Intel NUC 11 Extreme im Test: Der NUC 11 Extreme im Alltag

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Volker Rißka
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Erste Schritte und Erfahrungen

Bereits ein wenig vorgegriffen wurde im Artikel in Bezug auf die Installation der Grafikkarte. Diese lässt sich etwas leichter verstauen als beim vorangegangenen Modell. Allgemein merkt man dem Gehäuse an, dass doch zusätzliche Überlegungen in das Handling geflossen sind und man nun leichter an Bauteile und Erweiterungsslots herankommt. Ein kurzes Video von Intel gibt einen Eindruck davon.

Dennoch ist der Platz oft extrem knapp, kleine Finger und lange Schraubendreher helfen. Um die drei zu bevorzugenden M.2-Slots im Compute Modul und die SO-DIMM-Steckplätze zu erreichen, muss nahezu die komplette Kiste zerlegt und etliche Kabel gelöst werden. So ist der NUC 11 Extreme etwas für Bastler – Laien sind hier schnell hoffnungslos überfordert.

Sind erst einmal RAM und SSD sowie zusätzlich eine Grafikkarte installiert, verrichtet das System wie ein typischer PC seinen Dienst. Da die Technologien allesamt schon viele Monate auf dem Markt sind, gibt es keine Probleme im Alltag.

Intel Core i9-11900KB im NUC 11 Extreme „Beast Canyon“
Intel Core i9-11900KB im NUC 11 Extreme „Beast Canyon“

Leistungsanalyse

In der Regel verhalten sich NUCs wie Notebooks, doch in dieser Klasse ist es die Mischung aus Notebook und Desktop. Deshalb muss in der Betrachtung genau dieser Umstand mitberücksichtigt werden, weshalb ComputerBase das Desktop-Testsystem als Grundlage nutzt. Deshalb wird auch dieselbe Nvidia GeForce RTX 3080 FE (Test) mit identischem Treiber verwendet, lediglich am RAM kann die Redaktion nicht so viel anpassen. Der verfügbare DDR4-3200-SO-DIMM lässt keine so scharfen Timings wie in den regulären Desktop-Systemen mit CL14 zu. In vielen Anwendungen spielt das keine Rolle, bei Spielen dürfte es jedoch eine kleine Auswirkung geben.

Leistungsaufnahme und Lautstärke in Anwendungen

Der erste Blick geht neben den Anwendungstests auf die Lautstärke und die Leistungsaufnahme. Im Leerlauf gibt der Mini-PC nahezu keinen Mucks von sich, die Lüfter im Gehäuse werden angehalten – das ist sehr gut umgesetzt. Bei Teillast wird der PC erstmals hörbar, liegt aber im Rahmen anderer Lösungen. Der Lüfter fährt kurz hoch, um später etwas ruhiger, aber dauerhaft zu drehen. Das wird unter voller Last noch einmal deutlich ausgeprägter. Hier drehen vor allem nun auch die Gehäuselüfter viel höher, um den hohen Temperatur-Wert bei PL2 abzufangen. Wenn die kurzzeitige PL2-Phase vorüber ist, liegt das Niveau auf dem der Teillast.

Modell Szenario Windows-Leerlauf Teillast (1 Kern) Volllast (alle Kerne)
Intel NUC11 Extreme (Core i9) Lautstärke <30 dB 39 dB 45 -> 39* dB
Leistungsaufnahme (Steckdose) 42 Watt 82 Watt 176 -> 122* Watt
Intel NUC9 Extreme (Core i9) Lautstärke <30 dB 39 dB 45 -> 38* dB
Leistungsaufnahme (Steckdose) 34 Watt 77 Watt 149 -> 103* Watt
Intel NUC 11 (Core i5) Lautstärke < 30 dB 35 dB 42 -> 37* dB
Leistungsaufnahme (Steckdose) 11 Watt 29 Watt 70 -> 46* Watt
Intel NUC 10 (Core i7) Lautstärke < 30 dB 39 dB 42 -> 39* dB
Leistungsaufnahme (Steckdose) 6,5 Watt 39 Watt 102 -> 60* Watt
Asus PN 62 (Core i5) Lautstärke < 30 dB 43 dB 43 -> 36* dB
Leistungsaufnahme (Steckdose) 5,8 Watt 23 Watt 63 -> 25* Watt
Zbox CA621 nano Lautstärke 0 dB 0 dB 0 dB
Leistungsaufnahme (Steckdose) 6,5 Watt 25 Watt 40 -> 25* Watt
ASRock Mars 4500U Lautstärke <30 dB 37 dB 44 dB
Leistungsaufnahme (Steckdose) 10 Watt 22 Watt 48 –> 40 Watt
Lautstärke-Messungen orthogonal zur Oberfläche, 40 cm Abstand von vorn
* Zu Beginn Turbo-Modus, danach dauerhaft im Powerlimit
Diagramme
Taktverlauf Blender (Multi-Core)
01.0002.0003.0004.0005.000MHz 1501001502002503003504004505005506006507007508008509009501.000

