Holocaust: Gilt hier die Meinungsfreiheit nicht mehr?

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Wir waren neulich mit der Klasse im KZ (naja eigentlich Arbeitslager) Buchenwald, das ist schon heftig was dort abging. Man konnte noch massenweise Dokumente mit ärztlichen Anweisungen etc. lesen.
Dazu kamen haufenweise Bilder die aber woh jeder kennt. Am erschreckensten fand ich aber das irgendein Spaßvogel oder Neo-Nazi folgendes ins Gästebuch geschrieben hat: "Wir hatten viel Spaß hier! Danke, Hitler!"
Sowas ist echt das Allerletzte.
 
hm.. da trifft wohl eher die ausdrucksweise "spaßvogel" zu. kenn mitlerweile etliche, die so einen zum teil abartigen humor haben, das die lauter solche sprüche abdrücken, weil ihnen das einfach alles komplett egal is.
und ich betrachte diese entwicklung auch mit geteilter stimmung. zum einen freut es mich, das dieses thema mitlerweile soweit in die ferne gerückt ist, das sie da einfach drüber stehen und sich ohne diesen klotz im nacken entwickeln. auf der anderen seite ist es halt wirklich schon menschenverachtend oder fast schon zu schwarzer humor (erinnert mich aber zum teil an die briten - und denk da an die monty python version der jesus kreuzigung).
 
Ich gebe Dir gern Recht, dass die Beschäftigung mit der Geschichte im Allgemeinen in der Schule vielfach nicht ideal ist. Ich selbst hatte in mindestens zwei Halbjahren zwischen der 7 und 9 keinen Geschichts-Unterricht, da man abwechselnd auf ein naturwissenschaftliches Fach setzte. Klar, Naturwissenschaften sind auch relevant, aber die Wahl entweder/oder war und ist in meinen Augen skandalös. Wann hat man schon Zeit, sich mit den Vielfältigkeiten der Geschichte und der menschlichen Kultur zu befassen, wenn nicht in der Schule, die von 8-13 Uhr geht, und den Kindern am Nachmittag bloß ein paar Hausaufgaben aufgibt? Im Studium und kurz darauf merkt man aber, unabhängig von dem konkreten Arbeitsfeld die Komplexität historischer Sachzusammenhänge viel deutlicher und fragt sich: warum zum Geier haben wir das nicht auch durchgenommen?

Aber das ist die eine Seite. Ich habe selbst miterlebt, wie einige im Geschichtsunterricht sich angewidert abwandten als das Thema NS auf der Tagesordnung stand. Faktisch wurden dabei ideologische Grundlage, Primärquellen und abschließend historische Synthese betrieben. Diejenigen, die sich am meisten dagegen gewehrt haben (und mit dem in unserem Fall unberechtigten Vorwurf "Schuldeinredung!" kamen), wussten am wenigsten davon, als man sie konkret danach befragte. Es geht also darum, dass aus irgendwelchen Gründen heraus bei vielen eine innere Sperre besteht, die auch bei sachlichem und kühlem Umgang damit verhindert, dass die Betroffenen auch etwas aus dem Unterricht herausnehmen.

Ich persönlich bin froh, dass wir relativ wenig zur Antike etwa gelernt haben, da die unmittelbare Relevanz sowie die historische Realität für uns durch die NS-Zeit nun einmal bestimmt wurde. Ohne Adolf und die NSDAP kein Krieg, ohne NS-Staat und -Apparat keine Hinrichtung von Oppositionellen oder der Völkermord an den Juden und in der damaligen UDSSR, keine deutsche Niederlage und keine Neugründung der BRD auf demokratischen Grundlagen, ohne Zweiteilung keine Wiedervereinigung. Diese Reihe ließe sich beliebig fortführen und sie zeigt, dass das Verstehen und die geistige Dekonstruktion des NS-Staats essentiell dafür ist, unsere heutige Situation und Position in der Welt einfach nur verstehen zu können. Die Frage nach der Schuld steht m.E. auf einem anderen Blatt, aber es geht doch zunächst nur um Kenntnisnahme. :)
 
