Ich zitiere mich mal selbst zum betreffenden Statement, denn man muss es erst einmal vom Marketing-Sprech in normale Sprache übersetzen.
Was man wirklich schreibt:
Palit widerspricht einem angeblichen kompletten Marktausstieg, den in dieser Schärfe kaum jemand behauptet hatte. Im Gegenteil, viele hatten ausdrücklich betont, dass die ursprüngliche Mitteilung gerade
nicht explizit das Ende der Marke ausspreche. Indem Palit nun eine maximal überspitzte Lesart zurückweist, entsteht der Eindruck einer Klarstellung, während die berechtigte Kerndiagnose (Verlust operativer Eigenständigkeit, Massenentlassung, Reduktion auf zentrales Label) elegant umschifft wird. Die zentralen Fakten werden auch nicht widerlegt, sondern sie werden bestätigt
. Die ursprünglichen, brisanten Tatsachen waren: Auflösung der bisherigen Organisationsstruktur und Entlassung des kompletten globalen GALAX-Teams. Beides wird in der „Klarstellung" nämlich mit keinem einzigen Wort dementiert. Im Gegenteil: Unter der Überschrift „Unified Global Management Under Palit Group" bestätigt Palit selbst, dass die Markenführung von GALAX, KFA2 und HOF nun zentral in der Palit-Konzernzentrale gebündelt wird. Das ist exakt der Vorgang, der zuvor berichtet wurde, nur mit umgekehrter Tonalität: aus Massenentlassung wird „strategische Evolution", aus Funktionszusammenlegung „cross-departmental synergy". Das kennen wir aus dem aktuellen Unternehmens-Sprech in Deutschland nur zu gut.
Das Statement enthält nämlich keine einzige nachprüfbare Gegenbehauptung, sondern arbeitet ausschließlich mit aufgeladenen Marketing-Floskeln. „Strategic Evolution of Management" steht für Massenentlassung. „Enhanced operational efficiency" steht für Personalabbau. „Centralized at the Palit Group headquarters" steht für den Verlust dezentraler Markenautonomie. Jeder Begriff übersetzt einen substantiell negativen Vorgang in sein semantisches Gegenteil, aber ohne den Vorgang selbst zu bestreiten.
Die Behauptung der „pre-planned global initiative" ist allerdings mehr als unglaubwürdig. Wäre die Restrukturierung tatsächlich langfristig vorbereitet gewesen, hätte die Erstkommunikation nicht ein chaotisch geleaktes RMA-Kundenschreiben der brasilianischen GALAX-Niederlassung bei meinem Freund Ronaldo sein können, dem dann hektisch ein nachträgliches Korporativ-Statement folgen muss. Eine geplante Initiative hat eine koordinierte Pressestrategie, ein Embargo, ein zentrales Statement zum Stichtag – nichts davon war hier der Fall. Die Form der Kommunikation widerspricht der behaupteten Planung. Und mal nebenbei bemerkt, Ronaldo und ich kennen uns seit über 10 Jahren und kommunizieren auch schon mal miteinander. Ich habe sein Video gesehen und ihm glaube ich auch.
Punkt eins der drei „strategischen Ziele" lautet hier „Strengthen Global Presence". Frühere Berichte zitieren jedoch Brancheninsider mit der Aussage, GALAX werde künftig primär auf den chinesischen Markt fokussiert. Eine globale Stärkung und ein faktischer Rückzug aus den meisten internationalen Märkten sind aber nicht gleichzeitig möglich. Entweder ist der Bullet-Point inhaltsleer, oder die berichtete reale Strategie stimmt nicht mit der offiziellen überein . Beides spricht gegen das Statement. Und sorry, aber „Looking Toward the Next Generation" und „we are just getting started" sind klassische PR-Pivots: Wenn die Gegenwart sich schlecht erzählen lässt, lenkt man auf eine glorreiche Zukunft um, die per Definition nicht überprüfbar ist. Konkrete Zusagen, etwa welche Produkte unter welcher Marke in welchem Markt erscheinen, ob das HOF-Overclocking-Programm fortgeführt wird, ob KFA2 in Europa weiter eigene SKUs bekommt, fehlen vollständig. Stattdessen werden generische Floskeln versendet, die jede beliebige Restrukturierung begleiten könnten.
Und man wird es so auch nicht weiterführen können, denn Einige der Kollegen suchen gerade neue Jobs.
