GeForce RTX 3090 Strix OC im Test: So gut ist der neue ROG-Kühler von Asus

Wolfgang Andermahr 274 Kommentare
GeForce RTX 3090 Strix OC im Test: So gut ist der neue ROG-Kühler von Asus

tl;dr: Asus hat nicht nur den TUF-, sondern auch den ROG-Strix-Kühler bei der GeForce-RTX-3000-Serie gründlich überarbeitet. Der Test mit der Asus ROG GeForce RTX 3090 Strix OC zeigt: Asus hat den Kühler verbessert, aber einen neuen Benchmark setzt er lediglich bei der RGB-Beleuchtung.

Die Asus ROG GeForce RTX 3090 Strix OC im Test

Mit der GeForce RTX 3080 TUF (Test) hat Asus eine echte Überraschung hingelegt. Die TUF-Serie überzeugte im Grafikkarten-Segment bis dato nicht mit Qualität, der neu entwickelte TUF-Kühler der GeForce-RTX-3000-Serie präsentierte sich hingegen als leise und leistungsstark zugleich. Die Messlatte für die ROG-Strix-Serie hängt damit so hoch wie nie. Ob es der Flaggschiff-Serie dennoch gelingt, auch mit dem Kühler drüber zu springen, klärt der Test des offiziell 1.659 Euro teuren Flaggschiffes Asus GeForce RTX 3090 Strix OC.

Asus hat sich mit der GeForce RTX 3090 Strix OC ein paar Tage mehr Zeit als die meisten anderen Hersteller gelassen, um die versammelte Konkurrenz abzuhängen. Um das zu erreichen, kommt die Strix mit einem gegenüber der TUF nochmal modifizierten Kühler daher. Darüber hinaus gibt es ein deutlich höheres maximales Power-Limit und eine ausgewachsene RGB-Beleuchtung. Ob das reicht, um die starke Konkurrenz in Form der MSI GeForce RTX 3090 Gaming X Trio (Test) zu schlagen, zeigt sich in den nächsten Abschnitten.

Asus RTX 3090 Strix OC (links) gegen MSI RTX 3090 Gaming X (rechts)
Asus RTX 3090 Strix OC (links) gegen MSI RTX 3090 Gaming X (rechts)

Das Muster der Asus ROG GeForce RTX 3090 Strix OC ging der Redaktion bereits am 2. Oktober zu, das ab Werk aufgespielte BIOS erwies sich allerdings als fehlerhaft. Der 0dB-Modus funktioniert nicht korrekt. Er zieht die Temperatur und auch die Leistungsaufnahme heran. Bei der Leistungsaufnahme war die Schwelle allerdings zu gering gesetzt, sodass die Lüfter entweder nur wenige Sekunden oder überhaupt nicht stillstanden.

Nachdem ComputerBase Asus über das Problem informiert hatte, konnte der Hersteller sie in Taiwan schnell reproduzieren und arbeitete an einem neuen BIOS. Mit dem ersten Update ließ sich jedoch das Quiet-BIOS nicht aktualisieren, Asus musste noch einmal nachbessern. ComputerBase hat so lange gewartet.

Mittlerweile gibt es für die GeForce RTX 3090 Strix OC ein korrekt funktionierendes BIOS, das bei Asus selbst herunter geladen werden kann. Abgesehen vom 0dB-Modus gibt es bei dem BIOS keinerlei Änderungen. Die ersten Grafikkarten im Handel kommen mit dem fehlerhaften BIOS zum Kunden.

Die Asus GeForce RTX 3090 Strix OC im Detail

Asus schickt die GeForce RTX 3090 Strix OC mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 1.659 Euro ins Rennen. Der Haken daran ist, dass derzeit keine einzige GeForce RTX 3090 lieferbar und es zudem unklar ist, wann sich dies ändern wird. Die Preisangabe hat aktuell also keine Bedeutung. Manche Händler haben die Grafikkarte gleich ganz aus dem Verkauf genommen, andere bieten sie zum Vorbestellen für einen erhöhten Preis an. Einzig Asus selbst im neuen eigenen Webshop verkauft die Grafikkarte für 1.637 Euro und damit für weniger als den UVP. Bestellt werden kann die Grafikkarte dort aber nur bei Verfügbarkeit ab Lager – und das ist derzeit nicht der Fall.

3-Slot-Design mit fast 2 kg Gewicht

Man erkennt an allen Ecken und Kanten, dass es Asus bei der GeForce RTX 3090 Strix OC wissen wollte. Das fängt beim Gewicht an, das mit rund 1,8 kg zeigt, dass der Hersteller keinen Materialeinsatz gescheut hat. Doch nicht nur durch das Gewicht wirkt die Grafikkarte hochwertig, auch die Haptik stimmt.

