Europas digitale Dekade: 20 % der Fertigungskapazität für ≤5 nm aus der EU

Volker Rißka
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Europas digitale Dekade: 20 % der Fertigungskapazität für ≤5 nm aus der EU
Bild: ASML

Bis zum Jahr 2030 will sich die EU in digitalen Bereichen viel breiter aufstellen. Dafür wurde ein umfangreiches Paket auf den Weg gebracht. Inbegriffen ist auch eine Fertigungskapazität für Halbleiter in der Klasse 5 nm und kleiner, die über 20 Prozent des Weltmarktes abdecken soll.

Im 27-seitigen Dokument (PDF) wird der Punkt einer stabilen und fortschrittlichen Fertigung von neuesten Halbleitern und Prozessoren explizit hervorgehoben. Laut EU-Angaben liegt der Umsatz am Weltmarkt aktuell bei rund zehn Prozent, unabhängige Analysen sahen zuletzt mehrfach eher einen Wert von sechs Prozent als realistisch an. So oder so sind das erklärte Ziel nun über 20 Prozent Umsatzanteil am Weltmarkt mit Halbleitern.

The production of cutting-edge and sustainable semiconductors in Europe including processors is at least 20% of world production in value (meaning manufacturing capacities below 5nm nodes aiming at 2nm and 10 times more energy efficient than today)

Während Foundries in Asien boomen und auch die USA das Zepter in die Hand genommen haben und erste Firmen erfolgreich köderten, steht die EU in dem Bereich unter Zugzwang. Ohne entsprechenden Zuwendungen durch die öffentliche Hand wird sich kein Chip-Hersteller ansiedeln, Infineon nannte zuletzt mindestens 25 Prozent, Globalfoundries sogar 33 Prozent, die dabei an Subventionen kommen müssten, um mit Herstellern in Taiwan und Korea mithalten zu können. Zuletzt gab es schon Gerüchte, TSMC könnte unter entsprechenden Vorzeichen eine Fabrik in Europa bauen.

Fortschrittliche Quantencomputer und auch 5G

Auch ein erstes System aus dem Bereich Quantencomputer will die EU bis zum Jahr 2025 sehen, ein echter Quantencomputer und die Marktführerschaft soll bis 2030 gewährleistet sein. Da aktuell noch niemand genau weiß, wie sich das Gebiet überhaupt entwickelt, sind diese Ziele zumindest ebenso ehrgeizig gewählt wie im Halbleitermarkt wieder ganz oben mitspielen zu wollen.

Viele Punkte im Digitalpakt sind jedoch keine gravierende Neuerungen und vor allem, in Anbetracht der Laufzeit bis zum Jahr 2030, auch nicht großartig weit gedacht. Beispielsweise steht im Papier, dass bis 2030 alle Haushalte in der EU über eine Gigabit-Anbindung verfügen und alle bevölkerten Gebiete mit 5G-Netzen versorgt werden sollten. Angesichts von 59 Prozent Anteil an Gigabit-Internet-Zugang bereits heute EU-weit, wozu laut EU-Informationsblatt auch Lösungen via Satellit zählen, ist 2030 eine viel zu lange Laufzeit. Auch 5G sollte viel früher realisierbar sein, zumal im Jahr 2028 nach bisherigem Stand 6G an den Start gehen dürfte.

Am Ende steht das gesamte Drumherum. 80 Prozent alle Einwohner sollen grundlegende IT-Kenntnisse aufbringen können, die Anzahl der Beschäftigten in der ITK-Branche auf 20 Millionen mehr als verdoppelt werden. Parallel dazu soll sich auch die Anzahl an Startups verdoppeln, mindestens drei von vier Unternehmen sollen Cloud-Computing-Dienste, Big Data und künstliche Intelligenz nutzen – ohne die Cloud und auch Big Data kommen heute bereits viele nicht mehr aus.

EU-Ziele für 2030
EU-Ziele für 2030 (Bild: Europäische Kommission)

Nach den Vorschlägen kommt die Umsetzung. Finanziert werden soll dies mit einem mindestens 20 Prozent großen Anteil aus der 672,5 Milliarden Euro schweren Recovery and Resilience Facility, der zur Rückkehr aus der Coronakrise aufgelegt wurde. Der Anteil würde etwa 135 Milliarden Euro entsprechen.