1. Die Programmierschleife (tPROG - "Page Program Time") – Der Hauptbremser
Das ist der zeitkritischste Faktor. Um eine Zelle zu beschreiben, verwendet der Controller das
ISPP-Verfahren (Incremental Step Pulse Programming). Er legt eine Spannung an, liest den Zustand, und wenn der Zielwert (1 von 16) nicht exakt getroffen ist, legt er eine
um 0,2–0,4 Volt höhere Spannung nach – und wiederholt das, bis der Wert passt.
- SLC (2 Zustände): Die Spannungsfenster sind riesig. Es braucht im Schnitt 1 bis 2 Programmier-Impulse.
- TLC (8 Zustände): Die Fenster schrumpfen. Es braucht etwa 5 bis 7 Impulse.
- QLC (16 Zustände): Die Fenster sind extrem schmal. Es braucht im Schnitt 15 bis über 20 Impulse, um die winzige Spannung exakt auf eine der 16 Stufen zu justieren.
Die harte, gemessene Latenz (tPROG) im Datenblatt:
- SLC: ~ 150 – 200 µs
- MLC: ~ 600 – 800 µs
- TLC: ~ 900 – 1.500 µs
- QLC: ~ 2.500 – 3.500 µs (also oft über 3 Millisekunden!)
Das heißt:
Das reine Schreiben (Programmieren) eines Seitenblocks ist bei QLC im Vergleich zu TLC etwa 2- bis 3-mal langsamer – und im Vergleich zu SLC bis zu
20-mal langsamer.
2. Die Auslese-Latenz (tR - "Page Read Time")
Hier wird es oft übersehen: Das Lesen ist bei QLC ebenfalls messbar langsamer.
- Um den Wert zu erkennen, muss der Controller die Spannung der Zelle mit 16 verschiedenen Referenzspannungen vergleichen.
- Bei TLC sind es nur 8 Vergleiche.
- Zudem sind die Spannungsabstände zwischen den 16 Zuständen so winzig, dass ein einfacher Durchlauf oft nicht ausreicht. Die Firmware muss bei QLC oft "Read-Retry" mit verschobenen Referenzspannungen durchführen, um das Rauschen auszugleichen.
Die gemessene Lese-Latenz (tR):
- SLC / MLC: ~ 25 – 50 µs
- TLC: ~ 50 – 80 µs
- QLC: ~ 100 – 150 µs (zuzüglich der Retry-Zeit, wenn der erste Read fehlschlägt).
3. Die ECC-Verarbeitungszeit (LDPC-Decodierung)
Das ist der reinste
CPU-Overhead auf dem Controller-Chip.
Wegen der 16 engen Spannungszustände hat QLC eine um Größenordnungen höhere
RBER (Raw Bit Error Rate) – etwa
1 Fehler pro 10.000 gelesenen Bits (gegenüber 1 Fehler pro 1.000.000 Bits bei TLC).
- Die Fehlerkorrektur (heute immer LDPC - Low-Density Parity-Check) muss bei QLC wesentlich mehr Iterationen durchlaufen, um die Daten fehlerfrei zu rekonstruieren.
- Bei einem schwer lesbaren Block (z.B. bei Temperaturschwankungen) kann der Decoder bei QLC mehrere hundert Mikrosekunden zusätzlich rechnen, während TLC den Fehler oft im ersten Durchlauf korrigiert hat.