Lisuan Extreme LX7G100 im Test: Fazit
11/11Die Leistung liegt sehr niedrig
Die Lisuan Extreme LX7G100 ist als zweite chinesische Gaming-Grafikkarte nach der Moore Threads MTT-S80 (Test) ein großer Schritt nach vorne. Das täuscht aber nicht darüber hinweg, dass das Leistungsniveau, die Features, die Effizienz, die Stabilität und einiges andere sehr weit hinter aktuellen Einsteiger-Grafikkarten von Nvidia, AMD und Intel liegen. Selbst eine mittlerweile doch deutlich in die Jahre gekommene GeForce RTX 2060 ist schlussendlich mit einer Ausnahme in allen Belangen ein deutlich besseres Produkt. State-of-the-Art-Gaming-Grafikkarten zu entwickeln ist einfach ein verdammt schwieriges Unterfangen.
Mit ihrer Performance liegt die Lisuan Extreme LX7G100 leicht über dem Niveau einer GeForce GTX 1060 – bei den AVG-FPS ein gutes Stück darüber, bei den Perzentil-FPS dagegen kaum besser. Der 12 GB große Speicher ist in modernen Spielen ein Vorteil gegenüber den 6 GB VRAM der alten Nvidia-GPUs. Wird die Rechenleistung mit dem VRAM-Vorteil kombiniert, liegt die Lisuan Extreme LX7G100 bei den AVG-FPS 31 Prozent vor der GeForce GTX 1060 und 32 Prozent hinter der GeForce RTX 2060. Bei den Perzentil-FPS wird auch mit dem Speichervorteil aber gerade einmal das Niveau der GTX 1060 erreicht. Wie man es dreht oder wendet, die Lisuan Extreme LX7G100 ist sehr langsam.
Viele Spiele starten gar nicht erst
Die Performance ist aber nur das erste der zwei wirklich großen Probleme. Das zweite ist die Kompatibilität mit modernen Spielen. Denn diese ist schlecht. Von 20 Spielen, die eigentlich problemlos laufen sollten, starteten sechs entweder gar nicht erst oder stürzten sofort ab. Von den 14 lauffähigen zeigte eines starke Grafikfehler und war so kaum spielbar. Gerade einmal 13 von 20 Spielen liefen also überhaupt problemlos. Und problemlos heißt in dem Fall, dass diese ab und zu einfach abstürzen. Oben drauf kommt dann noch, dass die Grafikkarte kein Raytracing unterstützt. Einige Spiele mit Raytracing-Zwang laufen also ohnehin nicht.
Auch abseits von Spielen hat die Lisuan Extreme LX7G100 mit Fehlern zu kämpfen. Ab und zu hängt sich die Lüftersteuerung auf und reagiert nicht mehr. Immerhin passiert das offenbar nur, wenn die Lüfter schnell drehen und dann langsamer werden sollen und nicht aus dem „Leerlauf“ heraus.
Telemetrie-Probleme und Stromverbrauch
Darüber hinaus scheint die komplette externe Telemetrie nur selten oder gleich gar nicht zu funktionieren. Angaben zu GPU-Temperaturen und Lüfterdrehzahlen fehlen in dem Test daher völlig, diese werden weder von der Lisuan-Software noch von externen Tools korrekt angezeigt. Der Shader Cache funktioniert auf der Grafikkarte nur manchmal und mehr als 95 Hz bei Ultra-HD-Auflösung konnte der Grafikkarte nicht entlockt werden, ohne dass diese auf Farbunterabtastung umgestellt hat. Dass HDR-Videos auf YouTube ruckeln, ist dann vermutlich mit das kleinste Problem.
Es gibt noch weitere Schwachstellen. Die Energieeffizienz ist beispielsweise weit von dem gewohnten Niveau entfernt. Für den Windows-Desktop werden beinahe 60 Watt benötigt, unter Spiele-Last ließen sich 185 Watt messen. Das ist gemessen an modernen Grafikkarten zwar nicht viel. Doch die klar bessere GeForce RTX 5050 benötigt gerade einmal 130 Watt und auch die alte GeForce RTX 2060 ist bei spürbar mehr Leistung mit 160 Watt etwas sparsamer.