Problematisch ist jedoch die hohe Temperatur, vor allem unter maximaler Last. Hier hat der Lüfter seine liebe Müh, die CPU schnell abzufangen und herunterzukühlen. Die 100-°C-Marke wird schnell gerissen. Das dürfte im Umkehrschluss auch erklären, warum Intel den „Thermal Velocity Boost“ (TVB) weggelassen hat: Die CPU-Temperatur liegt fast bei jeder Anwendung über der 60- oder gar 70-°C-Marke, TVB funktioniert aber nur darunter. Es wäre am Ende ein Feature, das nie zum Einsatz kommen würde.

Ein Blick in das NUC 11 Compute Element mit CPU, SO-DIMM und M.2-Slots
Ein Blick in das NUC 11 Compute Element mit CPU, SO-DIMM und M.2-Slots

Leistungsaufnahme und Lautstärke im UHD-Spiel

Es gibt aber noch ein Szenario, das bei anderen Mini-PCs nicht die Regel ist: Gaming-Betrieb. Nun kommt als Verbrauchs- und Geräuschquelle auch noch die Nvidia GeForce RTX 3080 hinzu, die das komplette System zudem richtig aufheizt. Der komplett ausgestattete NUC 11 Extreme nimmt mit RTX 3080 in Spielen in UHD-Auflösung nun schnell 450 Watt Leistung aus der Steckdose auf und liegt damit im Rahmen, was auch ein klassischer Desktop-PC in diesen Szenarien erreicht. Ein Leisetreter ist er durch das 8-l-Gehäuse nun aber nicht mehr. Jeder Lüfter fährt zur Hochform auf, um die Grafikkarte mit rund 82 °C Chiptemperatur bei noch 1.800 MHz Takt und auch die CPU mit rund 75 °C am Leben zu erhalten.

Intel NUC 11 Extreme mit RTX 3080 und geöffnetem Deckel
Intel NUC 11 Extreme mit RTX 3080 und geöffnetem Deckel

Rund 50 dB laut ist das Umfeld nun, vor allem aufgrund der drei 92-mm-Lüfter im Deckel. Das geht in großen Gehäusen etwas besser und ist nunmal der Nachteil eines kleinen Fußabdrucks. Beim Verbrauch hingegen gewinnt keine Partei wirklich, wie der Überblick der CPUs mit ihrer Leistungsaufnahme in Spielen offenbart. Hier schlägt die RTX 3080 einfach massiv ein.

Leistungsaufnahme des kompletten Systems – Games (Steckdose)
  • Battlefield V (FHD):
    • Intel Core i7-11700 (65/224 LT, 2933G1)
      340
    • AMD Ryzen 5 5600X
      360
    • Intel Core i9-11900KB (65/109 LT)
      360
    • AMD Ryzen 7 5800X
      380
    • Intel Core i5-11400F (65/154 LT)
      380
    • AMD Ryzen 9 5900X
      410
    • AMD Ryzen 9 5950X
      420
    • Intel Core i7-11700K (125/250 LT, 2933G1)
      420
    • Intel Core i9-11900K (125/250 LT)
      430
  • F1 2020 (FHD):
    • Intel Core i7-11700 (65/224 LT, 2933G1)
      390
    • AMD Ryzen 5 5600X
      400
    • AMD Ryzen 7 5800X
      410
    • Intel Core i9-11900KB (65/109 LT)
      410
    • Intel Core i5-11400F (65/154 LT)
      410
    • AMD Ryzen 9 5900X
      440
    • AMD Ryzen 9 5950X
      450
    • Intel Core i9-11900K (125/250 LT)
      460
    • Intel Core i7-11700K (125/250 LT, 2933G1)
      460
Einheit: Watt (W)

Hohe Anwendungsleistung dank Tiger Lake

In Anwendungen weiß die neue CPU Intel Core i9-11900KB zu überzeugen. Besonders deutlich wird das stets, wenn die TDP berücksichtigt wird – was sie natürlich muss. Der Core i7-11700 mit seinen festen TDP-Limits ist in der gleichen 65-Watt-Liga unterwegs und muss sich deutlich geschlagen geben. Der Blick ins Detail wie beispielsweise via Blender offenbart den Grund: Während der 14-nm-Prozessor nach 28 Sekunden auf 3,1 bis 3,2 GHz eingebremst wird (EWMA erreicht 65 Watt schneller durch das höhere PL2), darf das 10-nm-Modell im gleichen TDP-Limit mit 3,5 bis 3,6 GHz arbeiten und hält durch das geringere PL2 sogar etwas länger einen höheren Takt bei.

