GMK TriggerKey im Test: Das „Analog-Upgrade“ für Mecha-Taster ist echt speziell

Max Doll
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GMK TriggerKey im Test: Das „Analog-Upgrade“ für Mecha-Taster ist echt speziell

Wann mechanische Taster auslösen, ist fest vorgegeben, solange keine analoge Technik (Hall Effect, TMR) zum Einsatz kommt. Von GMK gibt es mit den „TriggerKeys“ jetzt eine Option, MX-Taster auf „analogere Taster“ umzurüsten – und das quasi ohne Werkzeug. Was für ein Traum! Oder? Wir haben uns das Wunderwerk näher angeschaut.

Das verspricht der GMK TriggerKey

Die TriggerKeys vom deutschen Hersteller GMK aus Wernberg-Köblitz im Oberpfälzer Wald versprechen ein quasi-mythisches Wunderwerk: Präzision und Ergonomie neu definieren will das System mittels eines Hebelsystems, von dem „kompetitive Spieler, Tastatur-Enthusiasten und Creators“ durch „voll einstellbare Auslösepunkte“ profitieren sollen. Gleichzeitig lässt sich die Taste um bis zu 34 Grad neigen. Komfort und Performance sollen so erhöht werden, gerade bei längerem Einsatz. Aber gelingt das auch? Und lohnt sich das Upgrade-Kit am Ende wirklich? Der Test liefert die Antworten.

Ein Trigger-Key-Set besteht aus vier Aufsätzen, verschiedenen Stem Caps, Kurzanleitung und Werkzeug
Ein Trigger-Key-Set besteht aus vier Aufsätzen, verschiedenen Stem Caps, Kurzanleitung und Werkzeug
Trigger Key montiert auf MX-Taster
Trigger Key montiert auf MX-Taster (Bild: GMK)
Der Trigger Key ist ein reiner Aufsatz für MX-artige Taster
Der Trigger Key ist ein reiner Aufsatz für MX-artige Taster (Bild: GMK)

So funktioniert der TriggerKey

Der TriggerKey ist ein rein mechanisches System und besteht eigentlich „nur“ aus zwei Aufsätzen für den Stempel der mechanischen Taster, der in drei Höhen beigelegten ‚Stem Cap‘ sowie ihrem Gehäuse. Kompatibel sind prinzipiell Modelle in MX-Bauform; eine ungefähre Orientierung gibt der Hersteller über eine Kompatibilitätsliste (PDF). Der Aufsatz aus POM-Gehäuse und ABS-Cap wird auf die Tastenkappe gesteckt und, sollte er nicht sofort einrasten, mit einem Werkzeug kurz heruntergedrückt. Fertig? Noch nicht ganz.

Der Trigger Key sitzt anstelle der Tastenkappe auf einem Taster
Der Trigger Key sitzt anstelle der Tastenkappe auf einem Taster

In einem zweiten Schritt muss der TriggerKey eingestellt werden. Dazu gibt es zwei Stellschrauben und ein Hilfsmittel. In einem ersten Schritt gilt es, die Grundhöhe des TriggerKeys und damit den initialen Neigungswinkel der Kappe anzupassen, das heißt die aus ABS-Kunststoff gefertigte Oberfläche in die Horizontale zu bringen. Neben der Stellmöglichkeit können dazu auch die Stem Caps für die Stempel genutzt werden.

Darüber hinaus kann über die zweite Schraube der Auslösepunkt gewählt werden. Das ist zwischen „0,1“ Millimetern und etwa dem originalen Signalpunkt möglich. Warum erklärt sich aus der Konstruktion: Der TriggerKey spannt bei Verkürzung des Auslösepunktes die Feder des Tasters vor. Der maximale Hub bleibt durch die Kippbewegung des Aufsatzes zwar bei 4 Millimetern, später auslösen als der verbaute Taster kann der TriggerKey aber nicht. Idealerweise wird es also auf Tastern eingesetzt, die einen normalen Auslösepunkt bei einem Hub von 1,8 oder 2 Millimetern besitzen.

Winkel und Auslösetiefe können per Werkzeug geändert werden
Winkel und Auslösetiefe können per Werkzeug geändert werden

Das ist der Alltag

Dass das System keines ist, das schnelles Umstellen der Signalpunkte ermöglicht, liegt auf der Hand. Aber auch das Einstellen will mit Bedacht erfolgen. Denn alle vier Tasten müssen gleich angepasst werden. Um das zu erleichtern, hat das Werkzeug einen Markierungsstrich. Es muss aber auch gleich aufgesetzt werden. Einstellen erfolgt nach Auge und Gefühl. Vor allem bei sehr frühem Signalpunkt muss feinjustiert werden, da es ansonsten zu ungewollten Dauereingaben nach dem ersten Auslösen kommt.

Zur Warnung mahnt auch die Beschreibung. TriggerKeys seien für Menschen, die ihre Tastatur auch als Kunstobjekt sehen würden. Kreativschaffende sollen, so die Versprechung, ihre Arbeitsprozesse mit Makros und Co. optimieren können. Eigene Software-Features bietet der TriggerKey aber nicht.

