@PuppetMaster:
Moore mag einiges so hindrehen wie er es möchte, aber die Kritik von dieser Seite ist auch nicht besser.
Moore ist ganz klar vorzuwerfen, dass er für einen Dokumentarfilmer ein wenig zu sehr Szenen ineinanderschneidet, die eigentlich in keinem direkten Zusammenhang stehen, oder auch welche nachhstellt.
Z. B. die auf der Seite erwähnte Sache mit der Waffe und der Bank: da wird ihm vorgeworfen, die Szene gestellt zu haben. Aber ist es nicht eigentlich völlig egal für die Aussage dieser Szene, ob er die Waffe als Prämie direkt von der Bank ausgehändigt bekommt oder erst zwei Wochen später? Eine Waffe als Prämie. Von einer Bank. Ist doch krank genug.
Auch sind da einige falsche Aussagen bzw. Verdrehungen auf der Seite:
z. B.:
Film: Mitglieder der Bin Laden-Familie werden nach dem 11. September eilig aus den USA ausgeflogen, da die Bushs und die Bin Ladens durch Geschäftsbeziehungen eng verbunden sind.
So wurde das nicht gesagt. Es wurde gesagt, dass die Mitglieder der bin Laden Familie (eilig) ausgeflogen wurden.
Weiter wurden in dem Film die Geschäftsbeziehungen zwischen den Familien Bush und bin Laden dargestellt.
Und es wurde ein ehemaliger FBI-Agent gezeigt, der die Ladens gerne noch verhört hätte, bevor sie ausgeflogen sind.
Den Zusammenhang muss der Zuschauer für sich selber ziehen. Zugegeben, er wird ziemlich offensichtlich präsentiert.
Film: Bush führt Krieg "im Auftrag" von Unocal, einer Firma, die eine Pipeline durch Afghanistan bauen möchte. Karzai wurde installiert, da er früher Berater von Unocal war.
Wirklichkeit: Bush bevorzugte den Plan von Enron, eine Pipeline durch das Kaspische Meer zu bauen, die konkurrierende Alternative zu Unocals Plänen - was eben keine Pipeline durch Afghanistan bedeutet hätte. Die Unterstützung von Unocal mitsamt der zweifelhaften Einbindung der Taliban kam von Seiten der Clinton Regierung (!).
Nee, ehrlich? Wer war denn Präsident, als Unocal und die Taliban in Texas (George W. war Gouvernour, wurde eindeutig im Film erwähnt)? Clinton! Na, was für ne kritische Aussage.
Film: Der große Fehler der USA war, nicht alle Kraft auf Osama Bin Laden konzentriert zu haben.
Wirklichkeit: Hier widerspricht sich Moore wieder selbst. Davor argumentierte er, dass Osama Bin Laden als "innocent until proven guilty" (Zitat von 2002, [24]) betrachtet werden müsste und zweifelte an der Rechtfertigung des Angriffs auf Afghanistan. In Dude, Where's My Country? fragt er sogar ominös: "How could a guy sitting in a cave in Afghanistan, have … plotted so perfectly the hijacking of four planes and then guaranteed that three of them would end up precisely on their targets?" In Bowling for Columbine hingegen weist er extra darauf hin, "Osama bin Laden used his expert CIA training to murder 3,000 people". [21]
Moore stellt die Frage, warum so wenig Energie aufgewendet wird, den vermeintlichen Drahtzieher zu erwischen. Das sehe ich nicht als Widerspruch zu seiner Ansicht, Bin Laden sei unschuldig.
(Der letzte Satz macht natürlich stutzig, aber ich muss zu meiner Schande gestehen, BfC noch nicht gesehen zu haben, kann den also nicht kommentieren).
Film: Mangelnde Polizeikräfte in Oregon verunmöglichen einen ausreichenden Schutz der Bevölkerung.
Wirklichkeit: Ein beliebtes Argument der "Rechten": es gäbe immer zu wenige Polizisten und eine Erhöhung der Einsatzkräfte führe immer zu besserem Schutz. Typischer Moore-Widerspruch: Die Angst der Amerikaner wäre rein künstlich fabriziert, es gäbe keinen Grund für Panik. Aber eines Nachts gab es nur acht Polizisten in ganz Oregon, mit denen Funkkontakt bestand - laut Aussage eines überarbeiteten Polizisten. (Ironisch

Dabei könnten doch jederzeit Schiffe voll mit Terroristen in Oregon anlegen! Und in der Nacht allen im Schlaf die Kehle durchschneiden! Bush schützt eure Kinder nicht! Wählt Kerry! Nur er wird die Polizei in Oregon aufstocken! Das gehört schließlich zur Verantwortung des Präsidenten ...
Ganz klare Fehlinterpretation. Moore wundert sich lediglich darüber, warum extra ein Heimatsicherheitsministerium gegründet und ein Gesetz, welches erhebliche Einschnitte in die Freiheit der Bürger mit sich bringt, verabschiedet wird, aber gleichzeitig in Oregon für ein großes Staatsgebiet nur so wenige Polizeibeamte im Dienst sind.
