Ich glaube eher, dass sich ein Großteil der deutschen Bevölkerung von den verantwortlichen Regierungen, salopp gesagt, verarscht fühlt.
Die Regierung hat hier über Jahre das Bild der Brunnen- und Schulenbauer versucht zu verbreiten und das auch mit Erfolg geschafft, weil sich die meisten Deutschen herzlich wenig für ihre Armee interessieren und dementsprechend kein großes Interesse herrschte an der Arbeit der Soldaten da unten.
In den letzten beiden Jahren ist dieses Gebilde, was sich Rot-Grün, Schwarz-Rot und nun auch Schwarz-Gelb geschaffen hatten, zerfallen und hier bei uns, merken plötzlich viele Leute das deutsche Soldaten dort unten kämpfen und nun muss man sich plötzlich damit auseinandersetzen, dass diese Soldaten auch den Feind bekämpfen, im Klartext, töten.
Aber mit Sachen, die so schrecklich sind, setzt man sich nicht gerne auseinander. Und jedesmal wenn Särge aus Afghanistan kommen, wird man, vermute ich, immer wieder feststellen können, dass sich die Stimmung verschlechtert, weil die Leute sich damit auseinadersetzen müssen.
Hätte man von Anfang an Tacheles gesprochen, wäre die Stimmung jetzt vielleicht nicht so schlecht.
Jetzt aber zum eigentlichen Thema
Raus aus Afghanistan? Ja, aber wer sofort schreit, hat auch unrecht. Vielleicht war es ein Fehler nach Afghanistan zu gehen, aber nun sind wir dort unten. Und müssen dort auch die Suppe auslöffeln, die wir uns eingebrockt haben.
Nach Afghanistan zu gehen, war eine Entscheidung der Verantwortlichen hier in Deutschland. Man hätte sich in der NATO auch querstellen können, die basiert immer noch auf dem Einstimmigkeitsprinzip, sprich, wenn einer nicht will, geht keiner, zumindest nicht unter NATO-Flagge. (Die USA geben zwar den Ton an, aber beim Irakkrieg hat man auch nein sagen können)
Hat man aber nicht, der Bundestag hat damals auch nicht nein gesagt, dieser schickt nämlich die Truppen nach zB. Afghanistan.
Damals übrigens war an "die Linke" noch garnicht zu denken und viele die den Afghanistaneinsatz zu verantworten haben, sind jetzt Mitglieder der Linken und fordern den Abzug. So kann man auch sein Fähnchen in den Wind hängen.
Also zurück zum Suppe auslöffeln.
Dieses Land braucht vorallem Dingen eins. Stabilität. Und die gilt es so schnell wie möglich herzustellen. Siehe die ganzen neuen Programme, wie zB das Partnering oder schon älter die Ausbildung der Polizei und auch der afghanischen Streitkräfte. Sind diese beiden in der Lage Stabilität für Afghanistan zu erzeugen, dann kann man bei uns und unseren Verbündeten darüber nachdenken die Truppen schrittweise zu reduzieren und den Afghanen die komplette Verantwortung zu übergeben. Was danach geschieht steht nicht in unserer Macht, sondern liegt alleine in den Händen der Afghanen.
Wenn die Amerikaner allerdings an ihrem Plan festahlten 2011 mit dem Abzug zu beginnen, dann wird die Bundeswehr auch 2011 mit dem Abzug beginnen und garantiert das Land verlassen haben, bevor es der letzte amerikanische Soldat verlässt.
Sollte man an 2011 festhalten, denke ich, wird das Abenteuer Afghanistan 2014 für die Bundeswehr beendet sein, ob das reicht, um ein Land zu stabilisieren, dass seit 30 Jahren nur den Krieg kennt, bezweilfe ich stark.
Warum wir dort unten sind:
-Afghanistan als Rückzugsgebiet für Terroristen unbrauchbar machen (Schwierig bis unmöglich durch die ganzen Gebirge.)
-Menschenrechte für Afghanistan (das Ziel, das für jeden Konflikt der letzten Jahrzehnte herhalten musste)
-der NATO-Bündnisfall wurde ausgerufen, auch ein Grund.
Ganz im speziellen für Deutschland:
Der eigenen Stimme im Weltsicherheitsrat mehr Gewicht verschaffen und einen ständigen Sitz in diesem Gremium erhalten.
Hier denke ich, liegt der Hase begraben. Es würde außenpolitisch einen enormen Machtgewinn bedeuten.
Und gerade Außenpolitik ist für uns als "Exportnation" sehr wichtig, unser Wohlstand fußt auf unserer Exportwirtschaft, deshalb sind wir auf freie Handelswege angewisen und auf gute Beziehungen zu "potenziellen Kunden"
Gibt sicherlich noch mehr Gründe offzielle, sowie inoffizielle, aber das sind meiner Meinung nach die Wichtigsten.
Die Soldaten die jetzt im Einsatz sind, sehen sicherlich auch, dass sie dort helfen können und es auch machen.
Aus freien Stücken sind aber eher die wenigsten dort unten. Da bekommt man halt einen Befehl und dann geht man.
Sicherlich kann man den auch verweigern, ABER dann wird es sicherlich schwierig nach Ablauf der Verpflichtungszeit zum Berufssoldaten zu werden. Ganz davon abgesehen, dass man ja auch irgendwie die eigenen Kameraden im Stich lassen würde, die ja trotz der Gefahren gehen.
Das zusätzliche Geld ist meiner Meinung nach, der einzige positive Nebeneffekt für den Soldaten, alles Geld der Welt bringt einem Nichts, wenn man dann in einer Kiste zurück kommt.
So jetzt hab ich genug geschrieben.