RTX-3070-Custom-Designs im Test: Asus, Gigabyte und MSI mit GA104 im Vergleich

Wolfgang Andermahr 547 Kommentare
RTX-3070-Custom-Designs im Test: Asus, Gigabyte und MSI mit GA104 im Vergleich

tl;dr: Mit der GeForce RTX 3070 bietet Nvidia GeForce-RTX-2080-Ti-Performance für 500 Euro. ComputerBase testet mit Asus RTX 3070 TUF OC, Gigabyte RTX 3070 Gaming OC und MSI RTX 3070 Gaming X Trio OC drei verschiedene Custom-Designs im Wettstreit mit der sehr guten Nvidia Founders Edition.

Custom-Designs von Asus, Gigabyte und MSI im Test

Mit der GeForce RTX 3070 (Test) bringt Nvidia die Performance einer GeForce RTX 2080 Ti in die 500-Euro-Klasse. Das ist ein deutlicher Fortschritt, zudem hat sich die Founders Edition im Test als effizient und auch leise gezeigt. Das Gesamtpaket weiß zu überzeugen, auch wenn es einen Kritikpunkt gibt: Der Speicherausbau ist mit 8 GB gegenüber der GeForce RTX 2070 Super nicht gewachsen, was im Jahr 2020 mit den bevorstehenden Next-Gen-Konsolen als problematisch einzustufen ist.

Ein starker Konkurrent am Horizont

Hinzu kommt eine neue, allem Anschein nach sehr starke Konkurrenz. AMD hat die Radeon RX 6800 vorgestellt, die zwar auf dem Papier teurer ist, aber in Rasterizer-Titeln auch schneller sein soll und 16 GB VRAM bietet. Die Frage, welche der beiden Grafikkarten besser ist, ist aber noch nicht Gegenstand dieses Artikels – das Embargo zur Radeon fällt voraussichtlich erst am 18. November.

ComputerBase hat sich drei verschiedene Custom-Modelle geschnappt und prüft im Test, ob diese die gute Founders Edition übertrumpfen können. Antreten im Vergleich werden die Asus GeForce RTX 3070 TUF OC, die Gigabyte GeForce RTX 3070 Gaming OC und die MSI GeForce RTX 3070 Gaming X Trio OC, die allesamt um dieselbe Kundschaft werben.

GeForce RTX 3070: Custom-Designs von Asus, Gigabyte und MSI im Test
GeForce RTX 3070: Custom-Designs von Asus, Gigabyte und MSI im Test

Asus RTX 3070 TUF ähnelt dem großen Bruder sehr

Die Asus GeForce RTX 3080 TUF OC (Test) war eine durchweg positive Überraschung, denn im Test wusste die Grafikkarte als erstes TUF-Modell überhaupt absolut zu gefallen. Entsprechend sind die Erwartungen an die kleinere GeForce RTX 3070 TUF groß. Asus scheint dabei nichts dem Zufall überlassen zu wollen und setzt auf dasselbe Kühlsystem – wenn auch mit ein paar Abstrichen.

Bei den Lüftern und der Kühlerabdeckung hat es keine Änderungen gegeben. Drei im Durchmesser 85 mm große Axial-Lüfter sorgen für die Frischluft und die Haptik sowie Optik der Grafikkarte wirken hochwertig. Beim 2,7-Slot-Kühlkörper gibt es jedoch einige Unterschiede. So besitzt die GeForce RTX 3070 TUF OC drei kleinere anstatt zwei größere Kühlkörper, die an sich aber gleich aufgebaut sind. Zudem gibt es nur 5 statt 6 Heatpipes. Das reduziert das Gewicht der Grafikkarte um etwa 250 Gramm.

