matty2580 schrieb:
@lordnaikon:
...
Man kann die Raubkopien als eine Art "Feldversuch" sehen, der sich der Politik entzieht.
Profitieren werden in erster Linie Menschen mit sehr niedrigen Einkommen.
Aber wie bei jeder Umverteilung "per Gießkanne" profitieren auch Menschen davon, die es eigentlich nicht nötig hätten Raubkopien zu nutzen.
Die Frage ist ja auch ob nicht auch Leute "betroffen" sind, die eigentlich davon "profitieren" sollten. Der "Normalverdiener" wird es sich wohl noch leisten können und nicht davon profitieren, diese Umverteilung, von Mittel nach Unten, brauchen wir nicht.
Ich sehe das allerdings ähnlich. In Deutschland, um die Zeit von 1840, hat sich durch das intensive ignorieren des Urheberrechts ein immenser wirtschaftlicher und kultureller Aufschwung aufgetan. Dieser zur Folge hatte, dass sich Deutschland von einem Bauernstaat binnen eines Jahrhunderts ebenbürtig mit so Großen Kolonial Mächten wie den Briten aufsteigen konnte - die zu dieser Zeit ein funktionierendes Urheberrecht hatten und aufgrund dessen weit weniger Buchpublikationen - Zu dieser Zeit war es in Deutschland üblich, zwei Versionen eines Buches zu verlegen. Eine besonders toll und wertvoll gebundene für die Wohlhabenden und billige Taschenbücher für den "kleinen Mann". Somit konnte man sich der Gefahr der Plagiate erwehren, die das praktisch nicht vorhandene Urheberrecht mit sich gebracht hat. Die Geschichte hat den Erfolg des Modells gezeigt.
In England hingegen gab es Ebenso Reiche Buchverlage, jedoch waren die Absatzzahlen mies. Ihre Kunden waren Reiche und Adlige, die Bücher als reine Luxusgüter betrachteten. Irgendwann kam es dann auch in Deutschland zu einem funktionierenden Urheberrecht. Die deutschen Verleger reagierten auf die neue Lage allerdings ähnlich restriktiv wie ihre Kollegen in England: Sie schraubten die Buchpreise in die Höhe und schafften den Billigmarkt ab. Die Literaten, nunmehr mit Rechten am eigenen Werk versehen, reagierten irritiert. So schrieb Heinrich Heine am 24. Oktober 1854 in angesäuerter Gemütslage an seinen Verleger Julius Campe: "Durch den ungeheuer hohen Preis, den Sie angesetzt, werde ich schwerlich so bald einen zweyten Abdruck des Buchs erleben. Aber geringe Preise, liebster Campe, müssen Sie setzen, sonst sehe ich wirklich nicht ein, warum ich bei meinen materiellen Interessen so nachgiebig war."
Selbst Heinrich Heine erkannte schon damals was viele Heute nicht begreifen wollen oder vielleicht einfach nicht können!