Ich klinke mich hier nach Lesen aller bisherigen Beiträge einmal ein. Erst mal - ich kann beide Seiten der (extremen) Einstellungen hier (Minerva6/CrazySheep vs. Fatal!ty Str!ke) durchaus verstehen und auch nachempfinden und möchte einige angesprochene Aspekte mit meiner Meinung kommentieren.
Zweitens: am letzten Beitrag von Xopex ist durchaus etwas dran.
Natürlich ist es sehr schwer, die Lage rein über diese textliche Beschreibung ohne weitere persönliche Gespräche genauer einzuschätzen, aber ich werde es von meiner Auffassung ausgehend versuchen.
Bei mir kann man nämlich sagen, dass ich beide Extrema selbst auslebe:
Ich wohne in einem Dorf und war schon immer, also seit ich ein kleines Kind war, etwas anders als die meisten, viele würden mich auch als etwas schwierig bezeichnen.
Je weiter ich mich die letzten Jahre entwickelte (Interessen, moralische, ethische und politische Einstellungen usw.), desto mehr führte dies auch zu einer gewissen Isolation von anderen Menschen. Dinge, die früher einfach nicht wichtig waren wurden immer bedeutender bei zwischenmenschlichen Beziehungen und mittlerweile haben auch seit vielen Jahren eigentlich jegliche Kontakt zu den Menschen bei uns im Dorf komplett aufgehört. Ich bin nicht im Streit mit den Menschen hier, habe aber keinerlei Interesse an irgendwelchen Kontakten. Ich bin einfach zu anders wie die Menschen
hier.
Ich kann auch jegliche Art von oberflächlichen Gesprächen nicht ausstehen, weshalb ich auch nicht so leicht und schnell neue Leute kennen lerne wie vielleicht andere.
Dennoch habe ich einen normal großen Freundeskreis, verteilt auf die unterschiedlichsten Städte/Dörfer in der Umgebung, welcher mir auch sehr wichtig ist. Mit meinen Freunden führe ich auch fast immer nur "wertvolle Kommunikation". Wenn ich studiumsbedingt 1-2 Wochen in Wien bin, habe ich dann durchaus auch viele und gute Kontakte. Und über diesen bereits bestehenden Freundeskreis lernt man dann auch neue Personen kennen. Man führt interessante Gespräche in der üblichen Gruppe und ab und zu ist jemand neuer dabei und lernt ihn so kennen ohne allzu sehr auf Smalltalk angewiesen zu sein.
Was ich damit sagen will - ich denke es gilt nur die
richtigen Menschen zu finden, dann kommt vielleicht auch das Interesse ganz von selbst.
Wintermute schrieb:
Wie bekommst du input/feedback/etc. zu Entscheidungen, deinem Verhalten und allen anderen Dingen, die man selbst nur äußerst schwer objektiv erfassen kann?
Feedback wozu? Zu welchem Verhalten? Kannst du mir ein Beispiel geben?
Minerva6 schrieb:
Ich hab hin und wieder philosophische Diskussionen mit meinem Vater gehabt, aber irgendwann hab ich gemerkt, dass er nicht mehr mit kam, weil ich mehr damit beschäftigt hab als er. Dann kamen oft Sätze wie "Darüber hab ich nie nachgedacht".
Das kommt mir durchaus bekannt vor. Meine Freunde sind durchaus für philosophische Gespräche offen aber ich habe mir über so manche Dinge ebenfalls schon dermaßen viele Gedanken gemacht, dass ich es teilweise nicht einmal mehr geschafft habe, meine Theorien anderen auch nur verständlich zu machen.
Wie schon gesagt, interessiert mich Smalltalk nicht sonderlich und mit anderen kommt man auch schlecht ins Gespräch, wenn man immer nur ernste Sachen im Kopf hat. Das ist sicher der Hauptgrund, warum ich keine Freunde habe.
Verstell dich nicht!
Dann sei eben ehrlich und direkt, die meisten wirst du damit zwar abschrecken aber das hat dich ja nicht zu stören. Wenn du merkst, dass jemand bei einem ernsten Thema gleich anbeißt, DANN hast du wirklich gleich eine gute Chance jemanden gefunden zu haben, ohne generell viel Energien in Beziehungen investieren zu müssen, die dich schlussendlich sowieso nicht interessieren.
Politische Diskussionen z.B. sollte man anfangs vermeiden? Tz... ideal um sich gleich von Anfang an ein wahrheitsgetreues Bild von jemanden machen zu können.
Du hast mich falsch verstanden, ich fänds überhaupt nicht gut, normal zu sein. Das Wort kommt doch von Norm, von Gleichheit. Sowas hab ich kennengelernt, pure Langeweile.
Stimmt. (Nahezu) alle bedeutenden Figuren sind auf irgendeine Art und Weise außergewöhnlich. Mit unauffälliger Bürger ohne jegliche Ecken und Kanten sein hat es wohl noch keiner allzu weit gebracht. Man bedenke aber auch, dass einige durchaus zufrieden mit einem solchen Leben sind und sie auch zum funktionierenden System beitragen.
Aber bewusst anders zu sein ist wohl nicht viel besser. Am besten man ist einfach, wer man ist und fügt sich gegebenen Normen nur so weit, soweit sie für das zivilisierte Zusammenleben wirklich erforderlich sind.
