Dynabook X30W-J-10H im Test: Federleichtes Convertible mit Spezialgarantie

Nicolas La Rocco
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Dynabook X30W-J-10H im Test: Federleichtes Convertible mit Spezialgarantie

Dynabook als Nachfolger der Consumer-Sparte von Toshiba bietet mit dem X30W-J ein außergewöhnlich leichtes, kompaktes und dennoch mit vielen Anschlüssen bestücktes Convertible an. Zur Ausstattung gehört auch eine spezielle Garantie, die bei einem Defekt für ein neues Gerät und die Erstattung des gesamten Kaufpreises sorgt.

Drei Konfigurationen stehen zur Auswahl

Mit dem X30W-J bietet Dynabook seit kurzem ein extrem leichtes Convertible auf Basis von Intel Tiger Lake an. Gerade einmal 989 g bringt das in drei Konfigurationen angebotene Gerät, das sich über ein 360-Grad-Scharnier zum Tablet wandeln lässt, auf die Waage. ComputerBase hat sich für den Test für die günstigste Variante mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 1.989 Euro entschieden. Der UVP ist bei Dynabook allerdings kaum aussagekräftig, was den tatsächlichen Preis betrifft, denn gleich zum Start Ende Januar verkündete das Unternehmen einen deutlich niedrigeren Marktpreis von 1.620 Euro. Und selbst der ist rund einen Monat nach der Premiere bereits auf rund 1.500 Euro gefallen – immer noch viel Geld, aber immerhin rund 25 Prozent weniger.

Portégé X30W-J-10H Portégé X30W-J-10F Portégé X30W-J-10K
CPU Intel Core i5-1135G7 Intel Core i7-1165G7
RAM 8 GB LPDDR4X 16 GB LPDDR4X
SSD 256 GB 512 GB 1 TB
UVP 1.989,00 Euro 2.379,00 Euro 2.579,00 Euro
Marktpreis 1.620,00 Euro 1.934,00 Euro ?

Dynabook war mal Toshiba Client Solutions

Dass das X30W-J kein ganzes Kilogramm auf die Waage bringt, hat es seinem aus einer Magnesiumlegierung gefertigten Gehäuse zu verdanken. Mystic Blue nennt sich die zugehörige Farbe, die das gesamte Convertible in mattes, ziemlich unauffälliges Dunkelblau hüllt. Einziges hervorstechendes Merkmal ist das glänzende Dynabook-Logo im Deckel. Mit „Dynabook“ dürfte nicht jeder Leser auf Anhieb etwas Konkretes assoziieren, mit Toshiba aber schon eher. Toshiba hat im Oktober 2018 rund 80 Prozent der PC- und Notebook-Sparte an das Foxconn-Tochterunternehmen Sharp verkauft. Anfang 2019 wurde dann Dynabook als neue Marke ins Leben gerufen. Aus der Firma Toshiba Client Solutions wurde so schließlich die Dynabook Inc.

Kompakt mit vielen Anschlüssen

Kompakte 304 × 197 × 17,9 mm (B × T × H) misst das X30W-J und dennoch schafft es Dynabook, zahlreiche Anschlüsse in dem Gehäuse unterzubringen, die bei vielen Notebooks und Convertibles der Konkurrenz mittlerweile ad acta gelegt wurden. Hervorzuheben sind zum Beispiel die vollwertigen Anschlüsse für HDMI und USB Typ A, sodass viele Bildschirme, Fernseher oder Projektoren und ältere Speichermedien, die noch nicht USB Typ C nutzen, auf Anhieb ohne Adapter angeschlossen werden können. Doch auch die moderneren Schnittstellen bringt das X30W-J durch die verwendete Intel-Plattform bedingt mit: Zweimal Thunderbolt 4 wird auf der linken Seite geboten. Auf derselben Seite sitzt zudem einmal 3,5-mm-Klinke, während rechts ein microSD-Kartenleser zu finden ist. Schade, dass sich Dynabook nicht für einen vollwertigen Cardreader entschieden hat, denn microSD-Karten findet man zum Beispiel bei professionellen Kameras kaum und sind eher in Smartphones anzutreffen.

