JBL Live Free NC+ im Test: Auch mit ANC erneut gute Allrounder-In-Ears

Frank Hüber
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JBL Live Free NC+ im Test: Auch mit ANC erneut gute Allrounder-In-Ears

Die JBL Live Free NC+ bieten einen guten Klang, eine sehr gute Telefonie, ein durchschnittliches ANC und sinnvolle Funktionen wie Auto-Play und -Pause, Wireless Charging und IPX7. Die Steuerung ist jedoch nicht zufriedenstellend anpassbar. Insgesamt punktet JBL aber erneut mit einem guten Allrounder zu einem fairen Preis.

In-Ear-Kopfhörer von JBL haben sich in der Vergangenheit als gute Allrounder bewährt. Mit den JBL Live Free NC+ hat das Unternehmen Ende letzten Jahres ein nach IPX7 wasserdichtes Modell mit aktiver Geräuschunterdrückung, Transparenzmodus, Auto-Pause, App-Anbindung und Unterstützung für Amazon Alexa und Google Assistant herausgebracht, das schon kurz nach der Verfügbarkeit für rund 100 Euro erhältlich ist, obwohl die unverbindliche Preisempfehlung bei 160 Euro liegt. Auch technisch muss sich das Modell mit Bluetooth 5.1, Wireless Charging, Fast Pair, USB-C und einem Schnelllademodus nicht verstecken.

Die JBL Live Free NC+ sind in Schwarz, Weiß, Blau und Rosé erhältlich. Im Lieferumfang sind neben den In-Ears und dem Ladecase ein kurzes USB-A-auf-USB-C-Ladekabel, eine Bedienungsanleitung, drei unterschiedlich große Silikon-Ohrpassstücke und zwei verschieden große Ear-Wings enthalten.

Technische Daten und Funktionen der Live Free NC+

Bluetooth 5.1 ohne Multi-Connect mit Einzelnutzung

Die JBL Live Free NC+ setzen auf Bluetooth 5.1 und bieten eine sehr gute Einzelnutzung, bei der jederzeit ein Ohrhörer weggelegt oder wieder hinzugefügt werden kann. Nur ein kurzer Signalton weist auf die Verbindung des zweiten Ohrhörers hin. Multi-Connect, so dass die In-Ears gleichzeitig mit zwei Wiedergabegeräten verbunden sein können und die Wiedergabe jederzeit von einem der beiden Geräte gestartet werden kann, bieten die JBL-Kopfhörer allerdings nicht. Soll die Verbindung zu einem anderen, zuvor schon einmal verbundenen Gerät hergestellt werden, muss zunächst die aktive Verbindung unterbrochen werden. Automatisch verbinden sich die Live Free NC+ wie alle kabellosen In-Ear-Kopfhörer beim Herausnehmen aus dem Ladecase immer mit dem zuletzt verbundenen Gerät.

Ab Android 6.0 aufwärts wird Google Fast Pair geboten, so dass die In-Ear-Kopfhörer automatisch auf dem Smartphone angezeigt werden, wenn sie zum ersten Mal verbunden werden sollen und das Ladecase geöffnet wird. Der Umweg über das Bluetooth-Menü des Betriebssystems ist so nicht mehr erforderlich.

6,8-mm-Treiber

Die Treiber haben einen Durchmesser von 6,8 mm, was zwar vergleichsweise klein, aber nicht allein ausschlaggebend für die Klangqualität ist. Der Frequenzgang beträgt die üblichen 20 bis 20.000 Hz, die Impedanz liegt bei 16 Ohm und die Empfindlichkeit bei 96 dB SPL bei 1 kHz. Der maximale Schalldruckpegel beträgt hingegen 94 dB. Neben SBC unterstützen die JBL Live Free NC+ den Audio-Codec AAC. Ein HD-Codec fehlt ihnen.

JBL Live Free NC+
JBL Live Free NC+
JBL Live Free NC+:
JBL Live Free NC+:
JBL Live Free NC+
JBL Live Free NC+

Kleines Ladecase mit Wireless Charging

Das Ladecase der JBL Live Free NC+ ist mit Abmessungen von 35,5 × 61,2 × 30,0 (H × B × T) mm angenehm klein und 40 g leicht. Das Ladecase der Samsung Galaxy Buds Pro misst zum Vergleich 50 × 50,2 × 27,8 mm, bei den Apple AirPods Pro sind es 45,2 × 60,6 × 21,7 mm.

