Vivo X300 Ultra im Test: Auf Fototour mit dem X300 Ultra in Berlin
2/3Zubehör sorgt für mehr als verdoppeltes Gewicht
Bevor man mit dem vollständig bestückten X300 Ultra zum Fotografieren loszieht, sollte sich gut überlegt werden, ob das ganze Zubehör für den jeweiligen Ausflug tatsächlich benötigt wird. Schutzhülle und Kameragriff sind noch relativ gut in den Alltag zu integrieren, der Telephoto Extender aufgrund von Größe und Gewicht hingegen weniger. 12 cm lang und bis zu 4,7 cm im Durchmesser ist das 400-mm-Objektiv groß, zudem wiegt es mit Schutzabdeckungen knapp 260 g – also mehr als das Smartphone selbst.
Das 400-mm-Objektiv funktioniert nur exklusiv
Beachtet werden muss zudem, dass mit aufgestecktem Extender die native 85-mm-Brennweite nicht mehr zur Verfügung steht und die zwei weiteren Kameras mit 14 mm und 35 mm ebenfalls nicht mehr genutzt werden können. Denn: Der Extender ist schlichtweg so groß, dass er bei den zwei anderen Kameras weit in das Bild ragt. Wer das Zubehör montiert, kann somit ausschließlich noch mit einer festen Brennweite von 400 mm fotografieren. Es stehen in diesem Modus zudem In-Sensor-Zoom- und (ab Werk so eingestellte) KI-unterstützte Brennweiten von bis zu 3.200 mm zur Auswahl. Oberhalb von 800 mm werden die automatischen „Verbesserungen“ aber kritisch. Die künstliche, vermeintliche Aufwertung des Bildes schießt nämlich über das Ziel hinaus, sodass Fotos zu sehr wie gemalt aussehen.
KI-Verbesserungen lassen sich deaktivieren
In den Kamera-Einstellungen im Bereich „Intelligente Optimierung“ gibt es aber den Unterpunkt „Hervorragende Teleobjektiv-Optimierung“, die von Haus aus auf „Extrem“ eingestellt war. Bereits auf der Stufe „Normal“ wird aber vor potenziell „unnatürlich erscheinenden Szenen“ gewarnt, sodass die Empfehlung der Redaktion bei „Aus“ liegt.
156 Fotos von mittags bis abends mit dem Vivo X300 Ultra
Für den zurückliegenden, ausnahmsweise mal wieder sonnigen Samstag in Berlin, hatte der Tester mit szenetypischer Brusttasche umschnallt das 650 g schwere Komplettpaket des Vivo X300 Ultra dabei, um das Smartphone von mittags bis abends einmal quer durch die Stadt in allerlei Szenarien zum Fotografieren einsetzen zu können. Die nachfolgenden Galerien zeigen, was über den Tag verteilt festgehalten wurde. Die Fotos lassen sich über den Download-Link in der Galerie jeweils im Original herunterladen.
Zunächst einmal lassen sich mit der Hauptkamera des Smartphones ganz unkompliziert und ohne Zubehör sehr ansehnliche Fotos knipsen, die mit schöner Farbbalance, schnellem Autofokus, kurzer Auslösezeit, hohem Detailgrad und gutem Dynamikumfang mit natürlichem Schattenerhalt überzeugen. Auch die von Vivo gewählte Brennweite von 35 mm lässt sich sehr gut in den Alltag integrieren und verleiht den Aufnahmen mehr den Look einer „echten“ Kamera anstelle der immer gleichen Smartphone-Brennweiten. 35 mm entsprechen mehr dem, was man selbst mit dem Auge sieht, argumentiert Vivo, und dem lässt sich nach einer Vielzahl von Aufnahmen durchaus zustimmen. Man ist beim X300 Ultra weniger „überrascht“ von dem, was man in der Fotogalerie im Vergleich zum zuvor selbst erspähten sieht.
