SATA Disk in Package (SDP): Colorful SL500 Mini SSD setzt auf winzige Platine

Michael Günsch
30 Kommentare
SATA Disk in Package (SDP): Colorful SL500 Mini SSD setzt auf winzige Platine
Bild: Longsys

Zur Gattung „ungewöhnlicher Formfaktor“ gehört ohne Zweifel die Colorful SL500 Mini. Die Platine der winzigen SATA-SSD ist nur etwa so groß wie eine SD-Speicherkarte, sodass die Anschlüsse für Daten und Strom gerade so Platz finden. Dahinter steckt das SDP-Format (SATA Disk in Package) von Longsys.

SDP-Format für kleinere SATA-SSDs

Bereits vor einigen Jahren hat das chinesische Unternehmen Longsys mit SATA Disk in Package (SDP) ein neues Prinzip zur Herstellung von SATA-SSDs vorgestellt, das vor allem Zeit und Kosten einsparen sollte. Die Idee: Auf einer 33,4 × 17,2 × 1,23 mm (L × B × H) messenden Platine sind SSD-Controller, NAND-Flash wie auch die SATA-Anschlüsse direkt integriert. Das Modul muss dann nur noch in ein Gehäuse gesetzt werden. Dadurch, dass einige Arbeitsschritte entfallen, soll so die Dauer zur Herstellung einer 2,5-Zoll-SATA-SSD erheblich verkürzt werden.

SATA Disk in Package (SDP) sollte Herstellung von SATA-SSDs beschleunigen
SATA Disk in Package (SDP) sollte Herstellung von SATA-SSDs beschleunigen (Bild: Longsys)
SSD-Controller von Marvell integriert
SSD-Controller von Marvell integriert (Bild: Longsys)

Das Prinzip hat sich bei der SSD-Herstellung allerdings bisher nicht durchgesetzt. Stattdessen ging Longsys eine Partnerschaft mit dem Hersteller Colorful ein, der jetzt mit der SL500 Mini ein erstes Produkt mit dem SDP-Format einführt. Die SSD wird in zwei Varianten mit 250 GB oder 500 GB Speichervolumen in einem 68 × 26 × 7 mm (L × B × H) messenden Gehäuse angeboten. Die SSD fällt damit in etwa so breit und genauso hoch wie herkömmliche 2,5-Zoll-SSDs aus, ist aber erheblich kürzer als das 10 cm lange Standardformat.

Links normale SATA-SSD, rechts SL500 Mini im SDP-Format
Links normale SATA-SSD, rechts SL500 Mini im SDP-Format (Bild: Colorful)
Links normale SATA-SSD, rechts SL500 Mini im SDP-Format
Links normale SATA-SSD, rechts SL500 Mini im SDP-Format (Bild: Colorful)

Über die SATA-3-Schnittstelle mit 6 Gbit/s (brutto) sollen Daten mit bis zu 500 MB/s gelesen werden. Die Schreibrate gibt Colorful mit 450 MB/s respektive 480 MB/s an. Als Speicher dient nicht näher spezifizierter 3D-NAND, zum Controller wird keine Angabe gemacht. Im Vorfeld war allerdings von einem Marvell-Controller sowie von QLC-NAND von Micron die Rede.

SATA-SSD SDP-SSD M.2-SSD
Abmessungen (L × B × H) 100 × 69,85 × 7 mm 68 × 26 × 7 mm
Platine: 33,4 × 17,2 × 1,23 mm
30-110 × 22 × ~2-4 mm
(weitere Varianten möglich)

Die Colorful SL500 Mini mit 250 GB soll rund 40 US-Dollar kosten, etwa 60 US-Dollar sind es für die doppelte Speicherkapazität. Laut Hersteller sei die kleine SSD „ideal für Small-Formfactor-PCs und Notebooks“. In diesem Segment hat sich aber längst das M.2-Format ohne Gehäuse durchgesetzt. Die höchstens 4 mm flachen M.2-Module sind in der Regel 22 mm breit und variieren in der Länge, besonders kurze Versionen messen 30 mm, wie das unten gezeigte Modell von Toshiba.

Toshibas Single Package PCIe SSD
Toshibas Single Package PCIe SSD (Bild: Toshiba)

Disk-on-Module-SSDs (DOM)

Ein anderer ungewöhnlicher Formfaktor für SATA-SSDs ist das sogenannte Disk-on-Module-Format (DOM), das zum Beispiel Innodisk bei einigen Produkten nutzt. Das Besondere an der Disk-on-Module-Bauart ist, dass diese kleinen SSDs direkt in eine SATA-Buchse auf dem Mainboard eingesteckt werden. Ein Kabel wird somit weder zur Datenübertragung noch für die Stromversorgung benötigt, allerdings muss das Mainboard dafür gewisse Voraussetzungen erfüllen. Die DOM-SSDs sind vor allem für Unternehmensanwendungen bestimmt und kommen in Rackmount-Server-Gehäusen und Embedded-Low-Profile-Systemen zum Einsatz.

Innodisks „Pin 8 Cable-Less Power Technology“
Innodisks „Pin 8 Cable-Less Power Technology“ (Bild: Innodisk)