Dreifach-Niederlage für ISPs vor EUGH

Gnah

Commander
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Heute hat das EUGH in gleich drei Angelegenheiten den Begehrlichkeiten von ISPs einen deutlichen Dämpfer verpasst, nachdem deutsche Gerichte es um eine Beurteilung gebeten hatten. Konkret wurde entschieden:

1. Nulltarifoptionen von Verträgen wie in diesem Fall Vodafone Pass dürfen nicht vom Roaming ausgeschlossen sein sondern müssen auch im europäischen Ausland Geltung haben.

2. Tethering darf nicht untersagt werden. Der Benutzer muss seinen Vertrag mit jedem beliebigen Endgerät nutzen können, auch wenn das Endgerät nicht direkt über einen eigenen Netzzugang verfügt sondern diesen erst über ein weiteres Gerät herstellt.

3. Eine Reduzierung der Datenrate bei Stream On (und anderen anrechenfreien Optionen) ist unzulässig. Dem Nutzer muss stets die volle verfügbare Geschwindigkeit ermöglicht werden.


Allesamt erfreuliche Urteile für den Verbraucher.
Da Stream On und co damit für die ISPs unattraktiver werden ist dies hoffentlich auch ein weiterer Schritt hin zu bezahlbaren echten Flatrates, die in anderen europäischen Ländern schon lange Usus sind, während hierzulande noch lange gar keine Verträge dieser Art verfügbar waren und nun nach wie vor horrend bepreist sind.

Edit:
Hier noch die Pressemitteilung des EUGH zu den Entscheidungen:
https://curia.europa.eu/jcms/upload/docs/application/pdf/2021-09/cp210145de.pdf
Schon allein die Überschrift ist eindeutig:
„Nulltarif-Optionen“ verstoßen gegen die Verordnung über den Zugang zum offenen
Internet

Folglich sind auch Beschränkungen der Bandbreite sowie von Tethering oder Roaming, die auf der
Aktivierung einer solchen Option beruhen, mit dem Unionsrecht unvereinbar
 
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Gnah schrieb:
Da Stream On und co damit für die ISPs unattraktiver werden ist dies hoffentlich auch ein weiterer Schritt hin zu bezahlbaren echten Flatrates

Nette Fantasie. Tatsächlich aber werden entsprechende Angebote dann wohl eher wegfallen, deren Preis in astronomische Höhen steigen oder aber deren Nutzbarkeit vertraglich so begrenzt, daß sie keinen Sinn mehr machen.
 
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@Twostone
Siehe edit, dieses Vertragsmodell ist tot.
Warum damit echte Flatrates wegfallen oder teurer werden sollten als sie eh schon sind musst du mir noch erklären. Und eine Totregulierung über AGB würde ganz offensichtliche vor Gericht nicht standhalten.
 
Danke für die Meldung!

Es ist immer wieder recht witzig. Da sind die meisten europäischen Staaten und das EU Parlament mit einer Mehrheit aus konservativen, rechten, wirtschaftsnahen Politikern "gesegnet" und dennoch kommt eine Gesetzgebung heraus, die das EUGH zu angenehmen Urteilen kommen lässt.
 
Ich wüsste kaum noch Tarif wo es keine echte Flatrates mehr gibt. Weil viele verwechseln Geschwindigkeit mit Kosten. Denn die X Gb Highspeed Surfvolumen sind die Dreingabe bei den Verträgen. Und ich sehe es wie Twostone. Es wird jetzt halt wieder mehr Tarife mit Zubuchbaren GB geben.
 
Munsterbuster schrieb:
Ich wüsste kaum noch Tarif wo es keine echte Flatrates mehr gibt.
Deswegen ja auch die Rede von echten Flatrate. Eine Pseudoflatrate, bei der nach Aufbrauch des Volumens die Geschwindigkeit auf Werte gedrosselt wird bei der heutzutage fast keine Website mehr lädt, ist keine Flatrate. Und echte Flatrates sind, zumindest in Deutschland, nach wie relativ selten und vor allem sehr teuer.
 
Es gab auch hierzulande schon "echte" flatrates. DamalsTM, als das Internet (hierzulande) noch neu war. Mittlerweile sind aber auch die DSL-Verträge nur noch Volumentarife, wenngleich das Volumen im Vergleich zu den Mobilfunktarifen recht hoch liegt. Auf der anderen Seite, was uns damals noch alsa ungeheure Datenmenge vorkam, ist heute schon auf einer einzelnen Website. Entsprechend werden auch diese Datenvolumina irgendwann nur noch vergleichsweise winzig sein, gemessen am Bedarf.

