Hat jemand von Euch Gestern die 2. Kongressanhörung zu Gamestop verfolgt?
Ich hab mir das wieder reingezogen, war nicht ganz so spannend wie die erste in meinen Augen, aber neben viel Geschwafel und am Thema vorbei, wurden dann doch hier und da über die Schnitzel und Kartoffel bei der Sache gesprochen.
Ich fand insbesondere die Aussagen von Herrn Blaugrund (dem COO des NYSE) sehr brisant und interessant.
Der hat z.B. irgendwann ganz gerade heraus gesagt (ich fasse in eigenen Worten zusammen):
Es gibt 2 Regime am Markt. Da ist einmal "on exchange trading" also der Handel am Markt, dass was wir "als den Markt" bezeichnen und dann gibt es noch "off exchange trading", was auch manchmal als OTC (over the counter trading) bezeichnet wird, obwohl ich das für eine irreführende Bezeichnung halte, da es eigntl. "UTC" also "under" the counter trading heissen müsste.
Das wäre der Handel "abseits" oder "außerhalb" des "Marktes".
Hier geht es um die sogenannten "Dark Pools", noch so ein Begriff zur Verwirrung...
In einfacher Sprache übersetzt (so wie ich es verstanden habe), heisst das im Grunde nichts anderes, als das wir auf dem "eigentlichen" Markt handeln und der Meinung sind, da findet der gesamte Handel statt, tatsächlich gibt es aber noch einen "Schattenmarkt" und der ist doch problematisch und in meinen Augen alles andere als legal.
Das Problem mit diesen Dark Pools und diesem Schattenmarkt ist vielfältig...
Zum einen hat Blaugrund ausgesagt, dass gerade bei "heissen" Aktien sowie bei Aktien mit geringen Werten, bis zu 70% des Handels mit diesen Werten auf der Schattenseite des Marktes geschieht...
Zum anderen hat er angesprochen, dass die Thematik mit der 4. Dezimalstelle auch ein riesen Problem darstellt.
Ganz einfach gesagt müssen wir auf dem "eigentlichen Markt" mit ganzen Cent handeln, wärend die Jungs in den Dark Pools auf das 4. Dezimal gehen können.
Die Liquidität, die aus den 2 zusätzlichen Dezimalstellen entsteht, ist aber nur für "Mitglieder" des jeweiligen Dark Pools verfügbar und nicht für den gesamten Markt.
Klingt vllt. nicht wild, ist aber definitiv ein gigantisches Ungleichgewicht, wegen der Volumen die da gehandelt werden usw. usw.
Der andere Kernpunkt der mir hängen geblieben ist, ist aber dass durch Handel in Dark Pools, private Firmen wie HedgeFunds, Market Maker und co. Aktien untereinander in gigantischen Stückzahlen handeln können, OHNE DAMIT DEN AKTIENKURS ZU BEEINFLUSSEN. Da der Handel im Dark Pool ja nicht vom "offiziellen Markt" registriert wird.
So richtig zusammengefügt hat sich das Puzzle und die Problematik aus diesen Umständen für mich aber erst nachdem ich einen Artikel auf r/GME gelesen habe (der kurz nach der Kongressanhörung dort als "DD" veröffentlicht und schnell hochgewählt wurde).
Der Artikel hatte so etwa den Titel "Robinhood und Du haben an keinem Punkt tatsächlich GME Aktien in besitz gehabt".
Die These (die mir nach der Kongressanhörung als sehr warscheinlich erscheint und auch in der Kongressanhörung hier und da durch Kommentare als Tatsache erscheint) ist wie folgt:
Du haust eine Buy-Order bei Robinhood (oder Traderepublic, eToro und wie sie alle heissen) rein. Du willst GME zu Kurs X kaufen.
Nun gingen die meisten Leute wohl in der Annahme was als nächstes passiert, ist dass Robinhood die Buy Order an Citadel weiterleitet, Citadel sich die Aktie hier oder da (entweder am Markt oder in einem Dark Pool) besorgt, die an RH weitergibt und diese Dir dann die Aktie zum vereinbarten Preis in's Depot legen.
Tatsächlich sieht aber alles danach aus, dass RH und Citadel tatsächlich mit sogenannten CFDs (Contracts for Difference oder zu Deutsch Differenzkontrakten) gehandelt haben.
Sprich die waren sich so sicher, dass Du sowieso Geld verlierst, dass weder RH noch Citadel ne tatsächliche Aktie gekauft/besorgt und in Dein depot gelegt haben, sondern die haben Dir einfach einen "Schuldschein" ausgestellt und den in Dein Depot gelegt (ohne dass Du was davon wusstest), darauf gewartet, dass Du mit Minus verkaufst um Dir dann einfach die Differenz auszuzahlen.
Das alleine ist m.M.n. schon heftig (und es steht im Raum, dass dieses Verhalten der Hauptgrund für den 3 Milliarden schweren Margin Call am 28. Januar war) aber es geht noch weiter...
Es steht im Moment im Raum, dass Citadel, wenn sie von RH eine buy oder sell order erhalten, diese auch gar nicht sofort ausführen müssen, sondern bei sich sammeln können und "in einem gebührlichen Zeitraum" (ja die gesetzliche Formulierung ist tatsächlich so schwammig anscheinend) ausführen müssen.
Wenn man nach den Short "Regeln" geht, kann das wieder ein Zeitfenster von 3-21 Tagen bedeuten oder theoretisch auch wieder endlos mit rollovers usw. ...
Jedenfalls liegt die Vermutung nahe, dass Citadel die buy orders von Robinhood wenn überhaupt, über dark pools bedient hat (was den Aktienkurs am offiziellen Markt nicht nach oben treibt) während sie die sell orders quasi "aus der Tasche gezahlt" haben, ohne wirkliche Verkäufe, weder am Markt noch in Dark Pools zu tätigen.
Ziel dieser Aktionen war/ist es dann wohl zu den Zeitpunkten zu denen z.B. Shorts gecovert werden müssen (weil öffentlicher Druck zu hoch, Strafen und Zinsen zu kostspielig etc.), den "offiziellen Markt" mit den gesammelten/gebündelten Sell orders auf einen Schlag zu überfluten und somit den Kurs in den Keller zu drücken (über die letzten Monate mehrfach durch diese Massiven Kursstürze in Minuten zu beobachten).
Zu diesem Zeitpunkt kann man dann seine Shorts zu deutlich niedrigeren Preisen covern indem man "echte Aktien" am "echten Markt" zu deutlich niedrigeren Preisen kaufen kann.
Das stinkt in meinen Augen alles deutlich nach Marktmanipulation und Betrug und würde auch zumindest n Stück weit erklären, was wir die letzten Monate mit GME beobachtet haben.
Es wurden auch die endlosen Beleihungen bei Shorts angesprochen (und das Thema, das eine Aktie nicht mal geliehen werden muss, sondern dass ein Marktspieler nur die "begründete Annahme" haben muss, dass er die Aktie beleihen kann.
Oder das Payment for Order Flow in vielen anderen Ländern (genannt wurden Canada, Australien und UK) seit 2012 oder 2016 der was verboten ist. Ich nehme mal an das ist dann in der ganzen EU verboten, da die Briten ja damals noch dazugehört haben.
Was mich da dann interessieren würde, ist wie das hier tätige 0 Kommisions Händler wie Traderepublic und eToro und Co. handhaben?
Wenn die kein Payment for Order Flow von MMs in der EU erhalten dürfen, wie werden die dann bezahlt um uns 0 Kommision Handel anzubieten? hmmmmm