Fatal!ty Str!ke schrieb:
Tja, und schon gings los. Einmal nen Kontakt gefunden und auf partys gegangen und neue Freunde kennen gelernt. Beim nächsten mal wieder und wieder. So wird der Freundeskreis größer und größer.
Und größer und größer und größer? Wie groß? Reicht es nicht irgendwann auch einmal? Das klingt ja wirklich fast so, als ob das Leben nur die Vorbereitung für den Tod wäre - und das Begräbnis dann der Wettbewerb - wer hat mehr Besucher?
Im Prinzip reichen auch 2-3 wirklich gute Freunde, auf die wirklich Verlass ist. Aber eben zumindest diese wenigen guten Freunde zu haben halte ich schon für wichtig.
Ich habs auch gemerkt, als ein alter Schulfreund von mir in nem tragischen Unfall gestorben ist. Die Beerdigung hat mich richtig mitgenommen. Als ich sah, wie viele (ca 1000) Leute kamen, hat mich das endlich mal wachgerüttelt. Ich dachte mir, wenn mir sowas passieren würde - wer käme dann wohl bei mir? 50 Leute? Aber sicher keine 1000.
Ab da hab ich angefangen, nachzudenken...
Tja, einen ehemaligen Kollegen und eine ehemaligen Kollegin von mir hat es vor einigen Jahren auch schon erwischt.
Nur - wachgerüttelt? Wenn du ohnehin tot bist, kann es dir dann nicht egal sein, wie viele zu deiner Beerdigung kommen? Ist es nicht wichtiger, was du erlebst und wie glücklich du bist, solange du noch lebst? Und wenn man Glück nun einmal nicht im Ansammeln einer riesigen Menschenmasse, die man dann als seine "Freunde" bezeichnet, erfährt, dann gibt es auch keinen Grund dies zu tun.
Du musst verstehen, dass wir diesbezüglich alle unterschiedlich sind, genau so wie es die Interessen und Geschmäcker der Menschen sind.
Fatal!ty Str!ke schrieb:
Ach komm, ich will einfach nur helfen, und versuchen, sie etwas wachzurütteln, da ich wie gesagt ziemlich genau das selbe "Problem" hatte.
Du meinst es aus deiner Erfahrung sprechend sicher nur gut, aber genau das ist jetzt das schwierige an dieser Online-Situation. Du kannst nich nachvollziehen, dass es sich wirklich um dasselbe Problem handelt und sich dieselbe "Lösung" anwenden lässt.
CrazySheep schrieb:
Ich hab auch keine Freunde und bin glücklich damit. Bei mir ist es aber Angst vor den Menschen und Hass auf die Menschheit im Allgemeinen
Auch wenn man mit dem Großteil nicht auskommt, das heißt nicht, dass es nicht doch die eine oder andere versteckte Perle gibt, die es Wert ist gefunden zu werden.
Im Gegenteil: Du bist anders als die Mehrheit und dadurch etwas besonderes: Sei Stolz darauf wie Du bist.
Das mag zwar oft stimmen, aber nicht immer. Es geht nämlich nicht darum, prinzipiell anders zu sein, sondern nicht blindlings der Masse zu folgen. Wenn du jetzt Amok läufst, bist du auch anders als die Mehrheit und solltest dennoch nicht stolz auf dich sein.
Wer sich prinzipiell immer von der Masse abgrenzt ist nämlich genau so unselbstständig, wie die Masse selbst. Die Masse trifft die Entscheidung, was man nicht macht.
Fatal!ty Str!ke schrieb:
Das mit dem Alkohol war so gemeint. Wenn man auf ner Party ist und jeder etwas trinkt und lustig ist, und man selbst nur in der ecke hockt und nichts sagt, will keiner etwas mit einem zu tun haben.
Wenn man aber etwas trinkt werden so gut wie alle Menschen automatisch fröhlicher und lustiger. Man beteiligt sich automatisch am geschehen.
Das ist nunmal so.
Und das ist jetzt genau das, was in dieser Situation meiner Meinung nach komplett falsch ist. Wie ich weiter oben sagte, gilt es die
richtigen Menschen zu finden! Sich selbst anpassen zu müssen um dann an die falschen Kontakte zu gelangen ist wohl nicht der richtige Weg. Man mag so durchaus neue Kontakte schließen können, aber die Threaderstellerin ist an solchen offensichtlich nicht interessiert, auch wenn dir deine persönliche Erfahrung - die ja auf
dich zutrifft - unbedingt etwas anderes einreden will.
Ohne Kommunikation (reden) kommt man einfach zu keinen freunden!
Und ein oder zwei flaschen Bier helfen da schon enorm, wenn man so ein ruhiger mensch ist. Es war ja bei mir genauso, wenn es mir nicht so viel geholfen hätte, dann würde ich das alles doch gar nicht schreiben.
Anderer Mensch. Persönliche Erfahrung. Siehe oben.
Wie sie ja gesagt hat, will sie ja gar keine Freunde finden. Allerdings glaube ich, dass es durchaus Menschen geben könnte, die ihr Interesse noch wecken, diese allerdings zu finden kann sehr schwer bis nahezu unmöglich werden und es ist durchaus möglich, dass sie eine solche Person niemals kennen lernt und alles beim jetzigen Stand bleibt.
Und dann wird sie wohl auch niemanden vermissen. Bedürfnisse sind viel eher eine Sache der Gewohnheit.
Der Beitrag ist jetzt wohl zwar länger geworden Inhalt drin steckt, aber was solls.
