keshkau
Commodore
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Wenn es (in etwa) genauso viele freie Ausbildungsplätze wie Bewerber gibt, dann würde es theoretisch genügen, ein bis zwei Bewerbungen auf die „richtigen“ Stellen abzuschicken. Das wäre für alle Beteiligten am einfachsten.Btw, du hast aber wenig Bewerbungen abgeschickt. Eigentlich müssten es 50+ sein, so dass man später eventuell noch ein bißchen Auswahl hat, was man nun wirklich nimmt.
Nun sieht die Praxis bekanntlich anders aus. Dazu einige Bemerkungen: Man schreibt in der regionalen Zeitung eine Stelle aus, komplett mit Stellenbeschreibung und Anforderungsprofil. Anschließend erhält man 200 oder 300 Bewerbungen, muss aber feststellen, dass ca. 80 Prozent der Bewerber überhaupt nicht auf die Stelle passen. Diese Leute hätten sich ihre Bewerbung schenken können, wenn sie das Stellenangebot richtig gelesen hätten.
Die Gründe dafür sind vielfältig. Oft werden zentrale Anforderungen erfüllt, manchmal taugt die Bewerbung nichts oder sie ist unvollständig. Gelegentlich sind die Gehaltsvorstellungen überzogen. Manche Bewerber schicken ein Horror-Foto mit, sodass man sich gar nicht traut, sie einzuladen. Andere sind zu unerfahren oder zu alt, wohnen zu weit weg, wollen nur Teilzeit arbeiten, obwohl eine Vollzeitstelle ausgeschrieben wurde usw.
Man sollte im Einzelfall überlegen, ob sich eine Bewerbung wirklich lohnt. Gerade wenn man weiß, dass die Anzahl der Bewerbungen hoch ist, muss einem klar sein, dass man nur dann eine reelle Chance hat, wenn man zu der Stelle und zu dem Unternehmen passt. Die Chancen steigen nicht unbedingt, nur weil man mehr Bewerbungen geschrieben hat. Wer sich in Bezug auf einige Punkte nicht sicher ist, kann auch einfach mal anrufen und sich erkundigen. Vielleicht hört man dann schon heraus, ob eine Bewerbung Sinn macht oder nicht.
Die Erfahrung zeigt: Gute Bewerber (z. B. um einen Ausbildungsplatz) können meist zwischen mehreren Angeboten wählen. Sie kommen vielleicht mit zehn Bewerbungen aus und haben trotzdem vier Vorstellungsgespräche und zwei Angebote. Schlechtere Bewerber schreiben vielleicht 50 Bewerbungen, werden nur zweimal zu einem Test eingeladen und haben kein Vorstellungsgespräch. In diesem Fällen ist es wichtig, sich dort zu bewerben, wo man auch eine Chance hat. Wer sich als Hauptschuld-Absolvent mit eher schlechten Noten in Deutsch, Mathe und Englisch als Bankkaufmann bewirbt, wird eine solche Stelle niemals bekommen, schon deshalb nicht, weil sich dort auch Abiturienten mit guten Noten bewerben (die vielleicht nach der Ausbildung noch studieren möchten).
Hinzu kommt bei Bewerbungen noch der Faktor Glück. Bei der ersten Durchsicht der 200 bis 300 Bewerbungen fallen vielleicht gut 80 Prozent heraus. Übrig bleiben 40 bis 50 Bewerbungen, die man als erste und zweite Wahl bezeichnen könnte.
Die erste Wahl umfasst den Pool von Bewerbern, die man zu einem Gespräch einladen möchte. Da solche Gespräche Zeit erfordern, beschränkt man sich auf vielleicht 8-15 Bewerber. Nach den Gesprächen bleiben oft nur ganz wenige Kandidaten übrig, bei denen alles zu passen scheint. Die Wahl zwischen diesen zwei bis drei Kandidaten ist dann nicht zuletzt auch Geschmackssache. Manchmal springt auch ein Bewerber ab und nimmt ein anderes Angebot an.
Die Vorgehensweise bei der Bewerberauswahl macht deutlich, dass es bereits für die Bewerber aus der „zweiten Wahl“, die nicht sofort abgelehnt worden sind und die man sich für den Notfall warmhalten will, schlecht aussieht, noch in die engere Wahl zu kommen. Auf sie greift man erst zurück, wenn keiner der eingeladenen Kandidaten überzeugen konnte.
Es kommt also immer darauf an, dass man wirklich zu der Stelle passt. Bei Bewerbern um Ausbildungsplätze schiebt man gerne noch Tests ein, weil die Bewerbungsunterlagen praktisch nur aus Schulzeugnissen bestehen und daher wenig aussagekräftig sind. Die Tests sind dann ein gutes Mittel, um eine Vorauswahl durchzuführen. Danach geht es so weiter, wie oben geschrieben: Die Top-Kandidaten werden eingeladen, andere Bewerber werden als Reserve zurückgehalten. Allen anderen wird abgesagt.