Bezahlung nach Tarif - Ein paar Fragen dazu

qhil

Captain
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Apr. 2011
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Hallo,

ich habe mich gefragt, wie das genau funktioniert, wenn man nach Tarifvertrag bezahlt wird. Die Grundlagen davon sind mir verständlich, nur habe ich dennoch ein paar Fragen dazu.
Angenommen ich werde mit der Entgeltgruppe 5 eingestellt. Hat man im Laufe der Beschäftigung noch die Möglichkeit in der Entgeldgruppe (z.B. in die EG6) aufzusteigen? Ich meine jetzt nicht den Aufstieg nach einer gewissen Zeit.
Weiterhin frage ich mich, ob es bestimmte Kriterien gibt, wonach sich die Gruppe richtet. Gibt es ein Muster das z. B. aussagt "Ein Bäcker bekommt immer EG 8 (+/-2)" oder kann jeder unabhängig vom Beruf theoretisch jede der Gruppen bekommen?
Ich bin eigentlich immer davon ausgegangen, dass 2 Mitarbeiter im selben Beruf auch dieselbe EG haben. Stimmt das oder spielt das keinerlei Rolle (auch wenn es in der Praxis vermutlich oft so gemacht wird)?!

Viele Grüße,
qHiL
 
Wichtig wäre zu wissen welcher Tarifvertrag das genau ist. Also welche Gewerkschaft + welches Tarifgebiet (meist Bundesland).

Das sind meine Erfahrungen aus dem ERA Tarifvertrag der IG Metall:

Hat man im Laufe der Beschäftigung noch die Möglichkeit in der Entgeldgruppe (z.B. in die EG6) aufzusteigen?
Natürlich. Dazu muss sich dein Aufgabengebiet erweitern oder die Aufgaben selbst anspruchsvoller sein.

oder kann jeder unabhängig vom Beruf theoretisch jede der Gruppen bekommen?
Das ist theoretisch so und ist auch praktisch so gewollt. Man wird nach seiner Tätigkeit bezahlt. Abschlüsse sind nebensächlich. Man muss nur wissen, was man da tut.

Ich bin eigentlich immer davon ausgegangen, dass 2 Mitarbeiter im selben Beruf auch dieselbe EG haben.
Solange sie dieselben Aufgaben machen - ja. Berufserfahrung ist hier nebensächlich und drückt sich meist nur in der Leistungsbeurteilung aus, wenn überhaupt. Natürlich muss aber auch beachtet werden, dass nicht jeder Neuling sofort hochwertige Aufgaben bekommt :-)


Vorteilhaft ist das ganze für junge Leute, weil nur die Aufgaben/Tätigkeiten zählen und nicht die Erfahrung. Nachteilig ist es also für alle die schon ewig im Betrieb sind und einfach so weiter vor sich hinmachen und bisher wegen ihrer "Berufserfahrung" mehr Gehalt bekamen. Diese Leute bekommen jetzt tendenziell weniger als zuvor.
 
Zuletzt bearbeitet:
Hey kenza,

erst einmal vielen Dank für die Informationen. Das hat mir bereits weitergeholfen. Was mich wundert: Du sagst, dass die Berufserfahrung "nebensächlich" ist. Wahrscheinlich nicht komplett, aber so sehr, dass sich die Entgeltgruppe wesentlich mehr darauf bezieht, welches Aufgabenfeld man zugesprochen bekommt.
In Stellenangeboten wird aber nicht selten eine gewisse Berufserfahrung verlangt, da wäre es doch logischer wenn sich die Entgeltgruppe auch danach richtet. Du sagst ja selbst, dass es gewisse negative Auswirkungen auf Berufserfahrene hat. Diese Regelung finde ich persönlich ein wenig unverschämt.
 
Nun ja für den AG hat das den Vorteil, dass sich die AN weiterentwickeln wollen um mal später mehr zu verdienen. Bisher kamen die Gehaltserhöhungen automatisch.

Für den AN hat es den Vorteil, dass man viel schneller mehr verdienen kann und nicht Jahre lang auf mehr Geld warten muss nach dem Motto.

D.h. mit 2-3 Jahren Berufserfahrung kann man durchaus genauso viel verdienen wie jemand der 20-30 Jahre antriebslos im selben Betrieb tätig war :-)
 
Von diesem Gesichtspunkt aus klingt es doch wieder recht ordentlich :D Wobei ich glaube, dass der AG es immer so auslegen kann, wie es ihm am besten passt; sprich bei einem Neuling ist ihm Berufserfahrung total wichtig. Bei jemandem, der diese vorweisen kann, dann plötzlich nicht mehr. Wie auch immer, danke für die Hilfe. Du hast mir sehr geholfen. Damit fällt es einem doch ein wenig leichter die Situation bei bspw. Bewerbungsgesprächen besser einzuschätzen.

Viele Grüße!
 
Theoretisch kannste in jeder Stufe arbeiten, aber in der Branche, in der ich gelernt habe, bekommste mit ner Ausbildung EG 6 - 8, ganz selten auch 9 und studierte fangen mit 13 an und können bis 15 gehen.
 
Wobei das Ziel der außertariflichen Bezahlung auch nicht aus den Augen verloren werden sollte. Tarif ist zwar immer ganz nett, aber es geht auch mehr.

Die Tarifstufe hängt auch vom eigenen Verhandlungsgeschick hab. Wobei man hier ja zumindest einmal im Jahr die Möglichkeit beim Zielvereinbarungsgespräch hat den Chef zu Fragen "was muss ich tun um in die nächste Tarifstufe zu kommen?".
 
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