VATM-Breitbandstudie: Gigabit-Anschlüsse für 62 Prozent der Haushalte

Andreas Frischholz 183 Kommentare
VATM-Breitbandstudie: Gigabit-Anschlüsse für 62 Prozent der Haushalte
Bild: Norlando Pobre | CC BY 2.0

62 Prozent der deutschen Haushalte sollen bis Ende 2020 einen Gigabit-Anschluss buchen können, besagt die aktuelle VATM-Breitbandstudie. Das ist ein Plus um 56 Prozent. Vorangetrieben wird der Markt vor allem von den Kabelnetzbetreibern, der Ausbau von direkten Glasfaseranschlüssen (FTTB/H) wächst aber ebenfalls.

Die TK-Marktstudie 2020 hat die Beratungsfirma Dialog Consult im Auftrag des alternativen Provider-Verband VATM erstellt. Die Ergebnisse sind in der Regel die Schätzungen für das Jahresende 2020.

Gigabitausbau: Es geht voran

So sollen bis Ende 2020 gut 5,1 Millionen Haushalte mit einem direkten FTTB/H-Anschluss versorgt sein – das ist ein Wachstum um mehr als 1 Millionen Anschlüsse binnen eines Jahres. Für den Studienautor Prof. Torsten J. Gerpott ist das ein gutes Zeichen. Er denkt ohnehin, dass sich der Ausbau nicht so einfach weiter beschleunigen lässt. „Ich glaube, dass genug Geld im Markt ist“, so Gerpott. Das Problem wären die Tiefbaukapazitäten, die für den Glasfaserausbau nötig sind. Hier müsse die Politik ansetzen.

Dominierend bei den Gigabit-Anschlüssen bleiben in Deutschland daher die Kabelnetzbetreiber, die mit DOCSIS 3.1 entsprechende Bandbreiten erreichen. So können mittlerweile rund 23,7 Millionen Haushalte einen Gigabit-Anschluss über das Kabelnetz buchen. Beim DOCSIS-3.1- und Glasfaserausbau gibt es zwar Überlappungen, insgesamt sind es aber rund 25,7 Millionen Haushalte, die bis Ende 2020 an das Gigabit-Netz angebunden sind. Angesichts der knapp 42 Millionen Haushalte in Deutschland entspricht das einem Anteil von rund 62 Prozent.

Auch der Anteil der Nutzer entsprechender Anschlüsse wächst – selbst wenn diese mit Blick auf den Gesamtmarkt weiterhin eher eine Nische darstellen. So sollen etwa knapp 1,9 Millionen Haushalte bis Ende 2020 einen FTTB/H-Anschluss nutzen. Davon entfallen rund 360.000 auf die Telekom und 1,5 Millionen auf die Wettbewerber. Generell geht der Trend zu höheren Geschwindigkeiten. „Dazu hat auch die Corona-Pandemie mit Homeoffice, Homeschooling und Freizeitnutzungen zu Hause beigetragen“, sagt Gerpott.

VATM-Marktstudie: Nachfrage nach Breitbandanschlüssen
VATM-Marktstudie: Nachfrage nach Breitbandanschlüssen (Bild: VATM)

Von den knapp 42 Millionen Haushalten in Deutschland haben der Studie nach 36,2 Millionen bis Ende 2020 einen Breitbandanschluss. Und acht Prozent dieser Breitbandkunden buchen einen Anschluss, der mehr als 250 Mbit/s bietet – 2019 waren es noch 3,7 Prozent. Die meisten Kunden finden sich derzeit in der Breitbandklasse von 50 bis 250 Mbit/s, der Marktanteil beträgt 38,7 Prozent.

Das benötigte Datenvolumen steigt

Im Mobilfunk-Geschäft ist der Markt derweil ausgeglichen. Bei der Anzahl der aktiven SIM-Karten liegt Vodafone mit 36,0 Prozent vorne, die Telekom folgt auf Rang 2 mit 32,5 Prozent und die Telefónica-Tochter O2 folgt auf Rang 3 mit 31,5 Prozent. Persönliche SIM-Karten kommen dabei auf einen Anteil von 73,7 Prozent – und davon sind mittlerweile 4,2 Prozent 5G-fähig. Bei den Umsätzen liegt derweil die Telekom mit 31,7 Prozent auf Rang 1. Es folgen O2 (25,5 Prozent) und Vodafone (19,3 Prozent). 1&1 Drillisch als künftig vierter 5G-Netzbetreiber hat derzeit noch einen Marktanteil von 8,9 Prozent.

Was ebenso wächst, ist das verbrauchte Datenvolumen. Im Mobilfunk übertragen die Nutzer 2020 insgesamt rund 5,2 Milliarden GB – das bedeutet eine Steigerung von 52,9 Prozent. Im Festnetz werden in diesem Jahr insgesamt 72 Milliarden Gigabyte (GB) verschickt oder heruntergeladen – das bedeutet eine Steigerung um 28,6 Prozent im Vergleich zu 2019. Das durchschnittliche Datenvolumen pro Anschluss und Monat beträgt 168,1 Gigabyte – ein Plus von 25 Prozent.

Die Wachstumsrate beim Datenvolumen sticht im Vergleich zu den Vorjahren damit nicht hervor. Ein Corona-Effekt lasse sich bei der Datennutzung pro Anschluss nicht erkennen, so Gerpott. Nichtsdestoweniger zeigt sich der VATM angesichts der Ausgangslage zufrieden. „Wir haben diese außergewöhnliche Herausforderung gemeistert, unsere Netze sind stabil“, so VATM-Präsident Martin Witt. Die im Frühjahr befürchteten Überlastungen sind ausgeblieben.

Forderung nach nachhaltiger Förderung

Politisch geht es wie schon in den letzten Jahren um das passende Förderregime – es steht also die Frage im Raum, wie der Staat den Breitbandausbau am besten finanziell unterstützt. Die von der EU-Kommission kürzlich gestattete „Graue-Flecken“-Regelung sieht der VATM kritisch. Die besagt, dass die Bundesregierung den Ausbau auch in solchen Regionen fördern kann, die bereits mit mindestens 30 Mbit/s versorgt sind, aber noch über keine Gigabit-Anbindung verfügen.

Wir brauchen eine sinnvolle Struktur, die von den Kommunen, den TK-Unternehmen, insbesondere aber auch von den Tiefbauunternehmen bewältigt werden kann“, so VATM-Präsident Witt. Bei der „Grauen-Flecken“-Förderung habe er daher Bedenken. Es bestehe die Gefahr, dass „Milliarden von Steuergeldern nicht bedarfsgerecht den Ausbau voranbringen, sondern ihn verteuern und sogar wieder verlangsamen“.

Derweil verweist der VATM auf die privaten Investitionen in die Netze. Der Studie nach sollen die Netzbetreiber in diesem Jahr insgesamt 9,7 Milliarden Euro für den Ausbau zahlen. Das wären die höchsten Investitionen seit 19 Jahren. 4,4 Milliarden Euro stammen dabei von der Telekom, auf die Wettbewerber entfallen 5,3 Milliarden Euro.