Oooh, Leute!
Gestern gab's ne größere Ausfahrt mit dem IONIQ 5 N im Rahmen der
Hyundai N Driving Experience über einen unserer Vereinspartner,
Delta Automobile in der Filiale Wiesbaden.
Setting:
12 IONIQ 5 N, zwei orange, der Rest in klassischem Performance Blue (teils Glanzlack, teils matt lackiert). Die beiden orangen Fahrzeuge wurden von den Instruktoren gefahren, welche jeweils an der Spitze der nachfolgenden fünfer Gruppe gefahren sind.
Wir als "Fahrschüler" sind jeweils mit zwei Personen pro Auto (wir kannten uns alle durch unseren Verein der
N-Thusiasten Südhessen e.V.) in den Autos hinterhergefahren. Die Fünfergruppen + vorausfahrender Instruktor sind ca. 5 Minuten versetzt voneinander dieselbe Strecke losgefahren.
Dabei ging es vom Autohaus aus über die Autobahn am Rhein entlang in westlicher Richtung und direkt quer durch den Hintertaunus. Nebst idyllischen Ortschaften gab es spannende Serpentinen, tolle Wald- und Wiesenabschnitte und hier und da auch ordentliche Geraden, um vom berüchtigten NGB-Knopf (N-Grin-Boost) Gebrauch zu machen.
Die gesamte Strecke belief sich auf knapp 100 Kilometer und wir sind ca. 90 Minuten gefahren, wobei auf der Hälfte der Strecke die Fahrer gewechselt haben. Wie gesagt, waren wir zu zweit in den Autos unterwegs - immer zwei Vereinsmitglieder. Ich habe die erste Hälfte der Strecke absolviert, danach habe ich den Beifahrersitz eingenommen und meine Begleitung fahren lassen.
Man hat - zumindest, wenn man sich im Vorfeld nicht allzu viel mit dem Auto beschäftigt hat - viel über das Fahrzeug selbst gelernt und hat stets über Bordfunk vom vorausfahrenden Instruktor aus alle relevanten Dinge mitgeteilt bekommen, die man nach Wahl selbst anwenden konnte (Umstellung der Fahrmodi, diverse Rekuperationsstärken, etcpp). Gleichzeitig war es einem selbst aber auch freigestellt, das Auto einfach nur ohne jedwedes Verstellen irgend welcher Dinge zu fahren.
Selbstverständlich haben wir alle möglichen Dinge durchprobiert und insbesondere eben das Key Feature, das den IONIQ 5 N so krass von allen - wirklich ALLEN (!!!) anderen E-Fahrzeugen am Markt komplett absetzt:
der vollends individualisierbare "Verbrennermodus"
Es ist einfach unbeschreiblich und fantastisch zugleich, was Hyundai hier für eine Spreizung geschaffen hat. Das Auto kann - wie eben jedes E-Fahrzeug - vollkommen unauffällig, überaus komfortabel und gemütlich im klassischen Modus gefahren werden. Gaspedal, Bremse, voreingestellte Rekuperation und das war's.
Alternativ hat man jedoch mit den N Custom Modes und bei Bedarf mit nur einem einzigen Knopf die Möglichkeit, das Auto vollkommen verrückt werden zu lassen!
- Simulierte 8-Gang-Schaltung inkl. Drehzahlbegrenzer
- Drehmomentverlauf je nach "Drehzahlbereich"
- Schaltblitz
- Schaltrucke
- Wahlweise zusätzlich die Möglichkeit, über die Paddles hinterm Lenkrad zu schalten
- Beim Schalten mit Paddles wahlweise voll-manueller Modus (dann "hängt" man sogar im Drehzahlbegrenzer und der Wagen "schaltet" nicht selbständig rauf)
- Wahlweise mit generiertem Motorsound innen und außen
... das ist so irre, dass man es überhaupt nicht in Worte fassen kann, das MUSS man einfach mal gefahren haben.
Dass u.A. Porsche sich einen IONIQ 5 N zum Reverse Engineeren besorgt hat - so wurde uns das zumindest gesagt - wundert mich überhaupt nicht. Was da an Fahrspaß rüberkommt, vor Allem wenn man durchaus eingefleischter Verbrennerfan ist, das kann man sich kaum ausmalen und wie gesagt, auch nur schwer in Worte fassen. Erneut: das MUSS man erlebt haben!
Und auch, wer all die ganzen Videos kennt: das kommt nicht rüber, in keinster Weise. Mir geht es gar nicht um Beschleunigung - das können die E-Autos alle. Es geht um das Gesamtpaket. Auch das Fahrwerk ist nicht von dieser Welt (für ein solches Auto). Was die Motoren (sowie die E-Diffs) beim Einlenken in die Kurven mithelfen und wie es das Auto mit über 2,2 Tonnen Leergewicht schafft, eine ununterbrochene Sicherheit und Zuversicht über das Lenkrad zu vermitteln, ist schon beeindruckend. Dadurch, dass alles Drive by Wire ist, ist es umso verblüffender, wie exakt du mit dem Lenkrad in der Hand jederzeit zu 100% den Untergrund der Straße "lesen" kannst.
