Retro

Atari Intellivision im Test: Fazit

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Michael Schäfer
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Die Intellivision Sprint präsentiert sich als Retro-Konsole mit Licht und Schatten, wobei ein Teil der Schwächen bereits dem Original zuzuschreiben ist, während andere Aspekte auf Entscheidungen von Atari zurückgehen. Aber der Reihe nach.

GIF Atari Intellivision Teaser (Bild: Atari)

Das Original ist sofort zu erkennen, der Nachbau vergibt Chancen

Die Neuauflage selbst orientiert sich in weiten Teilen am Original und setzt dessen Gestaltung überzeugend um, auch wenn das Gehäuse, wie bei Retro-Konsolen dieser Art inzwischen üblich, leicht verkleinert wurde, ohne dabei einer übertriebenen Schrumpfkur zu unterliegen. Dieser Umstand hängt nicht zuletzt mit den Controllern zusammen, die einerseits ein gutes Handling gewährleisten sollen und daher in der Ursprungsgröße verbleiben, andererseits jedoch wie beim Original zur Aufbewahrung in das Gehäuse eingeschoben werden sollen. In der Neuauflage arbeiten diese kabellos und werden im eingeschobenen Zustand gleichzeitig geladen, was in der Praxis ohne Probleme funktionierte. Auch die Holzapplikationen des Originals wurden aufgegriffen, jedoch kostengünstiger durch lackierten Kunststoff realisiert. Die Verarbeitung gibt keinen Anlass zur Kritik, wobei dies angesichts der überschaubaren Anzahl an zusammengeschraubten Komponenten auch zu erwarten ist.

Weniger überzeugend zeigt sich hingegen die Umsetzung der beiden USB-Anschlüsse, die für zusätzliche Eingabegeräte vorgesehen sind, jedoch ausschließlich Peripherie von Atari unterstützen, welche bislang allerdings nicht verfügbar ist, wodurch dieses Potenzial ungenutzt bleibt. Atari hatte zwar einen Adapter angekündigt, der es ermöglichen sollte, die originalen Controller mit der Neuauflage zu verwenden, doch auch dieser ist bislang nicht erschienen.

Atari Intellivision Sprint im Test

Controller überzeugen nur bedingt

Die Controller selbst hinterlassen einen gemischten Eindruck, da zwar das grundlegende Design und die daraus resultierende eingeschränkte Ergonomie auf Intellivision zurückzuführen sind, die Verarbeitung der einzelnen Komponenten jedoch stabiler hätte ausfallen können. In der vorliegenden Form wirken diese recht „labbrig“, was sich auch im Spielbetrieb bemerkbar macht, da Eingaben gelegentlich nicht korrekt erkannt und umgesetzt werden. Bis zum Abschluss des Tests ließ sich jedoch nicht eindeutig klären, ob dieses Verhalten nur auf die Konstruktion oder auch auf die kabellose Verbindung zurückzuführen ist.

Software lässt Funktionen vermissen

Das System selbst zeigt sich insgesamt solide, offenbart jedoch ebenfalls Schwächen, die mit vergleichsweise geringem Aufwand hätten behoben werden können. So ist es zwar seit dem letzten Firmware-Update möglich, die Höchstpunkte einzelner Spiele zu speichern, eine Funktion für allgemeine Spielstände, wie sie bei anderen Retro-Konsolen längst üblich ist, fehlt jedoch weiterhin. Ebenso stellt die fehlende Unterstützung für externe Joysticks oder Gamepads ein Versäumnis dar. Die unterschiedliche Tastenbelegung kann hierbei nicht als ausreichende Begründung dienen, da bei den enthaltenen sowie bei testweise per USB hinzugefügten Spielen beispielsweise die Nummerntasten nur selten komplett genutzt werden. Über eine Zuordnung der Eingaben, wie sie bei Konsolen von Retro Games seit Längerem per Mapper ermöglicht werden, ließe sich die Nutzung alternativer Eingabegeräte in den meisten Fällen ohne größere Einschränkungen realisieren.

Spielekatalog führt einige gute Titel, einige Klassiker fehlen aber

Die mitgelieferte Spielebibliothek umfasst, wie in diesem Segment häufig der Fall, eine Mischung aus weniger relevanten Titeln (um nicht zu sagen Füllwerk) und solchen, die trotz einfacher Grafik unterhaltsam und fordernd ausfallen. Da jedoch ausschließlich der Katalog von Mattel übernommen wurde und Atari selbst seinerzeit keine Titel für den Konkurrenten entwickelt oder portiert hatte, beschränkt sich die Auswahl auf die damals eigenständig veröffentlichten Spiele, wodurch bekannte Klassiker anderer Publisher auch hier fehlen.

Keine eindeutige Antwort darauf, ob und für wen sich die Konsole lohnt

Ob sich die Anschaffung der Intellivision Sprint lohnt, bleibt letztlich eine individuelle Entscheidung, die jeder Retro-Fan für sich treffen muss. Da das Original seinerzeit weniger weit verbreitet war, dürfte die Neuauflage bei vielen nicht denselben „Haben-Faktor“ auslösen wie etwa ein Comodore 64 oder ein Atari 2600. Zudem wirkt das Gesamtpaket noch nicht vollständig ausgereift, auch wenn einige der genannten Schwächen prinzipiell per Firmware behoben werden könnten. Ob Atari hierfür jedoch die notwendigen Ressourcen bereitstellen wird, bleibt abzuwarten.

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