Trotz dieser kompakten Maße bietet das Ladecase der JBL-In-Ears Wireless Charging nach Qi-Standard, ein passendes Ladepad muss der Käufer aber separat erwerben. An der Rückseite ist neben dem USB-C-Anschluss zum kabelgebundenen Aufladen ein Reset-Knopf platziert. Vier LEDs an der vorderen Außenseite zeigen nicht nur den Ladestatus an, sondern die jeweils äußere LED leuchtet auch auf, wenn der jeweilige Ohrhörer ins Case eingesetzt wird. So ist ersichtlich, dass die Verbindung zum Case erfolgreich hergestellt wurde. Die Ohrhörer rasten aber zuverlässig ein und halten fest im Ladecase, hiermit haben die Live Free NC+ kein Problem. Zu einem ungewollten Entladen des Ladecases, wenn die Ohrhörer mehrere Tage nicht genutzt werden, kommt es ebenfalls nicht. Eine kleine LED an der Innenseite signalisiert den Verbindungsstatus der Ohrhörer.

6 Stunden Musik mit ANC

Der Akku im Ladecase weist eine Kapazität von 300 mAh auf, in den Ohrhörern steckt jeweils ein Akku mit 50 mAh Kapazität. Die Ohrhörer können zwei Mal vollständig über das Case aufgeladen werden. Das Aufladen dauert rund zwei Stunden. Die Akkulaufzeit der Ohrhörer liegt laut JBL bei 7 Stunden ohne und 6 Stunden mit ANC, in Verbindung mit dem Ladecase also bei bis zu 21 Stunden. Im Test konnte die Akkulaufzeit mit 6:15 Stunden bei aktiviertem ANC und mittlerer Lautstärke leicht übertroffen werden – ein auch im Vergleich zur Konkurrenz, die hier häufig nur 5 Stunden bietet, guter Wert. Ein Schnelllademodus sorgt nach 10 Minuten für eine weitere Musikwiedergabezeit von einer Stunde.

JBL Live Free NC+ Samsung Galaxy Buds Pro Apple AirPods Pro Sennheiser Momentum True Wireless 2 Bose QuietComfort Earbuds Jabra Elite 85t
Bluetooth-Standard: 5.1 5.0 5.1 5.0
Audio-Codecs: SBC, AAC SBC, AAC, SSC SBC, AAC SBC, AAC, aptX SBC, AAC
Bedienung: Touch Tasten
Akkulaufzeit der Ohrhörer: 7,0/6,0 (ANC) h 8,0/5,0 (ANC) h 5,0/4,5 (ANC) h 7,0 h 6,0/6,0 (ANC) h 7,0/5,5 (ANC) h
Akkulaufzeit mit Ladecase: 21 h 28 h 24 h 28 h 18 h 25 h
Wireless-Charging: Ja Ja
ANC: Ja
Einzelnutzung: Ja
IP-Zertifizierung: IPX7 IPX4
Gewicht je Ohrhörer / nur Ladecase: 7,0/40,0 g 6,3/45,0 g 5,5/46,0 g 6,0/58,0 g 8,5/76,0 g 7,0/44,0 g
USB-Ladeanschluss: USB-C Lightning USB-C
Abmessungen Ladecase: 35,5 × 61,2 × 30,0 mm 50,0 × 50,2 × 27,8 mm 45,2 × 60,6 × 21,7 mm 34,7 × 76,8 × 43,8 mm 32,0 × 89,0 × 51,0 mm 41,0 × 64,9 × 28,2 mm
Preis: ab 115 € ab 175 € ab 193 € ab 244 € ab 215 € ab 216 €

Wasserdicht nach IPX7

Die 7 g wiegenden Ohrhörer sind nach IPX7 wasserdicht, können also zeitweise untergetaucht werden. JBL garantiert ein Untertauchen von 30 Minuten in einem Meter Tiefe in klarem Wasser. Salz- oder Seifenwasser sind hiervon wie üblich ausgenommen. Das Ladecase ist nicht wasserdicht.