@rumpel
aber siehst du es anders, was die reaktionen auf dieses thema angeht? ich denke jeder der hier anwesenden hat das thema mehr oder weniger in der schule "behandelt", aber dennoch seh ich hier ne große bandbreite, von "tangiert mich überhaupt nich" bishin zum "an den kopf fassen über die ignoranz".
ich meine, ich könnte es verstehen, wenn wir direkte nachkommen von menschen wären die aus der kriegszeit sind (für den fall das ältere semester anwesend sind auf die das zutrifft, tschuldigung), könnte ich diese "empörung" nachvollziehen. da hier aber mitlerweile geschätzte 1-2 generationen dazwischen liegen, empfinde ich das als "überreaktion", wenn man dieses thema schärfer handhabt, als andere geschichtliche ereignisse mit ähnlich schwerem gewicht.
 
Es geht nicht um (moralische) Empörung, sondern darüber, dass es einfach eine Frechheit ist, wenn bestimmte Leute meinen, den Holocaust leugnen zu müssen, weil sie damit ihre politischen und ideologischen Ziele durchsetzen wollen. Die historische Klitterung selbst ist das, was unterträglich ist. Wenn einige Teile der russischen Bevölkerung offenbar immer noch nicht die Verbrechen Stalins anerkennen wollen (und damit hinter den 20. Parteitag der KPdSU zurückgefallen sind) und damit einige Politiker Stimmung machen wollen, dann finde ich das genauso zum kotzen.

Die NS-Zeit aber tangiert uns direkt, es sind gerade zwei Generationen seitdem vergangen, die Reiferen hier im Forum sind unter Voraussetzungen aufgewachsen, die unmittelbares Ergebnis der NS-Zeit waren und der immer wieder aufkeimende Antisemitismus in allen möglichen gesellschaftlichen Schichten zeigt eben, dass wir als Deutsche über diese Kenntnis besonders wachen müssen, um sowas für die Zukunft verhindern zu können. Dabei geht es nicht um Schuld, sondern um die bloße Pflicht, entsprechendes Gedankengut und geschichtliche Verfälschung zu verhindern. Die 68er Generation, die selbst nur "Nachgeborene", also Unschuldige sind, schrieben sich auf die Fahnen "Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus." Und genau das kann nur erreicht werden, wenn man die Folgen der NS-Diktatur im historischen Bewusstsein hält. ;) Die "Schlussstrichmentalität" macht es ja solchen Revisionisten erst wirklich leicht!
 
empfinde ich das als "überreaktion", wenn man dieses thema schärfer handhabt, als andere geschichtliche ereignisse mit ähnlich schwerem gewicht

Das sehe ich auch so, aber der Holocaust fand in einem beispiellosen Ausmaß statt. Es gab nie zuvor eine solche systematisierte Vernichtungsmaschinerie. Klar die US-Amerikaner haben die Indianer auch in massen Vernichtet, aber dies nicht mit solcher Systematik. Die Juden waren fast überall unbeliebt und wurde Diskriminiert, aber halt auch längst nicht in diesem Umfang. Es gibt wahrscheinlich zahllose Beispiele, die aber nie so extrem waren wie der deutsche Holocaust.
Deutschland hat freilich einen sehr schwarzen Fleck in der Geschichte, aber man sollte dabei nie vergessen das Haufenweise andere Nationen nicht gerade vorbildlich mit ihren "Minderheiten" umgegangen sind, sondern ebenso die Menschenrechte mit Füßen getreten haben.
 
hm, also bei mir ist es nicht so, das ich diese dinge ständig im hinterkopf behalten muss, um deren ideologie abzulehnen. und ich habe auch festgestellt, das meine wertvorstellungen so fest verankert sind, das ich damit sogar rechten den wind aus den segeln nehmen kann, weil mir solche individuen halt oft genug in irgendwelchen chats über den weg laufen, wo dann auch teilweise wirklich hitzige diskussionen entstanden.
 
das ich diese dinge ständig im hinterkopf behalten muss, um deren ideologie abzulehnen.

Genau, aber wenn man die Folgen nicht mehr Bewusstsein hat (es geht ja noch nicht einmal darum, es ständig und unaufhörlich in jeder Situation präsent zu haben), macht man es entsprechenden Leuten leicht, die Dinge zu relativieren. Wer keine Argumente und historische Fakten mehr vorweisen kann, der steht auf einem schwachen Bein. ;)

Deutschland hat freilich einen sehr schwarzen Fleck in der Geschichte, aber man sollte dabei nie vergessen das Haufenweise andere Nationen nicht gerade vorbildlich mit ihren "Minderheiten" umgegangen sind, sondern ebenso die Menschenrechte mit Füßen getreten haben.

