Bestätigt: Beta-Treiber hebelt Mining-Bremse der RTX 3060 aus

Michael Günsch et al.
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Bestätigt: Beta-Treiber hebelt Mining-Bremse der RTX 3060 aus

Bereits in der vergangenen Woche gab es Hinweise, dass sich die von Nvidia bei der GeForce RTX 3060 eingeführte „Mining-Bremse“ aushebeln lässt. Wurden diese zunächst angezweifelt, will es der Website PC Watch nun relativ einfach gelungen sein, die Bremse zu lösen. ComputerBase kann dies inzwischen bestätigen (siehe Update).

Schon am vergangenen Mittwoch wurde auf Twitter auf eine mutmaßliche Aushebelung der Maßnahmen zur Reduzierung der Hashrate zum Schürfen der Kryptowährung Ether des quelloffenen und dezentralisierten Systems Ethereum hingewiesen. Doch folgten Zweifel, denn der Screenshot zeigte zwar eine hohe Hashrate, allerdings soll das Resultat nicht für Ethereum (ETH), sondern die Kryptowährung Conflux (CFX) gegolten haben. Die Website VideoCardz sprach daher von einem Irrtum: „Nothing was 'hacked'.

PC Watch will ETH-Bremse bei RTX 3060 geknackt haben

Doch jetzt griff die renommierte japanische IT-Website PC Watch das Thema auf und bestätigte, dass sich die Mining-Bremse bei der GeForce RTX 3060 (Test) aushebeln lässt. Ein Bildschirmfoto in dem Bericht bescheinigt der GeForce RTX 3060 eine Hashrate von 48 MH/s für den ETH-Algorithmus. Wie der „Hack“ im Detail funktioniert, wurde aus verständlichen Gründen nicht genannt. Laut PC Watch sei aber keine Modifizierung von BIOS oder Treiber nötig. Vermutet wird derzeit, dass eine Kombination aus spezieller VBIOS-Version und einem Beta-Treiber die ETH-Bremse außer Kraft setzt.

Weitere Hinweise (siehe Screenshots in der obigen Bildstrecke) auf ein angeblich erfolgreiches Umgehen der Maßnahmen wurden unter anderem im ComputerBase-Forum und bei VideoCardz aufgestöbert.

Nvidia hatte im Vorfeld zunächst nur von Treiber-Anpassungen zur Limitierung der ETH-Hashrate gesprochen. Später wurde erklärt, dass die Crypto-Bremse der GeForce RTX 3060 „nicht nur ein Treiber-Ding“ sei, sondern das Zusammenspiel aus Treiber, BIOS und GPU ein Umgehen der Bremse verhindern soll. Augenscheinlich genügen die Maßnahmen, die RTX 3060 für GPU-Mining unattraktiv zu machen, aber nicht. Nvidia hat mit der CMP-HX-Serie zusätzlich eine eigene Produktlinie für Ethereum-Mining-Farmen aufgelegt.

Update 15.03.2021 14:10 Uhr

ComputerBase kann bestätigen, dass allein der von Nvidia an Entwickler und über das Windows Insider Program verteilte Beta-Treiber GeForce 470.05 dafür sorgt, dass die Leistung der GeForce RTX 3060 im Ethereum-Algorithmus nicht mehr einbricht. Ein BIOS-Update ist nicht vonnöten.

Update 16.03.2021 12:07 Uhr

Wie Nvidia gegenüber The Verge erklärt, ist die Freigabe des GeForce 470.05 ohne die Mining-Restriktion im Ethereum-Algorithmus auf einen Fehler zurückzuführen. Der Treiber hätte die Bremse zu internen Testzwecken außer Kraft gesetzt, für die Öffentlichkeit war er nicht bestimmt. Nvidia hat den Treiber inzwischen offline genommen, das hat aber nur noch symbolischen Wert.

Nicht geäußert hat sich Nvidia dazu, wie die als sicher verkaufte Mining-Bremse am Ende allein durch einen anderen Treiber ausgehebelt werden konnte. Nicht zwangsläufig muss das bedeuten, dass es die verschlüsselte Zusammenarbeit von Firmware, Bios und Treiber nicht gegeben hat. Möglicherweise ist der GeForce 470.05 im Gegensatz zu einem manipulierten Treiber weiterhin derart ausgerüstet, die Mining-Bremse aber einfach „zertifiziert“ deaktiviert.

Update 17.03.2021 17:30 Uhr

ComputerBase kann mittlerweile auch bestätigen, dass Nvidia die Bremse im GeForce 470.05 immer noch einsetzt, wenn neben der GeForce RTX 3060 noch eine andere Grafikkarte im System steckt und kein Monitor-Kabel an der GeForce RTX 3060 angeschlossen wurde – in diesem Fall sinkt die Hashrate weiterhin ab.

In der Tat genügt es aber, den per HDMI an der GeForce RTX 3070 angeschlossenen Monitor parallel per DisplayPort an der GeForce RTX 3060 anzuschließen, um die Hashrate wieder steigen zu lassen. Der folgende Screenshot zeigt die erst fallende und dann wieder steigende Hashrate der GeForce RTX 3060 (GPU1). Der Monitor kann auch ausgeschaltet werden.

Schon dass ein Monitor passiv an der RTX 3060 hängt, hebelt die Bremse wieder aus: GPU2 (RTX 3070) gibt das Bild über HDMI aus, GPU1 (RTX 3060) hängt per DisplayPort am selben Display. Wird das Kabel entfernt, sinkt die Hashrate, ist das Kabel wieder dran, steigt sie erneut
Schon dass ein Monitor passiv an der RTX 3060 hängt, hebelt die Bremse wieder aus: GPU2 (RTX 3070) gibt das Bild über HDMI aus, GPU1 (RTX 3060) hängt per DisplayPort am selben Display. Wird das Kabel entfernt, sinkt die Hashrate, ist das Kabel wieder dran, steigt sie erneut

Ob das Prinzip auch mit mehr als einer GeForce RTX 3060 noch funktioniert, ließ sich bis dato hingegen ebenso wenig klären wie die Frage, ob dieses Verhalten gezielt herbeigeführt wird, um privates Ethereum-Mining im kleinen Rahmen auch mit der GeForce RTX 3060 weiter zu ermöglichen, während Mining-Farmen nur über einen zusätzlichen Aufwand (Displays oder Display-Dongle) eine GeForce RTX 3060 mit anderen Grafikkarten in einem System einsetzen können.