Gewicht der GeForce-RTX-3080/-3090-Grafikkarten
Angabe in Gramm
Nvidia GeForce RTX 3080 Founders Edition 1.348 g
Asus GeForce RTX 3080 TUF OC 1.387 g
MSI GeForce RTX 3080 Gaming X 1.557 g
Asus GeForce RTX 3090 Strix OC 1.810 g
Gigabyte GeForce RTX 3090 Gaming OC 1.372 g
MSI GeForce RTX 3090 Gaming X Trio 1.569 g

Der 2,9-Slots-Kühler kommt mit einem einzigen Alu-Radiator daher, der die gesamte Grafikkartenlänge von 32 cm ausnutzt. Neben der GA102-GPU berührt dieser (über Pads) ebenso den 24 GB großen GDDR6X-Speicher und die Stromversorgung. Hinzu kommen sieben Heatpipes für den schnelleren Wärmetransfer. Drei im Durchmesser 95 mm breite Axiallüfter sorgen für die nötige Frischluft. Sie fallen auf der Strix damit 10 mm größer als auf dem TUF-Modell aus.

Das PCB ist mit 26,5 cm etwas kürzer als der Kühler und voll mit Bauteilen besetzt. Satte 18 Spannungswandlerkreise stellt Asus bei der GeForce RTX 3090 Strix OC der GPU zur Verfügung, der Speicher verfügt über deren vier. Die MSI GeForce RTX 3090 Gaming X Trio setzt auf elf Spannungswandlerkreise für die GPU. Warum Asus so viel mehr einsetzt, wird beim Blick auf das Powerlimit klar.

Mit 480 Watt deutlich mehr Energie als die Konkurrenz

Standardmäßig ist dieses mit „nur“ 390 Watt (+40 Watt zu Nvidias Referenzvorgaben) noch halbwegs moderat gesetzt. Maximal lässt Asus aber satte 480 Watt zu. Auf dem MSI-Modell sind dagegen maximal nur 380 Watt möglich. Drei 8-Pin-Stromstecker sind für den Betrieb notwendig.

Die GeForce RTX 3090 Strix OC kommt mit zwei verschiedenen BIOS-Versionen daher: Standardmäßig ist das Performance-BIOS aktiviert, alternativ gibt es ein Quiet-BIOS. Die Lüftersteuerung ist der einzige Unterschied zwischen den Software-Varianten und wie die Testreihen zeigen werden, sollte unbedingt das Quiet-BIOS genutzt werden. Dieses lässt sich mit einem beschrifteten Schalter auf der Karte selbst aktivieren.

Asus gibt für die Grafikkarte einen Basis-Takt von 1.395 MHz an, während der durchschnittliche Turbo bei 1.860 MHz liegen soll. Das sind 160 MHz mehr als Nvidia für eine Referenzkarte und die Founders Edition vorsieht. Der 24 GB große GDDR6X-Speicher von Micron wird mit den standardmäßigen 9.752 MHz angesteuert.

Eine RGB-Beleuchtung, die überzeugt

Die bisher von der Redaktion getesteten GeForce-RTX-3000-Modelle gingen absolut sparsam mit der RGB-Beleuchtung um, die Umsetzung konnte selten überzeugen. Asus hat sich bei der GeForce RTX 3090 Strix OC dagegen ins Zeug gelegt und bietet eine große, gut sichtbare RGB-Leiste.

Nicht nur das, denn die Beleuchtung selbst wirkt zudem qualitativ hochwertig. Gesteuert und auch deaktiviert werden kann diese mit dem Asus-eigenen Tool GPUTweak II. Monitore können an drei DisplayPort-1.4- oder an zwei HDMI-2.1-Ausgängen angeschlossen werden.