Das ist für uns ein Vorteil, da wir aufgrund unserer vergleichsweise guten Aufarbeitung (wenn ich da z.B. zum Vergleich an die Armenier-Episode 1917/18 in der Türkei denke, dann sehe ich da große Probleme, aber das gehört jetzt nicht hierher) dank exzellenter Historiker eigentlich offen, transparent und selbstbewusst damit umgehen können, während andere Nationen auch nach offizieller Haltung bis heute verschweigen, relativieren und verleugnen. Weil wir die Folgen solch beispielloser Vernichtung und solchen Hasses kennen und für uns annehmen, kann es uns noch leichter fallen, auch gegen Anfänge etwaiger Pogromstimmungen vorzugehen.
 
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Hinzu kommt ja noch, dass durch diese Zeit eine wahnsinns Zäsur in der Kunst- und Literaturgeschichte und in Wissenschaft- und Forschung stattgefunden hat, die in meinen Augen bis heute noch eklatante Auswirkungen zeigt. Und das lange nicht nur durch Vernichtung jüdischer Kulturschaffender, sondern der systematischen Ausrottung und Vertreibung von allem und jedem, was nicht dem ästhetischen Ideal arisch-rassischer Größe, der "Stählerne Romantik" entsprach.
Westeuropa war in den 20er Jahren so reich an neuen Ideen und Kulturschaffenden wie noch nie. Und Berlin war ein großes Zentrum dieser Aktionen und Künstler. In Malerei, Literatur, Film, Musik usw.
Wer nicht ins Raster passte, wurde vernichtet, im günstigsten Fall noch Mundtot gemacht oder ging ins Exil, wenn er noch konnte.
Die Biederkeit und teilweise Trostlosigkeit der Nachkriegszeit, die teilweise bis heute nicht überwunden ist, ist größtenteils dieser Vernichtung von Menschen, Werken und Ideen zu verdanken.
 
stimmt schon, dazu brauch man sich auch nur die bücherverbrennungen ins gedächtnis rufen, oder eben diese verklärten/verzerrten ideale. aber um dieses zu verhindern, braucht man die vergangenheit nicht per gesetz tabuisieren, da reicht dann auch die offene aufklärung.
im grunde genommen ist das wissen um diese zeit doch eigentlich schon schutzschild genug, gegen diese ideologie. oder sehe ich das falsch?

PS: ich kenne auch die sätze wie "wehret den anfängen" etc. aber bei mir hat diese aufklärung durch fakten allein schon gereicht um zu wissen, das ich auch schleichende forderungen aus dieser (braunen) richtung ablehne aus eigener kraft und überzeugung heraus ^
 
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braucht man die vergangenheit nicht per gesetz tabuisieren

Ist es doch auch nicht. Es ist lediglich verboten die Geschehnisse von damals als weniger schlimm darzustellen oder gar zu leugnen.

im grunde genommen ist das wissen um diese zeit doch eigentlich schon schutzschild genug, gegen diese ideologie. oder sehe ich das falsch?

Im Ansatz schon, aber da es dennoch Leute gibt die nichts daraus lernen und der Auffassung sind, dass das da früher ganz toll war, muss es Gesetze dagegen geben.
 
Man tabuisiert nicht, denn die wissenschaftliche Beschäftigung damit wird nicht tangiert. Unter Strafe gestellt ist, siehe oSis Post:

(3) Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer eine unter der Herrschaft des Nationalsozialismus begangene Handlung der in § 6 Abs. 1 des Völkerstrafgesetzbuches bezeichneten Art in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, öffentlich oder in einer Versammlung billigt, leugnet oder verharmlost.

(4) Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer öffentlich oder in einer Versammlung den öffentlichen Frieden in einer die Würde der Opfer verletzenden Weise dadurch stört, dass er die nationalsozialistische Gewalt- und Willkürherrschaft billigt, verherrlicht oder rechtfertigt.

