Ich glaube, man macht es sich etwas zu einfach, wenn man die Verkaufszahlen entweder nur mit „Nvidia ist halt technisch besser“ oder mit „die Leute kaufen jeden überteuerten Mist“ erklärt.
Für viele Käufer ist eine Grafikkarte inzwischen weniger ein Produkt, das alle zwei Jahre ersetzt wird, sondern eher etwas, das fünf oder sechs Jahre im Rechner bleibt. Dann verschiebt sich auch die persönliche Rechnung. 300 oder 500 Euro Aufpreis wirken anders, wenn man davon ausgeht, die Karte sehr lange zu nutzen. Das macht die Preise nicht automatisch gut oder fair – erklärt aber vielleicht einen Teil davon, warum sie trotzdem akzeptiert werden.
Gleichzeitig darf man die Softwareseite nicht kleinreden. DLSS, Ray Reconstruction, Frame Generation, Reflex usw. sind für manche nur nette Extras, für andere inzwischen ein wesentlicher Teil des Produkts. Das heißt aber auch nicht, dass eine Radeon deshalb objektiv „schlecht“ wäre. Wenn jemand diese Features wenig nutzt, kann das deutlich bessere Preis-/Leistungsverhältnis wichtiger sein.
Was ich problematischer finde: Nvidia hat inzwischen eine Position erreicht, in der Hardware, Software und Marktanteil sich gegenseitig verstärken. Entwickler optimieren zuerst dafür, Käufer sehen dort das vollständigere Ökosystem und kaufen wiederum Nvidia. Das ist aus Sicht des einzelnen Käufers durchaus rational, für den Wettbewerb insgesamt aber nicht unbedingt gesund.
Deshalb kann gleichzeitig beides stimmen: Nvidia bietet aktuell für bestimmte Ansprüche das attraktivere Gesamtpaket – und die Preise sind trotzdem schwer zu rechtfertigen. Verkaufszahlen sind am Ende ein Beleg dafür, dass der Markt sie trägt, nicht dafür, dass das Preisniveau für die Kunden besonders erfreulich ist.