Gefangenenaustausch mit Russland

Weil Putin damit nicht zufrieden ist. Der will mehr. Und solange der Krieg für ihn gut läuft wird der nicht stoppen.
 
Die öffentliche Diskussion ist schon etwas absurd. Schon deswegen wäre es eigentlich am besten, wenn solche Infos gar nicht öffentlich werden würden. Dann müsste "Stammtisch Hans" mit "Stammtisch Gretel" nicht auf Basis von sich selbst darstellenden, Alleswissenden Experten des ÖR entscheiden, ob was richtig ist oder nicht.
Es gibt da kein richtig oder falsch. egal wie man es macht, es ist immer beides. Es gibt da nur eine Überlegung: lässt man unschuldig verhaftete Menschen im Knast von Russland verrotten, obwohl man die Möglichkeit hätte, diese freizubekommen oder nicht? Wenn man nein sagt, dann vergeht man sich an diesen Leuten, wenn man ja sagt, vergeht man sich an den Hinterbliebenen des Opfers. Eine einfache Antwort gibt es im Grunde nicht, andererseits ist Gefangenenaustausch auch was ganz normales. Selbst Russland und Ukraine tauschen regelmäßig gefangene aus. Und was werden die Hinterbliebenen der jeweiligen Opfer sagen oder denken, wenn russische gegen ukrainische Soldaten getauscht werden, die beide Menschenleben auf dem Gewissen haben, natürlich immer aus Sicht der Hinterbliebenen gesehen.
Ich sehe das "pragmatisch", soweit man das überhaupt pragmatisch sehen kann. Der Typ war 5 Jahre mit höchster Sicherheitsstufe bei uns im Gefängnis, hat Unsummen gekostet, weil er einen Konflikt aus einem fremden Land in unser Land getragen hat. So hart wie es klingt, wenn die Tat nicht im Tiergarten passiert wäre, sondern irgendwo in Russland oder einen anderen Land, würde es uns dann überhaupt interessieren? Wir hätten davon wahrscheinlich nicht mal etwas mitbekommen? Versteht mich nicht falsch, natürlich gilt bei uns der Rechtsstaat und die entsprechende Ordnung dahinter, es stellt sich nur die Frage, ob man diese Ordnung über das Leben von weiteren Unschuldigen stellen kann oder nicht. Lebendig wird das Opfer dadurch nicht, der Schaden wird auch nicht wieder gut gemacht. Allenfalls opfert man weitere unschuldige Menschenleben, nur weil man an eigenen Prinzipien festhält.

Anders gefragt, an die Zweifler, was wäre eure Meinung, wenn das unschuldig in Russland oder Weissrussland einsitzende, mitunter mit dem Tode bedrohte Opfer ein Familienangehöriger von Euch wäre? Sollte man den Austausch dann auch nicht durchführen?
 
Doch, klar. Aus rein egoistischen Motiven. Aber wenn man ein Land führt, sollte man nicht so emotional an die Dinge herangehen. Sonst wird man halt leicht erpressbar, wie hier schon erwähnt.
 
ZeT schrieb:
Weil Putin damit nicht zufrieden ist. Der will mehr. Und solange der Krieg für ihn gut läuft wird der nicht stoppen
Dieses Ziel wird mit Trump ja wahrscheinlicher, der will die Ukraine nicht in gleicher Intensität unterstützen wie die Demokraten das tun.
 
@s0undjan
Das Problem ist, das man nicht weis wie Trump das lösen will.

Entweder sagt er zur Ukraine "Macht Frieden oder sonst keine Waffen mehr", oder er sagt zu Russland "Macht Frieden oder ich scheiss die Ukraine mit Waffen zu".
 
ZeT schrieb:
Entweder sagt er zur Ukraine "Macht Frieden oder sonst keine Waffen mehr", oder er sagt zu Russland "Macht Frieden oder ich scheiss die Ukraine mit Waffen zu
Er hat ja Ersteres schon angedeutet und auf Zweiteres wird noch mehr Geld kosten, was er ja sonst immer bei den Demokraten kritisiert.
 
ZeT schrieb:
Weil Putin damit nicht zufrieden ist. Der will mehr.

Er will das "zurueck" was er meint dem Russen gehoert.
Sprich die Eroberungen zur Zeit des WWII.
 