Merkmal Asus RTX 3090
Strix OC
Gigabyte RTX 3090
Gaming OC
MSI RTX 3090
Gaming X Trio
Karte PCB-Design Asus Gigabyte MSI
Länge, Breite 32,0 cm, 14,0 cm 32,5 cm, 13,0 cm 32,5 cm, 14,0 cm
Stromversorgung 3 × 8-Pin 2 × 8-Pin 3 × 8-Pin
Kühler Design Strix, 2,9 Slots 2,8 Slots Tri Frozr II, 2,7 Slots
Kühlkörper Alu-Kern/Radiator
7 Heatpipes
Alu-Kern/Radiator
7 Heatpipes
Alu-Kern/Radiator
6 Heatpipes
Lüfter 3 × 95 mm (axial) 2 × 85 mm (axial)
1 × 80 mm (axial)
3 × 90 mm (axial)
Lüfter abgeschaltet (2D) Ja
Anlaufdrehzahl 900 rpm ab 56°C 1.000 rpm ab 58°C 700 rpm ab 65°C
Takt
(Stromsparmodus)
GPU-Basis 1.395 (210) MHz
GPU-Durchschnitt 1.860 MHz 1.755 MHz 1.785 MHz
GPU-Maximum 2.070 MHz 1.980 MHz 2.025 MHz
Speicher 9.752 (405) MHz
Speichergröße 24 GB GDDR6X, Micron
Leistungsaufnahme Standard TDP 390 Watt 370 Watt
Maximale TDP 480 Watt 390 Watt 380 Watt
Anschlüsse 3 x DisplayPort 1.4 DSC
2 x HDMI 2.1
2 x DisplayPort 1.4 DSC
2 x HDMI 2.1
3 x DisplayPort 1.4 DSC
1 x HDMI 2.1

Die Taktraten unter Last

Bei niedriger GPU-Last und niedrigen Temperaturen taktet die Asus GeForce RTX 3090 Strix OC maximal mit 2.070 MHz, jedoch ist dies keine realistische Frequenz beim Spielen. Wenn das Powerlimit nicht in den Takt eingreift, haben sich 1.980 MHz als realistische Maximalfrequenz herausgestellt. Aufgrund der standardmäßig eingestellten 390 Watt als TDP bleibt es in der Praxis aber deutlich darunter.

Horizon Zero Dawn zeigt dabei mit 1.770 bis 1.965 MHz den höchsten Takt. Am anspruchsvollsten ist dagegen Doom Eternal, dann arbeitet der Rechenkern noch mit 1.545 bis 1.890 MHz. Die GeForce RTX 3090 Strix weist in diesem Fall das klassische Ampere-Verhalten auf: Da Asus die Grafikkarte auf einen maximal hohen Takt konfiguriert hat, taktet die GPU zwischenzeitlich auch immer verhältnismäßig weit herunter, um dann wieder einen möglichst hohen Takt zu erzielen. Nur so kann der festgelegte TDP-Rahmen nicht gesprengt werden.

Gleichmäßig vs. Unruhe

Im Vergleich dazu taktet die Gigabyte GeForce RTX 3090 Gaming OC nicht nur viel gleichmäßiger, auch der niedrigste Takt ist in Spielen oft höher als bei der Asus-Karte. Das liegt daran, dass das Gigabyte-Modell gar nicht erst versucht, sehr hohe Frequenzen zu erreichen. Entsprechend müssen diese auch nicht ausgeglichen werden.

Im Vergleich mit dem Hauptkonkurrenten, der MSI GeForce RTX 3090 Gaming X Trio, zeigt die Asus GeForce RTX 3090 Strix OC einen minimal höheren Maximaltakt, während der Minimaltakt in Spielen meistens niedriger ist.

Die tatsächlichen Taktraten im Phanteks Enthoo Evolv X
Spiel (1.920 × 1.080) Asus Strix OC Gigabyte Gaming OC MSI Gaming X Trio
Doom Eternal 1.545–1.890 MHz [PT] 1.620–1.740 MHz [PT] 1.725–1.860 MHz [PT]
F1 2020 1.740–1.920 MHz [PT] 1.740–1.800 MHz [PT] 1.740–1.905 MHz [PT]
Gears Tactics 1.560–1.905 MHz [PT] 1.710–1.755 MHz [PT] 1.620–1.875 MHz [PT]
Horizon Zero Dawn 1.770–1.965 MHz [PT] 1.845–1.920 MHz [PT] 1.815–1.875 MHz [PT]
Shadow of the Tomb Raider 1.815–1.905 MHz [PT] 1.815–1.905 MHz [PT] 1.755–1.830 MHz [PT]

480 Watt reichen fast aus

Für den höchsten Takt von 1.980 MHz reichen die maximal einstellbaren 480 Watt gelegentlich aus. Manche Spiele laufen dann tatsächlich durchweg mit 1.980 MHz. Das funktioniert jedoch nur, wenn die Temperaturen niedrig sind. Entsprechend müssen die Lüfter voll aufgedreht werden, was unangenehm laut ist. Bei anspruchsvollen Spielen reichen dann aber selbst die 480 Watt nicht. Doom Eternal arbeitet in diesem Fall zum Beispiel mit „nur“ 1.950 MHz. Für 1.980 MHz müsste also die 500-Watt-Marke geknackt werden, was so nicht einstellbar ist.

Auf der nächsten Seite: Ultra-HD-Benchmarks, Lautstärke, sonstige Messungen und Fazit