DevPandi schrieb:
[...]
Und was aktuell passiert? Wenn man sich die Bücher von Google, Amazon, Oracle und ebenso Microsoft ansieht, dann werden da teilweise alle möglichen noch legalen Register der Buchhaltung gezückt, bei der die Börsenaufsicht noch nicht das FBI vorbei schickt um alle Dokumente einzusacken. Das primäre Wachstum bei Microsoft in Azure-Cloud? Auf OpenAI zurücjk zuführen, Micrsoft betreibt hier zum Teil Zirkelzahlungen. Von Firmenkonto A zu Open AI um dann wieder auf Firmenkonto B gebucht zu werden. Teilweise werden hier Zahlungen sogar direkt als Gutschrift auf andere Konten gebucht als Guthaben von OpenAI beiu Microsoft für den Kauf von Rechenleistung.
Diese Geschichten sind wirklich absurd. Ich meine, dass Silicon-Valley-Firmen enorme Summen in Start-Ups stecken, um dann von deren künftigen Erträgen zu profitieren, die entwickelte Technologie abzuschöpfen oder diese Firmen später gleich ganz zu übernehmen, ist ja an und für sich nicht neu. In der Tat ist es ja ein wesentlicher Teil des Erfolgsrezept der amerikanischen Tech-Industrie, dass Risikokapital für zumindest solide Ideen relativ locker sitzt. Es ist eine Komponente, die Europa in diesen Dimensionen leider abgeht.
Hier wird die damit verbundene Risikofreudigkeit aber in der Tat an die äußerste Grenze getrieben. Nicht nur haben OpenAI und Anthropic bereits Billionen Dollar erhalten, ohne dass absehbar wäre, wann und wie eigene Erträge in ansatzweise diesem Umfang (oder in einem, der solchen Investments wenigstens halbwegs angemessen wäre) zu erzielen sein sollen. Es sind auch die größten Investoren selbst, die dieses Geld schlussendlich wieder erhalten, da sie den KI-Start-Ups die Infrastruktur zur Verfügung stellen, die diese benötigen, um überhaupt operieren zu können wie sie es tun.
Zugleich wandert der Blick nach China, wo Firmen vergleichbar starke Modelle zu mutmaßlich (denn so transparent ist es dort ja leider oft nicht) sehr viel geringeren Kosten trainieren. Den "Deepseek-Schock" gab es relativ zu Beginn des KI-Hypes ja schon einmal. Das hätte den Beteiligten demonstrieren können, dass gegebenenfalls relativ geringe Überraschungen ausreichen, um das Konstrukt, das da gebaut wurde, ins Schwanken zu bringen. Gestoppt hat diese Erkenntnis, so sie denn als solche auch verbucht wurde, aber niemanden.
Persönlich bin ich zwar absolut jemand, der daran glaubt, dass KI unsere Wirtschaft wesentlich verändern wird. Die Entwicklung in endlos vielen Bereichen wird sich verändern und sich beschleunigen. Als Technologie ist sie zweifellos gekommen, um zu bleiben, da sehe ich keine anderen Szenarien.
ABER: Das bedeutet nicht, dass es nicht dennoch eine (in großen Teilen amerikanische) KI-Blase gibt. Dotcom hat ja schließlich auch das Internet nicht getötet, die Finanzkrise von 2008 auch den Immobilienmarkt nicht.
Unternehmen, die sich von dem Betrieb dieser Technik abhängig gemacht haben, indem sie sich in enorme Unkosten stürzten und mit einer Art Scheincashflow ihre Bilanzen aufbliesen, könnten aber problemlos fallen. Und das tief.
Was passieren könnte, wenn die Billionenkolosse des amerikanischen NASDAQ ins Wanken geraten, ist kaum auszudenken.
DevPandi schrieb:
Es gibt genug Wirtschaftsanalysten, die aktuell vollkommen in Panikgeraten, weil aktuell im AI-Markt jede Redflag überschritten wird und gerade MS, Oracle, Amazon und Google sowie ebenso Meta als der letzte große Player in diesem Bereich merken den Gegenwind auf den Aktionärsversammlungen und so manche Aufsichtsräte besinnen sich darauf, dass sie im Namen der Aktionäre handeln müssen, was es immer schwerer macht, diese Ausgaben zurechtfertigen.
Google Amazon haben zwar auch schwer in KI investiert, ist vom Geschäftsmodelle her in meinen Augen aber weniger gefährdet als andere. Fast Nvidias gesamter Firmenwert etwa fußt mittlerweile auf KI-Investitionen. Da könnten hunderte Milliarden verloren gehen, wenn die Blase platzt.
DevPandi schrieb:
Was Nvidia hier nun macht ist - wie richtig festgestellt wird - die Absicherung der Investitionen durch breitere Streuung. Gleichzeitig ist das für Nvidia jedoch auch die Exit-Strategie, um einem möglichen Knall möglichst sanft zu entkommen - wie geschrieben, wenn wir hier von Infrastrkturprogrammen reden, zu denen das werden soll, reden wir von ganz anderen ROI-Zeiten. Nvidia versucht mit diesem Investment den Druck vom Kessel zu nehmen, denn so wie es aktuell läuft könnte das Erwachen echt böse werden.
Und im übrigen ist das, was sich jetzt andeutet auch genau das, was ich als ein mögliches Szenario für diese Blase genannt habe: Man versucht es in ruhigeres Fahrwasser zu bekommen.
Ich finde deine Analyse sehr gut. Es ist sehr interessant, Nvidia gewissermaßen als Anleger zu betrachten, der schleichend versucht, sein Portfolio zu diversifizieren, bevor der Kurs abstürzt - aber eben möglichst auf eine Art, die niemanden auf die Idee kommen lässt, man sähe einen Crash kommen. Man möchte einerseits Lachen und andererseits die fast schon perfide Art verurteilen, mit der einige wenige mit dem Geld und der Zukunft anderer spielen. Lederjacke wird's jedenfalls nicht sein, der am Ende zu leiden hat, sollte die Blase platzen.