Trotz des leichtfüßigen Auftritts vermittelt das Convertible Stabilität, wenn man es zum Beispiel sehr weit außen an nur einer Ecke anhebt. Zwar ist eine minimale Biegung im Gehäuse zu erkennen, Grund zur Sorge gibt es aber nicht. Ganz so felsenfest wie ein aktuelles XPS 13 oder MacBook ist der Gesamteindruck allerdings nicht – Meckern auf hohem Niveau. In puncto Reparaturfreundlichkeit schneidet das X30W-J auf der einen Seite gut ab, auf der anderen Seite ist es jedoch stark eingeschränkt. Erfreulich ist der Einsatz von normalen Kreuzschlitzschrauben, die sich mit einem 6-mm-Schraubendreher entfernen lassen. Auch die Bodenplatte lässt sich ohne widerspenstige Haltenasen entfernen. Zugriff auf die Hardware gibt es damit grundsätzlich, nur viel getauscht werden kann nicht, weil die meisten Komponenten verlötet sind. Einzig die SSD im standardisierten M.2-2280-Format kann auch von Laien getauscht werden. Der Akku (53 Wh) ist ebenfalls zugänglich, fordert aber schon etwas mehr Geschick.

Geöffnet offenbart das X30W-J einen Blick auf das Kühlsystem, das auf dem CPU-Package samt integrierter Grafikeinheit, das wiederum zentral auf der Platine untergebracht wurde, sitzt und von dort aus zwei Kupfer-Heatpipes zu den jeweils außen positionierten 30-mm-Lüftern führt. Diese saugen Frischluft über die Unterseite an und lassen sie im Bereich der Scharniere wieder entweichen. Unterhalb der CPU sitzt die austauschbare SSD. Vermutlich auf der Rückseite des PCBs ist der RAM zu finden, wobei die Platine für den Test nicht entnommen wurde.

Dynabooks spezielle „Reliability Guarantee“

Apropos Reparatur: Kommt es innerhalb des ersten Jahres nach dem Kauf zu einem Defekt an der Hardware, greift die sogenannte „Reliability Guarantee“ von Dynabook, in deren Rahmen nicht nur die Reparaturkosten übernommen werden, sondern der gesamte Kaufpreis erstattet wird. Als Käufer kann man somit das (reparierte) Gerät behalten und bekommt obendrein den vollen Kaufpreis erstattet. Für die spezielle Garantie muss das Gerät bis 30 Tage nach Kauf bei Dynabook registriert werden, die „Reliability Guarantee“ wird dann automatisch mitregistriert. Sie greift nur bei Defekten an der Hardware und kommt mit gewissen Einschränkungen, die sich in einem PDF einsehen lassen. Kosmetische Schäden, Defekte des Akkus oder auch einzelne Pixelfehler im Bildschirm fallen zum Beispiel nicht unter die Garantie. Eigene Reparaturen am Notebook sind grundsätzlich erlaubt – kommt es dabei allerdings zu einem selbst verursachten Schaden, greift die „Reliability Guarantee“ nicht mehr.

Convertible mit mattem Touchbildschirm

Als Convertible ausgelegt, ist das X30W-J zum einen ein klassisches Notebook, zum anderen lässt es sich als Tablet oder in einer der vielen Zwischenstufen des stufenlosen 360-Grad-Scharniers nutzen. Auf 13,3 Zoll versammelt das Panel 1.920 × 1.080 Pixel im etablierten Full-HD-Format 16:9. Letzteres sei weiterhin stark gefragt, so Dynabook. Anfragen für 16:10 oder 3:2 kämen eher von der Presse. Den wieder vermehrt anzutreffenden höheren Formaten will sich der Hersteller jedoch nicht verschließen, der Markt werde beobachtet.

