Die Unterschicht in Deutschland

@relict

Natürlich ist mein Bild, wie Du sicherlich in meinen anderen Posts gelesen hast, subjektiv.
Auch, wie ich bereits schrieb, habe ich meine Infos nicht bei RTL und Co gewonnen.
Dennoch glaube ich, einen besseren Einblick als manch einer zu haben. Das von mir beschrieben Bild wurde größtenteils von Menschen bestätigt, die sich beruflich mit Bedürftigen beschäftigen. Dazu zählen, in meinem Umfeld, u. a. ein ARGE - Angestellter und eine Sozialarbeiterin.

Was den Lebensstandard eines "lockeren Studenten" angeht schließe ich von mir auf andere. Das ist richtig. Das liegt aber auch daran, dass ich vor Beginn meines Studiums 6 Jahre lang gearbeitet habe und es daher durchaus nachvollziehen kann wie es ist, sich bis auf das Hartz IV- Niveau einzuschränken. Auto weg, kleinere Wohnung, kein Urlaub mehr, Aldi statt Kaisers usw.
Das ist nicht schön aber auch nicht zu viel verlangt, von niemandem.
(witzigerweise hatte ich nie Probleme, einen Nebenjob zu finden, - ganz objektiv)

Um nochmal auf die bösen, menschenunwürdigen Gutscheine zu kommen. Wie mir bestätigt wurde, sind ein Großteil der Hartz IV Empfänger (nicht alle) nicht in der Lage, mit dem ihnen zur Verfügung stehenden Geld umzugehen. Wer eine Schachtel pro Tag raucht, hat natürlich am 10. kein Geld mehr. (ja, ja wieder verallgemeinert) Auf der anderen Seite gibt es durchaus auch Fälle, die noch ein wenig sparen können.

Natürlich kann es jedem passieren, einmal auf Hartz IV angewiesen zu sein. Natürlich muss man sich dann auch einschränken. Aber richtig schlecht muss es niemandem gehen.

MFG
 
@e-ding
Der Punkt ist doch, dass man seine jahrelang aufgebaute Existenz jedes Mal wieder wegwerfen kann und von vorne anfängt mit allen Konsequenzen. Nicht der fehlende Urlaub ist das Problem. Aber bei Wohnung/Haus fängts schon an. Ohne Auto kommste heute auch nicht mehr jobmäßig gross weiter. Dann kommen noch Kinder und laufende Kredite/Versicherungen dazu, die eben bei vorzeitiger Kündigung sehr teuer zu stehen kommen können, wenn überhaupt kündbar. Auch bin ich zb. überhaupt kein Freund, gerade Kinder aus ihrer laufenden Schule/Klassenkollektiv/Umfeld wegen meiner (temporären) Unzulänglichkeit rausziehen zu müssen. Das sind alles Sorgen und Probleme, die man als Student/jüngerer eben eher nicht hat.
Klar wer nichts hat, hat auch nichts zu verlieren, hat man aber was, zieht man in diesem System iim Falle eines Jobverlustes/Einkommensverlustes definitiv den kürzeren, als die, welche eben nie großartiges mehr hatten, als der Regelsatz bereitstellt.

Naja und er eine raucht, säuft und verfrissts und der andere verjuchtelts an anderen Stellen. Was alle gemeinsam haben ist, dass anderes dann zwangsläufig kürzer treten muß. Klar können sicher etliche nicht mit Geld umgehen, das beweist sich aber meist auch erst in der Arbeitslosigkeit, weils dann stärker ins Gewicht fällt.
Dennoch, die realen Einkommen sind drastisch gesunken. Und auch ein Hartz-IV Regelsatz, welcher im Jahre 2001 festgelegt wurde ist heute nicht mehr das gleiche wert. Daher wäre wie schon gesagt wurde eine Anpassung nach oben ein Anfang. Es müssen ja nicht 800 Eur mehr sein, wie aktuell mal wieder unsere total verarmten Politiker sich geben. ;)

Aber die 2 Eur Regelsatz-Erhöhung ggü. den früheren 345,- gleichen bei weitem nicht die Teuerungsrate auf. Es ist eher ein Hohn, gelinde gesagt.
Doch ist ja mit den Rentnern nicht anders.
 