Blender, Multi-Core
CPU-Takt (Blender, Multi-Core)
01.0002.0003.0004.0005.000MHz 15101520253035404550556065707580Sekunden

Die daraus resultierenden rund 15 Prozent Leistungsgewinn ziehen sich als Durchschnitt fast durch alle Mehrkern-Anwendungen und machen klar, dass Tiger Lake die bessere Lösung gegenüber Rocket Lake-S ist und letzterer nur durch das Mehr an TDP gewinnen kann. Das wird auch im Single-Core-Betrieb deutlich, hier schlägt der Intel Core i9-11900KB mit maximal 5 GHz den Intel Core i7-11700K mit ebenfalls maximal 5 GHz im Single-Core-Turbo – einen TDP-Vorteil gibt es hier nämlich nicht. Und würde der „Thermal Velocity Boost“ des Core i9-11900KB funktionieren, wäre nicht nur die absolute Spitzenposition möglich, sondern das Modell würde sie übernehmen. Denn schon jetzt rückt die CPU in einigen Tests bis auf 2 Prozent an den Core i9-11900K mit bis zu 5,3 GHz Takt heran.

Diagramme
Performancerating für Anwendungen (Multi-Core)
    • AMD Ryzen 9 5900X
      46
    • Intel Core i9-10900K (125/250 LT)
      34
    • AMD Ryzen 7 5800X
      33
    • Intel Core i9-11900K (125/250 LT)
      30
    • Intel Core i7-11700K (125/250 LT, 2933G1)
      29
    • AMD Ryzen 7 5800H (Notebook)
      27
    • AMD Ryzen 9 5980HS (Notebook)
      27
    • AMD Ryzen 5 5600X
      26
    • Intel Core i9-11900KB (65/109 LT)
      25
    • Intel Core i9-9900K (95/119 W LT)
      25
    • Intel Core i5-11600K (125/250 LT)
      23
    • Intel Core i7-11700 (65/224 LT, 2933G1)
      22
    • Intel Core i9-9980HK (65/95 LT)
      20
    • Intel Core i5-11400F (65/154 LT, 2933 G1)
      18
    • Intel Core i5-10400F (65/134 W LT)
      18
    • Intel Core i7-10710U (NUC)
      14
Einheit: Prozent, Geometrisches Mittel

In Spielen ebenfalls sehr gut aufgestellt

Kann man mit dem NUC 11 Extreme und passender Grafikkarte spielen? Die Antwort ist ganz klar: ja. Denn das System hat keinen Flaschenhals. 8 Kerne und 16 Threads bei hohem Takt sind genau das, was eine schnelle GPU an ihrer Seite haben möchte. Und so landet der NUC 11 Extreme mit gleichem Grafikkartensetup wie die Desktop-Prozessoren auch exakt da, wo man es erwartet: auf dem Niveau der Core i7-11700. In Anbetracht dessen, dass ihm mit dem etwas langsameren SO-DIMM zudem sogar noch ein wenig Leistung vorenthalten ist, wird ein sehr gutes Ergebnis erzielt.

1.280 × 720 Bildpunkte
Performancerating FPS – 1.280 × 720 Bildpunkte
    • AMD Ryzen 7 5800X
      184
    • Intel Core i9-11900K (125/250 LT)
      182
    • AMD Ryzen 5 5600X
      176
    • Intel Core i7-11700K (125/250 LT, 2933G1)
      166
    • Intel Core i9-11900KB (65/109 LT)
      159
    • Intel Core i5-11600K (125/250 LT)
      158
    • Intel Core i7-11700 (65/224 LT, 2933G1)
      156
    • Intel Core i5-11400F (65/154 LT)
      150
    • AMD Ryzen 7 3800XT
      144
    • AMD Ryzen 7 3700X
      140
    • AMD Ryzen 5 3600
      134
Einheit: Bilder pro Sekunde (FPS), Geometrisches Mittel
1.920 × 1.080 Bildpunkte
Performancerating FPS – 1.920 × 1.080 Bildpunkte
    • AMD Ryzen 7 5800X
      167
    • Intel Core i9-11900K (125/250 LT)
      166
    • AMD Ryzen 5 5600X
      162
    • Intel Core i7-11700K (125/250 LT, 2933G1)
      153
    • Intel Core i9-11900KB (65/109 LT)
      150
    • Intel Core i5-11600K (125/250 LT)
      147
    • Intel Core i7-11700 (65/224 LT, 2933G1)
      145
    • Intel Core i5-11400F (65/154 LT)
      141
    • AMD Ryzen 7 3800XT
      136
    • AMD Ryzen 7 3700X
      134
    • AMD Ryzen 5 3600
      128
Einheit: Bilder pro Sekunde (FPS), Geometrisches Mittel
3.840 × 2.160 Bildpunkte
Performancerating FPS – 3.840 × 2.160 Bildpunkte
    • AMD Ryzen 7 5800X
      98
    • Intel Core i9-11900K (125/250 LT)
      98
    • Intel Core i9-11900KB (65/109 LT)
      97
    • Intel Core i7-11700K (125/250 LT, 2933G1)
      97
    • AMD Ryzen 5 5600X
      96
    • Intel Core i5-11600K (125/250 LT)
      96
    • Intel Core i5-11400F (65/154 LT)
      94
    • Intel Core i7-11700 (65/224 LT, 2933G1)
      94
    • AMD Ryzen 7 3700X
      93
    • AMD Ryzen 7 3800XT
      92
    • AMD Ryzen 5 3600
      92
Einheit: Bilder pro Sekunde (FPS), Geometrisches Mittel

