970 Evo Plus: Auch Samsung tauscht SSD-Komponenten aus

Michael Günsch
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970 Evo Plus: Auch Samsung tauscht SSD-Komponenten aus
Bild: Samsung

Zu den Herstellern, die bei bestehenden SSD-Serien entscheidende Komponenten wechseln, zählt auch Samsung. Zumindest in Asien sind verschiedene Versionen des 1-TB-Modells der SSD-Serie 970 Evo Plus (Test) im Umlauf. Ein YouTube-Kanal macht auf die Unterschiede aufmerksam.

970 Evo Plus mit anderen Komponenten gesichtet

Im Video des YouTube-Kanals 潮玩客 sind die verschiedenen Versionen zu sehen. Die 970 Evo Plus 1 TB mit der Produktnummer MZVLB1T0HBLR und dem Produktionsdatum April 2021 besitzt die bekannte Ausstattung mit Phoenix-Controller (S4LR020) und 3D-TLC-NAND mit der Kennung K9DUGY8J5B-DCK0 aus der 96-Layer-Generation.

970 Evo Plus: alt oben, neu unten
970 Evo Plus: alt oben, neu unten (Bild: 潮玩客 (YouTube))
970 Evo Plus: alt oben, neu unten
970 Evo Plus: alt oben, neu unten (Bild: 潮玩客 (YouTube))
970 Evo Plus: alt links, neu rechts
970 Evo Plus: alt links, neu rechts (Bild: 潮玩客 (YouTube))

Die neue und zuvor unbekannte Version der 970 Evo Plus 1 TB trägt hingegen die Produktnummer MZVL21T0HBLU und ist mit dem Elpis-Controller (S4LV003) sowie 3D-NAND mit der Kennung K9DUGY8J5B-CCK0 bestückt. Der Elpis-Controller ist von der jüngeren und schnelleren Samsung 980 Pro (Test) bekannt und unterstützt bereits PCIe 4.0 x4, ist aber abwärtskompatibel zu PCIe 3.0 x4, was im Fall der Neuauflage der 970 Evo Plus vorliegt. Bei dem NAND dürfte es sich ebenfalls um 96-Layer-TLC-NAND, allerdings in einem anderen Package handeln.

970 Evo Plus mit geänderter Hardware
970 Evo Plus mit geänderter Hardware (Bild: 潮玩客 (YouTube))

Auch die Verpackung der neuen Version ist anders gestaltet. Im Video sind Bilder und Screenshots der alten Version mit der Ziffer „旧“ (chinesisch für „alt) beschriftet. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist die Firmware-Version: Die alte Version trägt die Version 2B2QEXM7 und die neue Version die 3B2QEXM7.

970 Evo Plus: alt links, neu rechts (Bild: 潮玩客 (YouTube))

Leistung mal besser, mal schlechter

Die durchgeführten Benchmarks zeigen ein diverses Bild für den Leistungsvergleich der neuen mit der alten 970 Evo Plus. So erreicht die neue Version mit Elpis-Controller zum Beispiel im CrystalDiskMark und im AS SSD Benchmark insgesamt bessere Ergebnisse. Auffällig ist der deutlich höhere Wert bei RND4K Q1T1 von knapp 82 MB/s, während die alte Version nur auf rund 56 MB/s kommt. Auch der AS SSD Benchmark bescheinigt der neuen Version eine höhere 4K-Leistung, aber schlechtere Latenzen. In den Kopiertests der Software gibt es nur geringfügige Unterschiede, die insgesamt aber zugunsten der alten Version ausfallen.

970 Evo Plus: alt links, neu rechts
970 Evo Plus: alt links, neu rechts (Bild: 潮玩客 (YouTube))
970 Evo Plus: alt links, neu rechts
970 Evo Plus: alt links, neu rechts (Bild: 潮玩客 (YouTube))
970 Evo Plus: alt oben, neu unten
970 Evo Plus: alt oben, neu unten (Bild: 潮玩客 (YouTube))

Ein massiver Unterschied zeigt sich dann aber bei den Messungen zur andauernden Schreibleistung mit der Software HD Tune Pro. Die alte Version beginnt mit rund 1.750 MB/s und fällt nach gut 40 GB auf etwa 1.500 MB/s ab. Da Samsung den SLC-Cache zum Marktstart mit bis zu 42 GB angegeben hat, passen die Beobachtungen zu dieser Angabe.

970 Evo Plus: alt links, neu rechts
970 Evo Plus: alt links, neu rechts (Bild: 潮玩客 (YouTube))

Komplett anders verhält sich die neue Version: Die Schreibrate beginnt bei deutlich höheren > 2.500 MB/s und bleibt bis zu einer Schreibmenge von etwa 115 GB auf diesem Niveau. Erst dann fällt die Leistung ab, mit nur noch etwa 800 MB/s allerdings sehr deutlich. Die Messungen zeigen also einen erheblich größeren und schnelleren SLC-Modus auf. Nach dem Cache ist die Leistung aber nahezu halbiert. Das lässt vermuten, dass die neuen NAND-Packages insgesamt weniger Speicherchips beinhalten, die dafür aber eine höhere Speicherkapazität besitzen. Der Schreibdurchsatz einer SSD nach dem SLC-Cache hängt wesentlich von der Anzahl der Speicherchips ab, da durch viele parallele Zugriffe die Leistung steigt.