Zuletzt bearbeitet:
@relict
Klar, für Menschen die sich eine Existenz aufgebaut haben und sich dann einschränken müssen ist es ungleich schwerer als für Leute, die nie etwas anderes kennengelernt haben.
Eine Unterstützung basierend auf der voherigen Einzahldauer in die Sozialsysteme wäre gerechter.

In Bezug auf die Reallohnentwicklung gebe ich Dir Recht. Da dieser ja auch die Inflationsrate berücksichtigt. Das betrifft allerdings nicht nur die Unterschicht. Eine theoretische Anpassung der Einkommen um mindestens in Höhe der Inflationsrate wären notwendig um die Kaufkraft zu erhalten.

Zur deutschen Steuerpolitik bzw. der Gestaltung der Lohnnebenkosten könnte man auch so einiges schreiben.

MFG
 
Eine Unterstützung basierend auf der vorherigen Einzahldauer in die Sozialsysteme wäre gerechter.
Sehe ich ähnlich. Allerdings müsste man dann noch für die Ex-Selbstständigen eine Lösung finden bzw. eine zweckgebundene Pflichtabgabe einführen o.ä..
Die Inflationsrate ist nur eine statistische nichts sagende Durchschnittszahl. Was man am häufigsten einkauft zählt. Gerade Grundnahrungsmittel sind drastisch gestiegen und die kauft man in der Regel häufiger als Elektronikgeräte (gerade bei der Unterschicht macht es den größten Teil der Ausgaben aus), von Energiekosten ganz zu schweigen. ^^

Übrigens Lebensmittelgutscheine nimmt nicht jeder Laden. Kannst Du dir nur im Ansatz vorstellen, wie es wird, wenn noch viel mehr über Gutscheine gelöst würde? ;)

Ich gebe Dir aber Recht. eine Erhöhung der Kindergeldes & co. halte ich auch nicht für sinnvoll. Es führt weder zu mehr Nachwuchs noch zu weniger (Kinder) Armut.
Statt Gutscheine zu verteilen oder Gelder Pauschalen zuzuschieben würde ich eher auf kostenlose Sozialangebote pochen, sprich kostenloses Schulessen, Schülbücher, Klassenfahrten und Freizeiteinrichtungen. Natürlich auch Vorschule und Krippenplätze kostenlos. Dazu noch eine Anhebung des Hartz-IV Regelsatzes um ca. 200 Euro im Kombipaket. :D)
Nur zur Erinnerung: Die offizielle Armutsgrenze in Deutschland liegt bei 950 Euro Einkommen pro Person!
 
Zuletzt bearbeitet:
@relict

Bis auf die 200€ Erhöhung stimme ich Dir zu. ;)
Von den Sozialangeboten könnten in erster Linie Kinder profitieren. Find ich gut.

Der Einkaufskorb zur Berechnung der Inflationsrate ist wirklich nur ein schlechter Witz. Die relevante Inflation wird auf ca. das Doppelte geschätzt.

Bei Selbstständigen wird die Berechnung schon schwieriger. Ein freiwilliger Beitrag, der dann auf die Basisunterstützung aufgerechnet wird wäre eine Möglichkeit, um im Falle von Arbeitslosigleit etwas mehr Geld zu erhalten.

Die Armutsgrenze halte ich persönlich für zu hoch angelegt.

MFG
 
@Relict

Ich möchte auf einen Punkt mit der Einschränkung von dir nur noch mit 347 Euro zurechtkommen zu müssen eingehen. Man darf dort (von selbständigen mal abgesehen) nicht vergessen das dies ja nicht sofort passiert, sondern eben erst wenn der jenige schon 1 jahr lang arbeitslos war.
 
@blubberbrause
Ein Jahr ist schnell rum, die Höhe abhängig vom Vorverdienst und wer nicht eingezahlt hat geht nicht über Los, sondern direkt in Hartz-IV, genauso wie Ex-Minijob/Niedriglohnjob-Empfänger.
Und es soll heutzutage auch Leute geben, die nicht mal mehr ihre Pflichtjahre für den (erneuten) Bezug von ALG 1 zusammen bekamen bzw. dann so oder so auf Hartz-IV Niveau schwimmen. Es geht doch nicht direkt um ALG1 oder ALG II, sondern um Armut und das zunehmend trotz Arbeit.
Daher halte ich ja auch diese politische Diskussion um die Verlängerung von ALG 1 für Ältere als realitätsferne Finte. Die Leute brauchen mehr Geld, nicht längere Bezugszeiten oder mehr Beschäftigung ansich.
 