Die Leugnung und die Verharmlosung selbst, also die intentionale Geschichtsklitterung zu politischen und ideologischen Zwecken, ist strafbar, ausdrücklich nicht die wissenschaftliche Erforschung, die der Wahrheitsfindung (also der Offenlegung aller Fakten idealiter, nicht "philosophische Wahrheit" :p) dienen soll. Ein Tabu ist etwas anderes. ;)

dazu brauch man sich auch nur die bücherverbrennungen ins gedächtnis rufen, oder eben diese verklärten/verzerrten ideale

Hmm, und wenn irgendwann jemand sagt, dass dies "gefährliche" Schriften waren, die beseitigt werden mussten, weil sie gegen das Gesetz waren (die Indizierung und auch der Verbot von verfassungswidrigen Inhalt ist auch heute üblich) und gegen das Wohl Deutschlands gerichtet waren? Damit hättest Du eine erste kleine Geschichtsklitterung, allein durch Relativierung und Verharmlosung. Wenn einem "der Rest" bzw. dahingehend der "große Kontext" fehlt, kann man nicht mehr ausreichend kritisch damit umgehen. Es wird alles eine Frage der Mentalität und der Bewertung, die in ihrer historischen Entwicklung selbst Schwankungen unterliegen.
 
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@<neon>
ich empfinde es schon zu einem gewissen maß als tauisierung, denn sobald man "salopp gesagt", die falsche wortwahl benutzt, kann es unter umständen dazu kommen, das man, ob unwissentlich oder wissentlich, in diesen paragraphen rutscht, ohne damit so ein ziel zu verfolgen oder irgendjemandem auf die füße treten zu wollen. siehe reaktionen auf den threadersteller.
ich mein, deutschland ist ein land der bürokraten, wo alles erdenkliche gesetzlich vorgeschrieben ist und irgendwelchen genau festgelegten normen entsprechen muss. alles was aus diesem rahmen springt wird mit empörung zurückgewiesen. und auch das sehe ich als teil bzw. überbleibsel der NS-zeit an. so dieses, ich mags kaum sagen, "pingelige".
und ein ähnliches empfinden kommt mir dann auch bei diesem thema hoch. also warum kann man nicht generell "einfach nur über dieses thema sprechen"?

@rumpel
aber nichts anderes passiert doch heutzutage auch. wer sagt uns das aktuelle politiker nicht auch heimlich in ihrem kämmerlein dieser zeit hinterher trauern und versuchen bestimmte entscheidungen in der politik zu ihren gunsten zu beeinflussen? in einem anderen thread hatte bspw schonmal jmd gemeint, das ehemalie "braune" mitlerweile "schwarze" sind. was dann wohl zu der (für meinen geschmack) übertriebenen konservativen haltung dieser partei geführt hat, die derzeit grade das sagen hat. worauf ich damit hinauswill ist, wir machen es uns mit dem wort der demokratie zwar leicht, uns in gedanken dieser möglichkeit zu verschließen, in dem wir uns sagen "sowas kann heutzutage ja zum glück nicht mehr passieren". aber wenn man sich die geschichte anschaut, ist vor der machtergreifung der nsdap hier auch alles in normalen bahnen gelaufen. es mangelt dieser seite also im grunde genommen nur einer sehr charismatischen person, die das volk soweit beeinflusst, das der großteil dahinter steht. da reicht das bloße draufrumreiten auf fakten nicht um irgendwas zu verhindern. darauf will ich hinaus. das bloße verweisen, auf zahlen und paragraphen schützt nämlich niemanden, wenn die gegenseite es drauf anlegt.

PS: um das zu belegen, braucht man sich eigentlich nur die US-wahlen ansehen. mit welch simplen worten obama die wählerschaft hinter sich versammeln konnte, und das ganze dann gepaart mit einem großen wortschatz und intellekt ist sehr viel gefährlicher, als jmd der meint den holocaust hätte es nicht gegeben in der form.

PPS: ich hoffe es ist verständlich geschrieben, mir geht halt grad soviel durch den kopf, das manches etwas wirr erklärt wirken könnte :D
 
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es mangelt dieser seite also im grunde genommen nur einer sehr charismatischen person, die das volk soweit beeinflusst, das der großteil dahinter steht. da reicht das bloße draufrumreiten auf fakten nicht um irgendwas zu verhindern. darauf will ich hinaus.

