Quereinstieg aktuell schwierig?

VsteckdoseV

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Hallo, ich versuche zur Zeit als Quereinsteiger in der Energiebranche Fuß zu fassen. Kurz zu meinem Hintergrund, habe knapp 10 Jahre Erfahrung als Personaler, habe mich die letzten 3 Jahre durch ein berufsbegleitendes Masterstudium (Wirtschaftsingenieur) gequält. Dort hat mich eben Energietechnik am meisten interessiert. Das Problem ist, während des Studiums habe ich weiterhin als Personaler weitergearbeitet. Und jetzt merke ich, dass ich die Anforderungen der meisten Stellen als Projektingenieur nicht erfülle, weil keine praktische Erfahrung vorhanden ist.

Zwar habe ich das Studium mit sehr guten Noten bestanden, jedoch bekomme ich nur Absagen. Ich bewerbe mich auch auf Stellen zB im Projektmanagement für Netzausbau und Ähnliches, aber auch hier nur Absagen. Ich frage mich gerade, wieso ich das mit dem Studium überhaupt gemacht habe. Meint ihr das ist die aktuell schwierige Lage? Oder ist es in meinem Fall eh zu spät (Ich: 36 Jahre alt) sich nochmal neu zu orientieren?
 
Die Antwort hast du dir selber gegeben: klassischer Mismatch zwischen Qualifikation und gewünschter Stelle.

Es liegt nicht an deinem Alter (36 ist im Infrastrukturumfeld absolut unkritisch), sondern am Einstiegskorridor, Projektingenieure kommen meistens direkt aus dem technischen Bereich, da sie die technische Tiefe beherrschen müssen und schon oft intensiven Kontakt mit der Regulatorik für den jeweiligen Sektor haben, gerade im Netzausbau ist dies ein Schwerpunkt. Hier wären Energietechnik oder klassische Elektrotechnik mit begleitender Projekterfahrung die bessere Wahl gewesen.

Wenn du da unbedingt rein willst, wäre eine andere Ebene vielleicht sinnvoller: Positioniere dich bewusst in projektnahen Rollen wie PMO, Genehmigungs- und Dokumentationsmanagement oder Termin- bzw. Risikoplanung, dort zählen Organisation, Stakeholder- und Prozesskompetenz aus dem dir bekannten HR. Dort arbeitest du dem Projektingenieur zu und kannst die notwendige Berufserfahrung sammeln.

Das ist natürlich vom Gehalt her eine andere Spielwiese, aber einen direkten Quereinstieg mit diesem Hintergrund auf der Projektingenieur-Ebene für den Infrastruktursektor halte ich für aussichtslos.
 
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Nazrael schrieb:
Wenn du da unbedingt rein willst, wäre eine andere Ebene vielleicht sinnvoller: Positioniere dich bewusst in projektnahen Rollen wie PMO, Genehmigungs- und Dokumentationsmanagement oder Termin- bzw. Risikoplanung, dort zählen Organisation, Stakeholder- und Prozesskompetenz aus dem dir bekannten HR. Dort arbeitest du dem Projektingenieur zu und kannst die notwendige Berufserfahrung sammeln.

Auch auf solche Stellen bewerbe ich mich, jedoch auch hier: nur Absagen.

Dabei finde ich meinen Lebenslauf gar nicht so schlecht, und als Personaler habe ich eben genau die Kompetenzen (Steakholder Management, Organisation, Prozesse).

Ich habe den Verdacht, dass es auch eventuell am Gehalt liegen könnte. Aktuell gebe ich das als Gehaltsvorstellung an, was ich auch aktuell habe (verschlechtern möchte man sich ja nicht, und einiges an Erfahrung bringe ich auch mit).

Oder soll ich mit einem typischen Einstiegsgehalt ins Rennen gehen? Da würde ich mich aber nicht wohl fühlen und glaube auch nicht, dass die mich ernst nehmen, wenn ich 50-60k angeben würde.
 