Touchsteuerung mit Auto-Pause und -Play

Beide Ohrhörer setzen auf eine Touchsteuerung zur Bedienung der Musikwiedergabe, der Telefonie und des ANCs. Während der rechte Ohrhörer die Musikwiedergabe steuert, ist der linke für das ANC und die Transparenzmodi zuständig. Die Musikwiedergabe rechts wird mit einfachem Tippen gestartet und pausiert. Zweimaliges Antippen springt einen Track vor, dreifaches einen Track zurück. Geht ein Anruf ein, kann dieser auf beiden Ohrhörern durch doppeltes Tippen angenommen oder beendet werden. Auf beiden Ohrhörern kann einer der Sprachassistenten (Google Assistant, Amazon Alexa oder Samsung Bixby) aufgerufen werden, indem die Schaltfläche lange gehalten wird. Dafür muss jedoch in der JBL-My-Headphones-App zunächst ein Sprachassistent verknüpft werden. Im Auslieferungszustand ist über die Ohrhörer keine Lautstärkeregelung möglich.

Auf dem linken Ohrhörer wird zwischen ANC, „Ambient Aware“ und der Deaktivierung beider Modi durch einfaches Tippen gewechselt. Der Transparenzmodus TalkThru wird hingegen durch doppeltes Tippen aktiviert.

Trotz dieser Belegung auch eines einfachen Tippens sind die JBL Live Free NC+ nicht besonders anfällig für Fehleingaben. Form und Platzierung der Touchflächen bei JBL sind hier im Vergleich zu den ständigen Fehleingaben bei den Samsung Galaxy Buds Pro (Test) eine Wohltat.

Transparenzmodi TalkThru und Ambient Aware

TalkThru und „Ambient Aware“ als Transparenzmodi unterscheiden sich in ihrer konkreten Umsetzung. Während „Ambient Aware“ die Umgebung über die Mikrofone an die Ohren des Trägers weiterleitet und die Musiklautstärke nicht senkt, reduziert TalkThru die Lautstärke der wiedergegebenen Musik stark und verstärkt insbesondere Stimmen, damit man nicht nur die Umgebung wahrnimmt, sondern sich auch unterhalten kann. Ersterer ist für eine dauerhafte Wahrnehmung der Umgebung gedacht, wenn man sich etwa im Straßenverkehr bewegt, letzterer explizit für Gespräche. Für richtige Unterhaltungen ist er aufgrund des Rauschens aber trotzdem nicht optimal, allerdings dann die richtige Wahl, wenn man etwa Lautsprecherdurchsagen verstehen möchte. Eine Möglichkeit, die Intensität der Umgebung und eine Stimmenverstärkung manuell anzupassen, bietet JBL nicht. Wer die beste Klangqualität möchte, lässt beide Transparenzmodi immer ausgeschaltet, da sich das Grundrauschen ebenfalls verstärkt.

Gutes Auto-Play/Auto-Pause über Sensoren

Über Infrarotsensoren an der Innenseite der Ohrhörer wird erkannt, ob sie eingesetzt sind oder nicht. Dies steuert die Funktion zum automatischen Pausieren und Fortsetzen der Musikwiedergabe, wenn die Ohrhörer aus dem Ohr genommen beziehungsweise wieder eingesetzt werden. In der Praxis funktioniert dies schnell und zuverlässig.

Anpassungen über die JBL-My-Headphones-App

Ein Umstellen zwischen ANC, „Ambient Aware“, TalkThru und der Deaktivierung aller Modi ist auch über die JBL-My-Headphones-App möglich, die die JBL Live Free NC+ unterstützt. Sie zeigt außerdem den Akkuladestand jedes Ohrhörers und des Ladecases an. Über einen Equalizer kann der Klang angepasst werden. Neben der Auswahl eines der Presets „Jazz“, „Vocal“ und „Bass“ kann eine eigene Anpassung auch als Preset gespeichert werden.

