Mixter schrieb:
Beispiele!
Kein Problem:
1.)
Kunde will einen einseitigen Ohrstöpsel, für irgendein uraltes Mono-Taschenradio, repariert (!) bekommen. Nicht nur, dass das Ding knapp 30 Jahre alt war, nein, so etwas wird weggeschmissen und neugekauft.
Hat er aber nicht eingesehen, und trotz meiner freundlichen Bemühungen steigerte er sich immer weiter in seine Wut hinein und warf mit Beleidungen um sich.
OK, das ist noch kein Problem, Choleriker hatten wir schon oft. Nur ist es äußerst ärgerlich für uns, wenn dann ein Schreiben von seinem Anwalt hereinflattert mit irgendwelchen Forderungen und von wegen wir hätten ihn beleidigt, und zwar aufs übelste. Und ganz besonders ärgerlich war es, als sich herausstellte, das der Kerl im Stadtrat sitzt. Ich weiß nicht mehr, wie das ausgegangen ist, weil ich kurze Zeit später aufgehört habe, aber unser Anwalt wollte ihn noch wegen Rufschädigung drankriegen, immerhin hat er seine Version der Story brühwarm den oberen zehntausend erzählt, und das gibt Gerüchte.
2.)
Sowieso, warum immer ein Anwalt?
Cheffe hatte teuren LCD von Loewe verkauft, 8300€. Kunde war riesig begeistert.
Dummerweise seine Frau nicht, die sich vielleicht ne neue Küche statt nem neuen Fernseher erhofft hatte, und so kam der Mann wieder und versuchte uns zu erzählen, dass das Bild bei ihm ganz schlecht sei und der Fernseher nicht das könnte was ihm im Laden gezeigt worden wäre. Schonmal verdächtig, weil der LCD bei uns im Laden mit analog Kabel befeuert wurde, bei ihm aber über Digi-Sat. Und das der weniger können soll? Irgendwie nicht vorstellbar.
Trotzdem mal den Meister vorbeigeschickt, soll sich das mal anschauen. Hat er getan, Bild war bombig. Trotzdem mal alles nachgemessen, alles perfekt.
Cheffe ruft den Kunden an, bietet ihm die Möglichkeit zur Rücknahme an, falls er überhaupt nicht glücklich wird. Kunde meldet sich erstmal nicht wieder.
Stattdessen aber dessen Anwalt, der uns in scheiß-freundlichem Ton anschrieb, wir hätten seinem Mandanten einen minderwertigen, völlig überteuerten Fernseher verkauft und würden uns nun weigern, diesen zurückzunehmen, *bla* *text*
Hä? Wie das denn nun? Wir haben doch mit ihm gesprochen.
Das ganze Sache wurde dann geklärt, wir nahmen den Fernseher zurück, Kunde kam nie wieder. Der sollte lieber mal zum Standesamt und seine Frau zurückgeben...
3.)
Nun mal was kleineres.
In dem berühmten Sommer von 2003 gingen bei uns die Ventilatoren weg wie frische Semmeln. Das darunter auch mal ein paar defekte waren, stellte kein Problem dar, wenn die Kunden noch am gleichen Tag wiederkamen und den Defekt zeigten haben wir den anstandslos umgetauscht.
Aber wenn man erst nach 1 Woche wiederkommt, und ein Rotorblatt auch noch vollständig zerbröselt ist, dann ist das doch sehr verdächtig. Kundin mit 2 Kindern, Türkin (soll nichts heißen, Deutsche sind genauso schlimm), meinte: "Kaputt, von Anfang."
Wir haben uns das Ding mal genauer angeschaut. Erstens: keine klare Bruchkante, der Karton unbeschädigt, es stand also nichts schweres darauf. Durch Sturz brechen solche Sachen aber meistens glatt ab, und zerfetzen nicht. Zweitens: woher kommen die grünen Spuren an den Überresten? Diagnose: die Bälger haben da nen Stock reingehalten.
Daraufhin haben wir die Kundin natürlich zurückgewiesen, die war außer sich, schmiss den Ventilator vor uns auf den Boden und verdrückte sich unter Verwünschungen.
So, das reicht. Die ganz alltäglichen Sachen, wie sonstwo im Aldi gekauft und bei uns auf Garantie reparieren lassen, oder Surroundanlage aus dem MM von uns kostenlos aufbauen lassen wollen, habe ich hier jetzt mal nicht extra aufgeschrieben.
Zum Glück sind solche Fälle die Ausnahme, doch fällt mir auf, dass seitdem in den Medien verstärkt über die Abzocke von Händlern hergezogen wird und wir sowieso in einer schwierigen Zeit leben, die Kunden mit sehr viel mehr Misstrauen in einen Laden gehen als vorher. Vielleicht wurde ich auch in meinen 3 Jahren nur empfindlicher, weil so etwas doch am Nervenkostüm nagt.
Gruß
Morgoth