Minthera schrieb:
Ich vermute, dass Microsoft weder Zenimax noch AB nach der Übernahme abgefasst haben, hängt (vor allem bei AB) damit zusammen, dass die Kartelwächter der Übernahme nur unter bestimmten Voraussetzungen zugestimmt haben.
Das kannst du gerne an der Stelle vermuten, ist jedoch weitgehend falsch und es passt auch weitgehend nicht zu dem, wie solche Käufe überlichweise abgewickelt werden.
Microsoft musste primär Zusicherungen bezüglich des Wettbewerbs machen - Call of Duty auf PS und Nintendo Switch, Teile des Cloud Gamings an Ubisoft - aber keine strukturellen Zusicherungen.
Und ich habe bereits genug Fusionen und Co in zweiter Hand durch meinen Vater mit gemacht und das, was Microsoft mit Zenimax als auch nun Activision-Blizzard gemacht hat, war und ist weitgehend untypisch gewesen.
Minthera schrieb:
Die Massenentlassungen kommen jetzt ja gerade im Gaming mit 3600 Mitarbeitern. Zenimax hat ordentlich Leute entlassen mĂĽssen, die Umstrukturierung ist also da.
Ja, die Massenentlassungen kamen JETZT, richtig. Der Punkt - und genau das habe ich mehrfach heraus gearbeitet - ist der Zeitpunkt und wie das alles mit der aktuellen Billanz von MS zusammenhängt. MS hat zwar in den GAAP-Ergebnissen und Non-GAAP einen "fetten" Gewinn zu verbuchen, nur versteckt sich in den Non-GAAP auch der Free-Cashflow und der ist MASSIV gesunken und in anderen Büchern der Buchhaltung - die auch einsehbar sind - zeigen sich weitere unschöne Zahlen.
Micrsoft hat die Gamingsparte quasi 26 Jahre lang als "Prestigeprojekt" gesehen und hat bis Anfang dieses Jahres auch dieses "Prestigeprojekt" quersubventioniert und ist zwei mal auf groĂźe Einkaufstour gegangen. Micrsoft hat sich ĂĽber Jahre mit den 3 - 5 % Marge zufrieden gegeben, weil klar war, dass hier im kreativen Bereichen solche Margen bereits teilweise als gut gelten - gerade wenn man auch Wert auf "Kunst" legt.
Man hat bei der Ăśbernahme von Zenimax und AB es zudem dazu unterlassen genau die Low-Hanging-Fruites der Entlassungen zu unternehmen, die eigentlich ĂĽblich sind und die immer passieren: Der Verwaltungsapparat wird massiv entschlackt und Doppelstrukturen entweder gandenlos abgeschnitten oder zusammengefĂĽhrt.
ALL das ist nicht passiert. Und was jetzt passiert? Man kündigte an, dass man im Mangement aufräumt, stattdessen wurden aber bei den Entwickler-Studios "aufgeräumt". Ich kenne sehr wenige Fusionen und Firmenkäufe, in denen F&E-Abteilungen aufgeräumt wurden. In der Regel trifft es immer den Verwaltungswasserkopf, weil man hier schnell Synergien nutzen. Micrsoft gönnt sich aber auch JETZT zwei weitgehend unabhänige "Publisher" mit ZeniMax und Activison Blizzard, statt diese mit ihren Verwaltunsaparaten sauber zu integrieren.
Minthera schrieb:
Vielleicht hat der Spencer Phil auch einen besonderen Stand unter den Führungskräften gehabt. Seitdem aber die Neue dort führt, scheinen sich auch die Strukturen zu ändern.
Phil Spencer hatte keinen besonderen Stand unter den Führungskräfte. Micrsofot war Jahre lang um ihr Image als die "Good-Guys" bei den Gamern bemüht und hat sich entsprechend hingestellt. Gaming war ein Hobby, dass man sich bei MS leisten wollte, weil man bei Microsoft verstand, dass das Ökosystem die Leute bindet und Synergieeffekte mit anderen Bereichen entstehen.
Microsoft hat aktuell jedoch eine andere Wette am laufen: Azure und KI. Azure liefert dabei auf dem Papier zwar ab - jedoch kommt das Geld dafĂĽr teilweise von Micosoft selbst, weil sie entsprechende Gelder an OpenAI auszahlen als Investition und das flieĂźt zurĂĽck.
Die "großen" Investoren schauen sich in der Regel nicht nur GAAP sowie Non-GAAP an, sondern die lesen auch sehr gerne die Fußnoten und da braut sich aktuell ein gewaltiger Sturm für Microsoft an, weil Microsoft ihre Kriegskasse in den letzen 1 1/2 Jahren quasi vollständig geleert hat. Dazu wuchsen die Verpflichtungen, was Schulden angeht.
Und wenn man sich hier die zeitlichen Abläufe ansieht bei Microsoft selbst, jedoch auch weitere Enwicklungen dazu nimmt - wie um Oracle, Google, Amazon und Meta - und sich auch da mal die Billanzen etwas tiefergehend zur Gemüte führt, wird hier sehr schnell klar, was Sache ist.
Klar, das sind alles nur Indizien, aber genau auf diese Indizien kommt es an! Jede News um eine dieser großen Firmen ist ein Mosaiksteinchen oder Stecknadel - oder such dir eine andere Metapher aus. Man kann das alles einzeln betrachteten, wie es viele tun. Man kann es jedoch auch zusammen setzen und plötzlich wird einem klar, was da abläuft und warum gerade JETZT in der Gaming-Sparte bei MS es so brennt. Warum jetzt Nvidia versucht Infrastruktur-Fonds zu gründen.
heroesgaming schrieb:
Google Amazon haben zwar auch schwer in KI investiert, ist vom Geschäftsmodelle her in meinen Augen aber weniger gefährdet als andere.
Google hat ein sehr starkes Werbegeschäft und dank YouTube quasi eine der wichtigsten Content-Plattformen der Welt. Google spürt aber auch den Gegenwind aus der EU, und dass sie hier bald eher Hardware anmieten bei Firmen, als selbst zu hosten auf Grund der politischen Lage.
Für Amazon gilt, dass sie den Versandhandel im Rücken haben, AWS leidet allerdings auch unter der politischen Lage und arbeitet Verträge mit der Schwarzgruppe und anderen Hostern aus, um Server zu Mieten, damit sie DSGVO-Konform und Co siund und auch sagen können: Ja ne, das FBI hat wirklich kein Zugriff.
Meta wiederum hat quasi Gelder verlagert - Zuckerberg hat Metaverse "weitgehend" aufgeben. Hat mit Instagram und Facebook allerdings auch riesen Content-Netzwerke mit Werbeeinnahmen in der Hinterhand.
Micrsoft hat auch immer noch "Windows" und "Office" in der Hinterhand - beides läuft immer noch verdammt gut. Allerdings zieht Microsoft auch hier die Daumenschrauben an und will mehr "Cash" sehen. Azure läuft auf den ersten Blick hervorragend, hier kommt die bittere Pille erst, wenn man sich mit der Struktur um OpenAI befasst.
Aber man muss sagen: Der Ausgang ist immer noch offen - es mehren sich die Zeichen, dass der Markt final überhitzt ist und alle irgendwie Exit-Strageien suchen. Die können aktuell aufgehen, es kann allerdings auch ein deutlich bitteres erwachen geben. Man wird in der nächsten Zeit das im Augen behalten müssen.