2 BIOS-Versionen für einen leiseren Betrieb

Asus gibt den Boost-Takt der GeForce RTX 3070 TUF OC mit 1.815 MHz an, wer den OC-Mode im Asus-eigenen Tool GPUTweak II aktiviert, erhält 1.845 MHz. Damit ist die Grafikkarte um 90 MHz beziehungsweise 120 MHz übertaktet. Der 8 GB große GDDR6-Speicher wird mit den gewöhnlichen 7.000 MHz angesteuert. Mittels beschrifteten Schalter lassen sich zwei verschiedene BIOS-Versionen aktivieren. Werksseitig ist das Performance-BIOS aktiv, alternativ gibt es ein Quiet-BIOS. Letzteres arbeitet mit geringeren Lüfterdrehzahlen, weitere Unterschiede gibt es bei den Software-Versionen nicht.

Bildvergleich: Die Asus GeForce RTX 3070 TUF Gaming OC Die Nvidia GeForce RTX 3070 Founders Edition

Asus lässt die GeForce RTX 3070 TUF OC mit maximal 240 Watt arbeiten, 20 Watt mehr als Nvidias Referenzvorgaben vorsehen. Falls gewünscht, lässt sich das Power Limit auf 270 Watt erhöhen. Zwei Acht-Pin-Stromstecker sind für den Betrieb notwendig. Die GeForce RTX 3070 TUF OC bietet eine RGB-Beleuchtung, die mit dem beleuchteten TUF-Logo zwar zurückhaltend, aber durchaus schick umgesetzt ist. Monitore können über drei DisplayPort-1.4- und zwei HDMI-2.1-Anschlüsse angeschlossen werden.

Gewicht der GeForce-RTX-3070-Grafikkarten
Angabe in Gramm
Asus GeForce RTX 3070 TUF OC 1.118 g
Gigabyte GeForce RTX 3070 Gaming OC 970 g
MSI GeForce RTX 3070 Gaming X 1.445 g
Nvidia GeForce RTX 3070 Founders Edition 1.034 g

Die Gigabyte GeForce RTX 3070 Gaming OC setzt auf Altbewährtes

Gigabyte hat die GeForce RTX 3070 Gaming OC ins Rennen geschickt. Anders als die Konkurrenten von Asus und MSI bleibt die neueste Kühlerentwicklung bei diesem Modell außen vor, Gigabyte setzt stattdessen auf ein vertrautes Exemplar. Denn den WindForce-3X-Kühler gab es so auch schon auf den Turing-Modellen und lieferte dort ordentliche Ergebnisse.

Der 2,5-Slot hohe Kühler besteht aus drei verschiedenen Alu-Kühlern, die mittels 5 Heatpipes miteinander verbunden sind. Die Kühlfläche ist insgesamt geringer als bei den zwei anderen Probanden, entsprechend fällt das Gewicht der Grafikkarte auch mehr als 100 Gramm niedriger aus. Drei im Durchmesser 80 mm große Axial-Lüfter sind für die Luftzufuhr zuständig.

Das Standard-Power-Limit ist zugleich das Maximum

Gigabyte gibt bei der GeForce RTX 3070 Gaming OC einen Boost-Takt von 1.815 MHz vor und damit 90 MHz mehr als Nvidias Spezifikationen für die Grafikkarte vorsehen. Der 8 GB große GDDR6-Speicher wird mit den normalen 7.000 MHz angesteuert. Auf der Grafikkarte gibt es ein zweites BIOS, das bezüglich der Lüftersteuerung minimal anders konfiguriert ist. Jedoch sind die Unterschiede zum Standard-BIOS zu gering, weshalb auf die Alternativ-Software im Test nicht weiter eingegangen wird.

Bildvergleich: Die Gigabyte GeForce RTX 3070 Gaming OC Die Nvidia GeForce RTX 3070 Founders Edition

Die GeForce RTX 3070 von Gigabyte bietet ein Power Limit von 270 Watt, was zugleich das Maximum darstellt. Manuell lässt sich die TDP also nicht weiter anheben. Das sind 50 Watt mehr als die Nvidia GeForce RTX 3070 Founders Edition. Ein 6-Pin- sowie ein 8-Pin-Stromstecker müssen verbunden werden. Die Grafikkarte bietet RGB, mehr als ein kleiner Gigabyte-Schriftzug leuchtet aber nicht. Monitore können mit je zwei DisplayPort-1.4-DSC- und HDMI-2.1-Ausgängen angesteuert werden.