Weil es gerade so gut zum letzten Beitrag passt: Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) ist in einer Studie zu folgendem Schluss gekommen.

Auch wenn die Arbeitslosen-Leistungen aus Sicht vieler Betroffener zum Leben kaum reichen – Jobsuchende werden vom Staat derart gut finanziell ausgestattet, dass der Anreiz zur Aufnahme einer regulären Stelle sehr gering ist.

http://www.rp-online.de/public/article/aktuelles/wirtschaft/news/529699

Wenn das tatsächlich so sein sollte, dann wäre das natürlich bitter hinsichtlich der Aussichten, wieder in Arbeit zu kommen.
 
@ keshkau
Was erwartest du von dem Institut der "deutschen Wirtschaft"?
Lese dir doch mal die Kommentare dort bitte durch.

Die Beschäftigungsmaßnahmen, welche in den Medien viel zu selten erwähnt werden, erfüllen auch ihren Zweck der "Motivation".
 
Ich habe die Quelle mit angegeben. Dort wird das Institut bereits als arbeitgebernah beschrieben. Das Institut vertritt eine Meinung von vielen. Sie ist allein deswegen nicht besser oder schlechter als andere Positionen, sondern bereichert die Diskussion.

Ich neige nicht so sehr dazu, eine Stellungnahme allein deshalb zu ignorieren, weil sie aus einer bestimmten Ecke kommt. Eine inhaltliche Prüfung macht da mehr Sinn. Und ich habe auch nicht geschrieben, dass man der Auffassung des Instituts blind folgen müsse.
 
@Threadersteller
Zum Stern Beitrag:
Weil arme Leute Geld sparen muessen. Wasser kostet Geld, also an Wand pinkeln und kac... . Hundekot wegmachen kostet auch Geld (kot in den muell) Und mit 347E / Monat kannst du nicht viel ausgeben. Musst ggf. davon noch eine mehrkoepfige Familie durchfuettern.
Sport kostet auch Geld und zwar Vereinsgebuehren.
Der Weg zur Schule kann ggf. auch Geld kosten...
 
[Ironie]Genau Familien bekommen ja nach SGB auch nur 347€ Regelsatz :freak:[/Ironie]
Scheinst mir nicht sonderlich gut informiert

Und die Mitgliedschaft in Vereinen ist in vielen Fällen für die Bezieher von Sozialhilfe bzw. ALGII kostenlos. Bei uns z.B.
 
@FreddyMercury
Ich stehe gerade etwas auf dem Schlauch, weil Du von einem "Stern-Beitrag" schreibst. In meiner Eröffnung war nichts vom Stern zu lesen und mein letzter Link ist von RP-Online.

Weiterhin empfehle ich Dir, mal im Internet die Regelsätze für Hartz IV zu recherchieren. Dann wirst Du feststellen, dass die 347 Euro für einen Erwachsenen gelten. Kommen Personen im Haushalt hinzu, erhöht sich die Zuwendung.

Und auch wenn ich es schon zig Male geschrieben habe: Ich habe nie behauptet, dass die Regelsätze hoch seien. Ich selbst käme damit nicht über die Runden. Aber es gibt auch Menschen, die sich mit den Sätzen arrangiert haben und deren Arbeitsmotivation darunter leidet.
 
keshkau schrieb:
...Weiterhin empfehle ich Dir, mal im Internet die Regelsätze für Hartz IV zu recherchieren. Dann wirst Du feststellen, dass die 347 Euro für einen Erwachsenen gelten. Kommen Personen im Haushalt hinzu, erhöht sich die Zuwendung...


Genau erhöht sich also.

Alleinstehende 100% = 347€
Danach wird sie abgesenkt!
Partner ab Vollendung des 18 Lebensjahr 90% = 312€
Kinder ab " 14 Lebensjahr - Voll. 25 J 80% = 278€
Kinder bis Vollendung des 14 Lebensjahr 60% = 208€
Stand Juli 2007 und nun auch für ALLE Länder gleich.
 