Dass es in Spielen so gut funktioniert, liegt auch hier am durchschnittlich etwas höheren Takt. Der Core i7-11700 mit festem 65-Watt-Limit hat stellenweise dann nämlich seine liebe Müh. Die 125-Watt-CPUs spielen hier aber ihren TDP-Vorteil aus, in dem beengten Gehäuse darf die GeForce RTX 3080 zudem nicht ganz so hoch takten wie in einem voluminösen Gehäuse. Einmal mehr zeigt die CPU jedoch als Aushängeschild, was mit 65 Watt doch möglich ist.

Diagramme
CPU-Takt – BF5 (MHz)
01.0002.0003.0004.0005.000MHz 151015202530354045505560

Leistungsaufnahme und Temperatur im Vergleich zum Gaming-PC

Gegenüber dem Vorgänger nimmt der komplette NUC 11 Extreme etwas mehr Leistung auf, was an der deutlich erhöhten Ausstattung liegt. Der Vergleich zu klassischen Desktop-Systemen zeigt wiederum, dass er ziemlich genau hier reinpasst. Gegen die klassischen ATX-Systemen hat er nun seinen Vorteil.

In Anwendungsszenarien ist die CPU dann dem Turbo-Modus mit all seinen Gegebenheiten ausgesetzt. Kurze Lastspitzen begleitet von hoher Temperatur werden nach wenigen Sekunden wieder zurückgenommen, um straff nach TDP-Vorgabe zu fahren. Hier hat die Lösung letztlich keinen Vorteil, denn die TDP (PL1) ist fest gesetzt – so wie bei anderen CPUs auch.

Diagramme
Leistungsaufnahme – Leerlauf (Windows 10, komplettes System)
    • Intel Core i7-10710U (NUC)
      6,5
    • Intel Core i9-9980HK (65/95 LT)
      34
    • Intel Core i9-11900KB (65/109 LT)
      42
    • Intel Core i9-9900K (95/119 W LT)
      43
    • Intel Core i5-10400F (65/134 W LT)
      45
    • Intel Core i9-10900K (125/250 LT)
      47
    • Intel Core i5-11400F (65/154 LT, 2933 G1)
      48
    • Intel Core i5-11600K (125/250 LT)
      51
    • AMD Ryzen 7 5800X
      52
    • AMD Ryzen 5 5600X
      52
    • AMD Ryzen 9 5900X
      55
    • Intel Core i9-11900K (125/250 LT)
      56
    • Intel Core i7-11700K (125/250 LT, 2933G1)
      65
    • Intel Core i7-11700 (65/224 LT, 2933G1)
      66
Einheit: Watt (W)

Theoretisch auch übertaktbar

Im BIOS des NUCs lässt sich der Wert für PL1 und PL2 als auch Tau manuell verändern. Das Prozedere hilft bei einem voll bestückten System aber nur bedingt, da die Temperaturen selbst in der Standard-Ausführung schon sehr hoch ausfallen und nicht selten an der 100-°C-Marke kratzen. Hier kommt es letztlich auf die Umgebung an: Mit einer stromsparenden kleinen (kürzer, evtl. nur ein Slot hoch) oder eventuell gar keiner Grafikkarte hat die CPU unter Umständen etwas mehr Frischluft und Spielraum zur Verfügung, sodass sich diese Parameter leicht nach oben setzen lassen. Ein Leistungsgewinn von mehreren Prozenten kann dann je nach Anwendung vor allem in Mehr-Kern-Szenarien, in denen das harte Powerlimit greift, möglich werden.

Aktuelle Community-Benchmarks:
- Forza Horizon 6
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