Mit dem nativen Teleobjektiv von 85 mm und dem Telephoto Extender mit 400 mm macht das Fotografieren richtig Spaß, denn hier bekommt man schlichtweg einen ganz anderen Blick auf die Dinge, selbst wenn vor allem die größere der beiden Brennweiten auch einige Herausforderungen mit sich bringt. Aber in beiden Fällen zaubert die Kamera ein natürliches Bokeh, wie man es mit Smartphones selten hinbekommt.
Herausfordernd können aber Stabilisierung, teils der Autofokus und bei 400 mm die Motivfindung sein. Mit 85 mm fällt das „aus der Hand schießen“ noch mühelos aus, bei 400 mm ist die Kombination aus Gimbal und digitaler Stabilisierung aber äußerst hilfreich und selbst dann muss man noch ordentlich aufpassen. Im Test ließ sich damit am besten fotografieren, indem man sich an einem Geländer, einer Mauer oder einem Laternenpfahl abstützt. Dann lassen sich auch weit entfernte Objekte in hochwertiger Qualität einfangen, insbesondere wenn es sich um statische Motive handelt.
Tiere sind ein gefundenes Fressen für das X300 Ultra, hier muss man sich nicht vorsichtig annähern und kann den Haltern somit ausreichend Privatsphäre einräumen und zugleich scheuen Tiere die stressige Flucht ersparen. Hunde sind im Berliner Stadtbild omnipräsent und stellten im Test ein wiederkehrendes Motiv dar. Aber auch einige nervöse Vögel ließen sich mit 400 mm aus sicherer Entfernung einfangen.
In diesem Punkt wünscht man sich allerdings einen schnelleren respektive zuverlässigeren Autofokus. Vivo wirbt zwar mit einem Verfolgungs-AF mit 60 FPS, der bei der Aufnahme schnell bewegter Motive in der Sport- und Tierfotografie von Vorteil sei, in der Praxis mit Telephoto Extender und Kameragriff arbeitete dieser aber nicht immer schnell oder zuverlässig genug, wie manches etwas zu weiche Tierfoto oder der ein oder andere falsch im Motiv gesetzte respektive nicht vollständig fokussierte Autofokus bei den Sportaufnahmen des Radrennens auf dem Tempelhofer Feld verdeutlicht. Schneller löst die Kamera mit den On-Screen-Buttons der Kamera-App aus, der Kameragriff führte im Test zu einer leichten Verzögerung, die es je nach Motiv zu vermeiden gilt.
Sofern nicht manuell eingegriffen wird, will das X300 Ultra für Makrofotos automatisch zur Ultraweitwinkelkamera mit Autofokus wechseln, da für die 35-mm-Hauptkamera die minimale Fokusdistanz etwa 20 cm beträgt, während das 14-mm-Objektiv ab rund 5 cm fokussieren kann. Stattdessen kann aber auch einfach zum Teleobjektiv gegriffen werden, das dann als Telemakro dient. Damit verhindert man oftmals zudem, dass durch die nahe Position ein Schatten auf das Objekt der Begierde geworfen wird.
Von diesem Punkt einmal abgesehen ist die Ultraweitwinkelkamera mit 14 mm aber in der Tat eine der ganz wenigen, mit der man keine oder zumindest keine deutlichen Kompromisse gegenüber der Hauptkamera in puncto Qualität eingehen muss. Dank des großen 1/1,28-Zoll-Sensors, der hohen 50-MP-Auflösung und der großen Blende (f/2.0) erhalten Anwender über weite Bereiche die Qualität der Hauptkamera, nur eben mit 14 mm statt 35 mm Brennweite. Selbst bei schlechten Lichtbedingungen schneidet die Ultraweitwinkelkamera noch gut ab und ist somit keinesfalls eine Linse nur für den Tag.