VsteckdoseV schrieb:
Dabei finde ich meinen Lebenslauf gar nicht so schlecht, und als Personaler habe ich eben genau die Kompetenzen (Steakholder Management, Organisation, Prozesse).
VsteckdoseV schrieb:
Ich habe den Verdacht, dass es auch eventuell am Gehalt liegen könnte. Aktuell gebe ich das als Gehaltsvorstellung an, was ich auch aktuell habe (verschlechtern möchte man sich ja nicht, und einiges an Erfahrung bringe ich auch mit).
Betrachte es jetzt aus der Perspektive eines Personalers, der für seinen Arbeitgeber neuen Mitarbeiter sucht. Wie würdest du auf einen Quereinsteiger, der keine Erfahrung mitbringt (trotz guter Noten im Studium -> wobei die Noten keine Aussage haben) und dazu noch hohes Gehalt "verlangt", reagieren?

Und als Personaler solltest du an sich die Erfahrung haben (oder auch nicht), wie man sich als X für Stelle Y bewerben sollte, um eingeladen zu werden.
 
Zuletzt bearbeitet:
VsteckdoseV schrieb:
Auch auf solche Stellen bewerbe ich mich, jedoch auch hier: nur Absagen.

Dabei finde ich meinen Lebenslauf gar nicht so schlecht, und als Personaler habe ich eben genau die Kompetenzen (Steakholder Management, Organisation, Prozesse).

Ich habe den Verdacht, dass es auch eventuell am Gehalt liegen könnte. Aktuell gebe ich das als Gehaltsvorstellung an, was ich auch aktuell habe (verschlechtern möchte man sich ja nicht, und einiges an Erfahrung bringe ich auch mit).
Naja, da hast du ja im Grunde wieder deine Antwort selbst gegeben: Wenn du dich auf Positionen bewirbst, die eine niedrigere Gehaltsrange haben als die eines Projektingenieurs sowie deiner jetzigen Position, wird das sehr schwierig.

Du hast als Projektingenieur im Infrastrukturbereich schlicht keine relevante Berufserfahrung, und für die Einstiegsebenen darunter gibst du eine Gehaltsvorstellung an, die nicht marktkonform ist, ich denke, das weißt du aber als Personaler.

Insofern, wie schon geschrieben: Ohne Abstriche beim aktuellen Gehalt, für das du eben auch 10 Jahre relevante Berufserfahrung mitbringst, werden die Absagen wohl leider so weiter gehen.
 
oicfar schrieb:
Und als Personaler solltest du an sich die Erfahrung haben (oder auch nicht), wie man sich als X für Stelle Y bewirbt. Oder nicht?
Nicht wirklich. Die meisten Themen bei mir sind strategisch, da wo ich im Einstellungsprozess begleite ist Eingruppierung, Vertragsverhandlung und Onboarding.
 
Nazrael schrieb:
Naja, da hast du ja im Grunde wieder deine Antwort selbst gegeben: Wenn du dich auf Positionen bewirbst, die eine niedrigere Gehaltsrange haben als die eines Projektingenieurs sowie deiner jetzigen Position, wird das sehr schwierig.

Du hast als Projektingenieur im Infrastrukturbereich schlicht keine relevante Berufserfahrung, und für die Einstiegsebenen darunter gibst du eine Gehaltsvorstellung an, die nicht marktkonform ist, ich denke, das weißt du aber als Personaler.
Ehrlich gesagt bringe ich ja dann doch etwas an Erfahrung mit für Rollen im Koordinations- und Organisationsbereich.

Wenn ich jetzt wechseln würde und weiterhin das machen würde das ich tue, würde ich nochmal einen deutlichen Sprung machen, von daher ist mein Plan, das zu fordern was ich jetzt habe (2022 verhandelt und nur mit Bachelor im Gepäck), eh schon ein Zugeständnis an den Quereinsteig.
 
Es liegt auch teilweise am Markt.

Wir haben sehr lange auch einen Elektroingenieur gesucht, ich musste die Gespräche fachlich begleiten (bin nur ein einfacher dummer Meister).

ca. 90% kamen aus der Autoindustrie und kannten nicht mal den Unterschied zwischen 230 und 400 V usw.
Normal hätten wir diese schon anhand des CV abgelehnt aber die Prämisse war einladen aufgrund des Mangel.

Zudem waren die so verzweifelt das selbst ein Master sich mit knapp 58 k Euro p.A. zufrieden geben wollte..
(Grundsätzlich ist die Stelle für Ingenieure vorgesehen ).

