Hardware für kleine Radiostation

Mit Spuren hat das weniger zu tun. So Software gibt es natürlich, da kenne ich jetzt aber nichts genaues.

Das hat aber mit "Senden" nix zu tun ;)

Theoretisch könnte er das auch mit dem WMP machen, wenn er diesen zweimal startet und in den Einstellungen jeweils eine andere Soundkarte als Ausgang wählt. Das ist natürlich sehr krude, und eine ordentliche Software die mehrere Ausgänge ansprechen kann, ist natürlich von Vorteil.
 
e-Laurin schrieb:
Ich bräuchte noch Tipps in Sachen Kopfhörer, die man auch bei 40°C noch dauerhaft tragen kann, ...

Wie wärs mit einem Tischmikrofon oder braucht er unbedingt KH (Kopfhörer) ?

Oder ein Tischmikrofon in Kombination mit InEar KH?

Oder ein Bluetooth Mikro/KH wie man es bei Handys kennt?
 
Ich halte es schon für das mindeste, dass man selber hören kann, was man gerade sendet. Man muss ja auch die Lautstärke regeln, so dass zB die Musik so leise gedreht wird, dass man die Moderatorenstimme gut heraushören kann. Lautsprecher kann man ja nicht nehmen, weil das durch ein Mic eine Rückkopplung geben kann.
Die Kopfhörer sollten schon semiprofessionell sein.

Das Mic selber... hm, da wäre wohl ein Studio-Mic das beste, auch wenn es jetzt nicht unbedingt ein hochpreisiges sein muss.
 
Interessante Geschichte :) Da ich selber schon öfters Internetradio gestreamt habe, kann ich dir mal meine Erfahrungen mitteilen:

Generell setzt sich der Inhalt eines (professionellen) Radioprogramms aus der abgespielten Musik, vorpoduzierten Beiträgen (z.B. News oder Interviews), der Live-Moderation (evtl. mit externen Telefonanrufern oder auch mehreren Teilnehmern), Werbung und eingespielten Jingles zusammen.
Während die Werbung eigentlich grundsätzlich alleine abgespielt wird, erfolgt die Sendung der anderen Inhalte häufig ineinander gemixt. Dafür müssen die einzelnen Signale aufeinander abgestimmt werden und in einem Audio-Mixer zusammengemischt werden. Wenn z.B. moderiert wird muss die Musik in den Hintergrund treten damit man den Sprecher versteht (Voiceover-Kompression). Jingles (im Wesentlichen Eigenwerbung) können sowohl für sich alleine stehen oder über das Musikprogramm gelegt werden. Vorproduzierte Beiträge laufen meistens auch ohne Musik im Hintergrund. Der Mix kann sowohl manuell per Fader gesteuert werden, als auch teilweise automatisch. Ganz ohne händische Korrekturen des Mixes während der Sendung kommt man aber meistens nicht aus.
Die einzelnen Signale sollten auch einzeln bearbeitet werden um eine gewisse Audioqualität der Sendung zu gewährleisten. Jedes Signal der Sprechermikrofone sollte einzeln komprimiert werden um die Sprachverständlichkeit zu verbessern. Beiträge, Jingles und Werbung können vorher so produziert werden, dass sie ohne weitere Bearbeitung zugespielt werden können. Die zugespielte Musik muss man nicht zwingend bearbeiten, allerdings sollte das gesamte, fertig gemixte Musikprogramm schon nochmal komprimiert bzw. limitiert werden um einen hohen Sendepegel ohne Übersteuerung fahren zu können.

