AMD Ryzen 5000 Mobile im Test: Testergebnisse und Benchmarks

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Volker Rißka et al.
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Die Testmodelle im Überblick

Der AMD Ryzen 9 5980HS mit 8 Kernen und 16 Threads bei bis zu 4,8 GHz bei 35 Watt TDP stand der Redaktion im Flaggschiff des neuen Asus ROG Flow X13 in der „Supernova Edition“ (GV301QH) zur Verfügung.

AMD Ryzen 9 5980HS
AMD Ryzen 9 5980HS

Dessen weitere Eckdaten: 32 GByte LPDDR4-4266, 1 TByte große M.2-SSD vom Typ WD SN530 und eine mobile GeForce GTX 1650 mit lediglich 35 Watt TDG, die das 13,4 Zoll große Display mit UHD-Auflösung bespielt. Die über einen proprietären Anschluss optional für das ROG Flow X13 verfügbare GeForce RTX 3080 oder 3070 Laptop GPU (ROG XG Mobile) stand nicht zur Verfügung.

Der AMD Ryzen 7 5800H mit ebenfalls 8 Kernen und 16 Threads, aber offiziell maximal 4,4 GHz bei einer TDP von 45 Watt steckte in einem XMG Core 17 mit GeForce RTX 3060 Laptop GPU mit 130 Watt (115 Watt TGP zuzüglich bis zu 15 Watt Dynamic Boost 2.0) aus der frühen Vorserienproduktion. Es handelt sich um dasselbe Gerät, das auch für den Test der GeForce RTX 3060 Laptop GPU verwendet wurde.

Das XMG Core 17 mit Ryzen 7 5800H und GeForce RTX 3060 Laptop GPU (130 Watt)
Das XMG Core 17 mit Ryzen 7 5800H und GeForce RTX 3060 Laptop GPU (130 Watt)

Benchmarks und Hürden mit 35, 42 und 80 Watt TDP

Bevor die Leistung moderner Notebook-Prozessoren auf die Probe gestellt wird, bedarf es eines Blickes in die Energie-Einstellungen, denn vom Hersteller oder in Windows bereitstellte Leistungsprofile können einem Prozessor ganz verschiedene Gesichter geben. Das Thema wird immer komplexer und auch verwirrender, jeder Notebook-Hersteller kocht dort seine eigene Suppe. Immer häufig steht dabei auch die Option zur Verfügung, die CPU nicht nur kurzfristig, sondern auch dauerhaft mit mehr Verbrauch laufen zu lassen, als es die TDP in den Spezifikationen vorsieht. Einen Überblick darüber zu bekommen, welche CPU mit welchem Profil wie viel leistet, ist zeitaufwändig, aber lohenswert, wenngleich die Ergebnisse nicht einmal für andere Notebooks (anderer Hersteller) sprechen müssen. Welche Konfigurationen über welches Profil zur Verfügung stehen, wissen Kunden im Vorfeld in der Regel nicht.

Profile machen bei Cezanne den Unterschied

Auch das Asus ROG Flow X13 ist nicht davon ausgenommen. Das Unternehmen regelt die Profile über das Tool Armoury Crate. Zur Verfügung stehen „Windows“, „Silent“, „Performance“, „Turbo“ und „Manuell“. Wie stark AMD hinter den Kulissen die Schranken geöffnet hat, wird hier schnell offensichtlich.

Die 35-Watt-Lösung Ryzen 9 5980HS im Asus-Gerät darf im höchsten manuellen Energieprofil in der Spitze laut Spezifikation auf 130 Watt boosten (PL2), das gab es bisher nur bei Intel. Selbst PL1 (entspricht der TDP) als Langzeitverbrauch ist mit 80 Watt sehr hoch angesetzt. AMD verspricht beim HS also einen sehr effizienten Betrieb mit 35 Watt bei hohen Taktraten, aber wer will, kann die CPU im Asus ROG Flow X13 auch fernab davon betreiben.

Beim XMG Core 17 liegt das maximal konfigurierbare Kurzzeitlimit bei 95 Watt, über lange Zeit dürfen auch hier bis zu 80 Watt verbraucht werden. Damit geht der Ryzen 7 5800H mit seiner 45-Watt-Einstufung weniger über seine Limits hinaus, wenngleich auch hier quasi eine Verdoppelung steht.

Als weitere Profile wurden beim Asus-Notebook „Ausbalanciert“ und „Silent“ genutzt, jeweils im Betrieb an der Steckdose. Die Profile stehen für eine TDP von 42 und 35 Watt, letztlich also genau das, was AMD in die offiziellen Datenblätter übernommen hat. Das Kurzzeitlimit lag aber immer noch bei jeweils 65 Watt.

STAPM greift beim Flow stark regulierend ein

Wie sich im Testverlauf zeigt, haben die Prozessoren die jeweiligen Maximalkonfiguration gar nicht nötig, sehr schnell sind die CPUs auch innerhalb der niedergeschriebenen Parameter. Über die Brechstange Verbrauch lassen sich zwar noch ein paar Prozentpunkte gewinnen, allerdings kommen beim kompakten ROG Flow X13 (eher ein klassisches U-CPU-Chassis) ganz schnell andere Hürden in den Weg: Entweder die Temperatur der APU mit bis zu 96 Grad, oder STAPM („Skin Temperature Aware Power Management“) oder die EDC („Electrical Design Current“).