Wenn er sich analog dazu Putin der Kleine nennt, kann er sich gerne vergleichen mit wem er will. Bezüglich seiner Größe wird ja schon ein wenig getrickst/optimiert. Sorry für OT. :)
 
Kuristina schrieb:
Doch, klar. Aus rein egoistischen Motiven. Aber wenn man ein Land führt, sollte man nicht so emotional an die Dinge herangehen. Sonst wird man halt leicht erpressbar, wie hier schon erwähnt.
Nicht aus egoistischen Motiven, aus humanitären. Nur vergessen die meisten Humanität, wenn sie selbst nicht unmittelbar betroffen sind. Dabei ist die Person, die aufgrund des Deals freikommt, immer irgendein Ehemann Vater, Bruder, Sohn oder eben Ehefrau, Mutter, Schwester, Tochter ... oder Freund o.ä.
Hinsichtlich erpressbar? naja letztlich ist man das immer, so oder so. Die Aggressoren schaden sich durch solche Aktionen aber auch zunehmend selbst, denn die isolieren sich immer mehr.
 
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Dieses Thema ist sehr schwer zu beurteilen, entweder lässt man unschuldige Leute im Knast versauern oder man zeigt Stärke und lässt sich nicht erpressen, schwere Entscheidung, die ich hätte nicht entscheiden wollen würde, deswegen bilde ich mir da auch kein Urteil drüber.
 
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Smartin schrieb:
Dabei ist die Person, .. immer irgendein Ehemann Vater, Bruder, Sohn oder eben Ehefrau, Mutter, Schwester, Tochter
Schon klar. Aber Fremde haben nicht die gleiche Priorität, wie eigene Familienmitglieder und darum ging es in deiner Frage ja. Du würdest natürlich zuerst deine eigenen Kinder retten. Ganz normal. Und "Humanitär" klingt natürlich schöner, als "egoistisch" und lässt sich dann leichter rechtfertigen.
 
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Kuristina schrieb:
Aber Fremde haben nicht die gleiche Priorität,
Bei objektiver und humanitärer Betrachtungsweise schon. Wenn es ob die rein objektive Betrachtung geht, ist es egal, ob der unschuldig im Folterknast sitzende mit dem Tode bedrohte Mensch Dein Bruder oder irgendein Bruder oder ggf. sogar "nur" ein einzelner Mensch ohne Verwandte ist. Darum geht es doch und das vergessen die Leute. Die labern kraft ihrer Wassersuppe vom bequemen Sofa aus, dass man sich nicht erpressen lassen darf, eben weil sie nicht betroffen sind und sich damit auch nicht emotional mit dem Anliegen befassen. Wenn man es quasi ironisch sehen würde, kann man sagen, hat dieser A von Mörder sogar was gutes bewirkt, da durch seinen Austausch unschuldig im Gefängnis sitzende freigekommen sind.
Kuristina schrieb:
Du würdest natürlich zuerst deine eigenen Kinder retten.
Darum gehts eben nicht. Denn der Bundeskanzler hat nicht zu entscheiden, ob er sein Kind rettet, in dem er dem Deal zustimmt, er hat zu entscheiden, ob der Schuld und Sühne Gedanke eines seit 5 Jahren im Gefängnis sitzenden Mörders schwerer wiegt, als die Freiheit und das Leben unschuldig im Gefängnis sitzender Staatsbürger/Menschen.
Letztlich sehe ich das pragmatisch. "Osten" und "Westen" sprechen noch miteinander, und solche Austausche, die schon immer Gang und Gäbe waren, können einen ersten Beitrag bringen, wenn schon nicht einen Schritt aufeinander zuzugehen, zumindest sich nicht noch weiter von einander zu entfernen.
 
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Smartin schrieb:
Bei objektiver und humanitärer Betrachtungsweise schon.
Wenn ein Familienmitglied den Tod vor Augen hat, dann hast du keine objektive Betrachtungsweise. Zumindest nicht in einer intakten Familie. ^^ Da muss man einfach mal ehrlich sein.

