AV-Receiver: HDMI 2.1 Bug macht Probleme mit Xbox Series X & RTX 3000

Nicolas La Rocco
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AV-Receiver: HDMI 2.1 Bug macht Probleme mit Xbox Series X & RTX 3000
Bild: Denon

Mit der Markteinführung der Xbox Series X und GeForce RTX 3000 zieht HDMI 2.1 auf breiter Front in deutsche Wohnzimmer ein – dort potenziell auch betrieben an neuen AV‑Receivern mit HDMI 2.1. Wie die c’t in ihrer aktuellen Ausgabe berichtet, seien die neuen HDMI-Chips jedoch fehlerhaft und können auch nicht aktualisiert werden.

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HDMI 2.1 mit bis zu 48 Gbit/s macht es möglich, Bildsignale in bis zu 4K mit bis zu 120 Hz oder in 8K mit bis zu 60 Hz zu übertragen, beides auf Wunsch auch mit HDR und ohne Farbunterabtastung. Damit das funktioniert, muss die gesamte Kette fehlerfrei HDMI 2.1 unterstützen, also Spielkonsole oder Grafikkarte, AV-Receiver und Fernseher.

Bei den aktuellen AV-Receivern von Denon, Marantz und Yamaha soll aber genau das nicht der Fall sein. Ein Bug im HDMI-2.1-Chip des Zulieferers Panasonic Solutions soll dafür verantwortlich sein, dass sich das Bildsignal nicht fehlerfrei an den Fernseher übertragen lässt. Der Bildschirm bleibe dann schwarz, berichtet die c't in der Ausgabe 23/2020 (Paywall). Auch AV-Receiver, die sich noch in der Entwicklung befinden, darunter die Aventage-Modelle von Yamaha, sollen von der Panne betroffen sein. Onkyo und Pioneer sowie Sony sollen die fehlerhaften Chips ebenfalls eingekauft haben.

Fernseher bleibt bei 4K120 mit HDR schwarz

Beobachtet wurde das Verhalten bei der Nutzung eines Vorserienmodells der Xbox Series X, die laut Microsoft jedoch finaler Hardware entsprechen soll, und bei Verwendung einer GeForce RTX 3080. In beiden Fällen sollte ein Bildsignal in 4K120 mit HDR übertragen werden. Konsole und Grafikkarte nahmen bei der Übertragung an einen LG CX9 den Umweg über einen AV-Receiver des Typs Denon AVR-X2700H, der einen HDMI-2.1-Eingang bietet. Ohne den AV-Receiver soll das Problem nicht mehr aufgetreten sein. Der c't liegen Informationen vor, wonach das Problem mit einer PlayStation 5 nicht auftreten soll, verifiziert werden konnte dies aber noch nicht.

Von Branchen-Insidern heißt es, dem Zulieferer Panasonic Solutions sei ein Fehler bei der Implementierung der mit HDMI 2.1 eingeführten Übertragungsvariante „Fixed Rate Link“ (FRL) unterlaufen, der sich auch nicht über ein Firmware-Update beheben ließe. FRL löst bei HDMI 2.1 das ältere TMDS (Transition-Minimized Differential Signaling) ab und erlaubt eine höhere Bandbreite von 48 Gbit/s sowie eine Kompression für entweder niedrigere Übertragungsraten oder noch höhere Auflösungen wie etwa 10K120. TMDS bleibt für die Abwärtskompatibilität zu älteren Endgeräten jedoch in HDMI 2.1 enthalten.

Die Auslieferung fehlerfreier Ersatz-Chips für AV-Receiver sei bei einigen Modellen voraussichtlich nicht vor Mitte des kommenden Jahres zu erwarten, berichtet die c't.

Update 24.10.2020 19:07 Uhr

Das Team von Grobi.TV konnte die Problematik mit einer Kette aus GeForce RTX 3080, Marantz SR7015 und OLED-TV aus LGs CX-Baureihe mit 4K120 und HDR nachstellen. Ohne HDR gab es in 4K120 jedoch keine Probleme beim Durchschleifen und der Darstellung auf dem Fernseher. Deshalb ist der Verzicht auf HDR ein möglicher temporärer Lösungsweg, allerdings geht es auch ohne diesen Verzicht, indem der Gaming-PC oder die Spielkonsole direkt an den Fernseher angeschlossen wird und dann über eARC das Audiosignal zurück in den AV-Receiver geleitet wird.

Unterdessen hat sich Sound United, der Konzern hinter Denon und Marantz, gegenüber Audioholics geäußert und spricht von einer Inkompatibilität der HDMI-Chipsätze in den Geräten. Es könne zu Bildausfällen beim Anschluss der betroffenen Systeme an den 8K-Eingang (HDMI 2.1) des AV-Receivers kommen. Sound United untersuche den Sachverhalt und arbeite an einer permanenten Lösung, weitere Details dazu sind aber noch nicht bekannt. Im Heimkino-Bereich auf Reddit heißt es zudem, das Problem sei spezifisch für GeForce RTX 3000 und Xbox Series X, da die PlayStation 5 bei Fixed Rate Link eine andere Form der Datenübertragung nutze, die wiederum korrekt in den HDMI-Chips der AV-Receiver implementiert sei, während dies bei der Methode von Nvidia und Microsoft nicht der Fall sei.