Zuletzt bearbeitet:
Selbstverständlich wird der Satz für einen zweiten Erwachsenen abgesenkt!

Wenn die Bude einmal geheizt ist, fallen für die zweite Person keine zusätzlichen Heizkosten an (ganz im Gegenteil, der Mensch gibt sogar noch Wärme ab). Die GEZ für den gemeinsam genutzten Fernsehen fallen auch nicht doppelt an. Vergleiche auch Telefongrundgeühren, Internet-Flatrate usw. Vielleicht kocht es sich gemeinsam auch günstiger.
 
Für Bedarfsgemeinschaften gilt der volle Regelsatz von 347 Euro. Für JEDEN Erwachsen über 25 Jahre. Das was ihr meint gilt für eheähnliche Gemeinschaften.
Kaltmiete und Heizkosten teilen sich/ berechnen sich je nach Einkommen aller darin lebenden Personen.
Bekommt einer noch andere Zuschüsse zb. Überbrückungsgeld von ALG1 zu ALG2, dann gibts auch keine GEZ-Befreiung.
Medikamentenzuzahlungen sind auch für ALG2 Empfänger zu leisten, hgenauso wie die 10 Eur Eintrittsgebühr.
Zudem besteht seit 1.4.2007 eine ununterbrochene Pflicht-KV. Das bedeutet, hat man aus welchen Gründen auch immer Unterbrechungen der Beitragszahlungen (zb. ALG-Empfänger -> Sperrzeit oder. (Fortsetzungs-) Antrag zu spät abgegeben - muß man die KK-Beitrage aus eigener Tasche - auch rückwirkend - bezahlen. (ca. 130,- Euro/ Monat)
Klar kommt man zu zweit irgendwo immer besser weg,. Single sind in diesem System vorallem gear...t
 
Zuletzt bearbeitet:
Naja, verliert ein Partner in einer eheähnliche Gemeinschaft den Job droht nach einer gewissen Zeit erstmal die finanzielle Kriese. Vermögen, Haus, Wohnung, Auto, Spar- u. Vorsorgepläne etc. müssen aufgelöst oder gewechselt werden. Jeder der sich einen ALG2-Antrag angeschaut hat, weiß das. Da überlegt sich der Single 2x mit zukünftigen Partner zusammen zu ziehen und auch Kinder in die Welt zu setzen. Aussagen wie zuletzt von Thilo Sarrazin (SPD) über seinen entwickelten Hart4-Speiseplan erledigen den Rest.
 
@boMon
Ok, hätte ich vllt. noch hinzufügen sollen: Alleinstehende und eheähnliche Gemeinschaften (falls beide HIV-Empfänger) sind bevorzugt gea..scht. :) Naja und nicht selten trennen sich Paare proforma. Not macht nunmal erfinderisch. Der Staat fördert es ja quasi durch seine Politik noch.

Gehört zwar nicht ganz zum Thema, aber wenn schon das Stichwort fällt.
Statt das Kindergeld noch weiter zu erhöhen sollte man diese Gelder besser in ein kostenloses oder sehr stark subventuioniertes Bildungs- und Erziehungssystem stecken. Kostenlose Krippen- und Kinderplätze, Bildung, Schulbücher, Schulessen und Schuluniformen pipapo, für ausnahmslos JEDEN und jedes Kind. Denn vielen Kindern (er-)geht es im sozialen Umfeld Schule & Vorschule besser als zuhause und den Eltern letztendlich auch, genauso wie dem Staat, der ja Kinder will/ braucht.
 
Manchmal doch schade, das ich keinen Fernseher hab. Wenn der Rektor tatsächlich jetzt den Lernplan umstellt, damit die Kinder besser auf Hartz4 vorbereitet werden... Also, ich würd das ja für einen verspäteten Aprilscherz halten. Das ist ja fast schon kriminell. Nicht nur, dass damit die Chance auf Erwerbstätigkeit noch weiter gesenkt wird, jetzt gibt's auch noch von offizieller Seite ein 'OK' für ein Leben auf den Taschen von anderen. :eek:
 
Zurück
Oben