Das fachliche spielt bei der Stelle auch nicht so die Rolle, aber Grundwissen muss vorhanden sein.

Ich denke auch, das du mit diesem Studium leider vermutlich nicht ganz geeignet bist. Aber die Energiewirtschaft ist groß ggf. gibt es da andere Bereiche Netz oder Zählermangement
 
VsteckdoseV schrieb:
Ehrlich gesagt bringe ich ja dann doch etwas an Erfahrung mit für Rollen im Koordinations- und Organisationsbereich.
🤷‍♂️ Ich würde das wie gesagt nicht so beurteilen, die Kernkompetenz eines Projektingenieurs im Bereich der Infrastruktur ist vorallem der Reibungslose Ablauf an der Linie Operativ<>Regulartorik und da hast du schlicht keine relevante Berufserfahrung. Du bist weder E-Techniker oder beispielsweise Bautechniker gewesen (Operativ) noch hast du Nachweise über die Kenntnis der Regulartorik in diesem Sektor und genau das bräuchtest du.

Löschknecht schrieb:
ca. 90% kamen aus der Autoindustrie und kannten nicht mal den Unterschied zwischen 230 und 400 V usw.
Normal hätten wir diese schon anhand des CV abgelehnt aber die Prämisse war einladen aufgrund des Mangel.

Zudem waren die so verzweifelt das selbst ein Master sich mit knapp 58 k Euro p.A. zufrieden geben wollte..
(Grundsätzlich ist die Stelle für Ingenieure vorgesehen ).

Wir haben quasi die umgedrehte Variante: Da viele Stellen als Werkstoffprüfer offen sind, bekommen wir eine Menge Bewerbungen aus der Automobilindustrie sowie von Zulieferern, dort wird dann mit atemberaubenden Gehältern angefragt. Dazu scheint es einen Trend zu geben, dass viele mit Berufsschulabschluss in diesen Transfergesellschaften einen Meister bzw. Techniker machen, im Rahmen der sozialen Freisetzung eben, und dann dort eingetrichtert bekommen, sie könnten sich ja „Bachelor Professional“ nennen und wären damit gleichwertig mit dem Ingenieur.

Das führt dann dazu, dass gerne mal die Ingenieurgehälter der IG Metall als Verhandlungsgrundlage genommen werden, kennt man ja so im Betrieb, und da sind wir dann in der Range 70–96k, während der Marktwert eines Stufe 2 Prüfers über den Daumen bei 50k liegt. Da werden in den nächsten Jahren noch viele Augen machen, wenn sie aus ihrer Blase und den Transfergesellschaften herausfallen.
 
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Ist schon etwas schräg, dass ein Personaler, der sich tagtäglich mit CVs herumschlägt und schon (zig) Vorstellungsgespräche geführt/ geleitet hat, jetzt im CB Forum die Frage stellt, wieso es nur Absagen hagelt. Eigentlich schon wieder zu lustig um wahr zu sein. :)

Wie kann man nur auf die Idee kommen, durch ein völlig artfremdes Masterstudium ohne jeglichen Praxisbezug auf einmal als Fachkraft (Projektingenieur) angestellt zu werden!?? Da wären ja alle Leute doof, die einen MINT Bachelor und Master in Vollzeit an einer Target Uni machen und nebenbei auch noch zig Praktikas und/ oder Forschungsarbeiten absolvieren, um somit Kontakte in die Wirtschaft sowie Arbeitserfahrung zu sammeln.
 
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So ähnlich war/ist es auch bei uns gewesen. Letztendlich ganz gut, das die Stelle nicht besetzt wurde und nun zum 31.12 gestrichen wird. Die Arbeitsbelastung ist nicht so hoch aber die Einarbeitung dauert lange wegen vieler interer Sachen, und ich denke das viele dann geganegn wären.

Die Zahl aus der Autoindustrie waren schon sehr sehr hoch teilweise Versuchstechniker von Fremdfirmen (sicher hochqualiziert, wie der TE, aber eben einem anderen Bereich).

Denke die wollten erst mal in den Konzern um dann nach 1 Jahr intern wechseln zu können.

