hallo7 schrieb:
Für mich zeigt die ganze GME Geschichte ein großes Problem des Aktienhandels auf. Transparenz.
Kaum jemand weiß genau welche Optionen laufen, wer Leerverkäufe tätigt, wer long steht usw. dazu kommen das z.B. Fristen die Leerverkäufe zu decken ganz unterschiedlich sein können und Verstöße gegen diese Fristen nur relativ geringe Strafen nach sich ziehen.
Somit ist das ganze sehr unübersichtlich und schwierig zu analysieren. Das müsste nicht so sein.
Eine wichtige Grundannahme für einen funktionierenden Markt ist Transparenz bzw. Informationsgleichheit. Das Prinzip sollte man von staatlicher Seite auf den Aktienmarkt, zumindest aber auf den Optionsmarkt durchsetzen und erzwingen.
Da wären dann so einige Sachen nicht passiert in den letzten Finanzkrisen. Wenn die Clearinghouses z.B. tägliche Updates geben müssen wie viele Aktien Leerverkauft wurden, wie viele regulär verkauft wurden, wie viele gekauft wurden, welche Optionen wie lange laufen usw. wäre schon viel erledigt.
Man kann natürlich immer noch "privat" bzw. direkt Aktien verleihen/verkaufen, aber auch da kann man eine Anzeigepflicht einführen die bei nicht Einhaltung empfindliche Strafen nach sich ziehen (% von den Aktienanteilen - damit spart man sich eine Bewertungsgrundlage zu schaffen - oder fixer Betrag und dann was höher ist^^).
Bin ich bei Dir hallo7.
Und egal ob die Rakete startet und wir es den Hedgies wie erhofft stecken und dabei noch nen dicken Schnitt machen oder das ganze doch Richtung 0 in den Keller geht, eines scheint die Sache doch bewirkt zu haben:
Das die von Dir angesprochenen Themen endlich mal ernsthaft diskutiert und nicht durch Lobby-Einsatz von der Politik mit den Worten "da blickt eh keiner durch, lass das die Experten machen, die können das am besten, unsichtbare Hand des Marktes und so" abgeheftet werden.
Das allein ist es in meinen Augen Wert.
Ich mein bleiben wir doch mal ganz sachlich/pragmatisch bei uns als Kleinanlegern:
Wenn ich ne Aktie kaufen will, gebe ich bei meiner Hausbank ne Limit Order die leicht über dem aktuellen Kurs liegt. Da fängt's aber schon mal an... Wie aktuell und wie akurat ist denn der Kurs? Warum sehe ich 3 Dezimalstellen, wenn ich nur bis 2 gehen darf und die Broker auf 4 gehen dürfen? Aber gut.
Jetzt gibt meine Hausbank meine Limit Buy Order an ihre Broker weiter.
Und dann warte ich erstmal...
Kann auch mal 3-4 Stunden dauern.
Und irgendwann sind dann die Aktien zum georderten Kurs in meinem Depot.
Aber was ist in der Zwischenzeit passiert? Wo waren sie? Wer hat sie in der Hand gehabt? Auf wie viele Dezimalstellen sind die gegangen und zu welchem Kurs haben Broker, MM und Clearing Haus die untereinander gehandelt, bis sie bei mir in's Depot kamen? Warum brauchen wir dark pools zum Handeln?
Und warum ist die Transaktion meines simplem Limit Kaufs, erst nach 2 Tagen wirklich "gebucht", wenn ich sie nach 3-4 Stunden in meinem Depot habe?
Wieso zur Hölle ist es nach wie vor möglich (zumindest wohl in den USA aber ich habe wenig vertrauen, dass es hierzulande anders ist), dass meine Aktien, ohne mein Wissen oder ok, aus meinem Depot "entwendet" werden bzw. von Shorties beliehen werden, nur um damit zu spekulieren und sie am Tagesende sozusagen "zurück in's Regal zu legen" als sei nie was gewesen?
Wieso werden nach wie vor Leerverkäufe getätigt, in vollem Wissen der Regulationsgremien wie der SEC, obwohl die seit der Immobilienkriese 2008 überall illegal sind? Und wieso werden sorgen über diese nach wie vor getätigten Leerverkäufe mit den Worten "Das passiert in so verschwindend geringem Ausmaß, dass es nicht der Aufmerksamkeit der Regulationsgremien/Politik bedarf" abgetan, während wir solche Orgien wie Gamestop und co. tagtäglich beobachten?
Wieso zum Geier können die Shorties immernoch "die Dose die Straße runterkicken" bis zum Sanktnimmerleinstag, da scheinbar nichts wirklich überprüft wird ("we covered" lol)?
Und all die Punkte, die Du, hallo7 genannt hast und noch mehr, was wir beide nicht erwähnt haben.
Aber all diese berechtigten Fragen haben doch in der Regel ein's gemeinsam:
Egal was die Antwort darauf ist, profitieren tun von diesem Misseständen doch wohl immer die 1% bzw. Hedgies.
Und da ist die Vermutung, dass es sich hier um ein abgekartetes Spiel handelt und unsere Märkte nunmal weder fair noch frei sind, wohl doch sehr begründet...
Aber immerhin wird wenigstens öffentlich über diese Themen debatiert.
Man kann auf Regulationen hoffen.
Ich hab mir ja die Kongressanhörung im Februar komplett Live angesehen (die ganzen 6 oder 8 Stunden was das war). Und ich sage euch: Die Amis enttäuschen bei sowas echt nicht. Das war besser als jede Serie, ich konnt echt nicht aufhören zuzugucken/hören, war wie gefesselt vorm Bildschirm.
Und das Thema mit den Strafen gegenüber den Verbrechen, dass hallo7 angesprochen hat, wurde da auch mehrfach aufgegriffen und die meisten Kongressabgeordneten sehen das wohl so wie wir.
Der eine (Name vergessen) Abgeordnete fing an damit aufzulisten, wie Citadel die letzten Jahren "sehr unartig" war. Er hat nicht jede Straftat aufgezählt aber zusammengefasst, dass die seit Anfang der 2000er jedes Jahr ihre 20-100 Millionen Dollar Strafe für verschiedene Straftaten gezahlt haben.
In den gleichen Jahren aber immer Gewinne von 7-15 Milliarden ausgewiesen haben.
Da drängt sich die Vermutung doch auf, dass die Hedgies einfach einen Weg gefunden haben, das Brechen von Gesetzen und die darauf folgenden Strafen einfach als "Business-Kosten" in ihr Geschäftsmodell einzukalkulieren.
Und hier MUSS definitiv was passieren, denn dann funktioniert der Rechtsstaat einfach nicht mehr.