Im Trailer wird sogar ein Rennspiel gezeigt und quasi suggeriert, das Gaspedal lasse sich fein analog dosieren. Doch das ist nur dann möglich, wenn mit der Frequenz von Auslösungen gespielt wird, nicht aber echt analog. Derlei wirkt, wie der Hinweis auf leichte Wartung, ein wenig verzweifelt.

Der Trigger Key kippt über eine Achse
Der Trigger Key kippt über eine Achse

Harte Grenze: Betätigung

Wo das System an harte Grenzen stößt, ist bei der tatsächlichen Betätigung. Das liegt daran, dass der Taster nicht mehr gleichmäßig eingedrückt wird – schließlich ist nun eine Seite der Oberfläche in der Höhe fixiert. Die Oberseite klappt dadurch je nach Ausrichtung entweder nach vorne oder hinten und erzeugt eine schräge Fläche.

Wie sich das anfühlt, fragt ihr euch? Unnatürlich, vor allem da umliegende Tastenkappen nach wie vor in den Niederungen der Normalität verharren. Es hat schon einen Grund, warum nur vier Tastenkappen in einem Set liegen.

Zielgruppe sind dann auch wenig verwunderlich am ehesten Spieler. Denn sobald ein Text mit der GMK-bestückten Tastatur geschrieben wird, fallen vier Buchstaben fast schon unangenehm auf: Es fühlt sich ein wenig so an, als wären die WASD-Tasten kaputt.

Keys werden inkonsistent

Ein wenig herumprobieren führt zu einem bestenfalls „okayen“ Ergebnis mit der Erkenntnis, dass es angenehmer ist, die TriggerKeys nach unten und nicht wie auf Bildern gezeigt nach oben zu kippen. Dann geht die Nutzung, meist zumindest. Fehlauslösungen bleiben beim Schreiben allerdings ebenso wie eine gewisse Inkonsistenz, weil das Feedback zu einem guten Teil davon abhängt, wo der Finger auf der Kappe herunterdrückt. Wichtig ist daher, die Keys verlässlich im unteren Drittel auszulösen. Dann fühlen sie sich am ehesten wie normale Tasten mit „traditioneller vertikaler Aktivierung“ an, gelegentlich, gerade in Spielen, sogar richtig gut und zackig – oft aber eben nicht. In dieser Inkonsistenz liegt der Hase im Pfeffer. Präzision entsteht aus Verlässlichkeit, den TriggerKeys bleibt bloße Geschwindigkeit.

Am Ende bleibt die Erkenntnis: Mit traditioneller langweiliger Betätigung ist nichts falsch, das runde Rad muss nicht durch ein dreieckiges ersetzt werden. Vielleicht fehlt die Phantasie, aber eine Zielgruppe will sich nicht richtig abzeichnen. Shooter-Spieler, die ihre Hand über der Tastatur schweben haben vielleicht. Aber selbst dann: Leichtgängigere analoge Taster können, was TriggerKeys können, erst recht mit Rapid Triggern. Bei klassischen Tastern ist der Wechsel des Switches z.B. auf Speed-Taster mit gewünschtem Signalpunkt dank Hot-Swap-Sockel auch noch schneller als das Montieren und Justieren der TriggerKeys.

Fazit

So schön die Idee klingt, sie ist am Ende kaum alltagstauglich. Sie bleibt ein netter Traum. Jede Tastatur einstellbar zu machen, zumindest im Bereich von Gaming-Tasten, dafür gibt es zwar möglicherweise einen (kleinen) Markt. Praktisch reduziert man seine Tastatur mit dem TriggerKey aber auf ein eindimensionales Gaming-Gerät, wohlgemerkt zum Preis, der an den ersten empfehlenswerten Mecha-Tastaturen kratzt.

Das ergibt schlicht keinen Sinn, weder funktional noch finanziell. Nimmt man die 50 Euro für ein Set TriggerKeys und den Preis einer Basistastatur, lässt sich auch ein analoges Mittelklasse-Eingabegerät für unter 100 Euro kaufen, bei dem alle Taster komfortabel einstellbar sind, ohne ihre Charakteristik zu verschlechtern – und das mit mehr Software-Extras aufwarten kann. Lieber im Zweifel gleich das einstellbare Eingabegerät kaufen, also. Denn schiefe Tastenkappen, das ergibt wenig Sinn.

Fazit: Es funktioniert, aber für wen?
Fazit: Es funktioniert, aber für wen?

Als Upgrade für bestehende (Luxus-)Tastaturen scheidet das Set aus den gleichen Gründen aus. Wer viel Wert auf Details von Akustik und Taster-Feedback legt, wird mit dem TriggerKey nur schwer glücklich. Und auch hier: Wer seinen Auslösepunkt ändern will, kann ein ganzes Taster-Set der höchsten Güteklasse oder eine Handvoll Taster in 10 Varianten für weniger als 50 Euro kaufen, um seine WASD-Tasten zu modifizieren, denn Hot-Swap-Sockel sind seit Jahren oberhalb des Einstiegsbereichs Standardausstattung.

Wir haben das Trigger-Key-Set von GMK leihweise zum Testen erhalten. Die einzige Vorgabe war der frühestmögliche Veröffentlichungszeitpunkt. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht.

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