Lisuan Extreme LX7G100 im Test: Praxiserfahrungen, Probleme und Bugs

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Wolfgang Andermahr
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Die Treiberinstallation auf chinesisch

Am Anfang ist erst einmal noch alles normal – so halbwegs zumindest. Auf der Webseite des Herstellers finden sich nach der automatischen Browser-Übersetzung, denn die Webseite gibt es ausschließlich auf Chinesisch, zwei verschiedene Treiber-Branches für Windows und Linux.

Nachdem die LX7G100 unter den „Prepaid-Karten“ ausgewählt wurde, finden sich dort einige Windows- und Ubuntu-Treiber. Zwei Windows-Treiber sind derzeit aktuell: Der „v30.0.2260.376“ als Beta-Treiber und der „v29.0.2260.305“ als WHQL-Treiber. Beide Softwareversionen stammen vom 17. Juli. ComputerBase hat übrigens beide Treiber ausprobiert, die sich nahezu identisch verhalten.

Auch das Installationsmenü der Grafikkarte gibt es ausschließlich in chinesischer Sprache, wobei man sich mithilfe einer Smartphone-Übersetzung gut „durchwurschteln“ kann. Mehr als der eigentliche Treiber wird dabei nicht aufgespielt. Die Installation geht deutlich schneller vonstatten als bei Nvidia, AMD und Intel. Einfach, weil es nur eine einzige Grafikkarte gibt und das Software-Paket eben rudimentär ist.

Das Treibermenü mit wenigen Funktionen

Nachdem bis dahin alles chinesisch gewesen ist, öffnet sich das Treibermenü selbst interessanterweise in Englisch. Dieses nistet sich wie gewohnt in der Taskleiste unter Windows ein und kann von dort per Doppelklick gestartet werden.

Das Treibermenü fällt simpel aus. Es besteht mit „Home“, „Settings“, „Status“ und „About“ aus gerade einmal vier Feldern. „Home“ ist dann auch nicht mehr als etwas Werbung über die eigene Hardware und automatische Updatefunktion des Treibers. Und „About“ ist eben das, was man bei „About“ erwartet.

„Settings“ ist mit Abstand das interessanteste Menü, das schlussendlich aber dennoch sehr übersichtlich ausfällt. Dort kann die Sprache der App umgestellt werden. Darüber hinaus werden wenige Monitoreigenschaften wie Auflösung und Bildwiederholfrequenz angezeigt. Aber eben nur angezeigt, Änderungen können nicht vorgenommen werden.

Das Treibermenü

Darüber hinaus gibt es in dem Menü die Möglichkeit, den Shader Cache zu löschen – wobei das Feature aktuell nur so halb funktioniert. Und es gibt die Möglichkeit, die Grafikkarte zu übertakten. Echte Einstellungen lassen sich aber nicht vornehmen, lediglich einen „Overclock Mode“-Schalter gibt es. Was aber genau passiert, wenn dieser aktiviert ist, bleibt völlig unklar. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass in diesem Fall GPU-Takt und vielleicht auch Board Power auf ein festgelegtes Niveau erhöht werden. Um eine dynamische Funktion mit einer automatischen Anpassung an die eigene GPU handelt es sich aber sicherlich nicht.

Die Hardware-Telemetrie spinnt

Unter „Status“ können die GPU-Temperatur, die GPU-Auslastung, die Bord-Power und die VRAM-Allokation ausgelesen werden. Theoretisch zumindest, denn in der Praxis funktioniert das selten und wenig verlässlich.

Teilweise funktioniert die Telemetrie für einige Sekunden oder Minuten, doch dann frieren die Anzeigen gerne ein oder zeigen nur noch falsche Werte an. Und selbst wenn die Telemetrie funktioniert, sind die Werte nicht unbedingt vertrauenerweckend.

Fehler und Probleme ohne Ende

Die Arc A380 (Test), Intels erste diskrete Grafikkarte, hat einen schlechten Start hingelegt. Es gab unglaublich viele Bugs und vieles lief schlecht. Es hat Monate gedauert, bis sich die Situation deutlich gebessert hat. Die Lisuan LX7G100 erreicht noch einmal ein ganz anderes Niveau. Es gibt noch viel mehr Bugs. Und vieles funktioniert gar nicht erst.

Es gibt viele kleine und genauso viele große Probleme. Das schwerwiegendste: Viele Spiele starten gar nicht erst. Damit sind nicht die Raytracing-Spiele gemeint. Diese funktionieren nachvollziehbar nicht, denn Raytracing unterstützt die Hardware nicht. Viele Spiele, die laufen sollten, starten aber gar nicht erst. Es gibt meistens einen schwarzen Bildschirm und weiter geht es nicht.

Die Spiele-Kompatibilität ist sehr schlecht

23 Spiele wollte die Redaktion testen. Möglich war das nicht. Drei Spiele starteten nicht, weil sie Raytracing voraussetzen. Damit bleiben 20 Spiele übrig, die eigentlich problemlos laufen sollten. Doch sechs davon starteten entweder gar nicht oder stürzten spätestens beim Laden ins eigentliche Gameplay ab. Das sind mal eben 30 Prozent, also knapp ein Drittel der getesteten Spiele, die nicht funktionierten. Die Spiele-Kompatibilität ist also katastrophal schlecht. Ja, dabei handelt es sich nicht um Titel, die oft in China gespielt werden. Aber dass diese Spiele einfach gar nicht starten, darf dennoch nicht passieren.

