"Masterand": Modewort für geringere Bezahlung?!

ascer

Captain
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Moin Community,

ein früherer Kommilitone erzählte mir gerade, dass er jetzt als "Masterand" bei einem Unternehmen arbeitet. Da mir die Begrifflichkeit so noch nicht geläufig war (mal gehört, aber nicht in diesem Zusammenhang) fragte ich nach und er erzählte, dass es bei einigen Unternehmen gängig ist Personal, welches nebenbei noch sein Masterstudium beendet, in Teilzeit als "Masterand" einzustellen. Er wird dabei nur mit 1400 Brutto entlohnt und eine kurze Google-Suche ergab auch, dass Masteranden relativ häufig, gerade von größeren Unternehmen, einheitlich so zwischen 1000-2000 Eur Brutto entlohnt werden.

Dieser Umstand ist mir tatsächlich vollkommen neu. Bevor ich meinen Master abschloss habe ich nur gegen Ende einmal Teilzeit gearbeitet. Da hatte ich 55k jährlich brutto verhandelt für 40h/Woche, dann Teilzeit mit 30h/Woche verhandelt und damit dann 3/4 von den 55k, also 41.250, als Gehalt bekommen und mein Studium dementsprechend von Vollzeit auf Teilzeit umgestellt.

Bei sonstigen Teilzeit-Kommilitonen, mit denen ich mal früher Mal darüber gesprochen habe, war das ähnlich. D.h. die haben auch direkt mit dem Unternehmen das Gehalt verhandelt und sind dann eben als Teilzeitstudenten eingestellt worden und haben runtergebrochen auf die tatsächliche Arbeitszeit pro Woche ihr Gehalt bekommen.

Für 1-2k Brutto hätte ich damals die gleiche Arbeit ganz sicher nicht gemacht.

Habt ihr davon schonmal gehört?

Für mich hört sich "Masterand" irgendwie nach erfundenem Modewort an, um Teilzeitstudenten (gerade bei größeren Unternehmen) einen einheitlichen, billigen "Tarifvertrag" anzudrehen.

Auf jeden Fall scheint das keine echte Berufsbezeichnung, wie etwa Teilzeitstudent, zu sein?!
 
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Gibts schon länger, auch wenn ich den Begriff nicht kenne. Die Sache ist halt, dass man meist so max. 20h arbeitet und das durchaus flexibel. Sprich wenn du mal 2 Wochen keine Zeit hast wegen Prüfungen, dann ist das kein Problem und man muss auch keinen Urlaub nehmen sondern arbeitet die Stunden einfach ein, sobalds geht.

Ich hab während meines Studiums in der Lehrveranstaltungsfreien Zeit Vollzeit gearbeitet, also effektiv 3,5 Monate im Jahr und bin auch besser gefahren. Allerdings hätte ich auch fast einen 16h Vertrag für 1200 brutto/ 1000 netto abgeschlossen, weils einfach flexibel ist und in der Regel die Arbeit nicht fordernd ist. Sprich, man muss zwar anwesend sein, kann aber durchaus auch was für die Uni dort erledigen und seine eig. Arbeit trotzdem schaffen.

Einerseits find ichs auch fragwürdig, eher wenig zu zahlen - andererseits weiß ich eben, dass nicht übermäßig viel erwartet wird und es flexibel ist. Also für Studenten durchaus ideal. Man ist versichert und bekommt Geld.
 
Ach so, d.h. das sind i.d.R. <=20h-Verträge? Ich dachte, das wären richtige Teilzeitverträge für richtige Teilzeitstudenten (das Kriterium für Teilzeitstudenten ist ja gerade >20h/Woche).

Dann ergibt die Bezahlung bei der Flexibilität natürlich Sinn.

Wobei ich dann aber auch nicht verstehe, warum man nicht als typischer Werkstudent angestellt wird und dann ein ordentliches Gehalt/Stunde verhandelt. Werkstudenten sind ja auch auf <=20h limitiert, aber unlimitiert beim Gehalt/Stunde. Ich habe im Bachelor z.B. immer für 20-25 Eur/h als Werkstudent gearbeitet, wenn ich nicht irgendwas an der Uni selbst gearbeitet habe.
 
