Remigration oder Ausländer raus?
Dieses Verfahren lässt sich an einem z.Zt. öffentlich diskutierten Thema aus dem Bereich der Migrationspolitik verdeutlichen. Anfang des Jahres 2024 wird in der bundesrepublikanischen Öffentlichkeit heftig über ein Treffen von AfD-Politikern, Rechtsextremen sowie ausgewählten Unternehmern und weiteren Gästen diskutiert. Dieses Treffen wird als brisant eingeschätzt, weil Teilnehmer:innen sich dort über die Pläne zur sogenannten
Remigration ausgetauscht haben sollen. Das Wort wurde – unabhängig von dem besagten Treffen – wenige Tage später medienwirksam zum Unwort des Jahres gewählt. In der Begründung der Jury heißt es dazu:
„Der harmlos daherkommende Begriff Remigration wird von den völkischen Nationalisten der AfD und der Identitären Bewegung benutzt, um ihre wahren Absichten zu verschleiern: die Deportation aller Menschen mit vermeintlich falscher Hautfarbe oder Herkunft, selbst dann, wenn sie deutsche Staatsbürger sind.“ (
Externer Link:https://www.unwortdesjahres.net/presse/aktuelle-pressemitteilung/ 26.01.2024) Kritisiert wird also eine verharmlosende Begriffsverwendung, ein Euphemismus
[1], für etwas, das durch das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland explizit ausgeschlossen wird – Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe oder Herkunft zu benachteiligen (vgl. Art. 3, 3 GG) – in diesem Falle, indem sie deportiert werden sollen. Verdeutlichend heißt es dazu bereits im Jahr 2019 in einem Pressekommentar:
„Die neurechte Bewegung verschleiert mit pseudointellektuellen Formulierungen ihre wahren Ziele. ,Ausländer raus‘ heißt heute ,Remigration‘“.