Auch die MSI RTX 3070 Gaming X ähnelt dem großen Bruder

Nicht nur Asus, auch MSI orientiert sich bei der GeForce RTX 3070 Gaming X Trio OC an dem Derivat der GeForce RTX 3080. Und auch bei MSI kann dies nur Gutes bedeuten, denn die GeForce RTX 3080 Gaming X wusste zu überzeugen. Optisch sind die zwei Grafikkarten daher kaum auseinander zu halten. Das hat zur Folge, dass der Kühler trotz der hohen Qualität optisch und haptisch aufgrund des vielen Plastiks eher „billig“ wirkt – ohne aber in irgendeiner Form billig zu sein.

Denn auch die GeForce RTX 3070 Gaming X Trio setzt auf den 2,7 Slot hohen Tri-Frozr-2-Kühler, der mit 3 im Durchmesser 90 mm großen Axial-Lüftern antritt. Aber auch MSI setzt bei der RTX 3070 auf eine andere Aufteilung der Kühlkörper. Es gibt nicht mehr zwei große, sondern drei kleinere Kühlblöcke, die über der GA104-GPU und der Stromversorgung angebracht sind. Bei den 6 Heatpipes der größeren Karte ist es jedoch geblieben und auch beim Kühlkörper selbst fallen die Reduzierungen gegenüber der großen Version kleiner als bei Asus aus. Entsprechend ist die Grafikkarte auch nur rund 100 Gramm leichter.

MSI setzt bei der GeForce RTX 3070 Gaming X Trio auf einen Boost-Takt von 1.830 MHZ, 105 MHz mehr als bei Nvidias Founders Edition. Der 8 GB große GDDR6-Speicher arbeitet mit den normalen 7.000 MHz. Auf ein zweites BIOS verzichtet der Hersteller gänzlich, auch wenn die dafür vorgesehene Position auf der Platine sogar eingezeichnet ist.

Bildvergleich: Die MSI GeForce RTX 3070 Gaming OC Trio X Die Nvidia GeForce RTX 3070 Founders Edition

MSI setzt für die Grafikkarte eine maximale Leistung von 240 Watt fest, 20 Watt mehr als ein Standard-Modell. Das Power-Limit lässt sich auf maximal 250 Watt erhöhen. Für den Betrieb sind entsprechend zwei 8-Pin-Stromstecker vorgesehen. MSI bietet bei der GeForce RTX 3070 Gaming X Trio eine ausgewachsene RGB-Beleuchtung, die qualitativ aber nicht überzeugen kann. Die in einer Lichtleiste befindlichen 6 LEDs sind deutlich auszumachen, zudem sind diese ungleichmäßig platziert. Monitore kann die Grafikkarte über drei DisplayPort-1.4-DSC- und einen HDMI-2.1-Ausgang ansteuern.