Er deckt also den Widerspruch auf, und produziert keinen neuen.
Film: Irak unter Saddam hat niemals einen einzigen Amerikaner angegriffen.
Ich kann mich nur an die Aussage erinnern, dass der Irak niemals
Amerika angegriffen hat.
Film: Bushs Freund James Bath wurde Finanzmanager der Bin Laden Familie und investierte deren Geld in Bushs Ölunternehmen. Um dies zu verheimlichen, wurde Baths Name in Dokumenten zensiert, die Moore aber exklusiv ohne Zensur auftreiben konnte.
Wirklichkeit: James Bath hat nur eigenes Geld in Arbusto investiert, unabhängig von seiner Tätigkeit als Finanzberater. Sein Name ist in den Akten der Nationalgarde zensiert, da dies seit 2003 aus Datenschutzgründen Vorschrift ist. Allerdings wurden die Dokumente schon 2000 öffentlich zugänglich gemacht - vor dieser Vorschrift. Die "unzensierte" Version zu erhalten, hatte also - wider den Anschein - nichts mit investigativem Journalismus zu tun und die "Zensur" nichts mit Vertuschung. [26]
Datenschutz gilt nicht für den Präsidenten? Dessen Name war nicht geschwärzt...
Film: Die Titelseite der US-Regionalzeitung "Pantagraph" aus Illinois wird gezeigt mit der Schlagzeile "Latest Florida recount shows Gore won election".
Wirklichkeit: Die Seite ist gefälscht, die Meldung war keineswegs auf der Titelseite erschienen, die angebliche "Schlagzeile" ist eine Zeile aus einem Leserbrief (!) im hinteren Teil der Zeitung. Das Blatt verlangt eine öffentliche Entschuldigung und einen symbolischen Schadensersatz. [30]
Auch hier wieder: für einen Dokumentarfilmer sicher kein feiner Zug, aber für die Aussage unerheblich ob echt oder nicht.
Moore wird auch immer seine Einseitigkeit gegenüber Bush und den Republikanern vorgeworfen.
Im Film werden aber mehrfach die Demokraten hart angegangen, vor allem Tom Daschle.
In seinem Buch "Stupid White Men" lässt er außerdem mehrere Seiten lang an Bill Clinton (und auch wieder Tom Daschle) kein einziges gutes Haar.
Er schreibt eindeutig, dass die Demokraten nichts weiter als "schlechtere" Republikaner seien.
Ein großes Problem an solchen Filmen, Büchern, aber auch an den Kritiken, ist die manchmal wirklich einseitige Sicht sowie die immer wieder zu stellende Frage, ob die Quellen denn echt sind. Das ist schwierig, und man sollte sich wirklich immer aus verschiedenen Richtungen informieren.
Aber wenn ich das hier lese:
Wie in vielen anderen Fällen, reicht ein Blick auf die nähere Geschichte, um mit dem Zeigefinger vorgebrachte Entrüstungen gerade von österreichischer oder deutscher Seite über diese "barbarische Sicht" vom Waffenbesitzrecht als Grundrecht zu relativieren: Die Leserin darf dreimal raten, wann hier die letzte umfassende staatliche Kontrolle und weitgehende Einschränkung des privaten Waffenbesitzes stattfand. Am 8. November 1938 verkündete der Berliner Polizeipräsident die Umsetzung des Verbots privaten Waffenbesitzes unter Juden: 2,569 Handwaffen, 1,702 Feuerwaffen und 20,000 Stück Munition wurden konfisziert. Am 9. November 1938 kam der Befehl an alle Sicherheitskräfte, Juden vollständig zu entwaffnen und im Falle des Widerstandes zu erschießen. Am 10. November 1938 war schließlich alles klar für jenes geplante Pogrom, das als Reichskristall"nacht" (es ging über mehrere Tage) bekannt ist. Das Verbot privaten Waffenbesitzes und die staatliche Beschlagnahmung wurde systematisch in allen okkupierten Ländern umgesetzt. Dies fiel besonders leicht, denn aufgrund früherer Gesetze musste jede Waffe registriert werden, die Nazis gingen dann einfach die Registrierkarten durch. Welchen Grund die Nazis hatten, vor dem Holocaust eine penible Waffengesetzgebung einzuführen, wird deutlich am Beispiel des Aufstandes im Warschauer Ghetto 1943: Nur mit einigen wenigen Handfeuerwaffen ausgerüstet gelang es den Juden im Ghetto die Deportationen vorübergehend zu stoppen, die Nazis aus dem Ghetto zu vertreiben, dasselbe mehrere Tage zu halten und dann im Wald den Widerstand fortzusetzen. [19] Der Umstand schließlich, dass die Schweiz das einzige Land Europas war und ist, wo Milizangehörige (36% der Gesamtvevölkerung!) ein Gewehr zuhause haben, mag ein wesentlicher Grund für die Schonung der Schweiz durch die Nazis gewesen sein. [20]
Dann fällt mir echt nichts mehr ein. Ein ziemlich ungünstiger Vergleich, meint Ihr nicht?
Gruß
Morgoth