Projektgeschäft könnte ich mir für den TE schon vorstellen,a ber eben eher Richtung Projektkaufmann oder ähnliches, eben die kaufmännische Schiene.

Ansonsten wird der Anteil E-Technik zu gering gewesen sein und die Sparte Netz ist noch mal eine Spur spezieller, technsich wie regulatorisch.
 
vaju schrieb:
Ist schon etwas schräg, dass ein Personaler, der sich tagtäglich mit CVs herumschlägt und schon (zig) Vorstellungsgespräche geführt/ geleitet hat, jetzt im CB Forum die Frage stellt, wieso es nur Absagen hagelt. Eigentlich schon wieder zu lustig um wahr zu sein. :)

Wie kann man nur auf die Idee kommen, durch ein völlig artfremdes Masterstudium ohne jeglichen Praxisbezug auf einmal als Fachkraft (Projektingenieur) angestellt zu werden!?? Da wären ja alle Leute doof, die einen MINT Bachelor und Master in Vollzeit an einer Target Uni machen und nebenbei auch noch zig Praktikas und/ oder Forschungsarbeiten absolvieren, um somit Kontakte in die Wirtschaft sowie Arbeitserfahrung zu sammeln.
Was auch immer du hiermit auszudrücken möchtest, es trifft nicht wirklich den Kern.

Projektingenieur ist nichts was irgendwie High-Potential wäre. Habe solche Positionen bereits mit BWLern besetzt, das ist nicht das Thema.

Ich wollte hier einen Erfahrungsaustausch von Leuten, die vll Quereinstiegserfahrung haben oder aus der Branche kommen, wo ich hinmöchte.

Und bezüglich Target-Uni und dem ganzen Schmu: irrelevant, wenn du nicht ganz große Ziele hast. Für den typischen Michel reicht ein Abschluss und die Fähigkeit aus, 3 Meter geradeaus zu denken für einen gut bezahlten Industriearbeitsplatz. Um mehr geht es mir gar nicht.

Als bleib du ruhig an deiner Target Uni, mach dein drölfzigstes Praktikum und knüpfe Kontakte via LinkedIn.
 
VsteckdoseV schrieb:
Und bezüglich Target-Uni und dem ganzen Schmu: irrelevant, wenn du nicht ganz große Ziele hast. Für den typischen Michel reicht ein Abschluss und die Fähigkeit aus, 3 Meter geradeaus zu denken für einen gut bezahlten Industriearbeitsplatz. Um mehr geht es mir gar nicht.
Na dann müsstest du ja ohne viel Stress eine Stelle finden können :)

Worum gehts hier noch gleich?
 
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VsteckdoseV schrieb:
Als bleib du ruhig an deiner Target Uni, mach dein drölfzigstes Praktikum und knüpfe Kontakte via LinkedIn.
DU hast die Probleme bei der Jobsuche, NICHT ICH. (Dein Schmerz muß mittlerweile schon ganz schön groß sein, wenn man so einen Stuss von sich gibt).
Ganz im Gegenteil, ich habe unregelmäßig bei uns mit dem C-Level im DAX40 zu tun, viel höher hinaus kann man schon fast nicht mehr (außer selbst Bereichsleiter zu sein oder eine direkte Funktion im C Level inne zu haben).
 
Hallo

VsteckdoseV schrieb:
Für den typischen Michel reicht ein Abschluss und die Fähigkeit aus, 3 Meter geradeaus zu denken für einen gut bezahlten Industriearbeitsplatz. Um mehr geht es mir gar nicht.
Und warum findest du dann keinen Arbeitsplatz...

VsteckdoseV schrieb:
Zwar habe ich das Studium mit sehr guten Noten bestanden, jedoch bekomme ich nur Absagen.
...und bekommst nur Absagen...

VsteckdoseV schrieb:
Auch auf solche Stellen bewerbe ich mich, jedoch auch hier: nur Absagen.
...und noch mehr Absagen ?

VsteckdoseV schrieb:
Als bleib du ruhig an deiner Target Uni, mach dein drölfzigstes Praktikum und knüpfe Kontakte via LinkedIn.
Ziemlich arrogant für jemanden der nur Absagen bekommt und Hilfe beim bewerben benötigt.