Ja, diese Erfahrungen habe ich auch schon einmal gemacht. Ich habe meinen Master in einer Zeit gemacht, in der die Studiengänge das alte Diplom ersetzt haben. Nach dem Abschluss des Bachelors wollte ich auch den Master machen. Die Angebote, die ich für einen Teilzeitmaster bekommen habe, waren quasi Werkstudentenverträge.

Mein Eindruck war, dass das Denken in den Firmen eher so war, dass man primär studiert und nebenbei ein wenig arbeitet, um den Lebensunterhalt zu bezahlen. Dass man schon einen berufsqualifizierenden Abschluss hat und eigentlich nur die entsprechenden Teilzeitabzüge machen müsste, war kaum vermittelbar.
Ich habe darauf hin den Master lieber in Vollzeit gemacht (ich hatte glücklicherweise die Möglichkeit tatsächlich neben dem Vollzeitmaster noch ein wenig Geld zu verdienen) und bin danach voll als Master eingestiegen. Ich glaube, dass sich das auch insgesamt finanziell ausgezahlt hat (genau berechnet habe ich es nie).

Ich habe es damals darauf geschoben, dass in den Unternehmen kaum Erfahrung mit dem Bachelor/Master-System vorhanden war. Damals war die Meinung "Ein Bachelor ist ein abgebrochenes Studium" noch sehr verbreitet. Wenn das immer noch so gesehen wird, ist das natürlich sehr schade, aber wundern würde es mich nicht.
 
Eher war / ist da die Ansicht "ein Bachelor ist ja nur mit einem Vordiplom vergleichbar" verbreitet und das war eben kein berufsqualifizierender Abschluss; war vom Lernaufwand jedoch vergleichbar, soweit ich weiß.

Aber das ist alles noch besser als das, was man als "Volontär" oder im "Lehramtsreferendariat" oder im "Rechtsreferendariat" so bekommt... Immerhin haben Referendare bereits einen Master in der Tasche und machen dann trotzdem nur mit einer "Unterhaltsbeihilfe" für Netto ~ 1000 EUR weiter.
 
Also die Masteranden im z. B. Fraunhofer (hängt vom Institut ab), die dort zum Schreiben ihrer Masterarbeit (oder Bachelorand oder Diplomand) sind, erhalten zumindest an dem Standort, den ich kenne, 0 bis (maximal) 500 € im Monat dafür. Eine Vollzeitanwesenheit wird vorausgesetzt. Die Masterandenverträge sind generell unbezahlt (und auf Vollzeit ausgelegt), es werden aber großzügig Hilfswissenschaftler-Verträge dazu ausgegeben, die dann die gnädige Bezahlung auf Stundenbasis gewährleisten.

Es ist ja schon so, dass wenn man für sein Studium eine Anstellung hat, dass diese oft unbezahlt ist. Insofern sind 1-2 k für Stellen, wo es um die Anfertigung der Arbeit geht (also keine Werksstudententätigkeit neben dem Studium), schon sehr gut bezahlt.

Vielleicht liegt an vielen Stellen auch ein Missverständnis vor, @ascer.
Also wie gesagt, der Unterschied zwischen Masterand neben dem Studium als Werksstudent oder Masterand für das Studium für die Abschlussarbeit. Zweiteres wird oft super schlecht bezahlt (oder gar nicht) und ersteres sollte eigentlich schon anständig verlohnt werden.
 
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@sudfaisl wobei Fraunhofer & Co. da ja aber auch die gleiche Pragmatik wie eine Uni hat: man ist da vornehmlich eben Student, nicht Angestellter.

Ich bezog mich hier ja schon konkret auf Menschen, die nicht nur streng genommen sondern ganz eindeutig in der Wirtschaft arbeiten und ein Unternehmen ist keine non-profit organization wie eine Uni, d.h. ich habe nichts davon, für die umsonst zu arbeiten und die erwirtschaften Gewinne mit meiner Arbeitsleistung.