Zum Sound des Fahrzeugs, der natürlich zu 100% simuliert ist, muss auch noch etwas gesagt werden. In den vielen Youtube-Videos hört sich dieser sehr kitschig und elektronisch an. Das ist er auch - zumindest bei Vollgasfahrten und wenn man NICHT mit dem simulierten Getriebe fährt. Wenn jedoch der simulierte Getriebemodus verwendet wird, dann klingt der Sound insbesondere im Drehzahlbereich bis ca. 3.500 Touren wirklich zu 100% wie ein Verbrenner - und zwar innen und außen. Das ist erfahrungsgemäß sowieso der Bereich, wo die meisten Leute beim normalen Fahren schon schalten würden. In diesem Fall hätte man also auch zum absoluten Großteil der eigenen Fahrzeit ein authentisches, realistisches Akkustik-Feedback.
Die Lautstärke innen wie außen ist zudem individualisierbar von 0 bis 20. Wir sind gestern mit 8(!) gefahren und als rabiater i30 N-Rowdy war das für mich vollkommen in Ordnung.
Noch etwas zum N Grin Boost:
Man sollte meinen, dass die 609 PS und 740 Nm in der Basis schon beeindruckend genug sind. Die nochmals 41 PS und 30 NM, die zusätzlich im aktivierten NGB freigesetzt werden, merkt man überraschend deutlich. Selbstverständlich wurde der Modus während der Fahrt auch immer mal wieder getestet, wenn es eine Gerade mal zugelassen hat.
Umso überraschter war ich aber auch, wie gut die Rekuperation bei modernen E-Autos funktioniert. Wir sind mit ca. 60% Akkustand losgefahren und mit 49% wieder angekommen - für wie bereits gesagt: knappe 100 Kilometer Strecke mit einigen Höhenmetern dazwischen. Das haben die Jungs natürlich vorher klug gewählt: die Strecke hatte einige Passagen, wo die Rekuperation hervorragend genutzt werden konnte und man gut zwei, drei Kilometer am Stück fahren konnte, ohne auch nur ein einziges Mal das Gas oder die Bremse betätigen zu müssen - inkl. aller dazwischenliegenden Kurven. Lediglich durch das passende Umstellen der insgesamt vier Rekuperationsstufen (bzw. "0" = aus) konnte man wirklich hervorragend beim Bergabfahren jederzeit die passende Geschwindigkeit einpendeln.
Beim Rekuperieren - das habe ich anschließend auch dem Instruktor gesagt - würde ich euch alle aber um eines bitten: fahrt mit euren E-Autos bitte nicht in höheren Rekuperationsstufen, wenn sich andere Fahrzeuge hinter euch befinden! In der Runde, in der wir gestern unterwegs waren, war das alles in Ordnung, aber wenn ihr auf der Straße mit anderen Verkehrsteilnehmern unterwegs seid, ist es einfach nur schrecklich, wenn plötzlich jemand vor euch stark verzögert, die Bremslichter aber NICHT ANGEHEN!
Laut Instruktur gehen die Bremslichter beim IONIQ 5 N ab ca. 0,3 G Verzögerung an, aber man (ich!) kennt es ja auch aus dem Alltag: da fährt ein E-Auto vor dir und BAMM, bremst das Ding krass runter, ohne dass man Bremslichter sieht - einfach nur, weil Fahrer/Fahrerin mit dem Fuß vom Gas runter ist und das Ding sofort hart rekuperiert.
Das geht einfach gar nicht. Bitte macht sowas nur, wenn wirklich niemand hinter euch ist, oder stellt eben eine möglichst geringe Rekuperationsstufe ein, die sich vom Verzögern her nicht anders verhält, als es bei einem normalen Verbrenner der Fall wäre, wenn man dort vom Gas geht.
Das aber nur als allgemeine Sidenote.
Darüber hinaus muss ich sagen, dass der Instruktor (vermutlich beide aber kann ich ja nur von dem aus "meiner" Gruppe berichten) seinen Job wirklich hervorragend gemacht hat. Er hatte nie Probleme, die Gruppe beisamen zu halten, hat entsprechend frühzeitig die nächsten Abzweigungen bekanntgegeben, ein, zweimal auch gewartet, wenn sich Fahrzeuge zwischen unsere Kolonne gedrückt haben, und so weiter.
Unter'm Strich war der gestrige Event ein wahrer Eye-Opener in vielerlei Hinsicht. Hätte ich meinen Swift Sport jetzt noch (und würde weiterhin ans Verkaufen denken) und hätte den i30 N nicht gekauft... Leute, Leute... das wäre aktuell echt ne schwere Entscheidung. Insbesondere, wo es junge gebrauchte IONIQ 5 N für unter 50.000 Euro gibt.
Klar ist das eine Stange Geld, aber für den gebotenen Gegenwert ist das - zumindest, wenn man sich ein E-Auto in dieser Preis- und Fahrzeugklasse sucht - meiner Meinung nach ein absoluter No-Brainer für alle, die auch weiterhin noch Spaß am Fahren haben wollen.
Und dann stand da noch der neue IONIQ 6 N - leider nur zum Anschauen, Anfassen, Reinsetzen und Reinsabbern
Das Ding sieht einfach nur richtig, richtig geil aus. Optisch würde ich den dem 5 N sogar vorziehen. Selber Antriebsstrang, selbe Spielereien, gleiche Wheelbase (Plattform), aber eben nochmals tieferer Schwerpunkt und mehr Grand Tourer als SUV. Platz hat der auch ohne Ende gehabt, sowohl vorne, als auch hinten und im Kofferraum.
Den werde ich mal weiterhin auf dem Schirm behalten.