STAPM ist bei AMD Bestandteil seit vielen Jahren
STAPM ist bei AMD Bestandteil seit vielen Jahren (Bild: AMD)

Und das betrifft nicht nur das Profil mit theoretisch dauerhaft 80 Watt Verlustleistung. Schon das kleinste, das zu Beginn bei über 60 Watt, dann stets bei 35 Watt agiert, hält nicht lange durch. Bereits ab der vierten Minute im Blender-Test sinkt die Package-Power auf 25 Watt dauerhaft ab. STAPM greift bei 100 Prozent an der Stelle regulierend ein. Die Lüfter drehen in diesem Profil aber auch vergleichsweise leise.

Das 42-Watt-Profil verhält sich ähnlich, es dauert aber etwas länger, da die Lüfter deutlich höher drehen als beim 35-Watt-Modus. Aber auch dort greift nach einiger Zeit das STAPM-Limit mit 100 Prozent und bremst die Package-Power auf 35 Watt. Das erklärt am Ende, warum in Render-Szenen die Leistungsunterschiede zwischen Maximum-Profil und den anderen letztlich am größten sind, die beiden kleineren sich prozentual aber weniger unterscheiden.

Das gleiche Verhalten zeigt das Flow X13 auch im 80-Watt-Profil, auch wenn es hier sogar länger dauert, weil die Lüfter viel schneller drehen. In diesem Profil sinkt die Package-Power von rund 75 Watt zum Start bis auf 45 Watt dauerhaft immer weiter ab, STAMP ist erneut der Schuldige. Oberhalb der Tastatur lässt sich das auch spüren: Bei den vier zusätzlichen Funktionstasten wird das Notebook extrem warm, da die Lüfter wenige Millimeter dahinter die ganze heiße Luft in Richtung Display ausblasen.

Bei Single-Core-Last zeigt das Flow X13, dass die 4,8 GHz Takt des Ryzen 9 4980HS deutlich mehr elektrische Leistung verlangen als die 4,4 GHz Maximum des Ryzen 7 5800H im XMG. Rund 7 Watt mehr im Durchschnitt braucht die AMD-APU im Asus-Notebook und wird dabei stets 10 °C wärmer, obwohl der HS mit Sicherheit der bessere Chip ist. Aber das ROG Flow X13 ist bei der Kühlung auch nicht so stark ausgelegt.

In einem voluminöseren Gehäuse könnte die CPU mit besserer Kühlung also noch etwas mehr Leistung bieten, insbesondere in Multi-Core-Szenarien, in denen STAPM beim Flow X13 stets als mitunter sehr flott limitierende Größe greift. In aufeinanderfolgenden Tests mit nur sehr kurzen Pausen kann STAPM nämlich noch viel früher greifen, insbesondere bei Heavy Workloads, denn das Notebook ist dann vom letzten Test noch „warm“. Dabei kam beim Flow X13 in den kleineren Energieprofilen ein Kuriosum zum Vorschein, dass die APU nach vielen Tests hintereinander zwischendurch sogar auf 15 Watt herunterfährt, dort kurze Zeit bleibt, dann wieder auf 65 Watt boostet und sich schließlich bei 42 respektive 35 Watt fängt, bevor sie nach einer halben Minute das gleiche Spiel wieder abzieht.

Dies kann vor allem in lange laufenden Szenarien wie 20 Minuten Blender bis zu 10 Prozent Leistung kosten und zeigt einmal mehr, wie stark doch genau das eine Notebook ausschlaggebend für alles ist und die Bewertung einer CPU darin ganz schnell komplett verfälscht wird. Im deutlich größeren XMG Core 17 gibt es die im Flow beschriebenen Probleme nur wesentlich weniger ausgeprägt, wenngleich auch dort in Blender nicht dauerhaft 80 Watt Verbrauch gehalten werden können, weil die CPU-Temperatur zu hoch liegt.

Dass der HS-Prozessor für 400 MHz mehr Single-Core-Turbo zwar mehr Energie aufnimmt, insgesamt aber die effizientere CPU ist, zeigt sich wiederum im Multi-Core-Test, wo der HS bei weniger Verbrauch denselben Takt wie der H erreicht.

Benchmarks in Anwendungen

Tests in Anwendungen zeigen die deutliche Leistungssteigerung dank Zen 3 und zusätzlich auch noch gesteigerter Taktfrequenz. Die Vorgänger Ryzen 9 4900HS und Ryzen 4800H werden vom Ryzen 9 5980HS und Ryzen 7 5800H um im Durchschnitt 15 bis 26 Prozent in gängigen und meistens leichten Alltagslasten geschlagen. Die angesprochenen Unterschiede bei den TDP-Profilen gibt es hier kaum, zu kurz sind die Lasten, um signifikant von mehr Verbrauch zu profitieren.