Auch z.B. eine Masterarbeit in einem Unternehmen anzufertigen, bedeutet ja nichts weiter als viele unbezahlte Extrastunden, in der man sich mit der Materie auseinandersetzt. Das ist für das Unternehmen ja keine Belastung, die gnädigerweise mit Peanuts belohnt wird, sondern teilweise kostenlose Mitarbeiterfortbildung mit kostenlosem Feedback der jeweiligen akademischen Betreuer aus der Uni.

Das man z.B. an der Uni "nur" HiWi-Verträge für eine MA bekommt, ist klar. Dafür hat man da dann ja aber auch mehr Freiheiten, zahlt kaum Steuern, alle Vollzeitstudenten-Vorteile usw. usf. Die üblichen HiWi-Benefits eben.

Sowas...
Kagee schrieb:
Die Angebote, die ich für einen Teilzeitmaster bekommen habe, waren quasi Werkstudentenverträge.
...und speziell sowas...
sudfaisl schrieb:
Die Masterandenverträge sind generell unbezahlt (und auf Vollzeit ausgelegt), es werden aber großzügig Hilfswissenschaftler-Verträge dazu ausgegeben, die dann die gnädige Bezahlung auf Stundenbasis gewährleisten.
...finde ich von Unternehmen, die mit der Arbeitsleistung Gewinne erwirtschaften, absolut nicht in Ordnung und sollte man auch nicht unterstützen.

Das ist imho genauso wie unterbezahlte Werkstudentenverträge. Alles unter 15 Eur/h hab ich im Bachelor direkt abgelehnt und im Master alles unter 20 Eur/h.


Kagee schrieb:
Mein Eindruck war, dass das Denken in den Firmen eher so war, dass man primär studiert und nebenbei ein wenig arbeitet, um den Lebensunterhalt zu bezahlen. Dass man schon einen berufsqualifizierenden Abschluss hat und eigentlich nur die entsprechenden Teilzeitabzüge machen müsste, war kaum vermittelbar.

Das scheint so zu sein. Ehemalige Kommilitonen aus meinem direkten Umfeld, inklusive mir, hatten da mehr Glück.
Ich finde das aber auch ein Unding. Wenn ich nach Arbeitsvertrag 30h arbeite - so war das ja bei mir - dann erwarte ich genau 3/4 Gehalt von dem ursprünglich verhandelten Vollzeit/40h-Salär. So wie es für Teilzeit üblich ist.
Wenn man da Zusatzleistungen, Boni, ... streicht wegen Teilzeit - meinetwegen...aber für 1k-2k wäre ich nicht normal arbeiten gegangen, nur weil man 10h die Woche + WE in die Uni investiert.
 
Also ich kenne als "Masterand" nur jemanden, der eben gerade seine Masterarbeit bearbeitet.
Als Master-Student hat man ja schon einen vollwertigen Hochschulabschluss. Warum sollte man sich da mit so einem Mini-Lohn abspeisen lassen, wenn es nicht um eine Masterarbeit geht? Wo man arbeitet und wieviel man bekommt, kann man ja selbst beeinflussen.
 
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Masterrand = schreibt seine Master Arbeit und ja wir beschäftigen öfter welche davon und natürlich bekommen diese kein volles Gehalt.
Sie bearbeiten halt nur ihr Master Thema und das wars.

Aktive Studenten sind halt Praktikanten oder halt einfach Studenten auf Stunden Basis.
 
@Heelix den Terminus an sich kannte ich eben nur als schreibt gerade seine MA, bei Leuten aus der Uni. Nicht aber als Modewort für Mitarbeiter, die man schlecht bezahlt.

Der Bekannte, von dem ich sprach, beginnt seine MA erst nächstes Semester, arbeitet aber schon dieses als "Masterand" und das eben für 1.4k Brutto, während er noch studiert.

Sowas war mir halt vorher noch nicht geläufig. Ich kannte von Kommilitonen und mir selbst nur Werkstudentenverträge (<=20h/Woche), wo man eben auf Stundenbasis entlohnt wird und gerade in der IT ja ordentliche Entlohnungen (grob >15 Eur/h als Bachelor und >20 Eur/h als Master) verhandeln kann.