ComputerBase steht seit Freitag mit Sound United in Deutschland in Kontakt, mit einer offiziellen Stellungnahme und weiteren Details zur Problemlösung ist aber nicht vor Anfang bis Mitte kommender Woche zu rechnen.

Update 27.10.2020 18:08 Uhr

Von Sound United Deutschland steht nun ebenfalls eine Stellungnahme zur Verfügung, die im Wortlaut aber der englischen Stellungnahme entspricht, die zuvor über Audioholics veröffentlicht wurde. Sound United will den Kunden zu einem späteren Zeitpunkt eine dauerhafte Lösung anbieten und schlägt für die Zwischenzeit zwei temporäre Problemlösungen vor, um die Bildausgabe nicht zu stören.

Einige neue Gaming-Quellgeräte, die eine 4K/120Hz-Ausgabe unterstützen, funktionieren möglicherweise nicht vollständig mit 8K-fähigen AV-Receivern und -Verstärkern von Denon (oder Marantz). Hierbei kommt es zu einer Inkompatibilität zwischen den Geräten aufgrund einer fehlerhaften Anpassung der HDMI-Chipsätze. Wenn das betroffene Gaming-System über den 8K-HDMI-Eingang an den AVR angeschlossen ist, ein Signal in 4K/120Hz ausgibt und die 4K-Signalformat-Option des AVRs auf "8K Erweitert" gesetzt ist, wird möglicherweise kein Bild auf dem Bildschirm angezeigt und kein Ton durch den AV-Receiver verarbeitet. Diese Fehlfunktion tritt nur dann auf, wenn ein Bildschirm verwendet wird, der 4K/120Hz unterstützt.

Wir analysieren die Situation derzeit im Detail und werden zu einem späteren Zeitpunkt eine dauerhafte Lösung präsentieren. In der Zwischenzeit möchten wir Nutzern einige Workarounds anbieten, um das Problem mit den Produkten in ihrem gegenwärtigen Zustand zu verhindern:

  • Sie können das Gaming-System direkt über HDMI an den Bildschirm anschließen und die ARC/eARC-Funktionalität des Bildschirms nutzen, um den nativen Ton über das angeschlossene HDMI-Kabel zwischen AVR und Bildschirm zurück zum AVR zu leiten. Auf diese Weise können Anwender das von der Quelle gesendete native Audioformat dekodieren. Bei dieser Methode muss die CEC/ARC-Option des Displays sowie die HDMI-Steuerung des AVRs und/oder die ARC-Option des AVRs aktiviert sein. Im AV Receiver befindet sich diese Option innerhalb des Menüs unter "Video – HDMI-Konfig.".
  • Eine weitere Möglichkeit besteht darin, den Videoausgang der Quelle auf 4K/60Hz anstatt 4K/120Hz zu belassen oder zu ändern, bis eine dauerhafte Lösung verfügbar ist. Dadurch wird eine zuverlässige Kommunikation zwischen der Quelle, dem AVR und dem Bildschirm gewährleistet. Die Standardeinstellung der Quelle ist auf eine Ausgabe von 4K/60Hz eingestellt. Wenn also von Anfang an keine Änderung vorgenommen wurde, muss nichts weiter unternommen werden.

Wir entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten und arbeiten derzeit unermüdlich an einer dauerhaften Lösung, damit Sie auch 4K/120Hz mit den neuesten Quellen in der gewohnten Qualität mit Ihrem AVR genießen können. Vielen Dank für Ihre Geduld.

Sound United
Update 30.10.2020 11:40 Uhr

Gegenüber Forbes hat nun auch Yamaha eingestanden, dass es bei ausgewählten AV-Receivern zu der Problematik mit 4K120 und HDR kommen könnte. Betroffen sind demnach die Modelle RX-V6A, RX-V4A, TSR-700 und TSR-400.

Wie Yamaha aber in der Stellungnahme erklärt, sei die Unterstützung der neuartigen Formate schon zur Vorstellung der AV-Receiver ohnehin erst mit einem künftigen Firmware-Update vorgesehen gewesen. Auf der deutschen Produktseite etwa zum RX-V6A steht eindeutig, dass HDR10+, 8K/60 Hz und 4K/120 Hz, Gaming-Features (ALLM, VRR, QMS, QFT) und der „HDMI-Mehrfacheingang mit aktueller Technologie“ erst per Firmware-Update nachgereicht werden sollen.

Die Problematik des Durchschleifens der neuen Signale will Yamaha als Teil des künftigen Firmware-Updates inklusive einer permanenten Lösung beseitigen.