Grüß Gott!
Nach der vielen Lobhudelei gibts jetzt noch ein wenig vernichtendere Kritik (die meiner Meinung nach angebracht ist, da man von ihr mehr lernt als von den gut gemeinten Kommentaren der eher ahnungslosen Herrschaften (was sie ja selbst zugaben).
Alle Bilder weisen extrem übertriebenes Tonemapping auf. Das mag der Kitschgesellschaft und Einsteigern zwar gefallen, aber das sollte ja nicht das Ziel sein. Ein gutes HDR erkennt man daran dass man nicht sieht dass es eins ist. Die Technik sollte außerdem erst dann eingesetzt werden, wenn es wirklich nötig ist; nämlich bei zu hohem Dynamikumfang. Das ist schließlich der Sinn bei der Sache. Vermeintlich tolle Farben machen aus einem langweiligen Bild/Motiv kein tolles Bild. Viel wichtiger sind Aussage/Bildaufbau/Licht/gestalterische Mittel. Man kann jetzt sagen dass HDR ein gestalterisches Mittel ist, dann fehlen allerdings immernoch Motiv, Bildaufbau, Linienführung und der Rest den ich nannte.
Von deinen gezeigten Bildern ist das mit dem Bahnhof noch am ansprechensten. Allerdings gefällt mir auch das nicht. Maximal beim Dach ist der Dynamikumfang zu groß. Das "rechtfertigt" zumindest schonmal die HDR Technik. Dass du dann aber beim Tonemapping so übertreiben musstest verstehe ich nicht. Auch dieses Motiv ist nicht ansprechend. Versteh mich nicht falsch, es gibt spannende Bilder von Dächern, deins gehört leider nicht dazu. Das Rauschen als Stilmittel einzusetzen ist eine tolle Sache, hat aber mit HDR nichts zu tun ("Das "verpixelte" ist die Körnung wo ich mit eingebracht habe, sollte den HDR-Effekt untermalen.").
Ich empfehle dir eine Lektüre zum Bildaufbau. Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist das Motiv selbst. Was könnte spannend sein und warum? Wie setze ich es am besten in Szene. Was macht die Bilder von erfahreneren Fotografen aus? Warum haben sie es so gelöst. Zum Prozess des Fotografierens gehört also wie gesagt Überlegung und Sorgfalt. Einfaches Drauflosknipsen bringt einen selten zu einem guten Bild.
Zum Thema Schärfe - Eine Fotografie muss nicht scharf sein um zu wirken und gut zu sein. Mangelnde Schärfe sollte jedoch gewollt sein und zur Bildaussage beitragen. Nur weil etwas unscharf ist, ist es nicht Kunst. Nur weil etwas scharf ist, ist es nicht gut. Ich weiß jetzt nicht was du bei deinen Bildern angestell hast, aber scharf sind sie nicht. Zum einen weil die Ausgangsbilder nicht Deckungsgleich sind, zum anderen weil vermutlich noch etwas anderes schiefgelaufen ist.
Schau dir Bilder von anderen Fotografen an. Nicht um deren Stil oder deren Ideen zu kopieren, sondern um Ideen zu sammeln und zu überlegen was du besser machen könntest. Kritik von Freunden, Familienmitgliedern, Menschen die "keine Ahnung" von der Materie haben und dich loben, um dich nicht zu verletzen, weil sie es nicht besser wissen oder weil sie keinen besonderen Anspruch bzw Verständnis für bessere Fotografien haben bringen dich nicht weiter. So wirst du dich nur im Kreis drehen und unter Umständen mit dem dadurch aufgebauten Selbstbewusstsein schlechte Bilder verteidigen durch die Stütze der unangebrachten Lobhudeleien. Das bringt niemanden weiter und du wirst dich nicht verbessern.
Ich will dich und andere Einsteiger mit meinem Aufsatz nicht in den Boden stampfen, ich weiß selbst dass der Anfang schwierig und holprig ist, aber nur durch sowas kommt man weiter. Hoffentlich verstehst du was ich ich damit sagen will. Das schlimmste was jetzt kommen könnte wäre der Frust und eine eventuelle Beleidigung was für ein Arsch ich doch bin. Wenn das der Fall ist gebe ich die Hoffnung auf und sehe dass es nicht verstanden wurde oder man es nicht verstehen wollte. Ich denke aber nicht dass das eintreten wird.
Mach also weiter, es ist ein tolles Hobby, es macht spaß und dabei kann man tolles schaffen. Behalte auch auf jeden Fall diese Bilder und schau sie dir in ein paar Monaten oder Jahren an. Dann wird das was ich schrieb auch klarer.
Also weitermachen, Lesestoff besorgen, selbstkritisch sein und nicht jedem Trend hinterherrennen den man gerade so sieht.
PS. Geschmäcker sind verschieden, diese HDR Tonemapperei hat meiner Meinung nach allerdings wenig mit Geschmack zu tun (das mag jetzt scheisse von mir klingen, ist mir aber egal. So bin ich halt).
Gruß