Für die Porträtfotografie eignen sich die beiden Teleobjektive ebenfalls sehr gut. Praktischerweise finden in Berlin beinahe täglich Demonstrationen statt, sodass sich diesmal (eingeschränkt) auch Menschen für den Test fotografieren ließen. Hier bekommt man aus sicherem Abstand zum demonstrierenden Volk mit 400 mm sowohl „viel ins Bild“ als auch eine schöne Tiefenunschärfe. Ein per KI erstellter Bokeh-Effekt lässt sich so gänzlich vermeiden. Zumal aus der Entfernung auch eher der Live-Zustand festgehalten werden kann, weil keine Person bewusst für die Aufnahmen posiert.
Dass alle drei Kameras des X300 Ultra auch zum späten Nachmittag, zum einsetzenden Sonnenuntergang und am Abend noch sehr gute Ergebnisse liefern, zeigte sich zum Tagesabschluss rund um die Berliner Museumsinsel. Zur Goldenen Stunde fotografiert es sich bekanntermaßen mit dem schönsten Licht, zumal die Berliner Museen mit ihren aufwendig dekorierten Fassaden und Skulpturen immer wieder beeindruckende Motive liefern, die sich mit 85 mm oder 400 mm erst so richtig im Detail bestaunen lassen. Bauten wie der Säulengang vor der Alten Nationalgalerie werden von der Brennweite optisch komprimiert, ohne jedoch viel von ihrer tatsächlichen Länge zu verlieren. Es gibt im Alltag eben immer wieder Motive, die mit einem anderen Objektiv völlig anders wirken als mit dem geläufigen 23-mm-Standard oder einem zweifachen In-Sensor-Zoom. In Situationen wie diesen bereut man dann auch nicht mehr das Zusatzgewicht von 260 g, das man den ganzen Tag mit sich getragen hat.
Selbst mit wenig natürlichem Licht oder bei Dunkelheit behalten die Kameras noch viel ihrer Qualität vom Tag. Ansehnlich ist vor allem die sternförmige Musterbildung bei Autoscheinwerfern oder Straßenlaternen, wie man sie auch von professionellen Kameras kennt. Großflächige künstliche Lichtquellen tendieren ein wenig zum „Ausbrennen“, das ist aber Meckern auf hohem Niveau. Auch mit dem 400-mm-Teleobjektiv lässt sich am Abend noch gut arbeiten, die längeren Belichtungszeiten bedingen aber stabiles Halten, was im Test nicht immer gelang, sodass manche Aufnahmen nicht vollständig scharf erscheinen. Aber zum Beispiel die Uhr im Turm des Roten Rathauses ließ sich noch in beachtlicher Qualität einfangen, wenngleich das Mauerwerk etwas glattgebügelt wirkt. Von seiner positiven Seite zeigte sich die Bildautomatik auch im Bezug auf Schatten und dunkle Bildbereiche, die das X300 Ultra weitgehend so belässt. Es kommt glücklicherweise keine übertrieben aggressive HDR-Automatik zum Einsatz.
Der Fotoausflug mit dem Vivo X300 Ultra ging mit einem insgesamt sehr positiven Eindruck zu Ende. Die drei von Haus aus gebotenen Brennweiten bieten ein hohes Maß an Flexibilität und Qualität, was auch auf die großen Sensoren zurückzuführen ist. Der Telephoto Extender auf 400 mm stellt eine drastische Erweiterung dessen dar und ermöglicht Aufnahmen, die in dieser Perspektive und in dieser Qualität ansonsten nicht mit einem Smartphone möglich wären. Aber den Formfaktor eines Smartphones hat man mit diesem Zubehör auch nicht mehr, sodass der direkte Vergleich ein wenig hinkt. Die Erweiterung ist aufgrund von Abmessungen und Gewicht ungeeignet für die alltägliche Nutzung des X300 Ultra. Wie eine vollwertige Kamera, nimmt man das Objektiv eher ganz bewusst mit, wenn man weiß, dass es heute gebraucht wird.