estros schrieb:
[...] können auf einen Schlag die Kinos in die Pleite treiben.
Brauchen wir Kinos überhaupt noch? Denn wenn Kinos nur noch deshalb existieren können, weil sie für ein paar Wochen einen künstlich erzeugten Exklusivvorteil gegenüber Streamingdiensten haben, dann ist das ein deutliches Zeichen dafür, dass ihr eigentliches Angebot nicht mehr konkurrenzfähig ist. Eine Branche, die auf ein Monopol der Erstverwertung angewiesen ist, um zu überleben, hat in meinen Augen jegliche Daseinsberechtigung verloren.
Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass solche Entwicklungen nicht neu sind. Als private Badezimmer zum Standard wurden, mussten die klassischen Badehäuser weit mehr bieten als einen Zuber in der Ecke, wenn sie weiter existieren wollten. Einige haben sich neu erfunden – als Orte der Entspannung, des Luxus, der Wellness. Andere verschwanden, weil sie sich nicht weiterentwickeln wollten oder konnten. Das war kein Kulturverlust, sondern eine logische Folge gesellschaftlicher Veränderungen.
Genauso steht es heute um die Kinos. Wenn das „Erlebnis Kino“ tatsächlich so einzigartig, so emotional, so unwiederbringlich wäre, wie es viele Betreiber und Nostalgiker behaupten, dann bräuchte es keine exklusiven Zeitfenster, um Menschen dorthin zu locken. Dann würden die Säle von allein voll werden, weil das Produkt überzeugt. Die Realität sieht jedoch anders aus: Für viele Menschen bietet das Kino schlicht kein Gesamtpaket mehr, das attraktiv genug wäre, um sich für einen Abend aus dem Haus zu bewegen und Geld für Tickets, Snacks und Anfahrt auszugeben.
Bequeme Heimtechnik, große Fernseher bzw. erschwingliche 4K Beamer, hochwertige Soundanlagen und sofortige Verfügbarkeit neuer Inhalte haben das Spielfeld verändert. Wer heute ins Kino geht, braucht mehr als nur eine große Leinwand – er braucht einen Mehrwert, den er zu Hause nicht bekommt. Und genau diesen Mehrwert bieten viele Kinos nicht mehr. Sie ruhen sich auf Traditionen aus, statt echte Innovationen zu liefern. Komfort, Service, Programmvielfalt, Atmosphäre. All das müsste überzeugen, tut es aber oft nicht. Und dann ist es keine Überraschung, dass Menschen lieber zu Hause bleiben.
Ich sage nicht, dass Kinos zwangsläufig sterben müssen. Aber wenn sie sich nur noch dank eines künstlichen Schutzmechanismus halten können, sollten wir uns ehrlich fragen, ob hier wirklich ein kulturell unverzichtbarer Raum bewahrt wird, oder ob wir lediglich eine Form retten, deren Inhalt längst veraltet ist.
Dass es durchaus geht, zeigt z. B. die Residenz Astor Film Lounge in Köln. Dort sitzt man in großen, bequemen Sesseln, hat einen eigenen Tisch und bekommt Getränke oder Snacks am Platz serviert. Das ist ein Kino, das verstanden hat, dass Komfort und Atmosphäre heute wichtiger sind als eine große Leinwand allein — und genau so kann ein echtes „Erlebnis Kino“ aussehen.