Eine gelungene Wahl stellt das mattierte Panel trotz Touch-Unterstützung dar. Letztere gibt es bei den meisten Anbietern nur in Verbindung mit einem Glossy-Panel mit stärkeren Reflexionen als Nachteil. Die matte Ausführung sorgt für reduzierte Reflexionen etwa bei Leuchtquellen oder Fenstern hinter dem Anwender, nimmt dem Bildschirm aber etwas Brillanz – ein Trade-off, den die jeweiligen Displays mitbringen.

Display könnte etwas heller sein

Bei der Darstellungsqualität und Helligkeit liefert das X30W-J Messwerte für das obere Mittelfeld. Ausreißer bei der Farbgenauigkeit gibt es nicht, allerdings ist der Weißpunkt mit knapp oberhalb von 6.000 Kelvin ab Werk ziemlich warm eingestellt. Wer ein kälteres Weiß bevorzugt, kann über Intels Grafiktreiber manuell Hand anlegen. Die maximale Helligkeit von durchschnittlich 391 cd/m² geht in Ordnung. In der Preisklasse des Convertibles hätte es aber gerne etwas mehr sein können, wenngleich der matte Bildschirm nicht ganz die Werte eines Glossy-Panels verlangt, um dieselbe Ablesbarkeit zu gewährleisten. Zahlreiche Anbieter wie Acer, Schenker, Gigabyte, Dell und vor allem Huawei und Samsung zeigen, wie hell moderne Displays werden können. Dynabook landet je nach Vergleichsgerät 15 bis 35 Prozent dahinter. Auch bei der gleichmäßigen Ausleuchtung (Homogenität) reicht es für das X30W-J nur für das Mittelfeld. Abweichungen von dem hellsten Punkt in der Mitte (433 cd/m²) nach außen mit (im schlechtesten Fall) 369 cd/m² sorgen für eine Homogenität von 90 Prozent. Ein guter Schwarzwert bringt immerhin einen sehr guten statischen Kontrast von 1.527:1.

Neue Firmware für Timing-Controller des Displays notwendig

Anmerkung der Redaktion zum Display: Beim Testgerät kam es zu einem Flackern bei statischen Inhalten. Sobald Bewegtbild dargestellt oder die Maus bewegt wurde, verschwand der Fehler. Neue Treiber oder ein Zurücksetzen führten nicht zur erhofften Beseitigung. Als Ursache stellte sich eine fehlerhafte Implementierung von Display Self Refresh (DSR) im Timing-Controller (TCON) des Displays heraus. Sobald DSR im Intel-Grafikmenü deaktiviert wurde, verschwand der Fehler. Das hätte im weiteren Test aber den Energiebedarf des Convertibles negativ beeinflusst. DSR stellt bei statischen Inhalten den letzten Inhalt aus dem Frame Buffer dar, was über den TCON gesteuert wird. Die Funktion, die bis zu 85 Prozent Energie bei statischen Inhalten sparen kann, wurde von der VESA mit dem embedded DisplayPort 1.3 (eDP 1.3) eingeführt.

Die Redaktion stand daraufhin in Rücksprache mit Dynabook, wo das Problem auf Geräten der ersten Charge nachvollzogen werden konnte. Rund 10 Tage nach der ersten Kontaktaufnahme mit dem Hersteller stellte dieser eine neue Firmware für den TCON zur Verfügung, die das Problem löste. Zulieferer des TCON ist Analogix mit dem ANX2404, für den die korrigierte Firmware „rev301_201224_2“ über ein EEPROM-Update-Tool unter Windows 10 aufgespielt werden konnte. Vor dem Update musste DSR zunächst im Intel-Grafiktreiber deaktiviert werden, anschließend und nach einem Neustart funktionierte das Feature jedoch wieder einwandfrei. Der Hersteller hat sich schnell um das Problem gekümmert, weshalb es nicht in die Wertung eingeflossen ist.