Merkmal Asus RTX 3070
TUF OC
Gigabyte RTX 3070
Gaming OC
MSI RTX 3070
Gaming X Trio
Karte PCB-Design Asus Gigabyte MSI
Länge, Breite 30,0 cm, 14,0 cm 29,0 cm, 11,5 cm 32,5 cm, 14,0 cm
Stromversorgung 2 × 8-Pin 1 × 6-Pin
1 × 8-Pin
2 × 8-Pin
Spannungswandlerkreise 7 8 9
Kühler Design TUF, 2,7 Slots WindForce 3X, 2,5 Slots Tri Frozr II, 2,7 Slots
Kühlkörper Alu-Kern/Radiator
Lüfter 3 × 85 mm (axial) 3 × 80 mm (axial) 3 × 90 mm (axial)
Lüfter abgeschaltet (2D) Ja
Anlaufdrehzahl 950 Umdrehungen 1.100 Umdrehungen 950 Umdrehungen
Takt
(Stromsparmodus)
GPU-Basis 1.500 (210) MHz
GPU-Durchschnitt 1.815 MHz 1.815 MHz 1.830 MHz
GPU-Maximum 2.010 MHz 2.025 MHz 2.025 MHz
Speicher 7.000 (405) MHz
Speichergröße 8 GB GDDR6
Leistungsaufnahme Standard TDP 240 Watt 270 Watt 240 Watt
Maximale TDP 270 Watt 270 Watt 250 Watt
Anschlüsse 3 x DisplayPort 1.4 DSC
2 x HDMI 2.1
2 x DisplayPort 1.4 DSC
2 x HDMI 2.1
3 x DisplayPort 1.4 DSC
1 x HDMI 2.1

Die Taktraten unter Last

Die Gigabyte GeForce RTX 3070 Gaming OC zeigt in Spielen den höchsten Takt von den drei Testkandidaten. Mit maximal 1.980 MHz kann die Grafikkarte bei hohen Temperaturen maximal arbeiten, wenn das Power Limit nicht eingreift. Das hält die Grafikkarte auch in Horizon Zero Dawn sowie Shadow of the Tomb Raider und muss in den drei anderen Spielen nur leicht heruntertakten. In Doom Eternal sowie Gears Tactics liegen zum Beispiel noch 1.935 bis 1.965 MHz an. Je nach Spiel ist der Takt damit 15 bis 120 MHz höher als bei Nvidias Founders Edition.

Die MSI GeForce RTX 3070 Gaming X Trio kommt auf den „zweiten Platz der Taktraten“. Die maximal möglichen 1.995 MHz zeigen sich in Spielen teilweise, durchweg halten kann die Grafikkarte die Frequenz aber nicht. Die Taktraten liegen meistens etwas unter dem Niveau der Gigabyte-Karte, was im geringeren Power Limit begründet ist. Gegenüber der Founders Edition ist der Takt 30 bis 90 MHz höher.

Ungewöhnlich: Asus lässt es am ruhigsten angehen

Die Asus GeForce RTX 3070 TUF muss sich mit dem dritten Platz zufrieden geben. 1.980 MHz sind maximal möglich, die auch in einem Fall kurzzeitig erreicht werden. Generell sind die Taktraten trotz gleichem Power Limits etwas niedriger als auf der MSI-Karte, die offenbar etwas effizienter arbeitet. Groß sind die Unterschiede aber nicht. Gegenüber Nvidias Founders Edition sind die Frequenzen um 15 bis 60 MHz höher.

Die tatsächlichen Taktraten im Phanteks Enthoo Evolv X
Spiel (1.920 × 1.080) Nvidia Founders Edition Asus TUF Gigabyte Gaming OC MSI Gaming X
Doom Eternal 1.815–1.890 MHz [PT] 1.845-1.950 MHz [PT] 1.935-1.965 MHz [PT] 1.905-1.935 MHz [PT]
F1 2020 1.860–1.920 MHz [PT] 1.890-1.950 MHz [PT] 1.950-1.980 MHz [PT] 1.905-1.965 MHz [PT]
Gears Tactics 1.845–1.875 MHz [PT] 1.875-1.920 MHz [PT] 1.935-1.965 MHz [PT] 1.905-1.935 MHz [PT]
Horizon Zero Dawn 1.920–1.965 MHz [PT] 1.965-1.980 MHz [PT] 1.980 MHz 1.980-1.995 MHz [PT]
Shadow of the Tomb Raider 1.905–1.935 MHz [PT] 1.920-1.965 MHz [PT] 1.980 MHz 1.965-1.995 MHz [PT]

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