Gleichstand beim praktischen Transfertest

Im praktischen Einsatz kommt es auf die Größe der am Stück zu übertragenden Dateien an, ob die alte oder die neue Version schneller schreibt. Im Video wurden zum Test zwei Dateien mit einer Größe von zusammen 156 GB auf die beiden 970 Evo Plus geschrieben. Sehr gut erkennbar ist der deutlich länger zur Verfügung stehende SLC-Modus der neuen Version, die dadurch schnell einen Vorsprung erreicht. Gegen Ende bricht die Leistung aber auf etwas mehr als 800 MB/s ein, während die alte Version weiterhin mit über 1.500 MB/s schreibt. So läuft es am Ende bei der Dauer des Vorgangs praktisch auf einen Gleichstand hinaus.

970 Evo Plus: alt links, neu rechts (Bild: 潮玩客 (YouTube))

Bei noch größeren Transfers würde allerdings die alte Version mit der schnelleren Dauertransferrate klar die Führung übernehmen. Bis 115 GB liegen die Vorteile wiederum bei der neuen Version.

Weitere Tests, die auch Temperaturmessungen beinhalten, sind im Video zu sehen. Die neue Version mit Elpis-Controller wird demnach etwas wärmer.

Der Wechsel ist bei Samsung besser ersichtlich

Der (heimliche) Wechsel von SSD-Komponenten ist heutzutage gängige Praxis. Solange die Eigenschaften des Produkts nicht wesentlich verschlechtert werden und der Wechsel für Kunden ersichtlich ist, ist dies kein Problem. Bei Samsung ist nun zumindest anhand der Verpackung und der Produktnummern bereits vor dem Kauf die neue Version erkennbar. Zudem dürfte nur bei sehr großen Schreibtransfers ein Leistungsnachteil spürbar sein. Das offizielle Datenblatt hat Samsung bereits angepasst. In den Fußnoten wird nun nicht mehr die Leistung nach dem SLC-Modus (TurboWrite) angegeben.

Datenblätter zur 970 Evo Plus (links 2.0, rechts 3.0)
Datenblätter zur 970 Evo Plus (links 2.0, rechts 3.0)

Dennoch wäre wünschenswert gewesen, auf die neue Version vor Einführung deutlicher aufmerksam zu machen und zu informieren. Wie es besser geht, hatte Samsung selbst vor einigen Jahren bei der SATA-SSD 850 Evo in Neuauflage (V2) vorgemacht. Allerdings gab es mit der neuen Variante seinerzeit auch keinerlei Nachteile, sondern nur Vorteile.

Viel Kritik für Crucial und WD

Bei jüngsten Beispielen anderer Hersteller liegt die Sache etwas anders: Der Wechsel bei der Crucial P2 SSD von TLC- auf QLC-NAND senkt die Leistung gerade in der Praxis massiv und sollte jenseits der unveränderten Garantiebedingungen auch die Haltbarkeit beeinträchtigen. Crucial hatte zwar zuvor schon einen späteren Wechsel auf QLC nicht ausgeschlossen, doch für Kunden ist nicht ersichtlich, welche Version sie im Handel erwerben.

Bei einer neuen Version der WD Blue SN550 fällt die Schreibleistung im TLC-Modus ähnlich wie bei der Samsung 970 Evo Plus deutlich niedriger als bei der alten Version aus. Bisher ist aber unklar, ob Kunden vor dem Kauf zwischen den Versionen unterscheiden können.

Das Vorgehen von Crucial wie auch Western Digital bei den genannten Beispielen sorgte nicht nur bei Lesern von ComputerBase, sondern weltweit für viele kritische Stimmen.

Die Redaktion dankt Community-Mitglied „TP555“ für den Hinweis zu dieser News.

Update 03.09.2021 14:35 Uhr

Auch eine Woche nach der Anfrage der Redaktion beim Hersteller liegt trotz mehrmaliger Erinnerung noch keine Stellungnahme von Samsung zu dem Thema vor. Der ebenfalls dem Hersteller zugetragene Hinweis, dass auch bei der Samsung 980 Pro das Datenblatt geändert wurde, blieb bisher ebenfalls unkommentiert.

Update 09.09.2021 14:45 Uhr

Nach wiederholter Nachfrage liegt nun doch eine Stellungnahme von Samsung vor. Der Hersteller begründet den Wechsel von Controller und NAND sowie im Zuge dessen die neue Firmware „3B2QEXM7“ mit „globalen Engpässen“, die die „Produktion und Verfügbarkeit vieler Komponenten beeinträchtigt“ hätten. Um die Produktion der 970 Evo Plus fortzuführen, sei dieser Schritt nötig gewesen.

Samsung sieht in dem größeren SLC-Cache (TurboWrite Buffer) sowie Optimierungen auf Seiten der Firmware sogar Vorteile für Anwender. Dass bei hohem Füllstand und Dauerschreiblast laut den obigen Beobachtungen aber eine geringere Leistung zu erwarten ist, findet keine Erwähnung.

Das Datenblatt zur 970 Evo Plus sei mit Veröffentlichung der neuen Version entsprechend angepasst worden. Dass in dem Dokument die Änderungshistorie fortlaufend dokumentiert wird, sorge für „eine transparente Kommunikation mit den Kunden“.

To ensure continued production of the popular Samsung 970 EVO Plus, Samsung has decided to upgrade the controller and NAND in the 970 EVO Plus and have updated the firmware to the new version „3B2QEXM7“. The changes were dictated by global shortages affecting the production and availability of many components and devices. We believe that by increasing the intelligent TurboWrite buffer and optimizing software, our devices will even better meet the growing needs of consumers and improve the overall user experience. With the release of the new version of the 970 EVO Plus drive, Samsung has posted an updated datasheet on its website. In the event of subsequent component updates, the company will keep the entire change history available on an ongoing basis to ensure transparent communication with customers.

Samsung