@ DerOlf
Tut mir Leid, dass Du jeden für totälitär hältst, der Bestrafung als sinnvoll erachtet. Spielt man das Spielchen weiter, fragt man sich natürlich: Wie geht man mit Leuten um? Nicht jeder hält sich an die Regeln, und mit nicht wenigen lässt sich einfach nicht reden.
Abgesehen davon habe ich schlicht keine Zeit, mit ~30 Schülern pro Klasse individuell zu reden, wenn sie unbedingt Mist machen wollen.
Wenn man ernsthaft mit den Kids diskutiert, was die negativen Folgen einer Tat sind, können die viel leichter nachvollziehen, warum man das lieber nicht tun sollte. Die Angst vor Strafe begünstigt nur eine einzige Erkenntnis "Man sollte sich besser nicht erwischen lassen".
Du wirst es nicht glauben, aber genau das wird bei uns getan. Wir reden mit den Schülern, bevor wir strafen. Nur, wenn es gar nicht anders geht, gibt es entsprechende Konsequenzen. Aber, wie ich schon sagte -- es gibt Schüler, die wollen es nicht einsehen.
Und noch ein ganzes Ende schlimmer wird es, wenn die "bestrafungswürdige Tat" nur eine einzige negative Folge hat, die Bestrafung. Das ist totalitär.
Das hängt wohl von der erzieherischen Maßnahme ab, die verhängt wird. Ich versuche, wenn ich denn mal dazu greifen muss, etwas zu geben, was sie zum Nachdenken anregt. Bisher hat sich noch keiner beschwert, ich komme gut mit meinen Schülern aus. Die wissen nämlich, dass sie mich sehr wohl kritisieren dürfen (müssen!), wenn ihnen etwas nicht passt. Der Ton macht die Musik. Ich respektiere sie, sie mich. Ganz einfach.
Was Strafe = totalitär angeht: Wie würdest Du vorgehen, wenn jemand sich beharrlich weigert, sein Stören des Unterrichts einzustellen, laut Obsonitäten brüllt, einfach nicht begreifen WILL, dass er sich selber schadet? Wenn Du den machen lassen willst, bitte sehr. Dann bist Du am Schluss dran, weil die Klasse darunter leidet, die Eltern Dir die Bude einrennen und der Rektor mit dem Hammer hinter Dir her ist.
Ich wiederhole mich: Es gibt Schüler, die brauchen eine harte Hand, die testen knallhart die Grenzen aus, und wenn Du mit wir-haben-uns-alle-lieb-Gesülze ankommst, bist Du der Arsch. Hatte Fälle, da konnte ich reden, reden, reden, es passierte nichts, aber eine sinnvolle Aufgabe, und Ruhe war.
Ich hasse Leute, die ihre Authorität nur aus ihrem Posten beziehen, und ich habe leider in meinem abgebrochenen Lehramts-Studium zu viele (angehende) Lehrer kennengelernt, bei denen es genau so war, (bzw. die sich auf diese machtvolle Facette des Lehrerberufs diebisch gefreut haben).
Komisch. Kenne keinen einzigen Kollegen, der seine Autorität nur daraus bezieht, und auch keinen, der sich an der "Macht" aufgeilt.
Wer tatsächlich so denkt, geht erfahrungsgemäß nach wenigen Jahren am Stock. Das hält niemand durch.
Mal ganz abgesehen davon: Wann hat man denn bitte "Macht" als Lehrer? Jede Menge Verantwortung, ja. Macht? Nein. Als Referendariar schon mal gar nicht, da ist man Sandwich zwischen Betreuern und Schülern. Und danach? Wenn meine Schüler nicht so wollen, wie ich, dann bin ich verdammt hilflos. Nix mit "Macht." Strafen alleine verleihen keine Macht, die sind witzlos, wenn sie dauernd angewendet werden.
Keine Ahnung, was für Typen das waren, aber eins versichere ich Dir: Die sind bestimmt nicht Lehrer geworden, sondern wurden spätestens im Referendariat ausgesiebt.
Wer Macht will, geht in die Wirtschaft oder in die Politik. Als Lehrer kriegt man das jedenfalls nicht.