Darum gehts eben nicht.
Doch genau darum gehts. Ich bin keine Regierungschefin, die noch andere Dinge dabei im Blick haben muss. Du hast angeführt, "wenn das unschuldig .. einsitzende, mitunter mit dem Tode bedrohte Opfer ein Familienangehöriger von Euch wäre?". Darauf habe ich geantwortet, so wie ich das sehe und handhaben würde, wäre es ein Familienmitglied von mir. Kannst du anders sehen und machen, bei deinen Familienangehörigen. Kein Ding. Deine Familie weiß das dann hoffentlich auch. 🙂

Letztlich sehe ich das pragmatisch. "Osten" und "Westen" sprechen noch miteinander
Naja, dafür gäbe es derzeit auch genug andere Gründe und da lehnt man das anscheinend ab. Wirkt dann schon wieder unehrlich und vorgeschoben, würde ein Regierungschef das als Argument angeben.
 
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Kuristina schrieb:
Deine Familie weiß das dann hoffentlich auch. 🙂
Was laberst Du und versuchst mir krampfhaft das Wort im Munde umzudrehen und mir Sachen zu unterstellen, die ich nicht gesagt habe? Suchst Du Streit?
 
Nein. Aufgrund deiner Antwort dachte ich, du würdest anders handeln. Objektiv im Bezug auf Familienangehörige. Wenn das nicht so ist, sind wir da ja einer Meinung. Alles gut.
 
Was dachtest Du? Warum ziehst Du überhaupt meine Familie rein und unterstellst mir Sachen, dann noch mit solchen provokanten Spitzen ala "hoffentlich weiß das meine Familie". Ich habe nur gesagt, dass jeder der Betroffene ein Bruder oder Schwester oder ähnliches sein kann, dass das menschliche Wesen im Mittelpunkt der Wahrnehmung stehen soll und dass man das bedenken sollte, bevor man leichtsinnig in den Raum wirft, dass man sich erpressbar macht, denn erpressbar ist man immer, sobald es zwei Interessenbereiche gibt. Und du machst daraus, dass ich meine Familie schlechter stellen würde als andere Lebewesen und dass das meine Familie hoffentlich wüsste. Unfassbar. Gar nichts ist gut. Denk gefälligst nach, bevor Du was schreibst.
 
Komm mal wieder bisschen runter, bitte. Mit den Familienangehörigen hast du angefangen. Du hast eine persönliche Frage gestellt und ich habe aus meiner persönlichen Sicht darauf geantwortet. Das wars auch schon. Darüber hinaus können wir noch zusätzlich festhalten, dass wir unterschiedlicher Ansicht sind, ob sich ein Regierungschef damit erpressbar macht und ob man generell erpressbar ist. Beides sehen wir komplett unterschiedlich. Und damit ist das dann auch erledigt hier. Wir müssen es nicht totreden.
 
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Heute morgen war ein kurzes Interview mit einem der Freigekommenen, ein russicher opositioneller (Sorry, an seinen Namen kann ich mich nicht erinnern), der jetzt aktuell in Berlin ist.

Puh, das war schon eine schwierige Situation die er geschildert hat.
Erstens wollte er eigendlich garnicht freigetauscht werden. Viele seiner Mitstreiter und Freunde sind noch in russischer Gefangenschaft, die er gefuehlt jetzt in Stich gelassen hat.
Er darf aktuell auch nicht wieder nach Russland einreisen, sowohl die russische, aber auch die deutsche Seite haetten gesagt, das wenn er das taete es erstmal generell keine weiteren Austausche geben wuerde. Also nicht nur er wuerde nicht mehr rausgetauscht werden, niemand wuerde es.
Und das aetzenste: Jetzt durfte er sich in Berlin bei einer "Anti Putin" Kundgebung auch noch von Ukrainern anfeinden lassen, die der Meinung sind der Angriffskrieg laege nicht an Putin, sondern alle Russen waeren daran Schuld.
 
Ranayna schrieb:
Und das aetzenste: Jetzt durfte er sich in Berlin bei einer "Anti Putin" Kundgebung auch noch von Ukrainern anfeinden lassen, die der Meinung sind der Angriffskrieg laege nicht an Putin, sondern alle Russen waeren daran Schuld.
Such mal den Namen richtig raus und seine Aussagen zur Ukraine und eventuell Sanktion, ich glaube so stumpf wie du hier schilderst, war es nicht.

Putin alleine ist nicht das Problem und auch ohne Putin wird sich in Russland in den Köpfen nicht viel ändern..
 
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