Anpassung der ANC-Intensität

Über die App ist es zudem möglich, die Intensität des ANCs anzupassen, wobei ein Regler nach rechts und links verschoben werden kann. Die Grundstellung ist in der Mitte. Was welche Richtung bewirkt, ist dabei aber zunächst nicht ersichtlich, da die Beschreibung in der App unvollständig ist. Die stärkste Geräuschunterdrückung bietet dabei die mittlere Position. Sowohl nach rechts als auch nach links nimmt die Filterung ab, wobei kein Unterschied wahrgenommen werden kann. Ganz links und ganz rechts dringen mehr Geräusche mit niedrigen Frequenzen ans Ohr als auf der mittleren Position. Einhergehend reduziert sich aber ebenso das Grundrauschen des ANCs, wenn auf etwas Geräuschunterdrückung verzichtet wird.

Lautstärkeregelung kann konfiguriert werden

Über die App kann darüber hinaus die Lautstärkeregelung auf einem Ohrhörer aktiviert werden, aber nur auf Kosten anderer Funktionen. Denn sowohl links als auch rechts kann unter „Gesten“ das Profil für die Steuerung geändert werden. Während im Auslieferungszustand links „Umgebungsgeräusch-Kontrolle“ und rechts „Wiedergabesteuerung“ konfiguriert ist, ist es auf beiden Ohrhörern möglich, alternativ das Profil „Lautstärkeregler“, „Sprachassistent“ oder „Keine“ zu wählen. Während letzteres die Steuerung auf dem Ohrhörer deaktiviert, sorgt „Lautstärkeregler“ dafür, dass einmaliges Tippen die Lautstärke erhöht und zweifaches Tippen sie reduziert. Wird die Touchfläche gehalten, wird der Sprachassistent aktiviert. Das Profil „Sprachassistent“ aktiviert hingegen nur noch diese Funktion, einfaches und doppeltes Tippen sind dann gar nicht mehr belegt.

Sämtliche Funktionen lassen sich demnach nicht auf die Ohrhörer legen und für die Lautstärkeregelung fallen andere, sinnvolle Bedienfunktionen weg. Eine vollständig freie Konfiguration der Bedienung würde dem Nutzer hier wieder mehr Komfort bieten.

Audio-Modus per App anpassen

Die App „JBL My Headphones“ bietet auch eine Funktion namens Smart-Audio-Modi, über die der Klang für Audio oder Video optimiert werden kann. Beim Videomodus soll die Lippensynchronisierung verbessert werden, während der Audiomodus den besten Klang verspricht. Im Modus „Normal“ stellt JBL hingegen die sicherste Verbindung in Aussicht.

Wie bereits erwähnt, können neben dem digitalen Sprachassistenten des verbundenen Smartphones über die JBL-App auch der Google Assistant und Amazon Alexa verknüpft werden – entweder oder, nicht gleichzeitig.

My JBL Headphones App mit JBL Live Free NC+

Darüber hinaus ermöglicht die App ein Update der Firmware der In-Ear-Kopfhörer, das Festlegen einer Zeitspanne für das automatische Ausschalten der Ohrhörer im Ruhezustand und das Deaktivieren von Auto-Play/Auto-Pause. Über „Finde meine Ohrhörer“ kann ein lauter Signalton auf den Ohrhörern ausgegeben werden, um sie zu finden, sofern sie noch in der Bluetooth-Reichweite des Smartphones liegen.

Sicherer Halt mit entlastenden Ear-Wings

Die JBL Live Free NC+ nehmen viel Platz in der Ohrmuschel ein, weshalb sie für kleinere Ohren zu groß ausfallen können. Hierdurch schließen sie aber gut ab, was für die Effektivität des ANCs wichtig ist. Werden sie richtig eingesetzt und über die Ear-Wings im Ohr stabilisiert, tragen sie sich jedoch sehr angenehm, da der Druck auf den Gehörgang entlastet wird und nicht die Silikon-Aufsätze allein für den Halt im Ohr sorgen müssen.

Auch sportlichere Aktivitäten sind mit den In-Ear-Kopfhörern von JBL kein Problem. Eingeschränkt können sie zudem unter Mützen und mit Fahrradhelmen getragen werden, da sie keinen Stiel aufweisen und vergleichsweise wenig aus dem Ohr herausragen.

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