Folgende Spiele ohne RT-Zwang laufen nicht
  • Anno 117
  • Battlefield 6
  • Call of Duty: Black Ops 7
  • Crimson Desert
  • F1 25
  • Warhammer 40k: Space Marine 2

Das zweitgrößte Problem ist, dass manche Spiele schnell abstürzen. Mittels Alt+Tab auf den Windows-Desktop zu wechseln, führt auf der Lisuan LX7G100 oft zu einem Absturz. Andere Spiele wiederum sind selbst während der kurzen Test-Runs mehrmals abgestürzt. Pragmata und The Last of Us Part II waren die schlimmsten Fälle.

Und dann gab es noch drei Titel, die liefen, aber mit massiven Grafikfehlern aufgefallen sind. ARC Raiders hatte beim Beta-Treiber an einigen dunklen Stellen mit einem heftigen „blauen Licht“ zu kämpfen, dessen Intensität je nach Sichtwinkel wechselte. Mit einem Treiber-Update wurden die Fehler behoben, doch gibt es mit der neuen Software als Ausgleich nun fliegende Büsche. Immerhin gab es diese Fehler mit dem offiziellen WHQL-Treiber nicht mehr. Und in Assassin's Creed: Black Flag Resynced wurde der Großteil der Spielwelt ausgelassen, diese wird schlicht nicht gerendert. Das sieht zwar lustig aus, ist so aber schlicht unspielbar.

Grafikfehler in Assassin's Creed Black Flag Resynced
Grafikfehler in Assassin's Creed Black Flag Resynced
Grafikfehler in ARC Raiders
Grafikfehler in ARC Raiders
Grafikfehler in ARC Raiders
Grafikfehler in ARC Raiders

Viele Kleinigkeiten funktionieren auch nicht richtig

Während des Testens sind viele weitere kleine Probleme bei der Lisuan Extreme LX7G100 aufgefallen, die sich unangenehm aufsummieren. So hat sich die Lüftersteuerung beim Testen mehrmals „aufgehängt“. Die Lüfter hingen bei einer hohen Drehzahl fest und auch nach mehreren Minuten im Idle-Modus wurde die Drehzahl nicht reduziert.

Passend zur Lüfterdrehzahl: Nicht nur die Telemetrie im Treibermenü funktioniert nicht (siehe oben), auch externe Tools helfen einem derzeit nicht weiter. Kaum ein Tool unterstützt die Lisuan Extreme LX7G100. HWiNFO tut dies hingegen, doch hat das Tool mit ähnlichen Problem zu kämpfen wie der Treiber selbst: Die Telemetrieausgabe funktioniert nicht.

Ein anderes Problem ist der Shader Cache. Das ist ein Feature, das vom Grafiktreiber vernünftig umgesetzt werden muss. Offenbar ist auch das bei der Lisuan LX7G100 aktuell nicht der Fall. In manchen Spielen funktioniert er, in anderen müssen die Shader dagegen bei jedem Spielstart neu kompiliert werden. Das kann je nach Spiel schnell einige Minuten dauern.

Eine andere Baustelle ist der verwendete DisplayPort. Laut Webseite sollen selbst 8K60 damit möglich sein. In der Redaktion gab es jedoch nicht mehr als 4K95 – also Ultra-HD-Auflösung bei 95 Hz. Zwar konnte auch Ultra HD mit 120 Hz oder 144 Hz ausgewählt werden, doch wurde der Monitor dann mit Farbunterabtastung (4:2:2) betrieben, was sichtbar Bildqualität kostet. Eine Lösung hat sich dafür nicht finden lassen.

Auch bei der Videowiedergabe gibt es Schwierigkeiten. Nicht im normalen SDR-Betrieb, sondern bei HDR. Ein 4K60-Video auf YouTube stockte reproduzierbar deutlich. Ob die Videoeinheiten einfach kein HDR beherrschen oder ob es sich um einen Bug handelt, ist aufgrund der fehlenden Dokumentation unklar.

Kurios wird es bei der anisotropen Filterung

Zwar kein Bug, aber eine interessante Entdeckung: Winkelabhängiges AF ist zurück! Seit zig Generationen verzichten AMD und Nvidia auf diese Leistungsoptimierung, bei der Lisuan LX7G100 gibt es diese aber wieder. Zwar nicht so extrem wie anno dazumal, aber das „Feature“ ist vorhanden. Und um einen wirklich trilinearen Filter handelt es sich auch nicht, „brilinear“ scheint das Zauberwort zu sein. Das ist zwar nichts, was schlussendlich ein großes Problem ist. Es zeigt aber, dass Lisuan wohl auch vor extremen Optimierungen nicht zurückschreckt.

Das waren all die Probleme, die während des Testens aufgefallen sind. Vor allem, wenn bedacht wird, wie wenig Features die Lisuan LX7G100 bietet, war die Liste erstaunlich lang. Wäre das Feature-Set ähnlich weit ausgebaut wie bei den großen Herstellern, würde es vermutlich gleich mehrere Seiten mit Problembeschreibungen geben.

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