Die grundsätzliche Frage ist jetzt ob man den Mix und die Bearbeitungen innerhalb des Rechners oder ausserhalb des Rechners macht. Ich tendiere in diesem Fall eher zu einer externen Signalverarbeitung. Der PC dient dabei als Zuspieler für Musik, Beiträge, Jingles und Werbung. Jingles die über die laufende Musik gelegt werden, lassen sich evtl. über die Tastatur oder einen angeschlossenen Midi-Controller triggern, können evtl. aber auch in der Abspielsoftware programmiert werden. Der Sendeablauf von Werbung und vorproduzierte Beiträgen, sowie der Musikablauf wird ebenfalls in der Abspielsoftware programmiert. Das vom Rechner ausgegebene Signal wird in einem externen Mischpult mit dem Signal der Sprechermikrofone zusammengemischt. Die Mikrofonsignale werden vorher komprimiert, indem man einen Kompressor dem Mischpult vorschaltet, bzw. in den Insert legt. Eine Klangbearbeitung kann man mit dem Equalizer des Mixers durchführen.
Die Voiceover-Kompression kann man im einfachsten Fall durch händisches Herunterziehen des Musikfaders (Zuspielsignal vom PC) erreichen. Oder indem man das/die Mikrofonsignal(e) im Mixer zusätzlich auf einen Aux-Send leitet und dessen Ausgang wiederum auf den Sidechain eines Kompressors, der sich auf dem Signal vom PC zum Mixer befindet.
Will man Telefonanrufer auf Sendung nehmen, muss man einen Telefonhybrid an das Mischpult anschliessen.
Der Ausgang des Mixers wird anschliessend noch in einen Kompressor/Limiter geleitet. Wichtig ist hierbei eine zuverlässige Begrenzung des Ausgangspegels um den Sender nicht zu übersteuern und trotzdem ein lautes Sendesignal zu erreichen.
Der/die Sprecher sollte/n sich und das Musiksignal selber hören können, deshalb benötigt man am Mixer einen extra Ausgang für einen oder mehrere Kopfhörer. Alterntiv kann ein Kopfhörerverstärker für einen oder mehrere Kopfhörer verwendet werden. Ausserdem kann man den Kopfhörer über einen weiteren (Stereo)Aux-Send beschicken, dann kann man am Kopfhörer z.B. das Mikrofon lauter stellen ohne dass das Sendesignal davon beeinflusst wird.


Benötigtes Equipment:

- PC mit Audiokarte

- Programmablaufsoftware (ich kenne mich da jetzt nicht so gut aus, da ich immer live gesendet habe. Ein Bekannter hat dafür aber mal Jazler eingesetzt und war recht zufrieden. Im professionellen Umfeld kommen z.B. häufig komplette Sendesysteme von Axia zum Einsatz)

- Externer Mixer (Speziell fürs Radio z.B. der hier oder wenn es billiger sein soll reicht auch sowas, wobei ich jetzt nicht unbedingt Behringer empfehlen würde, höchstens aus preislichen Gründen)

- Sprecher-Mikrofon (Goldstandard im professionellen Umfeld: Electrovoice RE27, wenn es günstiger sein soll, würde ich ein Shure Beta 58 oder ein etwas besseres aus der dynamischen Sennheiser E-Serie empfehlen, billiger als 100€ aber eher nicht)

- Kompressor für das Mikrofonsignal (gutes Standardteil: DBX 166 XL, günstig: Alesis 3630, eine gute Empfehlung wäre auch noch der DBX 286 S, ich habe mal mit dem Vorgängermodell gearbeitet und der bietet noch ein paar praktische Bearbeitungsmöglichkeiten mehr an, allerdings nur mono und somit nur für ein Mikrofonsignal)

- Summenlimiter (denke hier funktionieren auch die vorher genannten Stereokompressoren, natürlich benötigt man hierfür beide Kanäle so dass ein extra Gerät fällig wird. Sehr billig: dieser hier aber halt Behringer... Teures aber sehr gutes Tool: Waves MAXX BCL, im professionellen Umfeld kommen meist diverse Modelle des Optimod von Orban zum Einsatz, die dürften preislich aber gut im 5-stelligen Bereich liegen...)

- Kopfhörer (Normalerweise würde ich unbedingt einen geschlossenen Kopfhörer empfehlen um Rückkopplungen auf das Mikrofon zu vermeiden. Wie da der Trage-Komfort bei 40° Umgebungs-Temperatur ist... Da muss ich leider passen)

- UKW-Sender (auch hier habe ich keine Erfahrungen, allerdings wurden ja schon paar Dinge hierzu gepostet)


Ich selber habe mich damals entschieden das Audioprozessing innerhalb des Rechners durchzuführen, da ich ja anschliessend nur gestreamt habe und nicht analog auf Sendung gegangen bin. Letztlich sind dabei aber die Signalpfade und die Bearbeitungen noch um einiges komplexer, je nachdem natürlich welche Ansprüche man hat. Man sollte aber mindestens eine Low-Latency ASIO Audiokarte mit 6-8 I/Os haben, und unter Quadcore und 3 grossen Monitoren der Übersicht halber, würde ich beim PC nicht anfangen. Wen es interessiert, kann mich ja per PN kontaktieren.


Beste Grüsse
 
Vielen Dank für deinen super Post. Das hilft richtig weiter. :daumen:

Ich werde das 1 zu 1 so weiterleiten.
 
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