Interessant war für die Tester noch ein anderer Punkt: Zwei Notebooks an unterschiedlichen Standorten bei zwei Testern kamen in der 80-Watt-Konfiguration am Ende zum gleichen Ergebnis. Was der Ryzen 5980HS in Single-Core-Tests an leichtem Vorsprung herausholen kann, macht der Ryzen 7 5800H in Mehr-Kern-Szenarien wieder gut. Am Ende sind sie nahezu gleich schnell. In reinen Multi-Core-Tests hat wiederum der Ryzen 7 5800H die Nase vorne, weil das XMG Core 17 besser kühlt, während in Single-Core-Tests der Ryzen 9 5900HS davon profitiert, das er für einen höheren maximalen Takt freigegeben wurde.

Bei den Heavy Workloads schrumpft der Vorsprung von Ryzen 5000 auf Ryzen 4000 etwas zusammen, dennoch sind alle Neulinge die unbestrittenen Könige in den Disziplinen.

Und Intel? Mit nur vier modernen Kernen bei Tiger Lake hat der Konzern gegen Cezanne keine Chance. Die alten 6- und 8-Kerner kranken wiederum an den alten Kernen. Bis dato hielten sie noch mit, ab jetzt ist Ryzen 5000 Mobile der Chef im Notebook. Intel braucht den bereits angekündigten 8-Kern-Konter Tiger Lake-H45 also dringend, doch vor dem Sommer 2021 dürfte dieser kaum verfügbar werden.

Benchmarks in Spielen

Im Flow X13 arbeitet eine Nvidia GeForce GTX 1650. Die gehört schon per se nicht zu den schnellsten oder besten Lösungen im Markt, Asus hat sie im Flow sogar auf 35 Watt Leistungsaufnahme beschränkt. Damit ist sie nur um die 50 Prozent schneller als die integrierte Vega-Lösung in Cezanne. Ab dem zweiten Quartal soll es einen 1650-Nachfolger im 13-Zoll-Modell geben. Auf welcher Basis diese GPU aber fußt, dazu ist bisher nichts bekannt. Wer mit dem Flow mehr Leistung will, muss zur externen ROG XG Mobile greifen.

3DMark (Skydiver)
Einheit: Punkte
    • RTX 3060 Laptop 130 W, 5800H
      42.130,0
    • GTX 1650 35 W, 5980HS
      20.229,0
    • Xe (iGPU), 1185G7
      16.055,0
    • Vega8 (iGPU), 5980HS
      15.776,0
    • Xe (iGPU), 1165G7
      14.485,0
    • Vega8 (iGPU), 4800U
      13.221,0
    • Xe (iGPU), 11370H
      12.895,0
    • Xe (iGPU), 1135G7
      12.810,0
    • Vega6 (iGPU), 4500U
      10.198,0

Mit 15.000 Punkten im 3DMark zeigt die iGPU wiederum einen 20 Prozent großen Sprung zur alten Variante mit niedrigerem Takt bei Renoir, die im Diagramm in Form des 4800U mit rund 13.000 Punkten sichtbar ist. Damit liegt Cezanne gleich auf mit der schnellsten bisher getesten iGPU auf Xe-Basis.

Dass AMD mit Cezanne auch im Gaming-Notebook an der Spitze angekommen ist, wenn weder iGPU noch langsame dGPU der APU im Weg stehen, zeigt das XMG Core 17 mit GeForce RTX 3060 Laptop GPU. Zwar stand der Redaktion bisher keine RTX 3060 mit Intel Core zur Verfügung, doch die Benchmarks sprechen auch so eine deutliche Sprache: Cezanne ist im CPU-Limit der stärkere Partner für Nvidias neue mobile Grafikkarten. Die Redaktion ist bereits dabei, ein weiteres Notebook für einen direkteren Vergleich von AMD und Intel in Spielen zu organisieren.

Cezanne im Vergleich zu Desktop-CPUs

Und wie schnell sind die neuen mobilen CPUs im Vergleich zum Desktop? Weil die Benchmarks im Parcours größtenteils dieselben sind, kann ComputerBase diese Antwort liefern: Ryzen 7 5800H und Ryzen 9 5980HS liegen in Multi-Core-Anwendungen auf dem Niveau des Core i9-9900K.

Das Ergebnis muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Die Leistung des Desktop-Flaggschiffs von Intel von vor einem Jahr ist heute im Notebook zu haben – mit weniger Verbrauch und dauerhaft, sofern das Notebook nicht aus der ROG-Flow-X13-Klasse kommt. Hier wird der Schritt von Zen 3 noch einmal überaus klar und deutlich.

Im eigenen Haus sind die Lösungen ziemlich gleichauf mit der Vorjahresgeneration alias Ryzen 7 3800X. An den neuen Ryzen 7 5800X kommen die mobilen CPUs hingegen nicht heran, der darf aber auch bis zu 142 Watt Leistung aufnehmen – das ist einfach eine ganz andere Liga.

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