noch zu sehen. Durch seine geringe Länge kann dieser aber nicht direkt vor dem Mund platziert werden, sondern verharrt auf Höhe der Wange, was wiederum Einfluss auf die Klangqualität besitzt. Doch dazu später mehr.

Die Ohrpolster übernehmen den größten Teil der Anpassung
Die Ohrpolster übernehmen den größten Teil der Anpassung

Kabelbedienung mit Macken

Bedienelemente sind am Headset selbst keine vorhanden, für die wichtigsten Funktionen Lautstärkeregelung und Mikrofonstummschaltung, aber auch für den 7.1-Raumklang führt das F.R.E.Q.4 eine Kabelfernbedienung, deren Zuverlässigkeit ebenfalls zu wünschen übrig lässt. Wird die Lautstärke zu schnell erhöht oder verringert, kommt das Headset nicht mehr mit und verzögert deutlich. Dadurch kann es schwierig werden, die gewünschte Lautstärke zu treffen. Unangenehm wird es vor allem dann, wenn die Ausgabe plötzlich zu laut wird.

Die Kabelfernbedienung des F.R.E.Q.4 reagiert nur träge
Die Kabelfernbedienung des F.R.E.Q.4 reagiert nur träge

Das 2 m lange Kabel ist fest mit dem Headset verbunden (nein, es wird nicht noch einmal geschrieben), mit einer Gummihülle versehen und dick genug, um auch einmal ein Drüberrollen mit dem Schreibtischstuhl zu überstehen. Das ist aber auch der einzige positive Punkt, der bis hierhin über das F.R.E.Q.4 geschrieben werden kann. Der Anschluss an einen Rechner erfolgt per USB, ein Klinkenstecker zur reinen analogen Verwendung ist nicht vorhanden.

Software

Mad Catz bietet für seine F.R.E.Q.-Reihe kostenlos eine eigene Applikation an, mit der neben der Beleuchtung auch der Pegel für das Mikrofon, der Raumklang sowie die Abtastrate eingestellt werden können soll.

Doch auch bei der Software setzt sich der Negativeindruck fort: Von der Funktionalität sowie dem äußeren Erscheinungsbild her dürfte die Anwendung jede Computer-AG besser hinbekommen, von einer „speziellen Entwicklung“ ist der Hersteller bei dieser erneut sehr weit entfernt. Viele Funktionen sind zwar angedeutet, aber nicht anwählbar. Dazu gehört unter anderem auch ein Equalizer, der in der Preisklasse erwartet werden darf. Die von Mad Catz in der Ankündigung hervorgehobene Abtastrate lässt sich ebenso wenig wie die räumliche Wiedergabe konfigurieren. Bei einem Klick auf die jeweilige Schaltfläche passiert – nichts. Dieses Verhalten ließ sich auf drei verschiedenen Rechnern (1 × Windows 8.1, 2 × Windows 10) reproduzieren.

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