Lautes Kühlsystem
Doch es ist nicht nur die Energieeffizienz, auch der Kühler der „Founders Edition“ macht Probleme. Ob dieser gute Temperaturen aufweist, bleibt aufgrund der fehlerhaften Telemetrie unklar. Der enorme Lärmpegel zeigt aber, dass es der Kühler zumindest versucht. Das Lüfterrauschen lässt Erinnerungen an 20 Jahre alte Grafikkarten aufkommen. Damals gab es immer mal wieder solche Radaumacher, die eigentlich schon seit langer Zeit verschwunden sind. Unter Windows ist die Grafikkarte ebenso hörbar. Die Lüfter werden nicht abgestellt und drehen offenbar erstaunlich hoch. Das ist auch aus einem geschlossenen Gehäuse noch gut zu hören.
Die Kritik mag für eine Erstentwicklung hart sein, doch Lisuan agiert eben nicht in einem luftleeren Raum. Nvidia, AMD und Intel sind nun einmal da und alle drei Hersteller bieten schlussendlich in allen Belangen weit überlegene Produkte an. Und über den Preis gewinnt die Lisuan Extreme LX7G100 auch nicht an Attraktivität. Umgerechnet knapp 500 Euro hat die limitierte Founders Edition gekostet, die normale Version der Lisuan Extreme LX7G100 kostet rund 350 Euro. Doch für letzteres (oder weniger) gibt es eine weitaus bessere GeForce RTX 5050, Radeon RX 7600 oder Arc B580 – und erst vor wenigen Tagen noch eine RTX 5060.
Nur für China gedacht
Die Lisuan Extreme LX7G100 ist ausschließlich für den chinesischen Markt gedacht und soll dort eine ernsthafte Alternative zu den Produkten der amerikanischen Hersteller Nvidia, AMD und Intel werden. Entsprechend ist dieser Test eine rein theoretische Betrachtung. In Deutschland, Europa und anderswo im Westen wird es die Grafikkarte nicht zu kaufen geben. Auch wenn es interessant zu sehen sein wird, welchen Weg Lisuan in Zukunft gehen und ob man tatsächlich auf das Niveau der Konkurrenz kommen wird, ist klar, dass dies ein langer und steiniger Weg werden wird. Der Anfang ist nun aber gemacht.
Nicht gut, aber...
Im Vergleich zur etablierten Konkurrenz überzeugt die Lisuan Extreme LX7G100 also nicht im Ansatz. Nichtsdestoweniger darf ihr Abschneiden über zwei strategische Aspekte nicht hinwegtäuschen:
- Wenngleich nicht ohne deutliche Einbußen, kann sie einige wenige Import-Grafikkarten ersetzen.
- Nur weil das aktuelle Modell nicht überzeugt, muss die nächste Generation nicht ebenso deutlich zurückliegen. Gaming-Grafikkarten und deren Treiber entwickeln sich nicht über Nacht. Aber sich auch in diesem Punkt von den USA unabhängiger zu machen, ist klares Ziel der Volksrepublik China und es wäre nicht das erste Ziel, das mittelfristig Früchte trägt. Dafür muss das Tempo aber drastisch zunehmen. Und der Weg ist noch äußerst weit.
Test in Kooperation mit PCGH
Abschließend noch einmal zur Erinnerung: ComputerBase hat die getestete Lisuan Extreme LX7G100 Founders Edition in Kooperation mit PC Games Hardware und mit Unterstützung aus der Community importiert. Wer weitere Messwerte und eine zweite Erfahrung über die Extreme LX7G100 lesen möchte, kann dementsprechend auch bei den Kollegen vorbeischauen. Ein Test ist dort zeitgleich erschienen. In diesem Fall handelt es sich dort sogar um den Test derselben Grafikkarte. Das kommt selten vor.
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