Du widersprichst Dir. In diesem Fall ist es gerade die umfassende Kenntnis von den betreffenden Ereignissen, die den besten Schutz davor bieten. Sollte dies dann nicht reichen, wäre das katastrophal, weil die Aufkärung dazu versagt hätte, aber ohne diese umfassende Kenntnis wäre man deutlich schutzloser vor Demagogen und potentiellen Diktatoten.

"sowas kann heutzutage ja zum glück nicht mehr passieren"

Genau das meine ich. Dieser Satz kommt speziell von denen, die die "Schlussstrichmentalität" vertreten und gleichzeitig betonen, dass es ja schon nicht so schlimm kommen könne, man müsse sich der Zukunft zuwenden. Exakt diese Einstellung macht aber verwundbar, weil man auf diese Weise die Entstehung autoritärer Strukturen nicht versteht und nachvollziehen kann. Und welche Zeit eignet sich besonders gut, um dies zu lernen? Richtig, die Weimarer Republik, über die wir umfassende Quellen haben und wenn nötig in der Ereignsigeschichte genau nachvollziehen können, welche Schritte zu was geführt haben. Wer meint, man hätte damit abgeschlossen und es könne nicht mehr so kommen, irrt, denn er macht sich unbewusst oder bewusst zum potentiellen Opfer autoritärer Propaganda.

ber wenn man sich die geschichte anschaut, ist vor der machtergreifung der nsdap hier auch alles in normalen bahnen gelaufen.

Ganz sicher nicht. Stichwort Ende des Kaisertums, Revolution, Münchener Räterepublik, Soldatenräte, Arbeiterräte, Kapp-Putsch, ständig wechselnde Regierungen, Weltwirtschaftskrise 1929, rechte und linke Schlägertrupps auf den Straßen usw.

um das zu belegen, braucht man sich eigentlich nur die US-wahlen ansehen. mit welch simplen worten obama die wählerschaft hinter sich versammeln konnte, und das ganze dann gepaart mit einem großen wortschatz und intellekt ist sehr viel gefährlicher

Der US-Wahlkampf lebt von weitgehend inhaltslosen Schlagworten, die herrlich emotionalisieren können, das hat schon Tradition da drüben, aber wehe, es wird jemand konkret und kritisiert die Regierung für den Irak-Krieg in aller Deutlichkeit ohne Auslassungen, dann wird gern mit "Verräter" und anderen Vokabeln um sich geschmissen. Und woran liegt das? An mangelnder Sachkenntnis und Selbstreflektion, übertriebener Patriotismus. Nur wer die Hintergründe beachtet, kann Blender (damit meine ich nicht Obama) entlarven, derjenige der sich mitreißen lässt, wird zum Herdentier. ;)
 
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Natürlich kannst du über die NS Zeit reden und auch manche Aussagen bezweifeln, aber bei manchen Sachen, und das ist eben Verleugnung, ist einfach Schluss damit.
Man kann zum Beispiel ohne Probleme sagen, dass nicht alle Nazis waren und nicht unbedingt jeder von dieser Vernichtungsmaschinerie wusste. Genauso kann man sagen, dass die meisten Leuten gar nichts mit den Nazis am Hut hatten aber durch die "Volksgemeinschaft" motiviert wurden in diversen Nazi-Organisationen mitzumachen. Das Problem ist halt das manche Leute nur schwarz-weiß sehen und nichts dazwischen.
 
rumpel01 schrieb:
Du widersprichst Dir. In diesem Fall ist es gerade die umfassende Kenntnis von den betreffenden Ereignissen, die den besten Schutz davor bieten. Sollte dies dann nicht reichen, wäre das katastrophal, weil die Aufkärung dazu versagt hätte, aber ohne diese umfassende Kenntnis wäre man deutlich schutzloser vor Demagogen und potentiellen Diktatoten.

