kingVoklee schrieb:Tut mir leid, aber wenn ich diese unqualifizierten Aussagen hier lese, dann wird mir schlecht.
Ich arbeite selber bei einer deutschen Sicherheitsbehörde (und nein ich sage nicht welche). Nun ist es noch immer so, dass wir eine StPO haben, die strikte Vorgaben hat, was Beschlüsse zur Überwachung von Personen und die Telekommunikation betrifft. Es wäre doch hilfreich, wenn sich einige Personen mal entsprechende Paragraphen durchlesen würden (zur Empfehlung, §100a-i StPO).
Schön und Recht, das Abhören von Kommunikation war schon immer möglich und bisweilen unumgänglich und richtig. Darum gehts ja auch garnicht.
kingVoklee schrieb:Betreffend der Datenspeicherung bin ich selber auch kritisch. Dennoch sollte man bedenken, dass bereits vor Jahren die Telekom über einen längeren Zeitraum IPs gespeichert hat.
Darum gehts schon eher. Imho: Diese Vorratsdatenspeicherung ist eine Sauerei. Es ist selten das es solcher Aktionismus bis zum Gesetz macht. Die Erfahrungen in Dänemark zeigen, dass die Strafverfolgungsbehörden durch die Flut an Informationen überfordert sind. Die Suche in den Gewaltigen Datenmengen ist "Wie die Suche nach der Nadel im Häuhaufen" (Dänischer Beamter) Dass man damit Terroristen fängt, ist ohnehin ein Argument, das nur bei Volldebilen zählen dürfte. Der Terrorist surft ja auch immer ohne Anomisierung von heimischen Flatanschluss.
Und das die ISPs OHNE Genehmigung (gab ja auch einiges Aufsehen) bereits Daten speicherten nimmst du jetzt auch noch als Argument oder Entschuldigung her?
Das von dieser Maßnahme aktuell niemand betroffen sein wird sehe ich ähnlich. Aber weist du denn wie es hier in 20 Jahren aussieht? Meinst du nicht, das es grundsätzlich eher der falsche Weg ist, für nicht messbaren Erfolg die privaten Daten von 82Mio Menschen aufzuzeichnen?
kingVoklee schrieb:Der Bundestrojaner ist wieder ein anderes Thema. Ihr sollte eventuell mal die Reden und Interviews von und mit Jörg Zierke (BKA- Präsident) lesen, was dieses Thema betrifft. Es ist keineswegs so, dass jedem Bürger ein sog. "Bundestrojaner" auf den Rechner gepackt wird. Vielmehr sind dies wenige Einzelfälle im Jahr, die mindestens einen richterlichen Beschluss benötigen, evtl. bei Gefahr im Verzuge vom Staatanwalt beantragt werden und durch den Richter kurz darauf bestätigt werden müssen. Schließlich handelt es sich hierbei unter Anderem um einen Eingriff in die Unverletzlichkeit der Wohnung, also einen Grundrechtseingriff. Ebenso, ist das Recht auf freie Selbstbestimmung, was sich aus 2 Artikeln des Grundgesetzes ergibt und ebenfalls grundrechtsgleich ist betroffen.
Bei der Verhandlung des NRW-Gesetzes mussten die Verantwortlichen eingestehen: "Ob wir auf dem Richtigen Rechner sind, können wir erst nach Begutachtung der Daten sicherstellen". Bedarf dieser Satz noch eines Kommentares? Verständlich, alles was man hat ist Fall der Fälle eine IP. Und wieder: Erfolgsaussichten. Jeder mit geringem Verständnis von EDV lässt diesen Trojaner, sofern er über Drive-by oder Email kommt ins Leere laufen.
Ziercke meint: 99% der deutschen werden nicht betroffen sein. Schön. Haben wir wirklich 1% Terroristen? Oder sind da die Raubmordkopierer schon mit drinn? Über das was man in 15 Jahren als Terrorist bezeichnet reden wir vieleicht mal lieber nicht.
Achja, Richter. Ich arbeite ebenfalls in einer Behörde. Weis du für welchen Schuldbetrag mir die Kollegen vom Amtsgericht einen Durchsuchungsbeschluss auststellen? 250€ Bußgelder! Jetzt überleg mal in wie vielen Fällen ein Richter die Unterschrift verweigern wird wenn es um !mutmaßliche! Terroristen geht?
kingVoklee schrieb:[Edit] Ich muss doch noch etwas schreiben. Wer kontrolliert die Überwacher? Neben Richtern, die UNABHÄNGIG sind, auch Datenschutzbeauftragte der jeweiligen Behörde.
Das nannte sich Gestapo, ich bitte dich. Wie kann man solche Behauptungen aufstellen und eine Demokratie mit einem totalitärem Regime vergleichen kann, dass ohne zu zögern Menschen eingefangen und umgebracht hat. Ein System, dass alle die anders und gegen das System waren, ausgeschaltet hat. In Deutschland hat jeder mittlerweile das Recht anders zu denken. Oder was denkt ihr wäre mit euch passiert, wenn ihr euch damals (sowohl 3. Reich, als auch DDR) auf der Seite http://www.vorratsdatenspeicherung.de/ beteiligt hättet..
Richter sind unabhängig, aber wollen nicht zögern wenn es um die Vereitelung eines Anschlages geht. Jeder Beschluss wird unterschrieben, jeder. Die Schuld will dann keiner haben. Datenschutzbeauftragte sind neben bemerkt die zahhnlosesten gebrechlichsten Tiger.
kingVoklee schrieb:Warum gibt es denn Durchsuchungsbeschlüsse oder den finalen Rettungsschuss auch in Deutschland (mit Ausnahme von Berlin). Weil es Polizeigesetze, dass BKA-Gesetz uvm gibt, die solche Eingriffe möglich machen.
Kannst du das etwas konkretisieren? Quellen?
kingVoklee schrieb:Wichtig ist es jedoch immer abzuwägen, ob die Verhältnismäßigkeit passt und du eingesetzte Mittel nicht den Zweck überholt. Dies könnte mit einigen geplanten und verabschiedeten Gesetzen passieren, wird es aber nicht. .
Das Risiko würde ich erst garnicht eingehen.