Neewer ist leider eine absolute Billigmarke. Die Teile sind qualitativ vielleicht auf dem Niveau eines No-Name-Alibaba-Mikrofons. Mehr gibt der geringe Preis nunmal auch nicht her. Das ist keine Behauptung, sondern eine ökonomische Tatsache.
Soll keines Wegs heißen, dass man damit nicht recorden kann. Für den geringen Preis ist es schon erstaunlich (fast schon furchteinflößend

), was man rein quantitativ bekommt!
Andererseits ist solch ein Teil aber immernoch meilenweit von dem entfernt, was ein ausgereiftes Kondensatormikrofon ausmachen sollte. Und wenn ich mich nicht täusche, dann sucht der TE eher nach einem Gerät, das auch mit teureren Mics mithalten kann und ihm erstmal für eine ganze Weile Ruhe gibt.
Grundsätzlich liegt der Sweetspot bei XLR-Mikrofonen bei grob 150 und 200 Euro. Wenn man den Klang dann nochmal deutlich aufbessern möchte, landet man schnell bei 500 Euro aufwärts. Oft geht es da dann allerdings nur noch um Nuancen bzw. überhaupt um die unterschiedlichen Charakteristika, die mehr oder eben weniger zur eigenen Stimme passen. Unterhalb der 100 Euro musst du damit rechnen, dass die Mikrofone merklich fehleranfälliger sind und keine sonderlich rigorose QC erfahren.
Wie gut sich solche Mics schlagen, erfhährt man, wenn man ganz ehrlich ist, eigentlich auch nicht in irgendwelchen exemplarischen, nachbearbeiteten und dann wiederum komprimierten YouTube-Videos, sondern genau bei sich zu Hause, an seinem eigenen Aufnahmeplatz und in Kombination mit nur der eigenen Stimme. Spätestens bei der folgenden Bearbeitung wird vielen dann auffallen, wie harsch und unausgewogen solch günstige Mics klingen können und wie mühselig sich diese Makel wieder "kompensieren" lassen. Genau deswegen wird Einsteigern auch oft das AT 2035 empfohlen, weil es einen für seine Preisklasse wirklich sehr linearen Frequenzgang bietet und die Stimme klar und unverzerrt abbildet. Wer jetzt nach Direktvergleichen sucht, wird schnell zu der Erkenntnis kommen, dass das Rode X, Blue Y oder Shure Z bei der jeweiligen Person doch viel runder und satter klingt, während das Audio Technica eher farblos und trist daherkommt. Aber genau hier greifen dann diejenigen Faktoren, die in solchen Videos nur selten zur Geltung kommen: ein von vornhinein ausgewogenes Mikrofons, welches das Frequenzspektrum nicht merklich beinträchtigt, ist weniger wählerisch bezüglich der individuellen Stimme und lässt sich softwareseitig sehr gut nachbearbeiten. Viele Rodes - um mal ein Gegenbeispiel zu nennen - leiden demgegenüber z.B. unter stark überzeichneten Höhen, welche bei manchen Stimmen sehr unangenehm und scharfkantig klingen können.
Da kommt es dann einfach auf die richtige Chemie an. Um ein wenig Trial and Error kommt man an der Stelle auch nicht ganz herum, wenn man völlige Gewissheit haben möchte.
Nicht zuletzt entscheidet aber vor allem die eigene Performance. Auch ein unsagbar teures Neumann bringt dir nichts, wenn du es nicht ausreizt und forderst.
Ein nicht unwesentlicher Teil der klanglichen Erträge hängt des Weiteren mit der Beschaffenheit der Raumakustik zusammen, dessen Optimierung mit zunehmender Komplexität schnell mal mehrere hundert Euro verschlucken kann.
PS: zu den Neewers habe ich bisher noch keine vertrauenswürdigen Testberichte aus der Branche finden können. Sind wohl zumeist nur Newcomer (mit entsprechend niedrigem Budget und gewiss keinen hohen Erwartungen), die sich solchen Reviews annehmen.