sverebom
Vice Admiral
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- Aug. 2004
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Ich arbeite als Sacharbeiter (2nd-Level) in der Energiewirtschaft, und bei uns kommt KI auch an. 1st-Level Kundenbetreuung wird perspektivisch an Self-Service via Kundenportale und/oder eben KI ausgelagert. Mein Arbeitgeber bemüht sich auch schon nicht mehr, 1st-Level-Aufträge zu kriegen und bewirbt sich nur noch auf Spezialthemen, weil mit 1st-Level nichts mehr zu verdienen ist.Spriti schrieb:So ist der Fortschritt. Im Endeffekt arbeiten wir alle darauf hin, dass keiner mehr eine Arbeit hat (braucht).
Dennoch habe ich keine Angst, dass mir KI meine Arbeit wegnehmen wird, denn Menschen haben etwas, das KI nie haben wird: Intution und Fingerspitzengefühl.
Das sehe ich schon bei 1st-Level-Aufgaben wie Zählerstandseingaben oder Abschlagsänderungen. Sobald die Kunden eine Eingabe machen, die 0,01 Prozent vom Soll abweicht, sagt der Algorithmus "Nööö!" und es muss doch wieder ein Mensch ran, um eine Entscheidung zu treffen (in der Regel wird die Kundeneingabe eben doch akzeptiert, weil wir uns natürlich mit den Kunden nicht darüber streiten, dass der Wunschabschlag 0,irgendwas Prozent zu niedrig ist, weil die Kunden hübsch gerundet haben).
Im 2nd-Level geht es dann oft darum, mit unzufriedenenen oder problematischen Kunden auf einen grünen Zweig zu kommen. Als Teil der Lösungsstrategien muss man dann schon mal den Kunden etwas über Gebühr vertrauen oder Fünfe gerade sein lassen. Und das kann KI nicht, weil sie keine Intution, keine Menschenkenntnis und kein Fingerspitzengefühl hat.
Wir nutzen KI im 2nd-Level, um unsere Antwortschreiben vorformulieren zu lassen, und das funktioniert auch sehr gut. Die meisten Schreiben sind sofort versandfertig, wir müssen aber dennoch regelmäßig eingreifen, um die Schreiben im Sinne der Lösungsfindung zu personalisieren. Auch das kann die KI nicht. Hier sind wir Supervisoren der KI, die uns zwar einige Fleißarbeit abnimmt, aber den individuellen Bezug zu kundenanliegen eben nicht herstellen kann.
Keine Frage, einige Unternehmen, auch in meiner Branche, werden versuchen, alles an KI auszulagern. Aber ich prophezeihe, dass sie damit auf die Schnauze fallen werden. Simple Ja/nein-Anliegen lassen sich gut automatisieren, aber sobald es kompliziert wird, Interessen und Risiken gegeneinander abgewägt werden müssen taugt KI nur noch, um dir schon mal die Vorformulierungen für Antwortschreiben bereitzulegen.