Oder eben ein "echtes" Teilzeitstudium, also >20h/Woche arbeiten und dann eben ganz normal ein Vollzeitgehalt verhandeln und halt auf z.B. 30h pro Woche runtergehen.
 
Ich habe den Begriff in meinem Umfeld ausschließlich für Leute, die gerade die Abschlussarbeit anfertigen gehört. (Also Bachelorand/Masterand/Diplomand.
Und es ist zumindest so üblich, dass die Firmen einem dafür weniger zahlen als für reguläre Arbeit. Auch wenn sie von den Ergebnissen der Abschlussarbeit natürlich ebenfalls profitieren (sollten). Dafür hat man aber auch keine festen Stundenvorgaben oder ähnliches, sonden bearbeitet eigenständig seine Arbeit und kann dafür Unternehmensresourcen nutzen.
Als Bezeichnung für Studenten mit Job/Nebenjob habe ich den Begriff bisher noch nie verwendet gehört.
 
Arbeitet dein Bekannter denn nun mehr als 20h oder weniger? Dementsprechend fallen ja auch die Steuern aus. Wichtig ist im Grunde nur, was am Ende in der Netto-Spalte steht.
Ich habe im Studium gleichzeitig als WS und Masterand gearbeitet. Leider gezwungener Maßen. Da mir das Geld, welches man als Masterand bekommt (600€ + Wohngeldpauschale) nicht gereicht hätte, musste ich gleichzeitig noch als WS arbeiten. Dafür hat man ca 2,5k/35h bekommen. Davon jeweils anteilig heruntergerechnet auf die tatsächlichen Stunden.
Für mich war hier aber die "ungerechtigkeit" dass man nicht zwei bezahlte Verträge haben kann. Sprich, wenn man als WS arbeitet schreibt man die Masterarbeit quasi umsonst da man dafür dann kein Geld erhält.

@ascer: Es ist denke ich schon ein wesentlicher Unterschied zwischen einem Teilzeitvertrag der auf einer konkreten Stelle im Unternehmen basiert und einer HiWi-Stelle als Werksstudent. Aber ich denke, das ist dir schon auch bewusst.
Ich würde den Begriff "Masterand" wohl eher als eine Umschreibung für Werksstudent sehen.

Für mich kam aus deiner Beschreibung aber nicht klar heraus, wie genau dein Bekannter jetzt arbeitet. Auch mit 20h/Woche als WS ist man noch Vollzeitstudent, zahlt aber im Grunde dabei keine wesentlichen Steuern (Abgesehen von etwas Lohnsteuer und Rentenversicherung) Ist man aber regulär als Teilzeitkraft angestellt zahlt man ja volle Abgaben auf Lohnsteuer, Krankenversicherung etc. pp. Dann bleibt vom Brutto natürlich deutlich weniger Netto über. Bei einem WS-Job gehen ja gerade mal 10% vom Brutto weg. Wenn dann also bei 20h von 1400 Brutto noch 1200 netto bleiben ist das im Grunde kein schlechtes Gehalt für einen Studenten.
 
Khaotik schrieb:
Für mich kam aus deiner Beschreibung aber nicht klar heraus, wie genau dein Bekannter jetzt arbeitet. Auch mit 20h/Woche als WS ist man noch Vollzeitstudent

Das habe ich dann nicht genug herausgestellt: er arbeitet >20h und ist somit kein Vollzeitstudent, wird aber nicht ordentlich als Teilzeitkraft bezahlt sondern nach einer pauschalen "Masterandenvergütung".
 
Ok, dann habe ich das anders aufgefasst. Wenn er dann mehr als 20h/Woche arbeitet fällt das ja nicht mehr unter diese Regelung.
Beziehungsweise.... wielange arbeitet er denn schon mehr als 20h? Es geht dabei ja immer um die durchschnittliche Arbeitszeit übers gesamte Jahr hinweg. Zahlt er dann auf seinen Bruttolohn auch volle Sozialabgaben?
 
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