Heise hat da heute eine interessante News: Interpol-Forensiker zwischen den Fronten
Dabei geht es um forensische Untersuchungen von drei Laptops, zwei externen Festplatten und drei USB-Sticks der FARC (Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens) erbeutet durch die kolumbianische Armee. Einige der bisherigen Ergebnisse stehen in der Meldung. Besonders interessant finde ich:
Außerdem konnten sie [...] 983 verschlüsselte Dateien ausmachen. Worin die Verschlüsselung bestand und wie sie gebrochen wurde, ist als geheim klassifiziert. In der Presseerklärung heißt es dazu: "To break the 983 encrypted files, Interpol's experts linked and ran 10 computers simultaneously 24 hours a day / 7 days a week for two weeks."
http://www.heise.de/newsticker/Interpol-Forensiker-zwischen-den-Fronten--/meldung/108009
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Vermutung meinerseits: Es handelte sich um eine Verschlüsselung/Container, die für die fast 1.000 Dateien zuständig war und nicht 983 einzelne. Wer verschlüsselt schon so viel Dateien einzeln und gibt jeder ein eigenes Passwort? Das würde bedeuten sie hätten zwei Wochen an einem Passwort herum probiert mit der Gewalt von zehn Rechnern.
War das Passwort jetzt schlecht oder sind die Interpol-Leute einfach zu gut (ausgestattet)?
Dazu kann man eine kleine Beispiel-Rechnung machen:
Nehmen wir einfach mal Intel Quad Core CPUs und veranschlagen pro Rechner 40 Mio Keys/s (Vergleichswerte
http://www.orange.co.jp/~masaki/rc572/fratee.php). Mal zehn Computer und es sind 400 Mio Keys/s. Über zwei Wochen wären das fast 500 Billionen (Million -> Milliarde -> Billion aka 1 mit zwölf Nullen) getestete Passwörter.
Nach der Wahrscheinlichkeit hat man im Schnitt das Passwort bei der Hälfte der Möglichkeiten. Die 500 Billionen entsprechen also nicht zwangsläufig den gesamten Kombinationsmöglichkeiten des Passworts.
Was für ein Passwort hat so viele Kombinationsmöglichkeiten, das sie binnen 14 Tagen geknackt haben?
Nur Kleinbuchstaben, Länge 10 Zeichen: ca 140 Billionen Kombinationsmöglichkeiten
Nur Kleinbuchstaben, Länge 11 Zeichen: ca 4 Billiarden Kombinationsmöglichkeiten
Klein/Großbuchstaben, Länge 8: ca 50 Billionen Kombinationsmöglichkeiten
Klein/Großbuchstaben, Länge 9: ca 3 Billiarden Kombinationsmöglichkeiten
Klein/Groß/Zahlen, Länge 8: ca 200 Billionen Kombinationsmöglichkeiten
Klein/Groß/Zahlen, Länge 9: ca 13 Billiarden Kombinationsmöglichkeiten
Nutzt man zusätzlich Sonderzeichen, wird es noch abartiger und man landet bei einer Passwortlänge von 8 Zeichen schon im zweistelligen Billiarden-Bereich. Dennoch ist sowas innerhalb einiger Wochen/Monate knackbar.
Aber wer nutzt heutzutage noch 8-stellige Passwörter?
Deshalb die Moral von der Geschicht': Schlechte Passwörter verwendet man nicht.