ich denke nicht wirklich das ich mir widerspreche, denn der extremfall, kann auch mit aufgeklärtem volk passieren. denn wie hieß es schon bei man in black so schön frei zitiert:"ein einzelner ist intelligent, aber die masse ist dumm".
und deswegen finde ich auch unsere bildungspolitik und die schichtenwirtschaft (salopp gesagt) so grauenhaft, weil es den dafür perfekten nährboden liefert.
und im grunde genommen haben wir heute auch schon solche probleme, wenn man sich das thema "terror" ansieht. denn statt zu untersuchen, woran es liegt, das sich manche diesen gruppierungen anschließen und die wurzel dessen rauszureissen, verschärft man die mittel zur überführung und ermittlung gg die täter unter dem deckmantel der angst vor anschlägen.
wenn man das ganze dann noch paart mit rechtem gedankengut, haben wir hier den supergau.
deswegen finde ich auch die globale entwicklung zwischen den USA, europa, russland und dem nahen & fernen osten sehr gefährlich.
und deswegen finde ich den offenen umgang mit diesem thema viel wichtiger als das bloße vermitteln der anfänge. denn wenn es hart auf hart kommt, kann es sogar heute noch dazu kommen, trotz gerichte und netz von bündnispartnern. stichwort new world order und homeland security kommt mir da in den sinn.

man darf bei all den "wir müssen aus der vergangenheit lernen" sätzen nicht vergessen, das auch die gegenseite aus der vergangenheit gelernt haben könnte / und vermutlich auch hat. und das macht das starre festhalten an fakten und paragraphen ebenso gefährlich, weil die die dem aus dem weg gehen wollen, schön darum herum tanzen können um schwachstellen zu finden.
 
und im grunde genommen haben wir heute auch schon solche probleme, wenn man sich das thema "terror" ansieht. denn statt zu untersuchen, woran es liegt, das sich manche diesen gruppierungen anschließen und die wurzel dessen rauszureissen, verschärft man die mittel zur überführung und ermittlung gg die täter unter dem deckmantel der angst vor anschlägen.
wenn man das ganze dann noch paart mit rechtem gedankengut, haben wir hier den supergau.

Du widersprichst Dir m.E. weil Du nicht siehst, dass eben erst die Bildung und die gewissenhafte Beschäftigung mit diesen Systematiken und Strukturen überhaupt erst die Mittel einem geben, wirksam gegen die von Dir angeführten Tendenzen vorzugehen. Es ist wirklich ganz einfach, ein kenntnisreicher Kritiker des NS-Regimes vermag es besonders gut, negative Tendenzen in der gegenwärtigen Gesellschaft hervorzuheben. Es ist keine überflüssige Bürde, es hilft effektiv.

Ich empfehle dazu auch das große Werk von Hannah Arendt, Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft, als Lektüre.
 
Zuletzt bearbeitet:
und deswegen finde ich den offenen umgang mit diesem thema viel wichtiger als das bloße vermitteln der anfänge.

Ähm, und was machen wir hier im Thread?
Wir gehen ganz offen damit um, aber halt basierend auf Fakten, geschichtlichem Hintergrund und wissenschaftlich erarbeiteten Erkenntnissen. Und nicht basierend auf Ignoranz, Gefühlen, Unwissen, noch schlimmer Halbwissen oder gar nicht wissen wollen. ;)
Du schränkst dich selber ein.

Der Unterschied zu heute ist ganz klar. Es verwehrt dir keiner die Quellen für dein Wissen. Nur, du musst selber tätig werden, filtern und einorden. Ein Prozess, der nie abgeschlossen sein wird.
 
@brigitta: Genau so ist es;)
@KL0k: Mir kommt es so vor als ob du das mit der direkten Nachkriegszeit verwechselt, da war es echt ein Tabu darüber zu reden und es wurde alles totgeschwiegen, aber mitlerweile kann man doch offen darüber reden.
 
@rumpel:
wenn ich mir die derzeitige entwicklung und den zuwachs, den rechte parteien bekamen in den letzten jahren, betrachte, scheint das aber nicht wirklich viel zu helfen. es dämmt es zwar etwas ein, aber verhindert es nicht wirklich. und deswegen stelle ich auch die methoden in frage. ich frage mich einfach ob das (noch) wirklich reicht?

@brigitta
klar, du hast recht. und ich freu mich auch darüber, das wir das hier tun können, und der thread nicht direkt wieder dicht war, trotz etwas wackeliger eröffnung. :)
und ebenso bin ich mir bewusst das das lernen ein stetiger prozess ist ;)
deswegen ja auch meine rege teilnahme hier - ich genieß den austausch wortwörtlich. :)
 
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