VsteckdoseV schrieb:
Meint ihr das ist die aktuell schwierige Lage?
Ich habe die Erfahrung gemacht das Menschen mit einer/m guten Ausbildung/Studium und die (nachweislich) was können (fast) immer Arbeit bekommen.
Ja, es sind aktuell nicht die allerbesten Zeiten, es ist aber auch nicht wirklich schlecht, da hatten wir schon deutlich schlechtere Zeiten auf dem Arbeitsmarkt.
In einer wirtschaftlich schwierigen Lage gibt es zu wenig Arbeitsplätze, das ist aber nicht dein Problem, du hast genug Auswahl, dich stellt nur keiner ein.

VsteckdoseV schrieb:
Dabei finde ich meinen Lebenslauf gar nicht so schlecht,
Bei Bewerbern die nur Absagen bekommen ist in der Regel irgendwas mit dem Lebenslauf nicht in Ordnung (inhaltlich und/oder formell und/oder unpassend).

VsteckdoseV schrieb:
habe knapp 10 Jahre Erfahrung als Personaler,
Dann müßtest du wissen das die meisten Bewerber wegen ihres schlechten (inhaltlich und/oder formell und/oder unpassend) Lebenslaufs aussortiert werden.

Grüße Tomi
 
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VsteckdoseV schrieb:
Projektingenieur ist nichts was irgendwie High-Potential wäre. Habe solche Positionen bereits mit BWLern besetzt, das ist nicht das Thema.

Ich wollte hier einen Erfahrungsaustausch von Leuten, die vll Quereinstiegserfahrung haben oder aus der Branche kommen, wo ich hinmöchte.

Und bezüglich Target-Uni und dem ganzen Schmu: irrelevant, wenn du nicht ganz große Ziele hast. Für den typischen Michel reicht ein Abschluss und die Fähigkeit aus, 3 Meter geradeaus zu denken für einen gut bezahlten Industriearbeitsplatz. Um mehr geht es mir gar nicht.
Ich bin mir nicht sicher, aber überwiegt gerade vielleicht das Gefühl der Enttäuschung, als dass du hier nach einer nüchternen Betrachtung und Erfahrung suchst? Du widersprichst dir da schon ziemlich.

Ich komme aus dem TIC-Sektor und habe somit relativ häufig mit Projektingenieuren im Infrastrukturbereich zu tun, und so einfach, wie du dir das Qualifikationsschema denkst, ist es nun wirklich nicht. Ob du als Projektingenieur als Einstieg in einem Ingenieurbüro arbeitest oder als Projektingenieur die Schnittstellenleitung für den Neubau eines Umspannwerks leitest, da liegen einfach Welten zwischen, eben meistens die 10 bis 15 Jahre Berufserfahrung mit vielen Zusatzqualifikationen; da steigt man nicht quer ein.

Ich habe selber meinen WING nebenberuflich erworben, im Groben sieht mein Werdegang so aus:

Azubi Werkstoffprüfer > Werkstoffprüfer ZfP > B. Sc. WING > Prüfingenieur/SFI/QM > M. Sc. WING > Leitung Qualitätsmanagement/ASME Resp. ZfP

Man sieht, dass ich nie wirklich aus dem TIC-Bereich herausgekommen bin, und dort macht der WING auch Sinn. Der Studiengang ist sehr generalistisch, er eignet sich gut, um sich in dem Sektor weiterentwickeln zu können. Für einen harten Wechsel der Profession würde ich ihn jedoch fast als den ungünstigsten der klassischen Ingenieursgänge betrachten. Würde ich mich jetzt z. B. auf eine Stelle als Bauingenieur bewerben, würde es auch Absagen hageln, erst recht, wenn ich mein Gehalt ansetzen würde, das eine 15-jährige Berufs- und Fortbildungshistorie rechtfertigen muss, die dann wiederum als Bauingenieur kaum noch einen Wert hätte.

Um es noch einmal kurz abzuschließen: Für einen harten Professionswechsel auf mittel-hoher technischer Ebene hast du den falschen Studiengang gewählt. Wenn du dennoch in eine verantwortungsvolle Stelle als Projektingenieur im Infrastrukturbereich kommen möchtest, fange an den genannten Stellen darunter an und nimm die Gehaltseinbußen in Kauf. Möchtest du das nicht, bleib in deiner Profession und gehe die Gehaltsleiter weiter.
 