Beim Mobilfunk macht es ja noch einen gewissen Sinn, den Datentransfer zu vergolden. Immerhin sind die Funktürme ziemliche Energiefresser. Trotzdem sind die Preise hierzulande imho immens hoch, bei deutlich schlechterer Leistung gegenüber anderen, europäischen Ländern. Aber auch das ist seit über zwanzig Jahren schon so, wird sich auch nicht ändern. Immerhin verdienen die Mobilfunkunternehmen kräftig an dem gestiegenen Datenverkehr.

Es wäre eine sehr seltsame ökonomische Entscheidung, freiwillig (und grundlos) mehr zu leisten, wenn die Vergütung dafür gleich bleibt.
 
Solange der Bund es für sinnvoll hält die Netze zu versteigern werden die immer ne Ausrede haben uns keine echten Flatrates zu verkaufen. Dass StreamON und ähnliche Dienste gegen die Netzneutralität verstoßen ist den Betreibern sehr wohl bewusst gewesen und es war nur eine Frage der Zeit bis dieses Geschäftsmodell abgedreht wird.
 
Twostone schrieb:
Beim Mobilfunk macht es ja noch einen gewissen Sinn, den Datentransfer zu vergolden. Immerhin sind die Funktürme ziemliche Energiefresser.
Die Funktürme sind viel zu sehr auf Energiesparen getrimmt und Energie ist zu günstig, als dass die Energiekosten für einzelne Verbindungen wirklich ein Preistreiber wären. Tresengespräche mit Netzwerkern in dem Bereich gingen um einstelligen Eurobeträgen je TByte nach Abzug aller Fixkosten. Vorausgesetzt man muss nicht noch irgendwo Transitgebühren bezahlen.
 
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@Piktogramm
Ja, das deckt sich ungefähr mit dem was unserer für's Unternehmen zuständiger Telekomiker so erwähnt hat. So 0,4 - 0,2 Cent pro Gigabyte war da die Aussage, was die ungefähren realen Kosten für mobilen Datentransfer sind.
 
Twostone schrieb:
Mittlerweile sind aber auch die DSL-Verträge nur noch Volumentarife, wenngleich das Volumen im Vergleich zu den Mobilfunktarifen recht hoch liegt.
Mir fallen da spontan jetzt nicht so viele Beispiele (bis auf o2 mit einem speziellen Tarif) dazu ein - wärst du so lieb?
 
Gnah schrieb:
So 0,4 - 0,2 Cent pro Gigabyte war da die Aussage, was die ungefähren realen Kosten für mobilen Datentransfer sind.
Die Kostentreiber beim (deutschen) Mobilfunk sind weniger die Betriebskosten (die natürlich aufgrund des relativ hohen Strompreises auch höher als im Ausland sind) der Infrastruktur sondern die Personalkosten und Funklizenzkosten (Stichwort UMTS Frequenzauktion).
 
Die Betriebskosten des Kupfer-(Endkunden-)Netzes sind geringer als die des Funknetzes, trotz wesentlich höherer Anzahl an Außenstellen. So war das tatsächlich gemeint. Daß die Gebühren, die die Betreiber erheben, in keinem Verhältnis zu den tatsächlichen Kosten der Übertragungsstrecken stehen, darüber brauchen wir nicht zu reden, das ist mir durchaus bewußt.
 
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Als Stream On Nutzer finde ich das natürlich schade.
Insbesonders weil ich Stream On Video nur sehr sporadisch (Hotelübernachtungen) verwende.
Stream On Audio auf längeren Autobahnetappen.
Ich würde ehrlich gesagt nur sehr ungern jeden Monat für ne Flat bezahlen müssen, mein Datenverbrauch liegt ansonsten fast immer unter 2GB, selten mal 2,5GB.

Aus genereller Kundensicht kann ich das natürlich nachvollziehen, Stream On verhindert dass der Markt sich bei echten Flatrates von alleine reguliert.
Andererseits finde ich es bei StreamOn gut, dass die Datenrate der Dienste gedrosselt wird. Wenn ein Handy in dicker Displayauflösung streamt, sind die Funkzellen natürlich viel schneller dicht.
Mit Stream On Video hatte ich bisher noch nie Probleme mit ausgelasteten Funkzellen oder nachladenden Streams.

Ich denke es wird einige Zeit dauern bis Stream On vom Markt verschwindet und dann sind hoffentlich brauchbare Alternativen da.

Ich fand ja bereits Magenta Eins Beta/Plus schon sehr geil, wenn auch außerhalb der Beta noch etwas teuer. Insbesonders der umfangreiche Self-Service Bereich war top. Leider auch schon wieder eingestampft und die Alternative ist am Ende noch teurer.
 
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