Windows 10 mit Touch-UI

Zum Windows-Tablet wird das X30W-J, sobald der Bildschirm umgeklappt wird. Dann ist auch die Tastatur nicht mehr aktiv und die Bedienung erfolgt primär über Touch-Eingaben auf der dann optimierten Windows-10-Oberfläche. Seit Windows 10 20H1 hat das Betriebssystem ein optimiertes Touch-UI im Rahmen der Desktop-Umgebung insbesondere für Convertibles und 2-in-1-Systeme wie das Surface Pro, wenn dort die Tastatur abgezogen wird. Im Desktop-Modus mit neuem Touch-UI weisen die Symbole in der Taskleiste einen größeren Abstand auf, um besser per Touch bedient werden zu können. Außerdem werden die Eingabefelder für Cortana und die Windows-Suche auf Icons reduziert, um mehr Platz zu schaffen. Für den File Explorer bietet Microsoft ein optimiertes Touchlayout an, außerdem erscheint eine Touchtastatur automatisch auf dem Bildschirm, sobald ein Eingabefeld ausgewählt worden ist. Über den rechten Bereich der Taskleiste lässt sich die Touchtastatur zudem jederzeit aufrufen.

Windows 10 aufgestellt im Touch-Modus
Windows 10 aufgestellt im Touch-Modus

Stylus gehört zum Lieferumfang

Als weitere Eingabemethode dient der Universal Stylus Pen, der dem X30W-J inklusive einer Halterung beiliegt. Die Halterung lässt sich über einen Klebestreifen am Notebook befestigen und bietet eine Lasche für den Stift, der wiederum auch mit einer Halteklammer an der Hemdtasche befestigt werden kann. Mit dem Stylus lässt sich die gesamte Bedienung vom Schreiben und Zeichnen, Eingeben von Daten und Navigieren durchführen. Der Stift arbeitet mit 4.096 Druckstufen und Neigungsfunktion und hat zwei seitliche Funktionstasten für den Rechtsklick und das Radieren. Der aktive Stylus benötigt eine AAAA-Batterie, die aber im Lieferumfang enthalten ist, zu dem auch eine Stiftkappe und jeweils zwei harte und etwas weichere Ersatzspitzen gehören.

Gute Tastatur trifft auf kleines Touchpad

Bei den klassischen Eingabegeräten Tastatur und Touchpad gibt es eine vollwertige Chiclet-Tastatur mit Enter-Taste über zwei Zeilen. Gewöhnungsbedürftig sind die Bild-Tasten direkt darunter, weil sie die rechte Shift-Taste in der Länge reduzieren und nicht mehr bis ganz nach rechts reichen lassen, was das Antippen mit dem kleinen Finger im Test hin und wieder erschwerte. Hilfreich im Alltag war aber, dass die linke Strg-Taste ganz außen sitzt und nicht mit der Fn-Taste vertauscht wurde. Das Tippen auf dem X30W-J verhält sich unauffällig und ohne größeren Kritikpunkt.

Klein fällt das Touchpad (10 × 5,7 cm) aus, das oben links den Fingerabdrucksensor aufnimmt. Dieser ist eine Option für die Anmeldung in Windows 10 via Windows Hello. Alternativ steht oberhalb des Bildschirms eine IR-Kamera für die Gesichtserkennung bereit, die im Test mit hoher Zuverlässigkeit für ein schnelles Entsperren sorgte. Mit maximal 0,9 MP (1.280 × 720) ist die Kamera für Skype und ähnliche VoIP-Dienste geeignet, die Bildqualität fällt aber höchstens mittelmäßig aus – ein Problem vieler, selbst teurer Notebooks. Die obere Kamera bietet einen mechanischen Verschluss und sorgt damit nicht nur über Software gelöst für mehr Privatsphäre. Das X30W-J ist darüber hinaus mit einer zweiten Kamera oberhalb der Funktionstasten ausgestattet, die im Tablet-Betrieb als rückseitige Kamera mit 8 MP arbeitet. Diese Kamera liefert eine deutlich bessere Qualität und dient auch als Scanner für Dokumente und Whiteboards, die dann zum Beispiel mit dem Stylus weiter markiert werden können.

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