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Nazrael schrieb:
Ich bin mir nicht sicher, aber überwiegt gerade vielleicht das Gefühl der Enttäuschung, als dass du hier nach einer nüchternen Betrachtung und Erfahrung suchst? Du widersprichst dir da schon ziemlich.
Diesen Widerspruch möchte ich ja auflösen. Meine Erfahrung in der Besetzung von Stellen --> huihuihui wen wir da schon alles eingestellt haben, weil Not am Mann war. Auch Quereinsteiger.

Und jetzt eben der Widerspruch zu dem was ich erlebe.

Nazrael schrieb:
Um es noch einmal kurz abzuschließen: Für einen harten Professionswechsel auf mittel-hoher technischer Ebene hast du den falschen Studiengang gewählt. Wenn du dennoch in eine verantwortungsvolle Stelle als Projektingenieur im Infrastrukturbereich kommen möchtest, fange an den genannten Stellen darunter an und nimm die Gehaltseinbußen in Kauf. Möchtest du das nicht, bleib in deiner Profession und gehe die Gehaltsleiter weiter.
Vermutlich ist das so. Ich war nur neulich bei der Karriereberatung von der Uni und die meinten, ich soll meine Berufserfahrung auf jeden Fall mit in die Gehaltsabwägung nehmen, und nicht wie ein blanker Absolvent fordern.

Tomislav2007 schrieb:
Bei Bewerbern die nur Absagen bekommen ist in der Regel irgendwas mit dem Lebenslauf nicht in Ordnung (inhaltlich und/oder formell und/oder unpassend).
Das kann gut sein, nur leider hatte ich die letzten Jahre kaum beruflich mit BewerberInnen zu tun, vielleicht hat sich da schon wieder was geändert wie man sich heute bewirbt bezüglich Layout / Design...

Danke auf jeden Fall für die vielen Tipps.

Tomislav2007 schrieb:
Ziemlich arrogant für jemanden der nur Absagen bekommt und Hilfe beim bewerben benötigt.
So war es auf gar keinen Fall gemeint. Ich habe größten Respekt vor Zielstrebigkeit und den damit verbundenen Leistungen. Nur schmälert es eben meine Leistung / Erfolg nicht, auch wenn es keine Target-Uni im MINT Bereich ist. Meine Erfahrung ist eben, dass man mit einem guten Abschluss und einfach einem Lebenslauf der nicht Kraut und Rüben ist, schon seine Chancen bekommt. Nur eben scheint es aktuell nicht so zu laufen, jedenfalls werde ich an den Stellschrauben Gehaltsvorstellung und Layout Lebenslauf aber auch Erwartung an die neue Stelle nochmal nachbessern müssen.
 
VsteckdoseV schrieb:
Diesen Widerspruch möchte ich ja auflösen. Meine Erfahrung in der Besetzung von Stellen --> huihuihui wen wir da schon alles eingestellt haben, weil Not am Mann war. Auch Quereinsteiger.

Beim Quereinstieg kommt es halt immer drauf an wo und als was. So kann man in vielen Branchen eben einfach so quer einsteigen. Im technischen Bereich eher schwer, außer ein Elektriker repariert jetzt Pumpen ode rso.
 
Gerade zentrale Stellen wie Projektplanung besetzt man aktuell sicher lieber erst mal nicht als ein Risiko einzugehen - da hat man auch vermutlich aus der Vergangenheit gelernt irgendwen einzustellen weil Not am Mann ist. Denn dann ist bald das Unternehmen selbst in Not sobald das wirtschaftliche Umfeld schwierig wird und man sich keine Fehler mehr erlauben darf.

Quereinsteigerzeit ist dann wenn Menschen mit Qualifikation fehlen.... also Nachfrage > Angebot - in einer Zeit des sich verfestigenden Abschwungs muss man aber eher nur warten bis qualifiziertes Personal entlassen wird.
 
Wirtschaftsingenieure werden beim Bund in verschiedenen Bundesbehörden gesucht. Mit guten Noten kommt man zum Assessmentcenter und kann sich dort beweisen.
 
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